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Vorlesungsverzeichnis: WiSe 2018/19

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Fachbereich 04: Geschichts- und Kulturwissenschaften - Geschichte - Einfach-Masterstudiengang Geschichte (120 CP)

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Legende

  

Seminar

[Ü] Der Erste Weltkrieg in der Geschichtsschreibung
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 19.10.2018
wöchentlich Fr. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 113
3 Einzeltermine:
Fr. 23.11.2018,09.00 - 12.00 Uhr   Phil. I, C 113
Fr. 08.02.2019,09.00 - 12.00 Uhr   Phil. I, C 113
Fr. 15.02.2019,09.00 - 12.00 Uhr   Phil. I, C 113

[Ü] Peter der Große als Problem der Historiographie
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 08:00 - 10:00 Uhr,  Phil. I, G 333a

Kommentar:

Die Übung soll in einem ersten Schritt einen Überblick über die Entwicklung der Geschichtswissenschaft im 19. und 20. Jahrhundert bieten und mit den Paradigmen des Historismus, der Historischen Sozialwissenschaft und der Neuen Kulturgeschichte vertraut machen. In einem zweiten Schritt werden Trends des 21. Jahrhunderts wie die Transnationale Geschichte und die Imperiale Geschichte erörtert. In einem dritten Schritt soll Peter I. als historiographisches Problem untersucht werden. Was hat es mit dem Theorem der großen historischen Persönlichkeit auf sich? Hat Peter bewusst das „Fenster nach Europa“ aufgestoßen oder fungierte lediglich der „Krieg als Motor der Reformen“? Wie beantworteten Historikerinnen und Historiker unterschiedlicher Generationen diese Frage? Letzten Endes geht es darum, zu überprüfen, welcher Ansatz der Geschichtswissenschaft Peter I. bzw. Peter dem Großen tatsächlich gerecht wird. Historiographische Texte in deutscher Übersetzung liegen in ausreichendem Maße vor.
Als Prüfungsleistung, wird ein Essay erwartet, in dem die Potentiale eines der besprochenen historiographischen Ansätze in Bezug auf die Erforschung Peters und seiner Zeit diskutiert werden. Voraussetzung dafür ist die Moderation einer Seminarsitzung.
Literaturhinweise: Iggers, Georg G.: Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein kritischer Überblick im internationalen Zusammenhang. 2., durchges. Aufl. Göttingen 1996; Simon, Christian: Historiographie. Eine Einführung. Stuttgart 1996; Raphael, Lutz: Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme. Theorien, Methoden, Tendenzen von 1900 bis zur Gegenwart. München 2003; Riasanovsky, Nicholas V.: The Image of Peter the Great in Russian History and Thought. New York/Oxford 1985; Wittram, Reinhard: Peter I. Czar und Kaiser. Zur Geschichte Peters des Großen in seiner Zeit. Bd. I-II. Göttingen 1964.


[Si] Wozu Geschichte?
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 16:00 - 19:00 Uhr,  Phil. I, C 214

Kommentar:

Ausgehend von Ihren Erfahrungen mit dem Verfassen einer geschichtswissenschaftlichen BA-Thesis einerseits und praktischen geschichtsjournalistischen Arbeiten andererseits wollen wir in diesem Einstiegsseminar in den Master Fachjournalistik Geschichte grundlegende Fragen hinsichtlich der Besonderheit, der Relevanz und des Nutzens historischen Wissens stellen. Wir wollen untersuchen, wie Historiker/innen ihre Themen wählen, wie sie durch die Wahl der Perspektive, der Methode und der bearbeiteten Quellen die Ergebnisse ihrer Forschung beeinflussen, wie sie Geschichte schreiben und dabei Erkenntnis vermitteln. Wir wollen aber auch untersuchen, wie Geschichte in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird und fragen, wozu Geschichte benutzt wird. Wann dient sie – gerade in ihrer populären Form – politischer Legitimierung, der Identitätsbildung, der Gesellschaftskritik, der Unterhaltung? Wie werden welche historischen Sachverhalte hier jeweils dargestellt und wie prägen sie womöglich historisches Bewusstsein? Was sind erprobte Formen historischen Erzählens? Und anhand welcher Kriterien können wir historische Darstellungen sinnvollerweise beurteilen? Welche Rolle spielen dabei z.B. Wahrheit, Multiperspektivität, Erklärungskraft und die Qualität der Darstellung, aber auch das gewählte Genre und die ins Auge gefasste Zielgruppe? Das Seminar lädt ein zur Reflexion historischer Praxis, wie Sie Ihnen alltäglich in Texten, Bildern, Filmen etc. begegnet, wie Sie sie aber auch im Laufe Ihres Masterstudiums umso bewusster selbst ausüben werden.


 
[Vl] Adel im Früh- und Hochmittelalter
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2018
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, A 5

Kommentar:

Klausurtermin: 12.02.2019.
Die rechtliche Differenzierung zwischen Freien und Unfreien charakterisiert die Sozialgeschichte der meisten mittelalterlichen Gesellschaften. Der Stand der Freien differenziert sich darüber hinaus in adlige und nichtadlige Freie. Die Ausübung von weltlichen Herrschaftsrechten ist dabei zumeist dem Adel vorbehalten, der neben den kirchlichen Institutionen (Klöster, Stifte, Bischöfe) als Herrschaftsträger agiert und verschieden abgestufte Besitzrechte an unfreien Menschen sowie an materiellen Ressourcen haben kann. Soweit zur idealtypischen Beschreibung. Schwieriger zu beantworten sind Fragen nach der Entstehung von Adel, nach dem Verhältnis zwischen rechtlichem, sozialem und wirtschaftlichem Status von Adligen im Vergleich zu Nichtadligen sowie nach den Ursachen und Formen sozialer Mobilität, die die Grenzen zwischen Adel und Nichtadel durchlässig machen. Die Vorlesung bietet eine Einführung in dieses Themenfeld und setzt Schwerpunkte im Früh- und Hochmittelalter (5.-13. Jh.).

Literatur: Art. „Adel“, in: Lexikon des Mittelalters, Band I (1980), Sp. 118-141. – Art. „Adel“, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Band I (2., völlig neu bearb. Aufl. Berlin 2008), Sp. 69-76. – Art. „Adel“ in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band I (Berlin-New York 1973), S. 58-77. – Ehlers, Joachim: Die Ritter. Geschichte und Kultur, München 2006. – Hechberger, Werner: Adel, Ministerialität und Rittertum im Mittelalter (Enzyklopädie deutscher Geschichte 72), 2. Aufl. München 2010. – Nobilitas. Funktion und Repräsentation des Adels in Alteuropa, hg. von Otto G. Oexle und Werner Paravicini, Göttingen 1997. – Oexle, Otto G.: Aspekte der Geschichte des Adels im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, in: Europäischer Adel 1750-1950, hg. von Hans-Ulrich Wehler, Göttingen 1990, S. 19-56. – Rösener, Werner: Adelsherrschaft als kulturhistorisches Phänomen. Paternalismus, Herrschaftssymbolik und Adelskritik, in: Historische Zeitschrift 268 (1999), S. 1-34. – Spieß, Karl-Heinz: Rangdenken und Rangstreit im Mittelalter, in: Zeremoniell und Raum, hg. von Werner Paravicini, Sigmaringen 1997, S. 39-61. – Werner, Karl Ferdinand: Adel – „Mehrzweck-Elite“ vor der Moderne?, in: Ders.: Einheit der Geschichte. Studien zur Historiographie, Sigmaringen 1999, S. 120-135. – Zotz, Thomas: Adel und Innovation. Neue Verhaltensformen einer alten Elite im hohen und späten Mittelalter, in: Aufbruch im Mittelalter. Innovationen in Gesellschaften der Vormoderne, hg. von Christian Hesse und Klaus Oschema, Ostfildern 2010, S. 231-244.


[Vl] Das Petersburger Imperium
Klausurtermin: 05.02.2019
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2018
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, B 009

Kommentar:

Die Vorlesung widmet sich der Zeit von der Begründung des Russländischen Imperiums unter Peter dem Großen im Jahre 1721 bis zum Untergang des Zarenreichs in der Revolution von 1917. Sie will für die Neuzeit Grundzüge der Geschichte Russlands als Vielvölkerreich und als Imperium problematisieren. Im Hinblick auf eine im Sommersemester 2017 geplante Exkursion soll dabei der Geschichte der 1703 an der Neva als „Fenster nach Europa“ gegründeten Stadt St. Petersburg besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Als benotete Prüfungsleistung ist in der vorletzten Semesterwoche eine Klausur vorgesehen.
Literaturhinweise: Goehrke, Carsten: Russland. Eine Strukturgeschichte. Paderborn u.a. 2010; Kappeler, Andreas: Russische Geschichte. 4. aktualisierte Aufl. München 2005; Schmidt, Christoph: Russische Geschichte 1547-1917. München 2003 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte 33); Studienhandbuch Östliches Europa. Bd. 2: Geschichte des Russischen Reiches und der Sowjetunion. Hrsg. v. Thomas M. Bohn, Dietmar Neutatz. 2. überarbeitete und aktualisierte Aufl. Köln/Weimar/Wien 2009.


[Vl] England im 15. Jahrhundert
Klausurtermin: 11.02.2019
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2018
wöchentlich Mo. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. I, A 3

Kommentar:

In der Vorlesung wird die Geschichte Englands von der Regierung Richards II. und seiner Absetzung an bis zum Ende Richards III. behandelt. Im Mittelpunkt stehen die politischen und militärischen Ereignisse sowie die verfassungsgeschichtlichen Umbrüche jener Zeit, die durch die sog. "Rosenkriege" im Innern und die letzte Phase des 100jährigen Kriegs nach Außen gekennzeichnet sind. Thematisiert werden damit Ereignisfolgen, die das kollektive Bewußtsein der Briten noch heute prägen.
Literatur wird begleitend angegeben. Zur Einführung:
Keen, M. H., England in the Later Middle Ages. A political history, London 1973 (und weitere Auflagen); Harriss, G. L., Shaping the Nation: England 1360-1461, Oxford 2005; Krieger, K.-F., Geschichte Englands Bd. 1. Von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert, 5. Aufl. 2018.


[Vl] Räume und Epochen der Geschichte des östlichen Europa. Eine Einführung
Klausurtermin: 14.02.2019
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, A 5

Kommentar:

Die räumliche und epochale Gliederung der Geschichte des östlichen Europa ist in den letzten Jahrzehnten wiederholt kontrovers diskutiert worden und unterliegt auch unter dem Motto „Niemand will der Osten sein“ fortwährenden Neupositionierungen. Die Vorlesung führt in diese Diskussionen begriffs- und diskursgeschichtlich ein und analysiert strukturgeschichtliche Raumkategorien (Osteuropa, Nordosteuropa, Ostmitteleuropa, Südosteuropa/Balkan) unter Fragestellungen wie: Wie viel realgeschichtliche Einheit? Wie viel Projektion? Aus wessen Perspektive?

Weiterhin geht es auch um die epochale Gliederung der Geschichte der östlichen Hälfte Europas: Ist eine Unterteilung in Mediävistik und Frühe Neuzeit sinnvoll? Was spricht für die vorgeschlagenen Epochengrenzen 1500 und 1600? Welches sind sinnvolle Gliederungen für die Moderne und die Zeitgeschichte?

Die Vorlesung wendet sich an Studienanfänger des BA Osteuropäische Geschichte sowie an alle, die ein Interesse an Osteuropa haben oder schon immer etwas über die östliche Hälfte europas wissen wollten. Sie ist auch für Lehramts- und Bachelor- und Magisterstudierende, die ein strukturiertes „Grundwissen Osteuropa“ erwerben möchten, geeignet.

Literatur zur Einführung:
Ekaterina Emeliantseva/Arié Malz/Daniel Ursprung, Einführung in die Osteuropäische Geschichte. Zürich 2008.
Studienhandbuch Östliches Europa. 2 Bde. Hg. v. Harald Roth, Thomas M. Bohn u. Dieter Neutatz. 2. Aufl. Köln 2009.
Klaus Zernack, Osteuropa. Eine Einführung in seine Geschichte. München 1977.


[Vl] Von der Klassik zum Hellenismus: Griechenland im 4. Jh. v.Chr.
Klausurtermin: 14.02.2019
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 08:00 - 10:00 Uhr,  Phil. I, A 4
Einzeltermin:
Mi. 27.02.2019,17.00 - 18.00 Uhr   (Ausgleichsprüfung) Phil. I, A 5

[H Si] "Am schlimmen Rand des Lebens"? Das Greisenalter und die Situation alter Menschen in der Antike
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2018
wöchentlich Mo. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, G 026

Kommentar:

Die soziopolitische Situation alter Menschen in der Antike ist in der Forschung ein kontrovers diskutiertes Feld. Die antiken Zeugnisse zur Lage der Alten sind überaus vielfältig: Das Greisenalter wird in unterschiedlichen Quellengattungen und zu verschieden Zeiten immer wieder thematisiert. Im Rahmen des Hauptseminars soll die Situation alter Menschen und der Umgang mit diesen einerseits längsschnittartig von der griechischen Archaik bis in die Spätantike verfolgt werden. Andererseits soll anhand konkreter Themen, wie der Darstellung Alter in der antiken Vasenmalerei und Skulptur, der Rolle von Greisen im Mythos und des Alters in der antiken Medizin ein Bild der spezifischen Lebenswelt alter Menschen in der Antike erarbeitet werden.

Literatur:
Brandt, H.: Wird auch silbern mein Haar. Eine Geschichte des Alters in der Antike, München 2002.
Gutsfeld, A. /Schmitz, W. (Hgg.): Am schlimmen Rand des Lebens? Altersbilder in der Antike, Köln, u. a. 2003.
Wagner-Hasel, B.: Alter in der Antike. Eine Kulturgeschichte, Köln, u. a. 2012.
Alter in der Antike. Die Blüte des Alters aber ist die Weisheit. Katalog zur Ausstellung im LVR-Landesmuseum Bonn (25.2.2009 – 7.6.2009), hg. v. Landschaftsverband Rheinland, Mainz 2009.


[H Si] "Pre-Modern Ukraine: Borderland or Global Meeting Point?"
Unterrichtssprache Englisch
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 25.10.2018
wöchentlich Do. 08:00 - 10:00 Uhr,  Phil. I, D 106

Kommentar:

This course considers Ukraine as a place of intercultural communication, transfer of goods, people, practices and ideas. Ukraine had witnessed phenomena unknown in West Europe – like white slavery or new state founded by the rebellious outlaws. We will try to understand why Tatars sold their children into slavery. We will explore how the enslaved Ukrainian girl Roxolana became the powerful wife of the Ottoman sultan Suleiman I Magnificent. We will study why Polish and Ukrainian noblemen orientalized themselves through claiming their ancestry from the ancient Sarmatian nomads and dressing themselves in the Ottoman attire. We will examine how the Cossacks shifted from the Black Sea piracy to the foundation of their own statehood – the Hetmanate. Particular attention will be given to the long-distance trade and consumption, fashion and politics, hybrid identities, brigandage and piracy, Diasporas and merchant networks, slave trafficking and escape. Ukraine’s history will be examined through the concepts of the “borderland”/”frontier”, “contact zone” and “hybridity”.


[H Si] Adel und Religion im 11./12. Jahrhundert
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 029

Kommentar:

Die kirchliche Reformbewegung des 11. Jhs. hat nicht nur den Blick für die Differenz zwischen Sakralem und Profanen in der mittelalterlichen Gesellschaft geschärft und damit neue Ansprüche an den Klerus gestellt. Sie hat zugleich neuen Rollenbildern für den Laien (den einfachen Christen ohne Weihe in der kirchlichen Hierarchie) den Weg geebnet. Die Texte lassen die seit dem 11. Jh. einsetzenden Veränderungen vor allem im Adel erkennen. Prominente Beispiele von Adligen, die auf Herrschaft und Besitz verzichten und sich in ein Kloster zurückziehen, treten neben zahlreiche Fälle, in denen Adlige neuen klösterlichen Reformbewegungen Güter schenken und Klostergründungen ermöglichen. Das 11. und 12. Jh. zeigt nahezu eine Welle adliger Klostergründungen zugunsten der Reformbenediktiner, Zisterzienser und Prämonstratenser. Das religiöse Engagement vieler adliger Familien wirkt sich auch auf deren Bereitschaft aus, an den Kreuzzugsunternehmungen mitzuwirken und die geistlichen Ritterorden zu fördern. Die Texte lassen erkennen, dass adlige Förderung nicht nur für die Klöster und Orden, sondern auch für die beteiligten Adelsfamilien selbst eine zentrale Bedeutung für die eigene Legitimierung und das eigene Herkunfts- und Traditionsbewusstsein besaßen. Das Seminar wird ausgewählte Quellentexte und zentrale Fragestellungen zu diesem Themenfeld diskutieren. Die Bereitschaft, lateinische Texte zu lesen, wird vorausgesetzt.

Literatur: Dendorfer, Jürgen: Gescheiterte Memoria? – Anmerkungen zu den „Hausklöstern“ des hochmittelalterlichen Adels, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 73 (2014), S. 17-38. – Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 47), Göttingen 1977. – Hechberger, Werner: Adel, Ministerialität und Rittertum im Mittelalter (Enzyklopädie deutscher Geschichte 72), 2. Aufl. München 2010. – Oexle, Otto G.: Aspekte der Geschichte des Adels im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, in: Europäischer Adel 1750-1950, hg. von Hans-Ulrich Wehler, Göttingen 1990, S. 19-56. – Tebruck, Stefan: The propaganda of power: memoria, history, patronage, in: The Origins of the German Principalities, 1100-1350. Essays by German Historians, ed. by Graham A. Loud and Jochen Schenk in association with the German Historical Institute London, London/New York 2017, S. 160-180. – Werner, Matthias: Passionsfrömmigkeit und religiöse Bewegungen in der Zeit des Naumburger Meisters, in: Der Naumburger Meister. Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen, 2 Bde., hg. von Hartmut Krohm und Holger Kunde (Schriftenreihe der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz 4), Petersberg 2011, hier Band 1, S. 135-152. – Ders.: Benediktinisches Reformmönchtum und Klosterreform in Thüringen und Ostsachsen in der Zeit des Investiturstreits, in: Wissen und Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen, hg. von Gabriele Köster und Andrea Knopik (Schriften des Zentrums für Mittelalterausstellungen Magdeburg 4), Regensburg 2018, S. 115-179.


[H Si] Die Herausbildung der Polis
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 233

[H Si] Formen der Alleinherrschaft in der Antike
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 233

[H Si] Handel, Waren und Luxus in der transosmanischen Verflechtung
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2018
wöchentlich Mo. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, C 113

Kommentar:

Die Veranstaltung vermittelt mit der Untersuchung von Handelsnetzwerken, einzelnen Händlern oder Kaufleutefamilien, Warenflüssen und Moden bzw. Aspekten des Konsums Zugänge zur Verzahnungsgeschichte zwischen Polen-Litauen, Moskau bzw. Russland und dem Osmanischen Reich sowie Persien vor 1800. Das Schwarze Meer, das Kaspische Meer, Konstantinopel, Astrachan und Trabzon bzw. Täbris sowie Lemberg und viele andere Städte dienten als Drehscheiben und Knotenpunkte, um nach Persien, in den Mittelmeerraum, den Balkan und Moskowitien oder Polen-Litauen zu gelangen. Sowohl Akteure als auch die gehandelten Objekte selbst und insgesamt die Handelsinfrastruktur, aber auch die Verwendung der Waren sollen in mehreren Schritten beleuchtet werden. Von besonderem Interesse ist dabei die Frage, ob im Handel und in den gesellschaftlich rezipierten Moden übergreifende kulturelle Praktiken erkennbar werden, die eine oft vorausgesetzte universelle kulturelle Andersartigkeit der beteiligten Regionen entkräften. Spezielle Sprachkenntnisse sind nicht erforderlich (sie werden jedoch begrüßt), die Lektürefähigkeit englischer Texte wird vorausgesetzt.

Literaturhinweise:
Aslanian, Sebouh David 2011: From the Indian Ocean to the Mediterranean. The Global Trade Networks of Armenian Merchants from New Julfa. Berkeley;
Faroqhi, Suraiya, Gilles Veinstein 2008: Merchants in the Ottoman Empire. Löwen;
Troebst, Stefan 1997: Handelskontrolle, „Derivation“, Eindämmerung. Schwedische Moskaupolitik 1617–1661. Wiesbaden. online: externhttps://www.osmikon.de/metaopac/search?View=ostdok&db=369&id=bsb00094738.


[H Si] Haskalah, jüdische Emanzipation und Antijudaismus in Mittel- und Osteuropa (1750-1850)
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Rathenaustr. 8, 308

Kommentar:

Die jüdischen Bevölkerungen Europas erlebten in dem Jahrhundert zwischen 1750 und 1850 eine Sattelzeit, die in eine neue Konzeptionalisierung jüdischer Existenz und jüdischen Lebens in der Diaspora mündete. Die Haskalah forderte eine neue jüdische Bildung nach den Prinzipien der Aufklärung. Die Emanzipation öffnete neue Lebenswelten, die aber zugleich durch neue Wellen des Antijudaismus als prekär erschienen.
Das Seminar setzt einen Schwerpunkt auf deutsch-osteuropäische Verflechtungen in der Epoche, die durch Verschiebungen der europäischen Grenzen, durch Migration und Kulturtransfer belebt wurden. Deutsche Modelle wurden durch die niedrige Sprachgrenze rezipiert, daraus entstand die deutschsprachige „Wissenschaft vom Judentum“. Zugleich löste diese Übersetzung in osteuropäische und jüdische Traditionen produktive Rezeptionen und Missverständnisse aus, die – in der Literatur, in den bildenden Künsten, in der Publizistik – ebenfalls diskutiert werden.
Insgesamt möchte die Veranstaltung vertiefte Einblicke in eine zentrale Epoche jüdischer Geschichte in Europa geben und gemeinsam Wissen erarbeiten. Erwünscht ist ein Interesse an jüdischer Geschichte und Kultur und/oder an deutsch-osteuropäischen Verflechtungen.

Literatur

Bartal, Israel: Geschichte der Juden im östlichen Europa, 1772-1881. Göttingen 2009.
Brenner, Michael [u.a.], Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit. Bd. 2. Emanzipation und Akkulturation 1780 – 1871. München 1996.
Dohrn, Verena: Jüdische Eliten im Russischen Reich. Aufklärung und Integration im 19. Jahrhundert, Köln 2008.
Grill, Tobias: Der Westen im Osten : deutsches Judentum und jüdische Bildungsreform in Osteuropa ; (1783 - 1939). Göttingen 2011.
Feiner, Shmuel: Haskala – Jüdische Aufklärung. Geschichte einer kulturellen Revolution. Hildesheim / Zürich / New York 2007.
Sadowski, Dirk: Haskala und Lebenswelt. Herz Homberg und die jüdischen deutschen Schulen in Galizien 1782 – 1806, Göttingen 2010.


[H Si] Neuland betreten: Landesgeschichte im Spiegel archivalischer Quellen
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 030

Kommentar:

Das Hauptseminar führt an die Arbeit mit ungedruckten Quellen heran. Es werden Transkriptionen und Regesten erstellt. Darüber hinaus werden Hilfsmittel und Techniken eingeübt, mit denen unerschlossenes Material in den historischen Kontext eingeordnet werden kann. Das Übungsmaterial, das sich auf die "hessische" Adels- und Kirchengeschichte bezieht, wird aus dem Urkundenfundus der Universitätsbibliothek Gießen bezogen; auch aus Handschriften werden kürzere Texte transkribiert.


 
[Vl] Alltag und Gewalt: Die deutsche Gesellschaft im Nationalsozialismus 1933 bis 1939
Klausurtermin: 11.02.2019
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2018
wöchentlich Mo. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, A 3

Kommentar:

In unzähligen populären Sachbüchern und Fernsehdokus, in der Schule, aber auch in Spielfilmen, Romanen, sogar Comics wird heute die Geschichte des nationalsozialistischen Deutschlands immer wieder erzählt. Wir haben Bilder im Kopf von „den Nazis“, von den Tätern, der Gestapo, den Opfern der Verfolgung oder auch den Helden des Widerstands. Trotz dieses verbreiteten Wissens über den Nationalsozialismus forschen Historikerinnen und Historiker jedoch weiterhin über die Zeit des “Dritten Reichs“. Denn es ist keineswegs endgültig geklärt, was denn „nationalsozialistisch“ eigentlich bedeutet, wer „die Nazis“ waren, welche Rolle die „ganz normalen Deutschen“ spielten. Noch immer fragen Wissenschaftler und Laien, wie die deutsche Gesellschaft im Nationalsozialismus eigentlich funktioniert hat, wie es zum millionenfachen Mord an den europäischen Juden und zu einem Vernichtungskrieg kommen konnte. In der Vorlesung wird die Zeit zwischen 1933 und 1939 im Vordergrund stehen, die Phase also, in der sich die „Volksgemeinschaft“ formieren und die rassistische nationalsozialistische Politik etablieren konnte. Die Ergebnisse der älteren NS-Forschung werden dabei ebenso diskutiert wie offenen Fragen und Streitpunkte in aktuellen Forschungsdebatten.


[Vl] Aufbrüche in die Frühe Neuzeit. Aspekte des Epochenwandels 1480-1520
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 24.10.2018
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, A 3

Kommentar:

Die Periode zwischen 1480 und 1520 gilt traditionell als entscheidender Übergang in die Neuzeit. Stichworte sind Humanismus, Renaissance, Genese des modernen europäischen Staatensystems, Entdeckungen, Reichsreform . Allerdings leidet die Historiographie immer noch darunter, dass sich die Mediävistik nicht mehr und die Frühe Neuzeitforschung gerade in Deutschland aufgrund der Fixierung auf die Reformation noch nicht zuständig fühlt. Das spannende Spezifikum dieser Epoche ist es deshalb, Kontinuitätslinien und qualitativ Neues zu identifizieren und zu erklären.
Bernd Roeck, Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance, 2017; Manfred Hollegger, Maximilian I. (1459-1519): Herrscher und Mensch einer Zeitenwende, 2005; Hermann Wiesflecker, Kaiser Maximilian I.: Das Reich, Österreich und Europa an der Zeitenwende, 5 Bde. 1971-1986


[Vl] Das Petersburger Imperium
Klausurtermin: 05.02.2019
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2018
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, B 009

Kommentar:

Die Vorlesung widmet sich der Zeit von der Begründung des Russländischen Imperiums unter Peter dem Großen im Jahre 1721 bis zum Untergang des Zarenreichs in der Revolution von 1917. Sie will für die Neuzeit Grundzüge der Geschichte Russlands als Vielvölkerreich und als Imperium problematisieren. Im Hinblick auf eine im Sommersemester 2017 geplante Exkursion soll dabei der Geschichte der 1703 an der Neva als „Fenster nach Europa“ gegründeten Stadt St. Petersburg besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Als benotete Prüfungsleistung ist in der vorletzten Semesterwoche eine Klausur vorgesehen.
Literaturhinweise: Goehrke, Carsten: Russland. Eine Strukturgeschichte. Paderborn u.a. 2010; Kappeler, Andreas: Russische Geschichte. 4. aktualisierte Aufl. München 2005; Schmidt, Christoph: Russische Geschichte 1547-1917. München 2003 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte 33); Studienhandbuch Östliches Europa. Bd. 2: Geschichte des Russischen Reiches und der Sowjetunion. Hrsg. v. Thomas M. Bohn, Dietmar Neutatz. 2. überarbeitete und aktualisierte Aufl. Köln/Weimar/Wien 2009.


[Vl] Der Zweite Weltkrieg in Asien und seine Folgen bis zur Mitte der 1950er Jahre
Klausurtermin: 15.02.2019
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 19.10.2018
wöchentlich Fr. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, A 5

Kommentar:

Das historische Narrativ von einem von 1939 bis 1945 dauernden „Zweiten Weltkrieg“ wird seit einigen Jahren in der Geschichtswissenschaft zunehmend hinterfragt. Es zeigt sich mehr und mehr, dass die Friedensverträge nach 1918 keineswegs zu einer längeren Friedensperiode in der Zwischenkriegszeit geführt haben: In den 1920er und 1930er Jahren und fortgesetzt bis in die Mitte der 1950er Jahre wurde die internationale Ordnung vielmehr permanent durch Kriege, Bürgerkriege, Revolutionen und anti-koloniale Aufstände erschüttert. Der somit eher gleitende Übergang vom Ersten in den Zweiten Weltkrieg und in die anschließenden Kolonial- und Stellvertreterkriege lässt sich besonders gut in Südost- und Ostasien beobachten. Die Vorlesung bietet auch für untere Semester und Gasthörer einen Überblick über die entscheidenden Ereignisse auf dem neben Europa wichtigsten Kriegsschauplatz Ostasien: von der Mandschurei-Krise über den japanisch-chinesischen Krieg, das direkte militärische Eingreifen der USA, dem Einsatz der Atombomben gegen Japan, bis zur chinesischen Revolution und zum Koreakrieg.


[Vl] Geschichte Großbritanniens 1815–1945
Klausurtermin: 11.02.2019
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2018
wöchentlich Mo. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, A 3

Kommentar:

Die Vorlesung gibt einen Überblick über die Entwicklung Großbritanniens vom Ende der napoleonischen Kriege bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Sie verbindet chronologische Kapitel, die sich primär mit der politischen Entwicklung beschäftigen, mit Teilen, die einzelne thematische Schwerpunkte ansprechen (Wirtschaft u. Gesellschaft, Empire, Irlandfrage), Sie vermittelt einerseits Grundkenntnisse über die britische Geschichte, diskutiert zum anderen aber auch Forschungskontroversen und Frage der Geschichtskultur und Geschichtspolitik. Vor dem Hintergrund der Brexit-Debatte geht die Veranstaltung ausführlich auf die Beziehungen zwischen Großbritannien und Kontinentaleuropa ein.
Lit:
David Cannadine: Victorious Century. The United Kingdom 1800 - 1906, London 2017
Robert Tombs: The English and their History, London 2014
David Edgerton: The Rise and Fall of the British Nation. A Twentieth-century History, London 2018



[Vl] Räume und Epochen der Geschichte des östlichen Europa. Eine Einführung
Klausurtermin: 14.02.2019
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, A 5

Kommentar:

Die räumliche und epochale Gliederung der Geschichte des östlichen Europa ist in den letzten Jahrzehnten wiederholt kontrovers diskutiert worden und unterliegt auch unter dem Motto „Niemand will der Osten sein“ fortwährenden Neupositionierungen. Die Vorlesung führt in diese Diskussionen begriffs- und diskursgeschichtlich ein und analysiert strukturgeschichtliche Raumkategorien (Osteuropa, Nordosteuropa, Ostmitteleuropa, Südosteuropa/Balkan) unter Fragestellungen wie: Wie viel realgeschichtliche Einheit? Wie viel Projektion? Aus wessen Perspektive?

Weiterhin geht es auch um die epochale Gliederung der Geschichte der östlichen Hälfte Europas: Ist eine Unterteilung in Mediävistik und Frühe Neuzeit sinnvoll? Was spricht für die vorgeschlagenen Epochengrenzen 1500 und 1600? Welches sind sinnvolle Gliederungen für die Moderne und die Zeitgeschichte?

Die Vorlesung wendet sich an Studienanfänger des BA Osteuropäische Geschichte sowie an alle, die ein Interesse an Osteuropa haben oder schon immer etwas über die östliche Hälfte europas wissen wollten. Sie ist auch für Lehramts- und Bachelor- und Magisterstudierende, die ein strukturiertes „Grundwissen Osteuropa“ erwerben möchten, geeignet.

Literatur zur Einführung:
Ekaterina Emeliantseva/Arié Malz/Daniel Ursprung, Einführung in die Osteuropäische Geschichte. Zürich 2008.
Studienhandbuch Östliches Europa. 2 Bde. Hg. v. Harald Roth, Thomas M. Bohn u. Dieter Neutatz. 2. Aufl. Köln 2009.
Klaus Zernack, Osteuropa. Eine Einführung in seine Geschichte. München 1977.


[H Si] "Timen", Hetzen, Entschleunigen. Eine Alltagsgeschichte der Zeit im 20. Jahrhundert
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. I, C 003

Kommentar:

Zeit spielt in unserem Alltag eine große Rolle: Wir schauen jeden Tag unzählige Male auf die Uhr, stellen fest, ob wir zu spät sind oder „gut in der Zeit“, wir sparen Zeit oder vergeuden sie. Zeit erscheint unveränderlich und allgemeingültig. Und doch ist die Zeit, nach der wir uns richten, nicht naturgegeben. Sie ist vielmehr ein Produkt sozialen Handelns und gesellschaftlicher Vereinbarungen, und sie hat eine Geschichte: Ohne die Erfindung der Uhr etwa sähe unser Alltag anders aus, die Einführung einer nach Zeitzonen eingeteilten „Weltzeit“ macht funktionierende Flug- und Fahrpläne erst möglich, kulturell geprägte Vorstellungen von „Zeitmanagement“ bestimmen unseren Umgang mit Zeit, und festgelegte Arbeits- und Schlafenszeiten geben vor, wie wir unseren Tag einteilen. Damit ist die Zeit ein zentraler Teil der Machstrukturen einer Gesellschaft: Die Möglichkeiten des Individuums, über seine eigene Zeit zu verfügen, sei der „substantielle Kern von Freiheit und Unfreiheit“, so formulierte es der Sozialphilosoph Oskar Negt 1984.
Die Geschichtswissenschaft hat sich in den letzten Jahren verstärkt mit dem Phänomen der Zeit beschäftigt, es wurde gar ein „temporal turn“ ausgerufen. Im Seminar werden wir uns den aktuellen Forschungsstand erarbeiten, zentrale Fragen und Themen einer Geschichte der Temporalität herausarbeiten und uns dann auf die Suche machen nach Quellen, die wir nutzen können, um mehr über die Bedeutung der Zeit in Gesellschaften des 20. Jahrhunderts herauszufinden.

Lit.: Geppert, Alexander C. T./Kössler, Till (Hg.): Obsession der Gegenwart. Zeit im 20. Jahrhundert, Göttingen 2015; Esposito, Fernando (Hg.): Zeitenwandel. Transformationen geschichtlicher Zeitlichkeit nach dem Boom, Göttingen 2017.


[H Si] Der Krieg gegen die Sowjetunion
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2018
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 333a

Kommentar:

Im Hinblick auf die Ausstellung „Vernichtungsort Maly Trostenez. Geschichte und Erinnerung“, die vom 4. Dezember bis zum 17. Januar in der Stadthalle Gießen unter Beteiligung von Studierenden der JLU gezeigt wird, soll das Hauptseminar den breiteren Kontext des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion problematisieren. Neben dem Holocaust in den „Bloodlands“ Weißrussland und Ukraine sollen dabei Themen wie die Belagerung Leningrads oder die Schlacht von Stalingrad zur Sprache kommen.
Als Prüfungsleistung ist eine Hausarbeit im Sinne der Untersuchung einer historischen Fragestellung auf der Grundlage von Quellen vorgesehen. Voraussetzungen dafür sind die Mitgestaltung einer thematischen Sitzung sowie eigene Materialrecherchen.
Literaturhinweise: Beyrau, Dietrich: Schlachtfeld der Diktatoren. Osteuropa im Schatten von Hitler und Stalin. Göttingen 2000; Snyder, Timothy: Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin. München 2011.


[Si] Kernprobleme der internationalen Beziehungen seit 1989
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 19.10.2018
wöchentlich Fr. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. I, C 003
4 Einzeltermine:
Fr. 16.11.2018,14.00 - 16.00 Uhr   Phil. I, C 003
Fr. 07.12.2018,14.00 - 17.00 Uhr   Phil. I, G 026
Fr. 14.12.2018,14.00 - 17.00 Uhr   Phil. I, C 003
Fr. 18.01.2019,14.00 - 17.00 Uhr   Phil. I, G 026

Kommentar:

Der Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Osteuropa und der Kollaps der Sowjetunion liegen inzwischen bereits 30 Jahre zurück. Trotz allen damaligen Schwadronierens über ein „Ende der Geschichte“ geht diese jedoch offenkundig mit tiefen Veränderungen und erheblicher Dynamik weiter. Insbesondere folgte auf die kurze Phase einer alleinigen amerikanischen Supermachtstellung inzwischen die Herausbildung eines multipolaren Weltsystems. Das Hauptseminar diskutiert den seit den 1980er Jahren erkennbaren Wandel am Beispiel der heute entscheidende Machtblöcke (USA, Europa, China und Russland) und deren Allianzen und Konflikte um wichtige Einflusszonen (Mittlerer Osten, Süd- und Südostasien) und den globalen Süden. Wichtige Stichworte sind dabei der Zerfall der Weltmachtstellung der USA, die ungeklärte Stellung Europas, die Rolle neuer internationaler Kooperationen (G7, G20, BRIC, Shanghai-Gruppe usw.) sowie die generellen Veränderungen im globalen Süden durch den steigenden Einfluss Chinas und die zunehmend desaströse Lage in weiten Teilen des Mittleren Ostens und in Afrika.
Von den Teilnehmenden wird (in Gruppenarbeit) die Gestaltung einer Sitzung und (so durch die Prüfungsordnung vorgesehen) eine Hausarbeit erwartet. Gasthörer sind willkommen. Aufgabenverteilung und Literatur in der ersten Sitzung.


[Si] Kolonialgeschichte Frankreichs seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. I, C 113

[H Si] Maximilian I. (1459-1519) - Kaiser einer Übergangsepoche
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 23.10.2018
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 113

Kommentar:

Kaiser Maximilian I. (1459-1519), dessen Todesjahr sich zum 500. mal jährt, ist eine Gestalt, die Zeitgenossen und Historiker schon immer fasziniert hat. Er personifiziert gleichsam den Übergang vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit, denn er verbindet mittelalterliche Mentalität (der "letzte Ritter") mit sehr modernen anmutenden Herrschaftspraktiken, die seine Zeitgenossen immer wieder herausgefordert haben. Kein Kaiser des Heiligen Römischen Reiches hat mehr an seinem Nachruhm gearbeitet, aber keiner bleibt auch so ambivalent und rätselhaft. Im Seminar sollen sowohl die zahlreichen, oft stilisierten Selbstaussagen, wie auch die Kontexte, in denen er agierte (Burgundisches Erbe, Auseinandersetzungen mit Frankreich, Reichs- und Hauspolitik, "Gedechtnus"), thematisiert werden, um ein Profil dieses Herrschers zu erstellen.
Lit.: Bernd Roeck, Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance, 2017; Manfred Hollegger, Maximilian I. (1459-1519): Herrscher und Mensch einer Zeitenwende, 2005; Hermann Wiesflecker, Kaiser Maximilian I.: Das Reich, Österreich und Europa an der Zeitenwende, 5 Bde. 1971-1986.


[Si] Merkantilismus: Renaissance eines Themas oder eines politischen Konzepts?
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
zwei-wöchentlich Do. 09:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 113

Kommentar:

In den von der Presse zu Handelskriegen erklärten Auseinandersetzungen unserer Tage um Handelsbilanzüberschüsse und deren Bekämpfung durch Zölle erfreuen sich Vorstellungen einer erneuten Konjunktur, die lange als merkantilistisch oder neomerkantilistisch gebrandmarkt und als längst überholt abgetan worden waren. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem die historische Forschung zur einstmals als merkantilistisch beschriebenen Epoche vom 16. bis ins 18. Jahrhundert hinein den Begriff des Merkantilismus ad acta zu legen scheint, da er vor allem als Kampfbegriff späterer Freihandelsbefürworter zu verstehen und deshalb wenig geeignet sei, die Wirtschaftspolitik europäischer Staaten während der Frühen Neuzeit zu erhellen. Weiter kompliziert wird die diskursive Konstellation dadurch, dass umgekehrt vor allem von Seiten der Entwicklungsökonomie vermehrt davor gewarnt wird, den Freihandel als wichtige Voraussetzung (industrie-)wirtschaftlicher Entwicklung anzusehen. Die heute wohlhabenden Länder hätten sich vielmehr ganz anderer Mittel bedient und plädierten nun für Freihandel, um so ein Aufholen der weniger wohlhabenden Staaten zu behindern. Angesichts einer so komplexen Diskurskonstellation scheint es ratsam, im Seminar zunächst die entsprechenden frühneuzeitlichen Vorstellungen und Praktiken einer genaueren Analyse zu unterziehen und dann mit den Argumenten ihrer Kritiker, aber auch moderner Entwicklungsökonomen in Beziehung zu setzen. Im Einzelnen soll dabei den jeweiligen Interessen der Teilnehmer/Innen breiter Raum gegeben werden.

Literatur:
Philipp R. Rössner (Hg.), Economic Growth and the Origins of Modern Political Economy. Economic Reasons of State, London 2016;
Moritz Isenmann (Hg.), Merkantilismus. Wiederaufnahme einer Debatte, Stuttgart 2014;
Ha-Joon Chang, Kicking Away the Ladder. Development Strategy in Historical Perspective, London 2003.


[H Si] Weit entfernt und dennoch eng verflochten? Frankreich und der europäische Osten in der Moderne
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
6 Einzeltermine:
Di. 16.10.2018,16.00 - 18.00 Uhr   Phil. I, F 006
Di. 23.10.2018,16.00 - 18.00 Uhr   Phil. I, F 006
Di. 30.10.2018,16.00 - 18.00 Uhr   Phil. I, F 006
Sa. 01.12.2018,10.00 - 15.00 Uhr   Phil. I, F 006
Sa. 08.12.2018,10.00 - 15.00 Uhr   Phil. I, F 006
Sa. 15.12.2018,10.00 - 15.00 Uhr   Phil. I, F 006

Kommentar:

Das Fach Osteuropäische Geschichte konzentriert sich häufig auf die Verflechtungen Deutschlands mit den Regionen östlich davon oder betrachtet diese isoliert. Als Beitrag zu einen breiteren europäischen Verständnis wird dieses Seminar statt dessen die Rolle Frankreichs in Bezug auf die Staaten und Regionen eines breit verstandenen Osteuropas im 19. und 20. Jahrhundert untersuchen. Dabei wird es sowohl um konkrete historische Ereignisse als auch um gegenseitige Bilder gehen. In den Blick genommen werden exemplarisch die Beziehungen zu Russland, Polen, der Tschechoslowakei sowie den Staaten Südosteuropas. Aber auch das deutsch-französische Verhältnis wird nicht ganz außen vorbleiben.
Die Lesefähigkeit in Englisch, Französisch oder einer osteuropäischen Sprache wird vorausgesetzt.

Einführende Lektüre:
- Georg Kreis: Geschichte Frankreichs in Quellen und Darstellung. Bd. 2. Stuttgart 2015.
- Deutschland – Frankreich – Rußland / La France et l'Allemagne face à la Russie
Begegnungen und Konfrontationen. Hrsg. v. Ilja Mieck / Pierre Guillen, München 2000.
- Rider, Jacques Le, Mitteleuropa: auf den Spuren eines Begriffes . Berlin 1994


[H Si] Zwangsarbeiter und Displaced Persons in Hessen: Eine hessisch-osteuropäische Verflechtungsgeschichte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2018
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 011

Kommentar:

Das als Projektseminar geplante Seminar stellt Zwangsarbeiter und Displaced Persons in Hessen im Zeitraum von 1939-1949 ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Wie ist unser heutiger Forschungsstand zur Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg, wie sollte man Täter- und Opferquellen miteinander verbinden? Wie sieht die regionale Forschungslage aus, wo gibt es Forschungslücken.
Die amerikanische Besatzungszone in Hessen war zugleich nach 1945-1949 ein Zentrum der europäischen Migration: Zwangsarbeiter wurden teilweise gewaltsam in ihre Herkunftsregionen, die teilweise zu anderen Staaten gehörten, „repatriiert“. Neue Flüchtlinge kamen in die DP-Lager, die dort infolge des Fehlens aufnahmebereiter Staaten über mehrere Jahre festsaßen. Was kann man über das Nebeneinander von Deutschen und Zwangsarbeitern bzw. DP’s sagen? Wie lassen sich solche Fragen beforschen?
Das Seminar wendet sich an Interessierte der Osteuropäischen Geschichte und der Regionalgeschichte, erwünscht sind auch Teilnehmer aus den Lehramtsstudiengängen. Es besteht die Möglichkeit von Projektarbeit, am Rande des Seminars sollen Produkte zum historischen Lernen entwickelt werden.

Literatur

Föhrding, Hans-Peter/Verfürth, Heinz: Als die Juden nach Deutschland flohen. Ein vergessenes Kapitel der Nachkriegsgeschichte, Köln 2017.
Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter. Politik und Praxis des "Ausländer-Einsatzes" in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn 1999.
Jacobmeyer, Wolfgang: Vom Zwangsarbeiter zum heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945 – 1951, Göttingen 1985.
Keller, Michael: „Das mit den Russenweibern ist erledigt“. Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit, Gestapo-KZ, Massenmord einer SS-Kampfgruppe und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit am Tatort in Hirzenhain wie auf dem Kriegsgräberfriedhof im Kloster Arnsburg, 1943 – 1996, Friedberg 2000.
Köhn, Holger: Die Lage der Lager. Displaced Persons-Lager in der amerikanischen Besatzungszone Deutschlands, Essen 2012.
Plaßwilm, Regina: Die Grenzen des Erzählbaren. Erinnerungsdiskurse von NS-Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in Ost- und Westeuropa, Essen 2011.
Überlebt und unterwegs. Jüdische displaced persons im Nachkriegsdeutschland, Frankfurt a. M. 1997.


 

Seminar

[H Si] "Am schlimmen Rand des Lebens"? Das Greisenalter und die Situation alter Menschen in der Antike
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2018
wöchentlich Mo. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, G 026

Kommentar:

Die soziopolitische Situation alter Menschen in der Antike ist in der Forschung ein kontrovers diskutiertes Feld. Die antiken Zeugnisse zur Lage der Alten sind überaus vielfältig: Das Greisenalter wird in unterschiedlichen Quellengattungen und zu verschieden Zeiten immer wieder thematisiert. Im Rahmen des Hauptseminars soll die Situation alter Menschen und der Umgang mit diesen einerseits längsschnittartig von der griechischen Archaik bis in die Spätantike verfolgt werden. Andererseits soll anhand konkreter Themen, wie der Darstellung Alter in der antiken Vasenmalerei und Skulptur, der Rolle von Greisen im Mythos und des Alters in der antiken Medizin ein Bild der spezifischen Lebenswelt alter Menschen in der Antike erarbeitet werden.

Literatur:
Brandt, H.: Wird auch silbern mein Haar. Eine Geschichte des Alters in der Antike, München 2002.
Gutsfeld, A. /Schmitz, W. (Hgg.): Am schlimmen Rand des Lebens? Altersbilder in der Antike, Köln, u. a. 2003.
Wagner-Hasel, B.: Alter in der Antike. Eine Kulturgeschichte, Köln, u. a. 2012.
Alter in der Antike. Die Blüte des Alters aber ist die Weisheit. Katalog zur Ausstellung im LVR-Landesmuseum Bonn (25.2.2009 – 7.6.2009), hg. v. Landschaftsverband Rheinland, Mainz 2009.


[H Si] "Pre-Modern Ukraine: Borderland or Global Meeting Point?"
Unterrichtssprache Englisch
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 25.10.2018
wöchentlich Do. 08:00 - 10:00 Uhr,  Phil. I, D 106

Kommentar:

This course considers Ukraine as a place of intercultural communication, transfer of goods, people, practices and ideas. Ukraine had witnessed phenomena unknown in West Europe – like white slavery or new state founded by the rebellious outlaws. We will try to understand why Tatars sold their children into slavery. We will explore how the enslaved Ukrainian girl Roxolana became the powerful wife of the Ottoman sultan Suleiman I Magnificent. We will study why Polish and Ukrainian noblemen orientalized themselves through claiming their ancestry from the ancient Sarmatian nomads and dressing themselves in the Ottoman attire. We will examine how the Cossacks shifted from the Black Sea piracy to the foundation of their own statehood – the Hetmanate. Particular attention will be given to the long-distance trade and consumption, fashion and politics, hybrid identities, brigandage and piracy, Diasporas and merchant networks, slave trafficking and escape. Ukraine’s history will be examined through the concepts of the “borderland”/”frontier”, “contact zone” and “hybridity”.


[H Si] "Timen", Hetzen, Entschleunigen. Eine Alltagsgeschichte der Zeit im 20. Jahrhundert
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. I, C 003

Kommentar:

Zeit spielt in unserem Alltag eine große Rolle: Wir schauen jeden Tag unzählige Male auf die Uhr, stellen fest, ob wir zu spät sind oder „gut in der Zeit“, wir sparen Zeit oder vergeuden sie. Zeit erscheint unveränderlich und allgemeingültig. Und doch ist die Zeit, nach der wir uns richten, nicht naturgegeben. Sie ist vielmehr ein Produkt sozialen Handelns und gesellschaftlicher Vereinbarungen, und sie hat eine Geschichte: Ohne die Erfindung der Uhr etwa sähe unser Alltag anders aus, die Einführung einer nach Zeitzonen eingeteilten „Weltzeit“ macht funktionierende Flug- und Fahrpläne erst möglich, kulturell geprägte Vorstellungen von „Zeitmanagement“ bestimmen unseren Umgang mit Zeit, und festgelegte Arbeits- und Schlafenszeiten geben vor, wie wir unseren Tag einteilen. Damit ist die Zeit ein zentraler Teil der Machstrukturen einer Gesellschaft: Die Möglichkeiten des Individuums, über seine eigene Zeit zu verfügen, sei der „substantielle Kern von Freiheit und Unfreiheit“, so formulierte es der Sozialphilosoph Oskar Negt 1984.
Die Geschichtswissenschaft hat sich in den letzten Jahren verstärkt mit dem Phänomen der Zeit beschäftigt, es wurde gar ein „temporal turn“ ausgerufen. Im Seminar werden wir uns den aktuellen Forschungsstand erarbeiten, zentrale Fragen und Themen einer Geschichte der Temporalität herausarbeiten und uns dann auf die Suche machen nach Quellen, die wir nutzen können, um mehr über die Bedeutung der Zeit in Gesellschaften des 20. Jahrhunderts herauszufinden.

Lit.: Geppert, Alexander C. T./Kössler, Till (Hg.): Obsession der Gegenwart. Zeit im 20. Jahrhundert, Göttingen 2015; Esposito, Fernando (Hg.): Zeitenwandel. Transformationen geschichtlicher Zeitlichkeit nach dem Boom, Göttingen 2017.


[H Si] Adel und Religion im 11./12. Jahrhundert
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 029

Kommentar:

Die kirchliche Reformbewegung des 11. Jhs. hat nicht nur den Blick für die Differenz zwischen Sakralem und Profanen in der mittelalterlichen Gesellschaft geschärft und damit neue Ansprüche an den Klerus gestellt. Sie hat zugleich neuen Rollenbildern für den Laien (den einfachen Christen ohne Weihe in der kirchlichen Hierarchie) den Weg geebnet. Die Texte lassen die seit dem 11. Jh. einsetzenden Veränderungen vor allem im Adel erkennen. Prominente Beispiele von Adligen, die auf Herrschaft und Besitz verzichten und sich in ein Kloster zurückziehen, treten neben zahlreiche Fälle, in denen Adlige neuen klösterlichen Reformbewegungen Güter schenken und Klostergründungen ermöglichen. Das 11. und 12. Jh. zeigt nahezu eine Welle adliger Klostergründungen zugunsten der Reformbenediktiner, Zisterzienser und Prämonstratenser. Das religiöse Engagement vieler adliger Familien wirkt sich auch auf deren Bereitschaft aus, an den Kreuzzugsunternehmungen mitzuwirken und die geistlichen Ritterorden zu fördern. Die Texte lassen erkennen, dass adlige Förderung nicht nur für die Klöster und Orden, sondern auch für die beteiligten Adelsfamilien selbst eine zentrale Bedeutung für die eigene Legitimierung und das eigene Herkunfts- und Traditionsbewusstsein besaßen. Das Seminar wird ausgewählte Quellentexte und zentrale Fragestellungen zu diesem Themenfeld diskutieren. Die Bereitschaft, lateinische Texte zu lesen, wird vorausgesetzt.

Literatur: Dendorfer, Jürgen: Gescheiterte Memoria? – Anmerkungen zu den „Hausklöstern“ des hochmittelalterlichen Adels, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 73 (2014), S. 17-38. – Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 47), Göttingen 1977. – Hechberger, Werner: Adel, Ministerialität und Rittertum im Mittelalter (Enzyklopädie deutscher Geschichte 72), 2. Aufl. München 2010. – Oexle, Otto G.: Aspekte der Geschichte des Adels im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, in: Europäischer Adel 1750-1950, hg. von Hans-Ulrich Wehler, Göttingen 1990, S. 19-56. – Tebruck, Stefan: The propaganda of power: memoria, history, patronage, in: The Origins of the German Principalities, 1100-1350. Essays by German Historians, ed. by Graham A. Loud and Jochen Schenk in association with the German Historical Institute London, London/New York 2017, S. 160-180. – Werner, Matthias: Passionsfrömmigkeit und religiöse Bewegungen in der Zeit des Naumburger Meisters, in: Der Naumburger Meister. Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen, 2 Bde., hg. von Hartmut Krohm und Holger Kunde (Schriftenreihe der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz 4), Petersberg 2011, hier Band 1, S. 135-152. – Ders.: Benediktinisches Reformmönchtum und Klosterreform in Thüringen und Ostsachsen in der Zeit des Investiturstreits, in: Wissen und Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen, hg. von Gabriele Köster und Andrea Knopik (Schriften des Zentrums für Mittelalterausstellungen Magdeburg 4), Regensburg 2018, S. 115-179.


[H Si] Der Krieg gegen die Sowjetunion
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2018
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 333a

Kommentar:

Im Hinblick auf die Ausstellung „Vernichtungsort Maly Trostenez. Geschichte und Erinnerung“, die vom 4. Dezember bis zum 17. Januar in der Stadthalle Gießen unter Beteiligung von Studierenden der JLU gezeigt wird, soll das Hauptseminar den breiteren Kontext des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion problematisieren. Neben dem Holocaust in den „Bloodlands“ Weißrussland und Ukraine sollen dabei Themen wie die Belagerung Leningrads oder die Schlacht von Stalingrad zur Sprache kommen.
Als Prüfungsleistung ist eine Hausarbeit im Sinne der Untersuchung einer historischen Fragestellung auf der Grundlage von Quellen vorgesehen. Voraussetzungen dafür sind die Mitgestaltung einer thematischen Sitzung sowie eigene Materialrecherchen.
Literaturhinweise: Beyrau, Dietrich: Schlachtfeld der Diktatoren. Osteuropa im Schatten von Hitler und Stalin. Göttingen 2000; Snyder, Timothy: Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin. München 2011.


[H Si] Die Herausbildung der Polis
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 233

[H Si] Formen der Alleinherrschaft in der Antike
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 233

[H Si] Handel, Waren und Luxus in der transosmanischen Verflechtung
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2018
wöchentlich Mo. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, C 113

Kommentar:

Die Veranstaltung vermittelt mit der Untersuchung von Handelsnetzwerken, einzelnen Händlern oder Kaufleutefamilien, Warenflüssen und Moden bzw. Aspekten des Konsums Zugänge zur Verzahnungsgeschichte zwischen Polen-Litauen, Moskau bzw. Russland und dem Osmanischen Reich sowie Persien vor 1800. Das Schwarze Meer, das Kaspische Meer, Konstantinopel, Astrachan und Trabzon bzw. Täbris sowie Lemberg und viele andere Städte dienten als Drehscheiben und Knotenpunkte, um nach Persien, in den Mittelmeerraum, den Balkan und Moskowitien oder Polen-Litauen zu gelangen. Sowohl Akteure als auch die gehandelten Objekte selbst und insgesamt die Handelsinfrastruktur, aber auch die Verwendung der Waren sollen in mehreren Schritten beleuchtet werden. Von besonderem Interesse ist dabei die Frage, ob im Handel und in den gesellschaftlich rezipierten Moden übergreifende kulturelle Praktiken erkennbar werden, die eine oft vorausgesetzte universelle kulturelle Andersartigkeit der beteiligten Regionen entkräften. Spezielle Sprachkenntnisse sind nicht erforderlich (sie werden jedoch begrüßt), die Lektürefähigkeit englischer Texte wird vorausgesetzt.

Literaturhinweise:
Aslanian, Sebouh David 2011: From the Indian Ocean to the Mediterranean. The Global Trade Networks of Armenian Merchants from New Julfa. Berkeley;
Faroqhi, Suraiya, Gilles Veinstein 2008: Merchants in the Ottoman Empire. Löwen;
Troebst, Stefan 1997: Handelskontrolle, „Derivation“, Eindämmerung. Schwedische Moskaupolitik 1617–1661. Wiesbaden. online: externhttps://www.osmikon.de/metaopac/search?View=ostdok&db=369&id=bsb00094738.


[H Si] Haskalah, jüdische Emanzipation und Antijudaismus in Mittel- und Osteuropa (1750-1850)
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Rathenaustr. 8, 308

Kommentar:

Die jüdischen Bevölkerungen Europas erlebten in dem Jahrhundert zwischen 1750 und 1850 eine Sattelzeit, die in eine neue Konzeptionalisierung jüdischer Existenz und jüdischen Lebens in der Diaspora mündete. Die Haskalah forderte eine neue jüdische Bildung nach den Prinzipien der Aufklärung. Die Emanzipation öffnete neue Lebenswelten, die aber zugleich durch neue Wellen des Antijudaismus als prekär erschienen.
Das Seminar setzt einen Schwerpunkt auf deutsch-osteuropäische Verflechtungen in der Epoche, die durch Verschiebungen der europäischen Grenzen, durch Migration und Kulturtransfer belebt wurden. Deutsche Modelle wurden durch die niedrige Sprachgrenze rezipiert, daraus entstand die deutschsprachige „Wissenschaft vom Judentum“. Zugleich löste diese Übersetzung in osteuropäische und jüdische Traditionen produktive Rezeptionen und Missverständnisse aus, die – in der Literatur, in den bildenden Künsten, in der Publizistik – ebenfalls diskutiert werden.
Insgesamt möchte die Veranstaltung vertiefte Einblicke in eine zentrale Epoche jüdischer Geschichte in Europa geben und gemeinsam Wissen erarbeiten. Erwünscht ist ein Interesse an jüdischer Geschichte und Kultur und/oder an deutsch-osteuropäischen Verflechtungen.

Literatur

Bartal, Israel: Geschichte der Juden im östlichen Europa, 1772-1881. Göttingen 2009.
Brenner, Michael [u.a.], Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit. Bd. 2. Emanzipation und Akkulturation 1780 – 1871. München 1996.
Dohrn, Verena: Jüdische Eliten im Russischen Reich. Aufklärung und Integration im 19. Jahrhundert, Köln 2008.
Grill, Tobias: Der Westen im Osten : deutsches Judentum und jüdische Bildungsreform in Osteuropa ; (1783 - 1939). Göttingen 2011.
Feiner, Shmuel: Haskala – Jüdische Aufklärung. Geschichte einer kulturellen Revolution. Hildesheim / Zürich / New York 2007.
Sadowski, Dirk: Haskala und Lebenswelt. Herz Homberg und die jüdischen deutschen Schulen in Galizien 1782 – 1806, Göttingen 2010.


[Si] Kernprobleme der internationalen Beziehungen seit 1989
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 19.10.2018
wöchentlich Fr. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. I, C 003
4 Einzeltermine:
Fr. 16.11.2018,14.00 - 16.00 Uhr   Phil. I, C 003
Fr. 07.12.2018,14.00 - 17.00 Uhr   Phil. I, G 026
Fr. 14.12.2018,14.00 - 17.00 Uhr   Phil. I, C 003
Fr. 18.01.2019,14.00 - 17.00 Uhr   Phil. I, G 026

Kommentar:

Der Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Osteuropa und der Kollaps der Sowjetunion liegen inzwischen bereits 30 Jahre zurück. Trotz allen damaligen Schwadronierens über ein „Ende der Geschichte“ geht diese jedoch offenkundig mit tiefen Veränderungen und erheblicher Dynamik weiter. Insbesondere folgte auf die kurze Phase einer alleinigen amerikanischen Supermachtstellung inzwischen die Herausbildung eines multipolaren Weltsystems. Das Hauptseminar diskutiert den seit den 1980er Jahren erkennbaren Wandel am Beispiel der heute entscheidende Machtblöcke (USA, Europa, China und Russland) und deren Allianzen und Konflikte um wichtige Einflusszonen (Mittlerer Osten, Süd- und Südostasien) und den globalen Süden. Wichtige Stichworte sind dabei der Zerfall der Weltmachtstellung der USA, die ungeklärte Stellung Europas, die Rolle neuer internationaler Kooperationen (G7, G20, BRIC, Shanghai-Gruppe usw.) sowie die generellen Veränderungen im globalen Süden durch den steigenden Einfluss Chinas und die zunehmend desaströse Lage in weiten Teilen des Mittleren Ostens und in Afrika.
Von den Teilnehmenden wird (in Gruppenarbeit) die Gestaltung einer Sitzung und (so durch die Prüfungsordnung vorgesehen) eine Hausarbeit erwartet. Gasthörer sind willkommen. Aufgabenverteilung und Literatur in der ersten Sitzung.


[Si] Merkantilismus: Renaissance eines Themas oder eines politischen Konzepts?
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
zwei-wöchentlich Do. 09:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 113

Kommentar:

In den von der Presse zu Handelskriegen erklärten Auseinandersetzungen unserer Tage um Handelsbilanzüberschüsse und deren Bekämpfung durch Zölle erfreuen sich Vorstellungen einer erneuten Konjunktur, die lange als merkantilistisch oder neomerkantilistisch gebrandmarkt und als längst überholt abgetan worden waren. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem die historische Forschung zur einstmals als merkantilistisch beschriebenen Epoche vom 16. bis ins 18. Jahrhundert hinein den Begriff des Merkantilismus ad acta zu legen scheint, da er vor allem als Kampfbegriff späterer Freihandelsbefürworter zu verstehen und deshalb wenig geeignet sei, die Wirtschaftspolitik europäischer Staaten während der Frühen Neuzeit zu erhellen. Weiter kompliziert wird die diskursive Konstellation dadurch, dass umgekehrt vor allem von Seiten der Entwicklungsökonomie vermehrt davor gewarnt wird, den Freihandel als wichtige Voraussetzung (industrie-)wirtschaftlicher Entwicklung anzusehen. Die heute wohlhabenden Länder hätten sich vielmehr ganz anderer Mittel bedient und plädierten nun für Freihandel, um so ein Aufholen der weniger wohlhabenden Staaten zu behindern. Angesichts einer so komplexen Diskurskonstellation scheint es ratsam, im Seminar zunächst die entsprechenden frühneuzeitlichen Vorstellungen und Praktiken einer genaueren Analyse zu unterziehen und dann mit den Argumenten ihrer Kritiker, aber auch moderner Entwicklungsökonomen in Beziehung zu setzen. Im Einzelnen soll dabei den jeweiligen Interessen der Teilnehmer/Innen breiter Raum gegeben werden.

Literatur:
Philipp R. Rössner (Hg.), Economic Growth and the Origins of Modern Political Economy. Economic Reasons of State, London 2016;
Moritz Isenmann (Hg.), Merkantilismus. Wiederaufnahme einer Debatte, Stuttgart 2014;
Ha-Joon Chang, Kicking Away the Ladder. Development Strategy in Historical Perspective, London 2003.


[H Si] Neuland betreten: Landesgeschichte im Spiegel archivalischer Quellen
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 030

Kommentar:

Das Hauptseminar führt an die Arbeit mit ungedruckten Quellen heran. Es werden Transkriptionen und Regesten erstellt. Darüber hinaus werden Hilfsmittel und Techniken eingeübt, mit denen unerschlossenes Material in den historischen Kontext eingeordnet werden kann. Das Übungsmaterial, das sich auf die "hessische" Adels- und Kirchengeschichte bezieht, wird aus dem Urkundenfundus der Universitätsbibliothek Gießen bezogen; auch aus Handschriften werden kürzere Texte transkribiert.


[H Si] Weit entfernt und dennoch eng verflochten? Frankreich und der europäische Osten in der Moderne
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
6 Einzeltermine:
Di. 16.10.2018,16.00 - 18.00 Uhr   Phil. I, F 006
Di. 23.10.2018,16.00 - 18.00 Uhr   Phil. I, F 006
Di. 30.10.2018,16.00 - 18.00 Uhr   Phil. I, F 006
Sa. 01.12.2018,10.00 - 15.00 Uhr   Phil. I, F 006
Sa. 08.12.2018,10.00 - 15.00 Uhr   Phil. I, F 006
Sa. 15.12.2018,10.00 - 15.00 Uhr   Phil. I, F 006

Kommentar:

Das Fach Osteuropäische Geschichte konzentriert sich häufig auf die Verflechtungen Deutschlands mit den Regionen östlich davon oder betrachtet diese isoliert. Als Beitrag zu einen breiteren europäischen Verständnis wird dieses Seminar statt dessen die Rolle Frankreichs in Bezug auf die Staaten und Regionen eines breit verstandenen Osteuropas im 19. und 20. Jahrhundert untersuchen. Dabei wird es sowohl um konkrete historische Ereignisse als auch um gegenseitige Bilder gehen. In den Blick genommen werden exemplarisch die Beziehungen zu Russland, Polen, der Tschechoslowakei sowie den Staaten Südosteuropas. Aber auch das deutsch-französische Verhältnis wird nicht ganz außen vorbleiben.
Die Lesefähigkeit in Englisch, Französisch oder einer osteuropäischen Sprache wird vorausgesetzt.

Einführende Lektüre:
- Georg Kreis: Geschichte Frankreichs in Quellen und Darstellung. Bd. 2. Stuttgart 2015.
- Deutschland – Frankreich – Rußland / La France et l'Allemagne face à la Russie
Begegnungen und Konfrontationen. Hrsg. v. Ilja Mieck / Pierre Guillen, München 2000.
- Rider, Jacques Le, Mitteleuropa: auf den Spuren eines Begriffes . Berlin 1994


[H Si] Zwangsarbeiter und Displaced Persons in Hessen: Eine hessisch-osteuropäische Verflechtungsgeschichte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2018
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 011

Kommentar:

Das als Projektseminar geplante Seminar stellt Zwangsarbeiter und Displaced Persons in Hessen im Zeitraum von 1939-1949 ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Wie ist unser heutiger Forschungsstand zur Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg, wie sollte man Täter- und Opferquellen miteinander verbinden? Wie sieht die regionale Forschungslage aus, wo gibt es Forschungslücken.
Die amerikanische Besatzungszone in Hessen war zugleich nach 1945-1949 ein Zentrum der europäischen Migration: Zwangsarbeiter wurden teilweise gewaltsam in ihre Herkunftsregionen, die teilweise zu anderen Staaten gehörten, „repatriiert“. Neue Flüchtlinge kamen in die DP-Lager, die dort infolge des Fehlens aufnahmebereiter Staaten über mehrere Jahre festsaßen. Was kann man über das Nebeneinander von Deutschen und Zwangsarbeitern bzw. DP’s sagen? Wie lassen sich solche Fragen beforschen?
Das Seminar wendet sich an Interessierte der Osteuropäischen Geschichte und der Regionalgeschichte, erwünscht sind auch Teilnehmer aus den Lehramtsstudiengängen. Es besteht die Möglichkeit von Projektarbeit, am Rande des Seminars sollen Produkte zum historischen Lernen entwickelt werden.

Literatur

Föhrding, Hans-Peter/Verfürth, Heinz: Als die Juden nach Deutschland flohen. Ein vergessenes Kapitel der Nachkriegsgeschichte, Köln 2017.
Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter. Politik und Praxis des "Ausländer-Einsatzes" in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn 1999.
Jacobmeyer, Wolfgang: Vom Zwangsarbeiter zum heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945 – 1951, Göttingen 1985.
Keller, Michael: „Das mit den Russenweibern ist erledigt“. Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit, Gestapo-KZ, Massenmord einer SS-Kampfgruppe und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit am Tatort in Hirzenhain wie auf dem Kriegsgräberfriedhof im Kloster Arnsburg, 1943 – 1996, Friedberg 2000.
Köhn, Holger: Die Lage der Lager. Displaced Persons-Lager in der amerikanischen Besatzungszone Deutschlands, Essen 2012.
Plaßwilm, Regina: Die Grenzen des Erzählbaren. Erinnerungsdiskurse von NS-Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in Ost- und Westeuropa, Essen 2011.
Überlebt und unterwegs. Jüdische displaced persons im Nachkriegsdeutschland, Frankfurt a. M. 1997.


 

Seminar

[H Si] "Am schlimmen Rand des Lebens"? Das Greisenalter und die Situation alter Menschen in der Antike
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2018
wöchentlich Mo. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, G 026

Kommentar:

Die soziopolitische Situation alter Menschen in der Antike ist in der Forschung ein kontrovers diskutiertes Feld. Die antiken Zeugnisse zur Lage der Alten sind überaus vielfältig: Das Greisenalter wird in unterschiedlichen Quellengattungen und zu verschieden Zeiten immer wieder thematisiert. Im Rahmen des Hauptseminars soll die Situation alter Menschen und der Umgang mit diesen einerseits längsschnittartig von der griechischen Archaik bis in die Spätantike verfolgt werden. Andererseits soll anhand konkreter Themen, wie der Darstellung Alter in der antiken Vasenmalerei und Skulptur, der Rolle von Greisen im Mythos und des Alters in der antiken Medizin ein Bild der spezifischen Lebenswelt alter Menschen in der Antike erarbeitet werden.

Literatur:
Brandt, H.: Wird auch silbern mein Haar. Eine Geschichte des Alters in der Antike, München 2002.
Gutsfeld, A. /Schmitz, W. (Hgg.): Am schlimmen Rand des Lebens? Altersbilder in der Antike, Köln, u. a. 2003.
Wagner-Hasel, B.: Alter in der Antike. Eine Kulturgeschichte, Köln, u. a. 2012.
Alter in der Antike. Die Blüte des Alters aber ist die Weisheit. Katalog zur Ausstellung im LVR-Landesmuseum Bonn (25.2.2009 – 7.6.2009), hg. v. Landschaftsverband Rheinland, Mainz 2009.


[H Si] "Pre-Modern Ukraine: Borderland or Global Meeting Point?"
Unterrichtssprache Englisch
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 25.10.2018
wöchentlich Do. 08:00 - 10:00 Uhr,  Phil. I, D 106

Kommentar:

This course considers Ukraine as a place of intercultural communication, transfer of goods, people, practices and ideas. Ukraine had witnessed phenomena unknown in West Europe – like white slavery or new state founded by the rebellious outlaws. We will try to understand why Tatars sold their children into slavery. We will explore how the enslaved Ukrainian girl Roxolana became the powerful wife of the Ottoman sultan Suleiman I Magnificent. We will study why Polish and Ukrainian noblemen orientalized themselves through claiming their ancestry from the ancient Sarmatian nomads and dressing themselves in the Ottoman attire. We will examine how the Cossacks shifted from the Black Sea piracy to the foundation of their own statehood – the Hetmanate. Particular attention will be given to the long-distance trade and consumption, fashion and politics, hybrid identities, brigandage and piracy, Diasporas and merchant networks, slave trafficking and escape. Ukraine’s history will be examined through the concepts of the “borderland”/”frontier”, “contact zone” and “hybridity”.


[H Si] Der Krieg gegen die Sowjetunion
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2018
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 333a

Kommentar:

Im Hinblick auf die Ausstellung „Vernichtungsort Maly Trostenez. Geschichte und Erinnerung“, die vom 4. Dezember bis zum 17. Januar in der Stadthalle Gießen unter Beteiligung von Studierenden der JLU gezeigt wird, soll das Hauptseminar den breiteren Kontext des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion problematisieren. Neben dem Holocaust in den „Bloodlands“ Weißrussland und Ukraine sollen dabei Themen wie die Belagerung Leningrads oder die Schlacht von Stalingrad zur Sprache kommen.
Als Prüfungsleistung ist eine Hausarbeit im Sinne der Untersuchung einer historischen Fragestellung auf der Grundlage von Quellen vorgesehen. Voraussetzungen dafür sind die Mitgestaltung einer thematischen Sitzung sowie eigene Materialrecherchen.
Literaturhinweise: Beyrau, Dietrich: Schlachtfeld der Diktatoren. Osteuropa im Schatten von Hitler und Stalin. Göttingen 2000; Snyder, Timothy: Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin. München 2011.


[H Si] Die Herausbildung der Polis
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 233

[H Si] Formen der Alleinherrschaft in der Antike
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 233

[Si] Forschungsprobleme in der amerikanischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. I, E 105

Kommentar:

Die amerikanische Historiographie darf als thesenfreudig beschrieben werden. Aus dieser Freude an der Zuspitzung speisen sich traditionell Forschungskontroversen, die die amerikanische Geschichtsschreibung prägen und häufig Relevanz weit über diese hinaus entfalten – man denke an die zahlreichen „turns“ der letzten Jahre. Dieses Seminar beschäftigt sich mit der unterschiedlichen Interpretation zentraler „Epochen“ (etwa des „Jacksonian America“ oder dem „Kalten Krieg“,), Ereignisse (etwa dem Civil War), Institutionen (etwa dem Militär) und Kategorien (etwa Religion oder Gender): Ist Jacksons Regierungsperiode als Motor der Demokratisierung oder als Zeit der gesellschaftlichen Differenzierung und Marginalisierung zu verstehen? Wirkte der Kalte Krieg einigend auf die USA oder verdeckte er lediglich eine zunehmende innergesellschaftliche Polarisierung? Integrierte und ermächtigte der Erste Weltkrieg African-Americans und neuere Immigrantengruppen durch ihre Teilhabe oder spaltete er diese Gruppen und schwächte sie damit? Sind die neu entstehenden Fundamentalisten in der Zwischenkriegszeit marginalisiert oder Vorreiter der religiösen Eroberung des modernen Amerikas?

Literaturauswahl:
Eric Foner, Lisa McGirr (Hg.): American History Now, Philadelphia 2011.
Nancy C. Unger, Christopher McKnight Nichols (Hg.): A Companion to the Gilded Age and Progressive Era (Wiley Blackwell Companions to American History), Malden 201
James M. Banner Jr. (Hg.): A Century of American Historiography, 2009.
Patrick Allittt (Hg.): Major Problems in American Religious History, Boston 2013.
Elizabeth Cobbs Hoffman, Edward J. Blum, Jon Gjerde (Hg.): Major Problems in American History (Volume II: Since 1865), Boston 2012.
Paul Ortiz: An African American and Latinx History of the United States, Boston 2018.


[H Si] Handel, Waren und Luxus in der transosmanischen Verflechtung
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2018
wöchentlich Mo. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, C 113

Kommentar:

Die Veranstaltung vermittelt mit der Untersuchung von Handelsnetzwerken, einzelnen Händlern oder Kaufleutefamilien, Warenflüssen und Moden bzw. Aspekten des Konsums Zugänge zur Verzahnungsgeschichte zwischen Polen-Litauen, Moskau bzw. Russland und dem Osmanischen Reich sowie Persien vor 1800. Das Schwarze Meer, das Kaspische Meer, Konstantinopel, Astrachan und Trabzon bzw. Täbris sowie Lemberg und viele andere Städte dienten als Drehscheiben und Knotenpunkte, um nach Persien, in den Mittelmeerraum, den Balkan und Moskowitien oder Polen-Litauen zu gelangen. Sowohl Akteure als auch die gehandelten Objekte selbst und insgesamt die Handelsinfrastruktur, aber auch die Verwendung der Waren sollen in mehreren Schritten beleuchtet werden. Von besonderem Interesse ist dabei die Frage, ob im Handel und in den gesellschaftlich rezipierten Moden übergreifende kulturelle Praktiken erkennbar werden, die eine oft vorausgesetzte universelle kulturelle Andersartigkeit der beteiligten Regionen entkräften. Spezielle Sprachkenntnisse sind nicht erforderlich (sie werden jedoch begrüßt), die Lektürefähigkeit englischer Texte wird vorausgesetzt.

Literaturhinweise:
Aslanian, Sebouh David 2011: From the Indian Ocean to the Mediterranean. The Global Trade Networks of Armenian Merchants from New Julfa. Berkeley;
Faroqhi, Suraiya, Gilles Veinstein 2008: Merchants in the Ottoman Empire. Löwen;
Troebst, Stefan 1997: Handelskontrolle, „Derivation“, Eindämmerung. Schwedische Moskaupolitik 1617–1661. Wiesbaden. online: externhttps://www.osmikon.de/metaopac/search?View=ostdok&db=369&id=bsb00094738.


[H Si] Haskalah, jüdische Emanzipation und Antijudaismus in Mittel- und Osteuropa (1750-1850)
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Rathenaustr. 8, 308

Kommentar:

Die jüdischen Bevölkerungen Europas erlebten in dem Jahrhundert zwischen 1750 und 1850 eine Sattelzeit, die in eine neue Konzeptionalisierung jüdischer Existenz und jüdischen Lebens in der Diaspora mündete. Die Haskalah forderte eine neue jüdische Bildung nach den Prinzipien der Aufklärung. Die Emanzipation öffnete neue Lebenswelten, die aber zugleich durch neue Wellen des Antijudaismus als prekär erschienen.
Das Seminar setzt einen Schwerpunkt auf deutsch-osteuropäische Verflechtungen in der Epoche, die durch Verschiebungen der europäischen Grenzen, durch Migration und Kulturtransfer belebt wurden. Deutsche Modelle wurden durch die niedrige Sprachgrenze rezipiert, daraus entstand die deutschsprachige „Wissenschaft vom Judentum“. Zugleich löste diese Übersetzung in osteuropäische und jüdische Traditionen produktive Rezeptionen und Missverständnisse aus, die – in der Literatur, in den bildenden Künsten, in der Publizistik – ebenfalls diskutiert werden.
Insgesamt möchte die Veranstaltung vertiefte Einblicke in eine zentrale Epoche jüdischer Geschichte in Europa geben und gemeinsam Wissen erarbeiten. Erwünscht ist ein Interesse an jüdischer Geschichte und Kultur und/oder an deutsch-osteuropäischen Verflechtungen.

Literatur

Bartal, Israel: Geschichte der Juden im östlichen Europa, 1772-1881. Göttingen 2009.
Brenner, Michael [u.a.], Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit. Bd. 2. Emanzipation und Akkulturation 1780 – 1871. München 1996.
Dohrn, Verena: Jüdische Eliten im Russischen Reich. Aufklärung und Integration im 19. Jahrhundert, Köln 2008.
Grill, Tobias: Der Westen im Osten : deutsches Judentum und jüdische Bildungsreform in Osteuropa ; (1783 - 1939). Göttingen 2011.
Feiner, Shmuel: Haskala – Jüdische Aufklärung. Geschichte einer kulturellen Revolution. Hildesheim / Zürich / New York 2007.
Sadowski, Dirk: Haskala und Lebenswelt. Herz Homberg und die jüdischen deutschen Schulen in Galizien 1782 – 1806, Göttingen 2010.


[Si] Kolonialgeschichte Frankreichs seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. I, C 113

[H Si] Neuland betreten: Landesgeschichte im Spiegel archivalischer Quellen
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 030

Kommentar:

Das Hauptseminar führt an die Arbeit mit ungedruckten Quellen heran. Es werden Transkriptionen und Regesten erstellt. Darüber hinaus werden Hilfsmittel und Techniken eingeübt, mit denen unerschlossenes Material in den historischen Kontext eingeordnet werden kann. Das Übungsmaterial, das sich auf die "hessische" Adels- und Kirchengeschichte bezieht, wird aus dem Urkundenfundus der Universitätsbibliothek Gießen bezogen; auch aus Handschriften werden kürzere Texte transkribiert.


[H Si] Weit entfernt und dennoch eng verflochten? Frankreich und der europäische Osten in der Moderne
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
6 Einzeltermine:
Di. 16.10.2018,16.00 - 18.00 Uhr   Phil. I, F 006
Di. 23.10.2018,16.00 - 18.00 Uhr   Phil. I, F 006
Di. 30.10.2018,16.00 - 18.00 Uhr   Phil. I, F 006
Sa. 01.12.2018,10.00 - 15.00 Uhr   Phil. I, F 006
Sa. 08.12.2018,10.00 - 15.00 Uhr   Phil. I, F 006
Sa. 15.12.2018,10.00 - 15.00 Uhr   Phil. I, F 006

Kommentar:

Das Fach Osteuropäische Geschichte konzentriert sich häufig auf die Verflechtungen Deutschlands mit den Regionen östlich davon oder betrachtet diese isoliert. Als Beitrag zu einen breiteren europäischen Verständnis wird dieses Seminar statt dessen die Rolle Frankreichs in Bezug auf die Staaten und Regionen eines breit verstandenen Osteuropas im 19. und 20. Jahrhundert untersuchen. Dabei wird es sowohl um konkrete historische Ereignisse als auch um gegenseitige Bilder gehen. In den Blick genommen werden exemplarisch die Beziehungen zu Russland, Polen, der Tschechoslowakei sowie den Staaten Südosteuropas. Aber auch das deutsch-französische Verhältnis wird nicht ganz außen vorbleiben.
Die Lesefähigkeit in Englisch, Französisch oder einer osteuropäischen Sprache wird vorausgesetzt.

Einführende Lektüre:
- Georg Kreis: Geschichte Frankreichs in Quellen und Darstellung. Bd. 2. Stuttgart 2015.
- Deutschland – Frankreich – Rußland / La France et l'Allemagne face à la Russie
Begegnungen und Konfrontationen. Hrsg. v. Ilja Mieck / Pierre Guillen, München 2000.
- Rider, Jacques Le, Mitteleuropa: auf den Spuren eines Begriffes . Berlin 1994


[H Si] Zwangsarbeiter und Displaced Persons in Hessen: Eine hessisch-osteuropäische Verflechtungsgeschichte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2018
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 011

Kommentar:

Das als Projektseminar geplante Seminar stellt Zwangsarbeiter und Displaced Persons in Hessen im Zeitraum von 1939-1949 ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Wie ist unser heutiger Forschungsstand zur Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg, wie sollte man Täter- und Opferquellen miteinander verbinden? Wie sieht die regionale Forschungslage aus, wo gibt es Forschungslücken.
Die amerikanische Besatzungszone in Hessen war zugleich nach 1945-1949 ein Zentrum der europäischen Migration: Zwangsarbeiter wurden teilweise gewaltsam in ihre Herkunftsregionen, die teilweise zu anderen Staaten gehörten, „repatriiert“. Neue Flüchtlinge kamen in die DP-Lager, die dort infolge des Fehlens aufnahmebereiter Staaten über mehrere Jahre festsaßen. Was kann man über das Nebeneinander von Deutschen und Zwangsarbeitern bzw. DP’s sagen? Wie lassen sich solche Fragen beforschen?
Das Seminar wendet sich an Interessierte der Osteuropäischen Geschichte und der Regionalgeschichte, erwünscht sind auch Teilnehmer aus den Lehramtsstudiengängen. Es besteht die Möglichkeit von Projektarbeit, am Rande des Seminars sollen Produkte zum historischen Lernen entwickelt werden.

Literatur

Föhrding, Hans-Peter/Verfürth, Heinz: Als die Juden nach Deutschland flohen. Ein vergessenes Kapitel der Nachkriegsgeschichte, Köln 2017.
Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter. Politik und Praxis des "Ausländer-Einsatzes" in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn 1999.
Jacobmeyer, Wolfgang: Vom Zwangsarbeiter zum heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945 – 1951, Göttingen 1985.
Keller, Michael: „Das mit den Russenweibern ist erledigt“. Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit, Gestapo-KZ, Massenmord einer SS-Kampfgruppe und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit am Tatort in Hirzenhain wie auf dem Kriegsgräberfriedhof im Kloster Arnsburg, 1943 – 1996, Friedberg 2000.
Köhn, Holger: Die Lage der Lager. Displaced Persons-Lager in der amerikanischen Besatzungszone Deutschlands, Essen 2012.
Plaßwilm, Regina: Die Grenzen des Erzählbaren. Erinnerungsdiskurse von NS-Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in Ost- und Westeuropa, Essen 2011.
Überlebt und unterwegs. Jüdische displaced persons im Nachkriegsdeutschland, Frankfurt a. M. 1997.


 
[P Si] Die Urkunde: Kunstwerk – Medium – Rechtsdokument? Zur Einführung in die Diplomatik
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, F 007

Kommentar:

Die Urkunde galt in der älteren Diplomatik und Mediävistik des 19. und frühen 20. Jhs. als unumstößlicher Beweis für die historische Wahrheit. Sie wurde vor allem als Rechtsdokument wahrgenommen, dem man höchste Autorität und Glaubwürdigkeit zubilligte, da der Urkundentext vor Gericht als Beweismittel galt. Umso wichtiger war es für die Diplomatik, methodisch klare Grenzen zwischen echten, verfälschten und gefälschten Urkunden zu ziehen. Die neuere Urkundenforschung der letzten 50 Jahre hat den Blick auf Urkunden erheblich erweitert und dabei auch Fragen der Mediengeschichte und der Kunstgeschichte einbezogen. Heute gelten Urkunden als außerordentlich facettenreiche Quellenzeugnisse. Sie sind Ergebnis multilateraler Aushandlungsprozesse, an denen nicht nur Aussteller und Empfänger beteiligt waren. Sie haben nicht nur rechtssichernde, sondern auch narrative und repräsentative Funktionen. In den weitgehend illiteraten Gesellschaften des Hochmittelalters sind sie auch ästhetische, auratisierende Medien. Das Proseminar im Orientierungsmodul wird zentrale Texte aus der älteren und neueren Urkundenforschung sowie ausgewählte Fallbeispiele aus der Urkundenüberlieferung des Früh- und Hochmittelalters diskutieren. Ggf. werden wir dies mit einem Archivbesuch verbinden.

Literatur: Beck, Friedrich/Henning, Eckart (Hrsg.), Die archivalischen Quellen. Mit einer Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften (Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs 29, 4. Aufl. 2004). – Bresslau, Harry: Handbuch der Urkundenlehre für Deutschland und Italien, 2 Bde. (2. Aufl. 1912-15, ND 1968-69). – Brandt, Ahasver von: Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften (18. Aufl., 2012). – Frenz, Thomas: Papsturkunden des Mittelalters und der Neuzeit (Historische Grundwissenschaften in Einzeldarstellungen Bd. 2; 2. Aufl. 2000). – Hruza, Karel/Herold, Paul (Hrsg.): Wege zur Urkunde – Wege der Urkunde – Wege der Forschung. Beiträge zur europäischen Diplomatik des Mittelalters (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters – Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii, 24). Wien/Köln/Weimar 2005. – Lindner, Michael: War das Medium schon die Botschaft? Mediale Form, Inhalt und Funktion mittelalterlicher Herrscherurkunden, in: Diplomatische Forschungen in Mitteldeutschland, hrsg. von T. Graber (Schriften zur Sächsischen Geschichte und Volkskunde 12, 2005), S. 29-57. – Rück, Peter: Die Urkunde als Kunstwerk, in: Kaiserin Theophanu. Begegnung des Ostens und Westens um die Wende des ersten Jahrtausends. Gedenkschrift des Kölner Schnütgen-Museums zum 1000. Todesjahr der Kaiserin, hrsg. von A. v. Euw und P. Schreiner (1991) 2, S. 311-333. – Schieffer, Rudolf: Die Erschließung der historischen Quellen des Mittelalters: Alte Probleme und neue Entwicklungen, in: Editionen: Wandel und Wirkung, hg. von Annette Sell, Tübingen 2007, S. 55-64. – Ders.: Diplomatik und Geschichtswissenschaft, in: Archiv für Diplomatik 52 (2006), S. 233-248. – Vogtherr, Thomas: Urkundenlehre (Hahnsche Historische Hilfswissenschaften 3), 2. Aufl. Hannover 2017.


[Ü] Einführung in die Lektüre französischsprachiger Texte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, C 113

[Ü] Erfolgreiches Latein in Studium und Praxis  (AfK-Nr. 11)
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2018
wöchentlich Di. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, D 106

Kommentar:

Für den Erfolg von angehenden Studierenden der Altertumswissenschaften, der Kunstgeschichte, der Geschichtswissenschaft, der Theologie und der Germanistik ist die Fähigkeit, lateinischsprachige Quellen erschließen zu können, von zentraler Bedeutung. Die Grundlage dafür wurde im "klassischen" Lateinunterricht gelegt. Diese bereits erworbenen Kompetenzen gilt es einerseits zu pflegen, andererseits im Hinblick auf die jeweilige Epoche und den Untersuchungsgegenstand zu erweitern. Der Kurs soll dazu befähigen, Latein in den geisteswissenschaftlichen Studiengängen sowie in der späteren Berufspraxis anwenden zu können.


[Ü] Old writing. German, French and English palaeography of the sixteenth and seventeenth century
Unterrichtssprache: Englisch
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
7 Einzeltermine:
Di. 16.10.2018,09.00 - 12.00 Uhr   Phil. I, B 033
Di. 06.11.2018,09.00 - 12.00 Uhr   Phil. I, B 033
Di. 13.11.2018,09.00 - 12.00 Uhr   Phil. I, B 033
Di. 11.12.2018,09.00 - 12.00 Uhr   Phil. I, B 033
Di. 08.01.2019,09.00 - 12.00 Uhr   Phil. I, B 033
Di. 29.01.2019,09.00 - 12.00 Uhr   Phil. I, B 033
Di. 05.02.2019,09.00 - 12.00 Uhr   Phil. I, B 033

Kommentar:

Palaeography is the study of old handwriting. In this course we will study German, English and French handwriting of the sixteenth- and seventeenth century. At first glance, documents written at this time may look wholly illegible to the modern reader. Many of the letters differ considerably from the ones used today, punctuation is often absent, and texts contain abbreviations we no longer use. This course will provide you with the basic knowledge to understand what the texts say, to interpret their sentence structure, and to transcribe the abbreviations. Furthermore, studying these texts will add to developing an understanding of how historical research is conducted and teach you about the pitfalls in using these sources.
Palaeography is an essential skill for delving into and understanding Early Modern History. As with any new skill, the only real way to become proficient in reading old handwriting is to practise, practise and practise.
The examination consists of a source analysis and transcription of 10.000 to 12.000 characters.


[Ü] Quellenarbeit in den digitalen Geschichtswissenschaften
Die Veranstaltung hat keinen epochalen Schwerpunkt und richtet sich an alle Studierenden im Master.
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr,  Rathenaustr. 8, 401

Kommentar:

Quellen sind die Grundlage historischen Arbeitens. Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung sind Historikerinnen und Historiker zunehmend mit digitalen Quellen konfrontiert.
Hier stellt sich die Frage, wie die anerkannten Methoden zur Recherche, Analyse und Interpretation von Quellen der Geschichtswissenschaften auf digitale Quellen Anwendung finden können. Die Übung widmet sich also dem Spannungsfeld von Analyse, Einordung und Verständnis verschiedener Quellentypen in ihrer analogen und digitalen Ausprägung.


 
[Koll] Kolloquium
Termine werden noch bekannt gegeben.
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
k.A.

[O Si] Neue Forschungen zur Osteuropäischen Geschichte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2018
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr,  Phil. I, G 333

[O Si] Neueste Forschungen zur Geschichte der Frühen Neuzeit
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2018
wöchentlich Mo. 18:00 - 20:00 Uhr,  Phil. I, C 113

[O Si] Oberseminar Neuere und Neueste Geschichte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 18:00 - 20:00 Uhr,  Phil. I, C 214
Einzeltermin:
Mi. 19.12.2018,18.00 - 20.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 103

[O Si] Werkstattberichte aus laufenden Forschungsarbeiten in der Mediävistik
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2018
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr,  Phil. I, C 003

Kommentar:

Die Veranstaltung bietet MA-, L3- und Promotionsstudierenden sowie Postdocs der geschichtswissenschaftlichen und germanistischen Mediävistik die Gelegenheit, ihre entstehenden Arbeiten im interdisziplinären Expertenkreis zu diskutieren. Eine Qualifikation ist nur in Absprache mit den Lehrenden und abhängig vom jeweiligen Studiengang möglich.


[Koll] Kolloquium
Termine werden noch bekannt gegeben.
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
k.A.

[O Si] Neue Forschungen zur Osteuropäischen Geschichte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2018
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr,  Phil. I, G 333

[O Si] Neueste Forschungen zur Geschichte der Frühen Neuzeit
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2018
wöchentlich Mo. 18:00 - 20:00 Uhr,  Phil. I, C 113

[O Si] Oberseminar Neuere und Neueste Geschichte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 18:00 - 20:00 Uhr,  Phil. I, C 214
Einzeltermin:
Mi. 19.12.2018,18.00 - 20.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 103

[O Si] Werkstattberichte aus laufenden Forschungsarbeiten in der Mediävistik
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2018
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr,  Phil. I, C 003

Kommentar:

Die Veranstaltung bietet MA-, L3- und Promotionsstudierenden sowie Postdocs der geschichtswissenschaftlichen und germanistischen Mediävistik die Gelegenheit, ihre entstehenden Arbeiten im interdisziplinären Expertenkreis zu diskutieren. Eine Qualifikation ist nur in Absprache mit den Lehrenden und abhängig vom jeweiligen Studiengang möglich.


 

Gewählt werden kann das Referenzmodul aus den Angeboten der Fächer der Fachbereiche 03, 04 und 05 (z. B. Kirchengeschichte, Kunstgeschichte, Archäologie, Germanistik, Romanistik, Anglistik etc.) sowie den Fächern des Instituts für Philosophie, der Rechtswissenschaft, der Medizingeschichte, der Geographie oder aus sprachpraktischen Lehrveranstaltungen.

nach oben | Kontakt: evv@uni-giessen.de