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Vorlesungsverzeichnis: SoSe 2017

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Fachbereich 04: Geschichts- und Kulturwissenschaften - Gliederung nach anbietenden Einrichtungen - Osteuropäische Geschichte

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[Vl] Altrussland. Von Vladimir dem Heiligen bis Ivan dem Schrecklichen
Klausurtermin: 11.07.2017
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.04.2017
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, A 3

Kommentar:

Die Vorlesung soll mit Blick auf die älteste Chronik der Frage nachgehen, „woher die Russen ihren Namen haben“. Dezidiert wird hier nicht eine Geschichte Russlands geschrieben, sondern versucht, der Eigenständigkeit der Kiever Rus‘ und dem Schicksal der Ostslaven in der Polnisch-Litauischen Union als Alternative zum Moskauer Reich gerecht zu werden.
Aus jeder Sitzung wird eine Frage für die Klausur abgeleitet, so dass eine regelmäßige Teilnahme für das Bestehen der Prüfung erforderlich wird.

Literaturhinweise:
Studienhandbuch Östliches Europa. Bd. 2: Geschichte des Russischen Reiches und der Sowjetunion. Hrsg. v. Thomas M. Bohn, Dietmar Neutatz. 2. überarbeitete und aktualisierte Aufl. Köln/Weimar/Wien 2009.
Kappeler, Andreas: Russland als Vielvölkerreich. Entstehung – Geschichte – Zerfall. 2., überarbeitete Aufl. München 2008.
Stökl, Günther/Manfred Alexander: Russische Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. 7., vollständig überarbeitete und aktualisierte Aufl. Stuttgart 2009.


[Vl] Über Grenzen. Kulturelle und intellektuelle Einflüsse zwischen den deutschen Gesellschaften und Ostmitteleuropa 1945-2004
Klausurtermin: 13.07.2016
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 20.04.2017
wöchentlich Do. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, A 5

Kommentar:

Die Vorlesung beschreibt und analysiert die Kontakte zwischen den deutschen Gesellschaften und Staaten mit ihren ostmittel- und osteuropäischen Nachbarn nach dem Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus und unter den Bedingungen des Systemgegensatzes und des Kalten Krieges. Nach 1945 gab es Millionen von Displaced Persons und Flüchtlingen in den deutschen Ländern, hinzu kamen Millionen von deutschen Vertriebenen, die zweisprachig waren. Wie gestalteten sich unter diesen Bedingungen gesellschaftliche, wirtschaftliche, kulturelle und nach 1949 auch politische Kontakte? Welche Schlüsselpersönlichkeiten, -institutionen und Gatekeeper gab es in beiden deutschen Gesellschaften und Staaten? Wie sahen die Kommunikationsbedingungen in der Epoche von Passierscheinen und Visa aus?
In den Blick genommen werden mit historischen und kulturwissenschaftlichen Methoden beide deutschen und die osteuropäischen Gesellschaften – was wurde in der DDR, was in der Bundesrepublik rezipiert und vermittelt? Welche harten Grenzen und Hindernisse gab es bei Transfer und Übersetzung?
Ein Schwerpunkt liegt auf den Jahren 1945-1989 – ansatzweise sollen jedoch auch die 1990er Jahre in den Blick genommen werden.

Axel Schildt (Hg.), Ausländische intellektuelle Einflüsse in der Bundesrepublik bis 1990. Göttingen 2016.


[H Si] Die Krankenmorde („Euthanasie“) im Deutschen Reich und im östlichen Europa im Zweiten Weltkrieg
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 24.04.2017
wöchentlich Mo. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

Die nationalsozialistische Rassenlehre (Eugenik) und die daraus resultierende Ausgrenzung, Verfolgung und schließlich Ermordung von Menschen mit Behinderung und psychischer Auffälligkeit in Heimen und Anstalten gehört an sich zu den gut erforschten Themen der NS-Geschichte. Damit einher ging eine Abwertung und Brutalisierung (Überfüllung der Anstalten, Entzug von Ressourcen) , die schließlich dem als „Euthanasie“ getarnten Massenmord den Weg ebnete. Berühmt ist die Charakterisierung der Euthanasie im Nationalsozialismus durch den US-amerikanischen Berichterstatter des Nürnberger Ärzteprozesses Leo Alexander: „Der Anfang war eine feine Verschiebung in der Grundeinstellung der Ärzte. Es begann mit der Akzeptanz der Einstellung, das es bestimmte Leben gibt, die wert sind gelebt zu werden. Diese Einstellung umfasste in seiner frühen Ausprägung die ernsthaft und chronisch Kranken. Allmählich wurde der Kreis derjenigen, die in diese Kategorie einbezogen wurden, ausgeweitet auf die sozial Unproduktiven, die ideologisch Unerwünschten, die rassisch Unerwünschten... es ist wichtig zu erkennen, dass die unendlich kleine Eintrittspforte, von der aus diese ganze Geisteshaltung ihren Lauf nahm, die Einstellung gegenüber nicht rehabilitierbarer Krankheit war.“ Diese Prozesse sollen in einem ersten Basisteil analysiert werden.

Deutlich schlechter erforscht sind die Krankenmorde im Zweiten Weltkrieg im von den Deutschen besetzten östlichen Europa. Darum soll es in einem stärker forschungsorientierten Teil des Seminars mit einem Schwerpunkt auf den eingegliederten polnischen Gebieten und insbesondere dem Reichsgau Wartheland gehen.

Verbunden mit dem Seminar ist eine fünftägige Exkursion nach Lodz (Łódź) vom 24. bis 28. Mai 2016. Es stehen insgesamt 15 Exkursionsplätze zur Verfügung, die Reisekosten sind finanziert. Bedingung für die Teilnahme an der Exkursion ist eine aktive Seminarteilnahme.

Da der Exkursionstermin bereits feststeht, gleichzeitig aber zu Semesterbeginn mehrere Montagssitzungen ausfallen, findet am Freitag, dem 5. Mai, eine Zusatzveranstaltung statt. Bitte tragen Sie sich den Termin bereits jetzt in Ihren Terminkalender ein!

Zahlreiche Informationen zum Seminarthema und sehr gute einführende Beiträge finden Sie auf dem Portal externhttp://www.gedenkort-t4.eu. Bitte lesen Sie sich auf der Basis der dort verfügbaren Texte in das Seminarthema ein!


[H Si] Geschichte des Kalten Krieges als Sportgeschichte  (The Cold War as Sport History)
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 20.04.2017
wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. I, C 029

Kommentar:

In this seminar, we will investigate the interdependences between sports and societies during the Cold War. The lessons drawn in this class enhance our overall understanding of the inextricable ties between sports, politics, and society then and now.
We will seek answers to questions such as: How is the Cold War reflected in sports, sports competition and athletic bodies? What do we learn from sports about individual and collective identities during the Cold War? How has the Cold War shaped sports nationally and internationally? What can we learn from sports about a putative Cold War way of thinking?
Sports here are defined as physical activities for leisure and for competition. As a period, the Cold War is understood as the time between 1948 and 1991. As a concept, the Cold War also represents a cognitive framework shaping social structures, power hierarchies, as well as gender, racial, ethnic, and political identities.
Sports history facilitates engaging with and understanding the history of Cold War as well as its lasting legacy. This seminar is based on the premise that sports are as much a reflection of society as they are a constitutive part thereof. Thus, they possess the power to confirm and cement but also challenge and change social structures.
In the course of this term, we will revisit some of the key landmarks of Cold War sports history, such as the soccer championships of 1954 and 1974, the rise of doping, the Olympic boycotts of 1980 and 1984. We will explore socially constructed concepts such as gender, race, nation, and developments such as decolonization, commercialization, and globalization within and as part of the East-West-conflict. The focus will lie mostly on the United States, West Germany, Hungary, East Germany and the Soviet Union.


[H Si] Konstantinopel/Istanbul (1500-1800)
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 24.04.2017
wöchentlich Mo. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, G 025

Kommentar:

Konstantinopel/Istanbul war in der Frühneuzeit neben London und vor Paris eine der größten Städte des europäischen Kontinents. Als multifunktionaler Zentralort diente die Stadt zum einen als sozialer Verdichtungsraum der multireligiösen und vielsprachigen Bevölkerung des Osmanischen Reichs. Zum anderen war sie Scharnier zwischen dem Mittelmeerraum, der Schwarzmeerregion, Anatolien und Südosteuropa einschließlich Venedigs. Im Seminar werden anhand zahlreicher Themen Zugänge zu einer Geschichte Istanbuls im überregionalen Kontext der frühen Neuzeit erprobt.

Literaturhinweise:
Kreiser, Klaus. Istanbul. Ein historisch-literarischer Stadtführer. München 2001.
Boyar, Ebru; Fleet, Kate: A Social History of Ottoman Istanbul Cambridge 2010.


[H Si] Mörder, Lästerer, Verräter. Majestätsverbrechen im Europa der Frühen Neuzeit
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 24.04.2017
wöchentlich Mo. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

Die Frage danach, wie und ob die Beleidigung eines - fremden - Staatsoberhauptes in der Bundesrepublik Deutschland der Gegenwart bestraft werden sollte, hat in der jüngsten Vergangenheit eine heftige Debatte ausgelöst. Eine besondere Bestrafung von Handlungen, die sich gegen Staatsoberhäupter richten, scheinen dabei ein recht direktes Erbe einer rund zweitausendjährigen europäischen Praxis zu sein. Während der längsten Zeit ihrer Geschichte waren die meisten europäischen Gesellschaften durch eine monarchische Organisationsform geprägt. Ein Angriff auf den Monarchen konnte dabei häufig genug als ein Angriff auf Herrschaft im Allgemeinen und damit die Grundfesten des Gemeinwesens interpretiert werden. Majestätsverbrechen nahmen jedoch sehr unterschiedliche Formen an - von der einfachen Beleidigung, über den Hoch- und Landesverrat bis hin zum Attentat. Im Seminar wollen wir entsprechend mit einem europäisch vergleichendem Blick die Frage nach Monarchiekonzepten und dem ihnen inhärenten Herrschaftsverständnis stellen. Dies wird exemplarisch an dem Thema des Angriffs auf den Monarchen besonders deutlich. Neben dem Problem eines physischen Angriffs auf den Herrscher oder seine Vertreter spielen andererseits auch etwa die Frage nach den Grenzen des Sagbaren, Spott und Beleidigung einerseits sowie Zensur beziehungsweise obrigkeitliche Toleranz andererseits eine Rolle.

Die Bereitschaft zum Lesen englischsprachiger Texte wird vorausgesetzt, Kenntnisse in allen anderen europäischen Sprachen sind natürlich nicht verpflichtend, aber sehr willkommen.

Literaturhinweise:

Peter Collin, Majestätsbeleidigung, in: Enzyklopädie der Neuzeit Bd. 7, Stuttgart/Weimar 2008, 1121-1123.
Angela De Benedictis/Karl Härter (Hg.), Revolten und politische Verbrechen zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert. Rechtliche Reaktionen und juristisch-politische Diskurse, Frankfurt a.M. 2013.
Karl Härter/Beatrice de Graaf (Hg.), Vom Majestätsverbrechen zum Terrorismus. Politische Kriminalität, Recht, Justiz und Polizei zwischen Früher Neuzeit und 20. Jahrhundert. Frankfurt am Main 2012.
G.A. Kelly, From Lèse-Majesté to Lèse-Nation. Treason in Eighteenth-Century France, in: Journal of the History of Ideas 42.2, 269-286.
Orest Ranum, Lese-majeste divine. Transgressing Boundaries by Thought and Action in Mid- Seventeenth-Century France, in: Proceedings of the Western Society for French History 9 (1981), 68-80.
Angela Rustemeyer, Dissens und Ehre. Majestätsverbrechen in Russland (1600 - 1800), Wiesbaden 2006.
Helga Schnabel-Schüle, Das Majestätsverbrechen als Herrschaftsschutz und Herrschaftskritik, in: Aufklärung 7.2 (1994), 29-47.


[H Si] „Große Sozialistische Oktoberrevolution“ oder „Oktoberputsch“? Russland 1917-2017
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 24.04.2017
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

Das Jahr 2017 markiert das 100. Jubiläum der Februarrevolution und der Oktoberrevolution in Russland. Seit dem Untergang der Sowjetunion war das Ereignis kein großes Thema mehr in der historischen Forschung.
Flankiert von einer Ringvorlesung wollen wir den Ereignisverlauf aus der Perspektive der führenden Persönlichkeiten rekonstruieren und darüber hinaus zu der in der Öffentlichkeit in diesem Jahr zu erwartenden Resonanz Stellung nehmen.
Dabei sollen die TeilnehmerInnen sich auf eine Person oder ein Ereignis konzentrieren, einen Text zur gemeinsamen Lektüre heraussuchen und das Thema mit einem Thesenzettel zur Diskussion stellen.
Ziel ist die Vorlage einer Hausarbeit, die einer historischen Frage auf Grund von Quellen nachgeht und dabei auf den Forschungsstand rekurriert.

Literaturhinweise
Aust, Martin: Die Russische Revolution: Vom Zarenreich zum Sowjetimperium. München 2017.
Altrichter, Helmut: Rußland 1917. Ein Land auf der Suche nach sich selbst. Paderborn 1997.
Geyer, Dietrich: Die russische Revolution. Historische Probleme und Perspektiven. 2., durchges. und bibliogr. erg. Aufl. Göttingen 1977 (Kleine Vandehoeck Reihe 1433).
Hellmann, Manfred (Hrsg.): Die russische Revolution 1917. Von der Abdankung des Zaren bis zum Staatsstreich der Bolschewiki. 6. Aufl. München 1987 (dtv dokumente).
Hildermeier, Manfred: Die russische Revolution 1905-1921. Frankfurt am Main 1989 (Neue Historische Bibliothek; edition suhrkamp 1534).
Hildermeier, Manfred: Russische Revolution. Frankfurt am Main 2004 (Fischer Taschenbücher 15352; Fischer kompakt).
Smith, Steve A.: Die russische Revolution. Stuttgart 2011 (Reclams Universalbibliothek 18703; Reclams Sachbuch).


[P Si] Alltag im Kommunismus in Bildquellen aus Ostmitteleuropa
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 20.04.2017
wöchentlich Do. 08:00 - 10:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

Das Proseminar beschäftigt sich mit Formen der bildlichen Repräsentation Ostmitteleuropas zwischen 1950 und 1989. Die Art der Bildquellen reicht dabei von klassischen Propagandapublikationen über Alltagsfotografien bis hin zu materiellen Quellen wie Postern, Zeitungen, Reiseführer, Stadtplänen, Briefmarken und Geldscheinen. In Betracht kommen auch Materialen des politischen Untergrunds (z.B. aus der Zeit der Solidarnosc in Polen nach 1980/81). Fragen, die im Proseminar vertieft behandelt werden, sind:

- Wie gehen wir mit bildlichen Quellen um, wie unterscheiden sie sich von schriftlichen Dokumenten?
- Welche besonderen Aussagewert gewinnen wir aus visuellen Quellen?
- Welche besonderen Herausforderungen bestehen bei der Beschäftigung mit Bildern aller Art (auch rechtliche Probleme)?
- Wie binden wir digitale Bildquellen in unseren Forschungsansatz ein?

Dabei wird vor allem mit Originalquellen aus den umfangreichen Beständen des Herder-Instituts in Marburg gearbeitet, aus denen auch Proseminararbeiten erarbeitet werden können. Eingeleitet wird das Seminar mit einem Überblick über mögliche Forschungsfragen aus dem Bereich der visual history. Besondere Sprachkenntnisse sind außer guten Englischkenntnissen nicht notwendig, wobei Kenntnisse ostmitteleuropäischer Sprachen (Polnsich, Tschechisch, Slowakisch, Ungarishc, baltische Sprachen) natürlich sehr willkommen sind.


[P Si] Die Christianisierung des Kiever Reichs
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.04.2017
wöchentlich Di. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, G 025

Kommentar:

Die Annahme der Taufe aus Byzanz durch Vladimir den Heiligen im Jahre 988 stellt ein Schlüsselereignis in der europäischen Geschichte dar, leitet sich daraus doch ein vermeintlicher Sonderweg Russlands ab. Chronikberichte aus dem 12. Jahrhundert zeugen davon.
Im PS sollen der Verlauf und die Hintergründe der Ereignisse auf Grund von Quellen erforscht werden, die in deutscher Sprache vorliegen. Die Veranstaltung stellt zugleich eine allgemeine Einführung in das Studium der Osteuropäischen Geschichte dar.
Als Prüfungsleistung wird in der Regel eine Hausarbeit erwartet, die inhaltlich aus einer Seminarsitzung erwächst. Dabei gilt es, nicht nur die Quellen zu prüfen, sondern auch durch Fachliteratur zu kontrollieren.

Literaturhinweise:
Handbuch der Geschichte Russlands. Bd. 1: Bis 1613. Von der Kiever Reichsbildung bis zum Moskauer Zartum. I. Hlbbd. Hrsg. v. Manfred Hellmann. Stuttgart 1981.
Müller, Ludolf: Die Taufe Rußlands. Die Frühgeschichte des russischen Christentums bis zum Jahre 988. München 1987.
Studienhandbuch Östliches Europa. Bd. 2: Geschichte des Russischen Reiches und der Sowjetunion. Hrsg. v. Thomas M. Bohn, Dietmar Neutatz. 2., überarbeitete und aktualisierte Aufl. Köln/Weimar/Wien 2009.


[P Si] Leben in der Fremde: Zu globaler Geschichte jüdischer Auswanderung und Flucht aus Nazieuropa in den 1930-1940er
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 20.04.2017
wöchentlich Do. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

"Ins Nichts gehen, im Verderben bleiben?" fragte sich der Dresdener Romanist Victor Klemperer und mit ihm Tausende von deutschen/europäischen Juden, die der rassistischen Nazipolitik und den sich auch jenseits von Deutschland verdichteten antisemitischen Stimmungen mit Unglauben, Erschrecken und steigender Angst entgegen schauten, sich dennoch nur schwer zu einer Emigration und dem Verlassen ihrer Heimat, Familie und Freunde entschliessen konnten. Den Höhepunkt der Emigration bildeten dabei die Jahre 1938-1939, wobei es auch zu späteren Zeitpunkten sowohl individuelle Emigrationswellen als auch organisierte Auswanderungsentwürfe gab. Zu den am meisten angesteuerten Exilländern jüdischer Flüchtlinge der 1930er Jahre, der Holocaust-Zeit und der unmittelbaren Nachkriegszeit gehörten dabei zunächst europäische Länder um Deutschland herum und/oder Ziele außerhalb Europas, vor allem südamerikanische Staaten wie Paraguay, Uruguay oder Argentinien sowie weitere Fluchtziele wie die USA, Australien, Japan, China oder Südafrika.

Die geflüchteten (ost-)europäischen Juden wurden durch die lokalen jüdischen Gemeinden aufgenommen und in mehrschichtige transkulturelle Settings eingebunden: Als (ost-)europäische Neuankömmlinge auf der Flucht wurden sie mit einer neuen Umgebung und einer neuen, fern von den europäischen politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen lebenden, jüdischen Gemeinde sowie damit einhergehend mit einer neuen extraterritorialen Form der Zugehörigkeit und Tradition konfrontiert, in die sie sich bei gleichzeitiger Bewahrung eigener Erinnerungen, eigener kultureller Sozialisationsmuster und eigener jüdisch-europäischer Identität zu akklimatisieren suchten.

Wie verliefen die Migrationsrouten, welche Verbindungen zu der „alten“ europäischen Heimat wurden über die Jahre aufrecht erhalten, über welche Netzwerke entwickelte sich die Lebensgestaltung der jüdischen Einwanderer in ihrer „neuen“ Heimat? Was bedeutet(e) das neue Diaspora-Leben? Was bedeutete es und wie wurde es gestaltet, europäische Tradition und Werte in einem transnationalen jüdischen Setting zu bewahren?

Im Proseminar werden theoretische und historische Aufsätze zur jüdischen und transnationalen Migrations- und Verflechtungsgeschichte diskutiert sowie die wichtigsten Arbeitstechniken der Geschichtswissenschaften eingeübt. Die Bereitschaft, englische Texte zu lesen, wird vorausgesetzt.

Wichtig: Die Veranstaltung beginnt erst am 27.04.16.


[P Si] Missionare und Herrscher. Die Christianisierung Europas
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 24.04.2017
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 011

Kommentar:

Der Vorgang der Christianisierung war ein prägender Vorgang der europäischen Geschichte. Er reichte von der Taufe des Merowingers Chlodwig (498 ?) bis zu der Stephans von Un¬garn (996), war aber erst mit der Taufe Jogailas von Litauen (1386) abgeschlossen. Die vergleichende Thematisierung dieser Vorgänge erlaubt einen guten Einstieg in die europäische Geschichte des Mittelalters. Es sollen vergleichend die Voraussetzungen der Tauf¬ent¬schei¬dung, die Umstände des Religionswechsels sowie seine unmittelbaren Folgen untersucht wer¬den; dabei wird besonderes Augenmerk auf die handelnden Personen zu richten sein – einerseits die Fürsten, die den Glaubenswechsel veranlassen, andererseits die Vertreter des neuen Glaubens, die christlichen Missionare.
Zur Einführung sei empfohlen: Arnold ANGENENDT, DERS., Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 bis 900, Stuttgart u.a. 1990 (relevante Abschnitte).


[P Si] Umkämpfte Religiöse Erinnerungsorte im (süd)östlichen Europa
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 24.04.2017
wöchentlich Mo. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, G 333a

Kommentar:

In vielen Ländern nicht nur Südosteuropas erleben nationale Heilige oder nationalisierte Religion gegenwärtig eine Wiederbelebung. Die Lehrveranstaltung führt als Proseminar anhand des Themas in die neuere und neueste Geschichte (nach 1800) Südosteuropas einschließlich der Türkei ein.

Proseminaristisch:
Opgenoorth, Ernst, Schulz, Günther. Einführung in das Studium der Neueren Geschichte. 7. Auflage. Paderborn u.a. 2010; Emeliantseva, Ekaterina, Malz, Arié, Ursprung, Daniel. Einführung in die osteuropäische Geschichte. Zürich 2008.

Zum Thema:
Religiöse Erinnerungsorte in Ostmitteleuropa. Konstitution und Konkurrenz im nationen- und epochenübergreifenden Zugriff, hg. v. Joachim Bahlcke, Stefan Rohdewald, Thomas Wünsch. Berlin 2013. Volltextzugang via JLU Bibliotheksnetz externhttps://www.degruyter.com/viewbooktoc/product/224133


[Ü] Die Teilungen Polen-Litauens 1772-1795/1815 multiperspektivisch – der Blick aus den Quellen auf ein europäisches Ereignis
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 24.04.2017
wöchentlich Mo. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. I, G 333a

Kommentar:

Die Teilungen Polens können als diplomatisches Ereignis, als Ergebnis von Bürgerkriegen und Aufständen, als kulturelle Zäsur oder als lebensweltlicher Einschnitt betrachtet werden. Die Quellenübung möchte diesen Vorgang aus möglichst vielfältiger Perspektive schlaglichtartig beleuchten. Dazu werden alle Formen frühneuzeitlicher Überlieferung herangezogen: Verträge, diplomatische Korrespondenzen, Karten und Bilddokumente, Statistiken, private Briefwechsel, Publizistik, Texte von Profiteuren und Opfern, Ego-Dokumente.

Die Übung möchte in den Umgang mit älteren Quellen einführen und einen methodischen und kreativen Zugriff auf die vielfältige Quellenüberlieferung fördern. Erwünscht sind natürlich Sprachkenntnisse (besonders Französisch, Englisch und Polnisch, wichtiger sind aber Interesse am Thema und Neugier!

Hans-Jürgen Bömelburg, Andreas Gestrich, Helga Schnabel-Schüle [Hg.], Die Teilungen Polen-Litauens. Inklusions- und Exklusionsmechanismen – Traditionsbildung – Vergleichsebenen. Osnabrück 2013.

Michael G. Müller (Hg.), Handbuch der Geschichte Polens. Bd. 2: Frühe Neuzeit. Stuttgart 2011-2017.

Michael G. Müller, Die Teilungen Polens. 1772 – 1793 – 1795. München 1984.


[Ü] Frau Mayer und die große Welt. Hofkorrespondenzen zwischen Wien, München und Warschau um 1600
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 24.04.2017
wöchentlich Mo. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, G 333a

Kommentar:

Im Zeitalter von WhatsApp und Snapchat scheint das Schreiben von Briefen eine antiquierte Beschäftigung. Dabei stellen Briefe in vielerlei Hinsicht für Historiker eine wichtige Quellengattung dar. In der Übung wollen wir uns mit dem Problem frühneuzeitlicher Korrespondenzen und deren Bedeutung für die geschichtswissenschaftliche Arbeit beschäftigen. Dies werden wir am Beispiel zweier bisher unerschlossener Briefcorpora tun. Die Briefe stammen dabei aus der Feder von Ursula Meyer und ihren Korrespondenzpartnern. Ursula Mayer ist eine in der Forschung kaum bekannte und gerüchteumwobene Figur am polnischen Hof um 1600. Als Frau ohne klare Herkunft schaffte sie einen beeindruckenden Aufstieg hin zur Vertrauten des polnischen Königspaares. Zugleich unterhielt sie eine intensive Korrespondenz mit Maria, der Erzherzogin von Innerösterreich, und mit dem bayerischen Herzog und Kurfürsten Maximilian I. Von strategischen außenpolitischen und militärischen Informationen, über Krankheiten und Lebensbedingungen am Hof bis hin zu Hexereiskandalen umfassen diese Korrespondenzen verschiedenste Aspekte des frühneuzeitlichen Hoflebens und werfen ein Licht auf die Beziehungen zwischen verschiedenen Höfen als Zentren und Drehscheiben frühneuzeitlicher Herrschaft.

Die Quellenübung ist ein Experiment. Textgrundlage für unsere Beschäftigung werden Korrespondenzen sein, die erst in Rohfassungen transkribiert sind und Teil einer wissenschaftlichen Edition werden sollen, die aber erst im Entstehen ist. Entsprechend werden wir uns in der Veranstaltung auch mit Fragen von Editionsprinzipien, dem Problem von Transkriptionen und dem Verständnis des unnormierten Deutsch des ausgehenden 16. Jahrhunderts beschäftigen. Wichtig für die Teilnahme ist also Interesse am Erlernen paläographischer Grundlagen und das Interesse, sich auf die tägliche Grundlagenarbeit von Historikerinnen udn Historikern jenseits aufbereiteter Quellentexte einzulassen. Die Bereitschaft, an solch einem "work in progress" teilzunehmen, soll Ihnen zugleich einmal die Möglichkeit geben, Einblicke in die Archivarbeit zu erlangen.

Literaturhinweise:

Dieter Albrecht, Maximilian I. von Bayern 1573–1651, München 1998.
Anne Bohnenkamp-Renken, Brief-Edition im digitalen Zeitalter, Berlin/Boston 2013.
Empfehlungen zur Edition frühneuzeitlicher Texte, in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 4 (1981), 167-178.
Katrin Keller, Erzherzogin Maria von Innerösterreich (1551–1608). Zwischen Habsburg und Wittelsbach, Wien/Köln/Weimar 2012.
Sharon Kettering, Strategies of Power. Favorites and Women Household Clients at Louis XIII’s Court, in: French Historical Studies 33.2 (2010), 177-200.
WalterLeitsch, Das Leben am Hof König Sigismunds III. von Polen. Bde. 1-4, Wien/Krakau 2009.
Ders., Eine unbeachtete Quelle zur Geschichte Polens in der frühen Neuzeit. Die Familienkorrespondenz der Erzherzogin Maria, in: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 53 (2009), 67–76.
Hans-Gert Roloff, Wissenschaftliche Briefeditionen und ihre Probleme. Editionswissenschaftliches Symposion, Berlin 1998.


[Ü] From Old Regime to Modern-State? Urban Culture in Eastern Europe 1861-1940
Die Seminarsprache ist englisch.
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.04.2017
wöchentlich Di. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, F 007

[Ü] Jüdische Selbstzeugnisse der Frühen Neuzeit
Teilweise Blockveranstaltung. Blocksitzungen: 7. u. 8. Juli 2017
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 20.04.2017
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr,  Rathenaustr. 8, 306
2 Einzeltermine
Alle Termine in: Phil. I, D 209
Fr. 07.07.2017,15.00 - 18.00 Uhr  
Sa. 08.07.2017,10.00 - 12.00 Uhr  

Kommentar:

Die Übung wird sich mit der Geschichte jüdischer Lebenswelten in Europa in der Neuzeit (bis 1900). beschäftigen Der regionale Schwerpunkt liegt dabei auf Mittel-und Osteuropa. Hier lebte bis zum deutschen Massenmord die weltweit größte jüdische Bevölkerung, von hier gingen wichtige geistesgeschichtliche Impulse aus, ebenso wie die wichtigsten Migrationsströme nach Westeuropa, den amerikanischen Kontinent und die Levante. Die behandelten Quellen decken ein breites Spektrum von Quellengattungen ab, werden aber ausnahmslos jüdische Quellen sein.
Erwartet wird regelmäßige Teilnahme sowie die Bereitschaft ein Referat zu übernehmen. Scheinvoraussetzung ist die schriftliche Ausarbeitung eines Quellenkommentars.
Sichere Englischkenntnisse werden vorausgesetzt, Kenntnisse einer weiteren relevanten Sprache (Jiddisch, Hebräisch, Polnisch, Russisch etc.) sind willkommen.
Ergänzende Blocksitzungen finden am 7.7. von 15-18 und am 8.7. von 10-12 Uhr statt.
Literatur:
Heiko Haumann, Geschichte der Ostjuden, München 1998.
Anthony Polonsky, The Jews in Poland and Russia, Volume 1: 1350-1881. Oxford 2009.


[Ü] Lee Harvey Oswald – Sowjetunion-Kenner und Kennedy-Attentäter?
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 19.04.2017
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

Lee Harvey Oswald wurde 1963 wegen eines Attentats auf den US-Präsidenten John F. Kennedy ermordet und 1964 von der Warren Commission zum Einzeltäter stilisiert. Das Ereignis hat nicht in Kinofilmen Resonanz gefunden, sondern sich neuerdings auch in der Veröffentlichung von Dokumenten im Internet niedergeschlagen.
Ein Aspekt rechtfertigt die Behandlung des Themas in der Osteuropäischen Geschichte: LHO lebte von 1959 bis 1961 in der Sowjetunion. Aufgrund der in englischer Sprache vorliegenden Quellen soll sein Leben in der Stadt Minsk nachgezeichnet werden.
Als Prüfungsleistung wird der Kommentar von Interviews, Briefen, Tagebüchern oder Memoiren jeweils einer der beteiligten Personen erwartet.


Referenzen:
Bohn, Thomas M.: Minsk – Musterstadt des Sozialismus. Stadtplanung und Urbanisierung in der Sowjetunion nach 1945. Köln/WeimarWien 2008.
Holloway, Diane (Ed.): Autobiography of Lee Harvey Oswald: My Life and My Words. New York/Bloomington 2008.
Johnson McMillan, Priscilla: Marina and Lee. New York 1977.
Savodnik, Peter: The Interloper. Lee Harvey Oswald Inside the Soviet Union. New York 2013.
Valenti, Mark: Lee Harvey Oswald. In his own words. Milton Keynes o.J.

externhttp://aarclibrary.org/publib/contents/contents_wc.htm


[Ü] Lodzer Migrationsnetzwerke im langen 19. Jahrhundert - Einwandererstadt, Wirtschaftsmetropole, 'Global Player'
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 20.04.2017
wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. I, D 209
2 Einzeltermine
Alle Termine in: Phil. I, D 209
Sa. 24.06.2017,08.00 - 17.00 Uhr  
So. 25.06.2017,08.00 - 17.00 Uhr  

Kommentar:

Die Meisten kennen die polnische (Post)Industriestadt Lodz nur aus dem alten Schlager von 1974 „Theo, wir fahren nach Lodz“ oder im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg, Ghetto und Holocaust unter dem Namen „Litzmannstadt“, den Hitler ihr 1940 gab. Der Namen steht für das Ende der Geschichte der polyethnischen, multikonfessionellen, vielsprachigen Textilindustriestadt. Deren Geschichte spiegelt sich auch in dem Lied wider, denn Lodz war eine Einwandererstadt. Deren rasanter Aufstieg zu einer der wichtigsten und am schnellsten wachsenden Industriestädte des 19. Jahrhunderts verdankt sie den Migranten und ihren teils lokalen, teils weltumspannenden Netzwerken.
Heutzutage sind global operierende Konzerne und über große Distanzen fast in Echtzeit kommunizierende hochmobile Menschen, die sich zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen bewegen, nichts Überraschendes und gelten als typisch für das 21. Jahrhundert.
Wie wir aber in diesem Lektürekurs anhand von verschiedenen Quellen (Briefen, Erinnerungen, Akten etc.) näher untersuchen wollen, war das im 19. Jahrhundert zumindest im Falle der Textilindustrie nicht viel anders.
Die Lehrveranstaltung dient daher nicht nur dazu, den Umgang mit historischen Quellen an einem Beispiel aus der Geschichte Mittelosteuropas zu üben, sondern bietet einen hoffentlich spannenden Einblick in die globale Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.
Literatur und Quellen werden noch bekanntgegeben. Möglicherweise werden die späteren Sitzungen in einem zweitägigen Blockseminar am Wochenende gebündelt.


[Ü] Schreiben Gerichte Geschichte? – Nahrung und Ernährung als Zugänge zur Geschichte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.04.2017
wöchentlich Di. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, G 233

Kommentar:

In der Übung wird es darum gehen verschiedene theoretische Zugänge zur Geschichte anhand von Beispielen aus den Bereichen von Nahrung und Ernährung zu erkunden. Exemplarisch aufgegriffen werden sollen u.a. Fragen der Ernährungssoziologie, Verflechtungsgeschichte, erfundenen Traditionen, Umweltgeschichte und Imagologie. Im Rahmen der Übung soll ein Essay verfasst werden, in dem anhand eines konkreten Beispiels, die kennengelernten theoretischen Ansätze angewendet werden. Analysiert werden kann beispielsweise die Rolle des Essens bei einem konkreten historischen Ritual oder einer historischen Tischgemeinschaft. Es könnten die Wanderwege eines bestimmten Nahrungsmittels/Gerichts über kulturelle Grenzen nachvollzogen werden, oder wie Essen zum Ausdruck von Alteritäts- und Identitätsvorstellungen genutzt wurde. Auch kann die Historizität eines bestimmten Gerichts als „erfunden“ dekonstruiert werden oder veränderte Essgewohnheiten im Spiegel sozialen Wandels betrachtet werden. Gefragt werden kann, wie bestimme Essgewohnheiten die Umwelt veränderten (und umgekehrt) oder welche Aussagen Nahrungszubereitung und Verzehr über historische Geschlechterkonstellationen ermöglichen. Ein Fokus auf Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa ist gerne gesehen, aber nicht zwingend.


[Ü] The Past in the Present: Memory Studies for Historians
Die Seminarsprache ist englisch.
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 20.04.2017
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

The Past in the Present: Memory Studies for Historians

Memory studies (Erinnerungsforschung) has emerged in the past quarter-century as a broad, interdisciplinary field, with origins in the social sciences but finding a home most readily in literary and cultural studies. The field, however, deals primarily with historians’ core focus – the past. Most simply put, memory studies explores the significance of the past in the present. This relationship can be historicised, thus leading to the exploration of the social, cultural and political roles of remembering in earlier historical periods.

In this course students will explore critically the ways in which the theories and methods of memory studies can be useful for historians and the ways in which historians have engaged with the field of memory studies. With a focus on twentieth- and twenty-first-century Central, Eastern and South-Eastern Europe, the course will explore classic and contemporary theoretical texts in memory studies and related fields, as well as case studies that have applied the methodologies of memory studies to explore past-present relations in the region. The course considers the role contestation over the past has played in fuelling or reigniting conflicts between groups. It will also explore how remembering and forgetting can contribute to reconciliation, as well as generating tension with national mythologies, which the recent turn to a transnational approach to memory has framed critically. The way in which genocides, the Holocaust, ethnic cleansing and violence have been remembered, commemorated or forgotten feature prominently in this course. However, the everyday, popular, commercial and nostalgic aspects of the past in the present are also investigated.

Students will investigate theoretical questions relating to the politics of memory, official uses of the past and public history; relations of memory and identity on individual, local, national and regional scales; and the relations between media and memory. On the methodological level, students will consider which sources have proved valid for the investigation of the past in the present, ranging from autobiography and testimony through films and television to monuments and museums. The important contributions from scholars from Eastern Europe to theories and methods of investigating memory will form part of this course. Students will be encouraged to search for relevant sources on public memory, the politics of memory and history, and everyday memory from the region to produce a practical application of the theories and methods explored as part of the assessment for this course.

This course will be relevant to all historians and cultural studies scholars working on general contemporary history, East European history, nationalism and nation-building, identity studies, Holocaust and genocide studies, and in public history (Fachjournalistik).

Key texts
Stefan Berger and Bill Niven, eds, Writing the History of Memory, London: Bloomsbury, 2014.
Wulf Kansteiner, ‘Finding Meaning in Memory: A Methodological Critique of Collective Memory Studies’, History and Theory, Vol. 41, No. 2 (May, 2002), pp. 179-197.
Jan Kubik and Michael Bernhard, eds. Twenty Years after Communism: The Politics of Memory and Commemoration, Oxford: OUP, 2014.

Richard Ned Lebow, Wulf Kansteiner and Claudio Fogu, eds, The Politics of Memory in Postwar Europe, Durham, NC: Duke University Press, 2006.

Jeffrey K. Olick, Vered Vinitzky-Seroussi, and Daniel Levy, eds, The Collective Memory Reader, Oxford: OUP, 2011.


[Ü] Zwangsarbeiter bei Opel
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 19.04.2017
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Rathenaustr. 8, 306

Kommentar:

Zwangsarbeit in NS-Deutschland in den Jahren 1939-1945 ist ein lebenslanges Trauma unter den ehemaligen Zwangsarbeiter/innen die zuerst aus eroberten polnischen Gebieten und später aus allen anderen besetzten Gebieten in Ost- und Westeuropa hingeschleppt worden waren. Die Behandlung der Zwangsarbeiter/innen hängte davon ab, aus welchen okkupierten Gebieten sie stammten. Zu den Opfer der NS-Zwangsarbeit gehören verschiedene Gruppen der Menschen: Personen aus der sogenannten „germanischen Staaten“, aus französischsprachigen Ländern, aus Tschechien und Polen, aus Griechenland und ab 1943 aus Italien, aus der Sowjetunion und baltischen Ländern; eine besondere Gruppe bildeten die KZ-Häftlinge insbesondere Juden, Kriegsgefangenen und Regime-Gegner.
Im Laufe der Quellenübung werden die Interviews mit den Zeit- und Augenzeugen, Autobiographische Publikationen und Tagebücher, Behörden- und Unternehmerakten, Fotographien, Datenbanken und weiteren relevanten Quellen vorgestellt. Es sind zwei Forschungsexkursionen nach Rüsselsheim ins Stadtarchiv (Forschung der Adam Opel AG Akten und Datenbank „Fremdarbeiter bei Opel“) und nach Bad Arolsen zu ITS (Forschung nach den Biographien der ehemaligen Zwangsarbeitern und ihrem Schicksal nach 1945).

Literaturhinweise:
Reininghaus, Wilfried / Reimann, Norbert (Hrsg.) Zwangsarbeit in Deutschland. Archiv- und Sammlungsgut, Topographie und Erschließungsstrategien. Bielefeld 2001.
„Deutsche Wirtschaft“. Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen für Industrie und Behörden. Hamburg 1991.
Heusler, Andreas/ Spoerer, Mark/ Trischler, Helmuth (Hrsg.) Rüstung, Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit im „Dritten Reich“. Im Auftrag von MTU Aero Engines und BMW Group. München 2010.


[O Si] Neue Forschungen zur Osteuropäischen Geschichte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.04.2017
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr,  Phil. I, G 333

[Pra Vb] Praktikumsvorbereitung B.A.
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
Einzeltermin
Mi. 03.05.2017,14.00 - 16.00 Uhr   Phil. I, E 004

Kommentar:

Ein vier-, sechs- oder achtwöchiges Praktikum (je nach individueller Studiengestaltung) gehört zu den obligatorischen Bestandteilen des Gießener BA-Studiums.
In der Stud.IP-Gruppe "Geschichte Studieren in Gießen" können nähere Hinweise sowie denkbare bzw. empfehlenswerte Einrichtungen für ein solches Praktikum eingesehen werden.
In der Informationsveranstaltung geht es um grundsätzliche Fragen der Vorbereitung und Durchführung eines solchen Praktikums.


nach oben | Kontakt: evv@uni-giessen.de