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Vorlesungsverzeichnis: WiSe 2017/18

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Fachbereich 04: Geschichts- und Kulturwissenschaften - Gliederung nach anbietenden Einrichtungen - Osteuropäische Geschichte

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[Vl] Das Zarenreich 1589-1917
Klausurtermin: 30.01.2018
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2017
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, B 009

Kommentar:

Die Veranstaltung führt die Überlegungen der Vorlesung zur ostslavischen Geschichte der Vormoderne aus dem letzten Sommersemester fort und will Russland für die Neuzeit als Vielvölkerreich und als Imperium problematisieren. In der vorletzten Vorlesungswoche wird eine Klausur geschrieben. Neben der kleinen "Russischen Geschichte" von Adreas Kappeler sei die "Russische Strukturgeschichte" von Carsten Goehrke als Lektüre empfohlen.


[Vl] Südosteuropäische Geschichte vor 1700
Klausurtermin: 01.02.2018
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 19.10.2017
wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. I, A 5

Kommentar:

Die Vorlesung ist als Einführung in die Geschichte Südosteuropas einschließlich der Geschichte Kleinasiens bzw. der heutigen Türkei angelegt. Mit Längs- und Querschnitten sollen von Ethnogenesemythen über Personenverbandsstaaten des Mittelalters bis zur Entstehung und Ausdehnung osmanischer Herrschaft über die ehemals byzantinische Welt ausgewählte Bereiche im Überblick in gesamteuropäische Zusammenhänge eingeordnet werden. Die Darstellung staatlicher, gesellschaftlicher und religiöser Strukturen sowie von Aufständen, Kriegen und Krisen sowie osmanisch-(ost)europäischen Verflechtungen soll Einblicke in den osmanischen Vielvölkerstaat bis zum Beginn des 18. Jh. vermitteln.

Literaturhinweise:

Clewing, Konrad; Schmitt, Oliver Jens (Hg.). Geschichte Südosteuropas. Vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart. Regensburg 2011.
Kreiser, Klaus; Neumann, Christophe K. Kleine Geschichte der Türkei. Stuttgart 22009.
Kreiser, Klaus. Der Osmanische Staat 1300–1922. München 2001.
Helmedach, Andreas; Markus Koller, Konrad Petrovszky und Stefan Rohdewald (Hg.). Das osmanische Europa. Methoden und Perspektiven der Frühneuzeitforschung zu Südosteuropa. Leipzig 2014.


[H Si] "Verzicht ist Verrat!" Geschichte der deutschen Vertriebenenorganisationen
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2017
wöchentlich Mo. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, G 026
Einzeltermin
Sa. 16.12.2017,10.00 - 15.00 Uhr   Phil. I, G 025

Kommentar:

Die gekungene Eingliederung von vielen Millionen Vertriebenen und Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und anderen Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas gehört zweifellos zu den größten innenpolitischen Leistungen der Bundesrepublik. Umstritten ist dabei die Frage, welche Rolle hierbei die offiziellen Vertretungen der Flüchtlinge und Vertriebenen spielten.
Das Seminar geht der Frage nach, welchen Einfluss die Organisationen und die in ihnen tätigen Akteure ausübten, welchen Einfluss sie auf die Politik nahmen und wie allgemein Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bewertet wurden. Auch die Fremdwahrnehmung in anderen Ländern bis in die Gegenwart soll betrachtet werden.

Einführende Lektüre:

- Mathias Beer: Flucht und Vertreibung der Deutschen: Voraussetzungen, Verlauf, Folgen, München 2011
- Dierk Hoffmann/ Michael Schwartz, (Hg.): Geglückte Integration? Spezifika und Vergleichbarkeiten der Vertriebenen-Eingliederung in der SBZ/DDR. München 1998
- Andreas Kossert: Kalte Heimat: Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945. München 2008.


[H Si] Alltag in der Sowjetunion. Lee Harvey Oswald’s Erfahrungen in Minsk
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2017
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 233

Kommentar:

Der vermeintliche Kenney-Attentäter Lee Harvey Oswald lebte von 1960-1962 in Minsk, in der Stadt, in der heute Gießener Studierende gern ein Auslandssemester absolvieren. Im letzten Semester haben wir uns im Rahmen einer Quellenübung mit Oswalds Tagebuch, seinen Briefen und den Aussagen seiner Zeitgenossen vor der Warren Commission auseinandergesetzt. In diesem Semester wollen wir sein Leben in der Sowjetunion ausgehend von seiner insgeheim verfassten Russland-Studie kontextualiesieren. Als Einstieg sei die Lektüre von Norman Mailers Roman empfohlen, der bisher als einziger Zugang zu den KGB-Akten hatte. In den Seminarsitzungen wollen wir in Arbeitsgruppen Kapitel aus Oswalds Russland-Studie mit Beiträgen der alltagsgeschichtlichen Sowjetunionforschung kontrastieren. Es wird weniger Präsentationen als vielmehr Moderationen gemeinsamer Interpretationen von Oswalds Texten unter Verwendung von Thesenpapieren geben. Dadurch wird zugleich ein Einstieg in Hausarbeitsthemen gewonnen. Um das Phänomen der Entstalinisierung im Sinne Oswalds zu erfassen, bietet sich zugleich auch die Auseinadersetzung mit George Orwells utopischen Roman "1984" oder Tschaikowskis Oper "Pique Dame" an.


[H Si] Osteuropa globalgeschichtlich. Methodische und inhaltliche Diskussionen zur Verflechtung des östlichen Europa in der Welt (1450-1815)
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 19.10.2017
wöchentlich Do. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

Das Seminar legt einen weiten Osteuropabegriff (inkl. Osmanisches Reich, außereuropäisches Russländisches Imperium) zugrunde und stellt die Frage, wie das östliche Europa globalgeschichtlich konzeptionalisiert und gedacht werden kann. Diese Frage wurde bisher nur aus imperiengeschichtlicher Sicht und vor allem für das 19. Und 20. Jahrhundert gestellt. Für die Frühe Neuzeit fehlen Darstellungen, so dass das Seminar auch stärker Forschungscharakter besitzt.
Diskutiert werden wird einleitend die klassische wirtschaftsgeschichtliche Dependenztheorie (Wallerstein), die Osteuropa vor allem Peripheriestatus zuweist. Neuere welthistorische Überlegungen (Hans-Heinrich Nolte) gehen eher von einer „Halbperipherie“ oder sogar von „multiples modernities“ aus. Gab es nicht auch Zentren und Metropolen im östlichen Europa (Konstantinopel/Istanbul, Danzig – die größte deutschsprachige Stadt weltweit, Petersburg im 18. Jahrhundert)? Liefen dort nicht transnationale und globale Handelsnetze zusammen? Solche Fragen sollen im Seminar diskutiert und zu einer neuen Theoriebildung verbunden werden.

Einführende Literatur
Aust, Martin/Obertreis, Julia (Hrsg.): Osteuropäische Geschichte und Globalgeschichte. Stuttgart, 2014.
Calic, Marie-Janine: Südosteuropa. Weltgeschichte einer Region. München, 2016.
Nolte, Hans-Heinrich/Klein, Thoralf (Hrsg.): Imperien. Eine vergleichende Studie. Schwalbach, 2008.


[H Si] Roma, Sinti in Südosteuropa
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2017
wöchentlich Mo. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, G 233

Kommentar:

Das Hauptseminar möchte mit dem Beispiel von Roma und Sinti Zugänge zu Vorstellungen und lebensweltlichen Realitäten von Minderheiten und Mehrheiten in Gesellschaften des südöstlichen Europa einschließlich der Türkei erarbeiten. Mit einem Fokus auf dem 19. und 20. Jahrhundert sollen Fremd- und Selbstbeschreibungen in u.a. wissenschaftlichen, belletristischen und politischen Quellen untersucht werden. Vom imaginierten oder realen Rande soll so ein spezifischer Blick auf nach 1918 in der Regel nationalstaatlich entworfene Zusammenhänge auch von Identitätsentwürfen und Staatsbürgerschaftskonzeptionen ermöglicht werden.

Literaturhinweise:
Crowe, David; John Kolsti (Hg.): The Gypsies of Eastern Europe. Armonk, London 1991.
Saul, Nicholas; SusanTebutt (Hg.): The Role of the Romanies. Images and Counter-Images of ‘Gypsies’/ Romanies in European Cultures. Liverpool 2004.


[H Si] Zentralitätsvorstellungen in (Süd)Osteuropa vor 1800
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2017
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 026

Kommentar:

Das Seminar untersucht möglichst auf der unmittelbaren Grundlage von Quellentexten Entwürfe und Realisierungen von Zentralitätsvorstellungen im östlichen Europa bis 1700: Ausgehend vom Vorbild Konstantinopel als neuem Rom, aber auch Jerusalem als heiliger Stadt, wurden in Südosteuropa und auch in der Rus’ neue Residenzstädte in Konkurrenz zu Byzanz und später zum osmanischen Konstantinopel angelegt. Kiew als neues Jerusalem oder Moskau als drittes Rom sind neben den Hauptstädten Bulgariens und Serbiens in diesem Kontext zu besprechende Beispiele. Auch die Osmanen nahmen in ihrer Konzeption der neuen Hauptstadt Bezug auf Rom bzw. Rum.



Literaturhinweise:

Erdeljan, Jelena: Chosen Places: Constructing New Jerusalems in Slavia Orthodoxa. Leiden 2017

Hösch, Edgar: Die Idee der Translatio Imperii im Moskauer Russland, in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz 2010-12-03. URL: externhttp://www.ieg-ego.eu/hoesche-2010-de


[P Si] Alexandra Fjodorowna alias Alice von Hessen-Darmstadt. Die letzte Zarin und die Revolution
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2017
wöchentlich Di. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, G 025

Kommentar:

Aus hesssischer Sicht wird das Jubiläum der russischen Revolution erst im Juni 2018 mit dem Gedenken an die Ermordung der letzten russischen Zarin einen Abschluss finden. Aus diesem Grunde scheint es reizvoll, den Untergang des Zarenreiches aus dynastischer Perspektive zu beleuchten. Wir wollen Einblicke in die Familiengeschichte gewinnen und uns kritisch mit der Einmischung Alexandras in die große Politik auseinandersetzen. Im Rahmen eines Proseminars geht es aber nicht darum, Referate zu halten, sondern sich propädeutisch auf die Grundlagen der Geschichtswissenschaft einzulassen. Das Ziel ist die Vermittlung der Prinzipien einer wissenschaftlichen Hausarbeit, d.h. die Untersuchung von Quellen auf der Grundlage einer Fragestellung. Elisabeth Heresch und Greg King haben populäre Bücher über Alexandra geschrieben, Hans-Dieter Schütt und Raymond Stolze auf der einen Seite sowie Andrei Malyunas und Segei Mironenko auf der anderen Seite haben Quellensammlungen herausgegeben.


[P Si] Alter und Neuer Nationalismus in (Süd)Osteuropa
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2017
wöchentlich Mo. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, G 333a

Kommentar:

Neue Ausgestaltungen nationaler Entwürfe gewinnen in mehreren Staaten nicht nur des südöstlichen Europa einschließlich der Türkei seit 2000 immer mehr an politischer und gesellschaftlicher Macht. Die aufgegriffenen Parolen und veränderten Konzepte sind jedoch weitgehend in den älteren Zusammenhang der Erfindung moderner Massennationen im 19. Jahrhundert und in die Entwicklungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einzuordnen. Das Proseminar möchte anhand des gewählten Themas exemplarisch in die geschichtswissenschaftliche Arbeit einführen. Es werden neben der Lektürefähigkeit des Englischen keine speziellen Sprachkenntnisse vorausgesetzt.

Proseminaristisch:
Opgenoorth, Ernst, Schulz, Günther. Einführung in das Studium der Neueren Geschichte. 7. Auflage. Paderborn u.a. 2010; Emeliantseva, Ekaterina, Malz, Arié, Ursprung, Daniel. Einführung in die osteuropäische Geschichte. Zürich 2008.

Zum Thema:
Vetter, Reinhold: Nationalismus im Osten Europas: Was Kaczyński und Orbán mit Le Pen und Wilders verbindet. Bonn 2017.
Anderson, Benedict: Imagined Communities: Reflections on the Origin and Spread of Nationalism. London/New York 1983.


[P Si] Danzig in der Welt – Studien zu einer nordosteuropäischen Handelsmetropole in der frühen Neuzeit
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2017
wöchentlich Mo. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

Danzig ist im 16. und 17. Jahrhundert die zentrale Handelsmetropole und größte Stadt im Ostseeraum und in Nordosteuropa – zugleich ist sie in dieser Epoche die weltweit größte deutschsprachige Stadt. Die Zugehörigkeit zu Polen-Litauen, die enge Verbindung mit den polnischen Königen und die Kontakte in das östliche und nördliche Europa machen die Stadt zu einem faszinierenden Beispiel einer frühneuzeitlichen Stadtgeschichte.
Das Proseminar möchte am Beispiel von Danzig zwischen 1500 und 1815 einen Einblick in frühneuzeitliche Wirtschafts-, Stadt- und Kulturgeschichte geben und sich auch mit der Frage beschäftigen, in welchem Maße die Stadt im Rahmen der Dependenztheorie als Zentrum oder als Halbperipherie beschrieben werden kann.
Behandelt werden Stadtchroniken, das Stadtregiment, die Position der Stadt in Polen-Litauen und das Verhältnis zum Riech, Reiseberichte, die frühneuzeitliche Druckproduktion und Probleme der Mehrsprachigkeit (Erwerb von Zwei- oder Mehrsprachigkeit, Sprachführer), das Verhältnis von Stadt und Adel sowie umwohnenden Bauern und die Ausgrenzung jüdischer Bevölkerungen.

Einführende Literatur
Hans-Jürgen Bömelburg, Edmund Kizik: Altes Reich und alte Republik : deutsch-polnische Beziehungen und Verflechtungen 1500 – 1806. Darmstadt 2014.
Almut Bues (Hg): Die Aufzeichnungen des Dominikaners Martin Gruneweg (1562 - ca. 1618) über seine Familie in Danzig, seine Handelsreisen in Osteuropa und sein Klosterleben in Polen. 4 Bde. Osnabrück 2008.
Bernhart Jähnig, Peter Letkemann (Hg.): Danzig in acht Jahrhunderten. Beiträge zur Geschichte eines hansischen und preußischen Mittelpunktes. Münster 1985.
Edmund Kizik: Die reglementierte Feier : Hochzeiten, Taufen und Begräbnisse in der frühneuzeitlichen Hansestadt. Osnabrück 2008.
Christopher Herrmann, Edmund Kizik, Jürgen Klosterhuis (Hg.): Chronik der Marienkirche in Danzig : Das Historische Kirchen-Register von Eberhard Bötticher (1616). Transkription und Auswertung. Köln Wien 2013.
Peter Oliver Loew: Danzig. Biographie einer Stadt. München 2011.
Peter Oliver Loew: Danzig und seine Vergangenheit 1793-1997. Die Geschichtskultur einer Stadt zwischen Deutschland und Polen. Osnabrück 2003.


[P Si] Die Krim als Zünglein an der Waage? Zugänge zum Krimkhanat im (süd)osteuropäischen Zusammenhang
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2017
wöchentlich Di. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, C 029

Kommentar:

In dem Proseminar werden wir uns den verschiedenen Fragestellungen zuwenden, die in der Historiographie zum Krimkhanat diskutiert wurden bzw. werden. Zeitlich werden wir uns zwischen dem Herausschälen des Krimkhanats aus der Erbmaße der Goldenen Horde im 15. Jahrhundert und der Integration des Krimkhanats in das Russländische Imperium Ende des 18. Jahrhunderts bewegen. Dazwischen liegt eine Phase zunehmender Integration in das Osmanische Reich, durchzogen von Versuchen die volle Eigenständigkeit wiederherzustellen. Die Teilnehmer werden ausgewählte Fragestellungen selbstständig erarbeiten und ihre Ergebnisse im Plenum zur Diskussion stellen. Bereitschaft Quellenmaterial und Literatur, je nach Kenntnissen, auch in Fremdsprachen zu rezipieren, ist erwünscht (vor allem Russisch, Türkisch, Französisch). WICHTIG: Bei fehlender Bereitschaft englischsprachige Texte zu lesen, wird von einer Teilnahme an dieser Veranstaltung abgeraten!

Literatur:
Klein, Denise (Hrsg.): The Crimean Khanate between East and West (15th-18th century). Wiesbaden 2012.
Jobst, Kerstin S.: Die Perle des Imperiums. Der russische Krim-Diskurs im Zarenreich. Konstanz 2007.


[P Si] Einführung in die Osteuropäische Geschichte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2017
wöchentlich Mo. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

Osteuropäische Geschichte ist insbesondere im deutschsprachigen Raum eine seit vielen Jahrzehnten institutionell verankerte Subdisziplin der Geschichtswissenschaften. Wie alle regional zentrierten Wisenschaften - oder, um es modischer auszudrücken: area studies - bringt auch die Osteuropäische Geschichte gegenüber ihrer Hauptdisziplin, den Geschichtswissenschaften, einige Besonderheiten mit. Dazu gehört nicht nur die explizite Beschäftigung mit einem über die deutsche Nationalgeschichte weit hinausgehenden Thema. Die Osteuropäische Geschichte ist ein stets explizit oder implizi vergleichend arbeitender Zweig der Geschichtswissenschaften, sie erarbeitet Kenntnisse anderer Gesellschaften und Geschichtskulturen und öffnet damit gegenüber der reinen Nationalgeschichte einen weitaus breiteren Horizont. Die Konzentration auf einen Rum bringt aber auch beständige Diskussionen über die Definition der Arbeitsmaterie und damit den Wissenschaftszweig selbst mit sich. Was also ist Osteuropäische Geschichte übehaupt? Mit welchen Räumen beschäftigt sie sich? Welche methodischen Besonderheiten, welche Anforderungen birgt solch ein geschichtswissenschaftliches Arbeiten? Mit diesen Fragen werden wir uns im Einführungsseminar beschäftigen.

Das Proseminar ist nur für Studierende der Osteuropäischen Geschichte geöffnet beziehungsweise für diejenigen Studierenden der Allgemeinen Geschichte, die die Veranstaltung im Rahmen ihres Orientierungsmoduls besuchen.


[P Si] Ottonen, Piasten, Přemysliden. Dynastische Herrschaftsbildungen und ihre Beziehungen
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2017
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 333a

Kommentar:

Im 10. Jahrhundert bildeten sich in Mitteleuropa Herrschaftsbildungen aus, die auf einem Beziehungsgefüge auf familiärer Basis beruhten. Ihre Zentren lagen im damaligen Sachsen (Weser-Elbe-Raum), in Großpolen und in Mittelböhmen. Von ihnen ging die Herausbildung langfristig wirksamer politischer Strukturen aus, die das hochmittelalterliche römisch-deutsche Reich, Polen und Böhmen prägten. Ins Auge gefaßt werden die Grundlagen und die Entwicklungen dieser Herrschaftsbildungen sowie ihre Beziehungen untereinander. Hierbei werden anhand der Quellen Elemente der politischen Struktur (Vororte, Kirchen, Klöster), der politischen Repräsentation (Kunst, Historiographie), politische (Krieg und Frieden), dynastische (Eheschließungen) und kirchliche Kontakte und Austauschvorgänge angesprochen.
Voraussetzungen: Lateinkenntnisse; Vorbereitung auf das Seminar und regelmäßige Mitarbeit sowie Übernahme kleiner individueller Arbeiten.
Zur Einführung: Hans-Werner Goetz: Proseminar Geschichte: Mittelalter, 4. Aufl. Stuttgart 2014.
Gerd Althoff: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat, 2., erw. Aufl. Stuttgart [u.a.] 2005 (Urban-Taschenbücher 473); Eduard Mühle, Die Piasten. Polen im Mittelalter, München 2011 (Beck'sche Reihe 2709); Friedrich Prinz, Böhmen im mittelalterlichen Europa. Frühzeit, Hochmittelalter, Kolonisationsepoche, München 1984.


[P Si] Vom Saulus zum Paulus: Chruščev und die Sowjetunion 1953-1964
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2017
wöchentlich Di. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, G 233

Kommentar:

Trotz ihres Sieges im „Großen Vaterländischen Krieg“ 1945 hatte die Sowjetunion mit massiven Problemen im Inneren zu kämpfen: zerstörte Städte und Dörfer, Hunger, gewaltige Migrationsströme, Gewalt und staatlicher Terror. In der Außenpolitik dominierte hingegen die Herausforderung, der neuen Rolle als globale Supermacht gerecht zu werden.

Unter diesen Voraussetzungen sind die Umwälzungen, denen die UdSSR nach Stalins Tod 1953 unterworfen war, umso erstaunlicher. Insbesondere Nikita Chruschtschow war es, der über die außenpolitische Verständigung mit den Westmächten hinaus versuchte, eigene Akzente zu setzen: beispielsweise in der Wirtschafts-, Sozial- und Nationalitätenpolitik.

Hinzu kamen gesellschaftliche Dynamiken, die mitunter im Widerspruch zu den Leitlinien ideologisch begründeter Ordnungsvorstellungen stand. Das „Tauwetter“ in Kunst und Kultur ist dafür ein Beispiel. Es half maßgeblich dabei, dissidente Verhaltensmuster zu kultivieren. Die Sowjetunion hatte jedenfalls im Jahre 1964 im Laufe des vorangegangenen Dezeniums ihr Gesicht in einschneidender Weise verändert.

All diese Aspekte sollen im Seminar ausführlich diskutiert und anhand historischer Quellen untersucht werden. Neben der Vermittlung profunder zeitgeschichtlicher Kenntnisse werden die wichtigsten historischen Quellenbestände vorgestellt. Wie im Proseminar üblich ist darüber hinaus die Einführung in das historisch-wissenschaftliche Arbeiten von zentraler Bedeutung.

Angesichts dieser Fülle an Aufgaben ist seitens der Teilnehmerinnen/Teilnehmer die Vor- bzw. Nachbereitung eines jeden Sitzungstermins obligatorisch (Pensum ca. zwei-drei Wochenstunden). Hierzu zählt insbesondere die u. U. zeitaufwendige Lektüre deutsch- und englischsprachiger Fachtexte. Hinzu kommen Übungen, welche der Abfassung der Hausarbeit dienen sollen; u. a. Bibliographieren, die Erstellung einer Gliederung usw. Darüber hinaus ist eine rege Mitarbeit im Seminar gewünscht.


[Ü] "Hohe Geburt und inneres Feuer". Quellen zur Adelsgeschichte im östlichen Preußen
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 19.10.2017
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr,  Rathenaustr. 8, 307

Kommentar:

Adlige Kultur und Lebenswelt im östlichen Preußen in der Frühen Neuzeit sind durch Kriege, Zerstörung der materiellen Kultur, Flucht und Vertreibung weitgehend vernichtet. In der quellenkundlichen Übung soll dieser nachgespürt werden. Nach einer Einführung in die Kultur des Preußenlandes und die Adelskultur der Region konzentriert sich die Veranstaltung vor allem auf die adligen Familien Dohna und Dönhoff. Behandelt werden autobiographische Texte wie Denkwürdigkeiten oder Pilgerberichte, Ehetraktate, Güterchroniken, Genealogien und Leichenpredigten. Da auch ein Ausblick in das 19. und 20. Jahrhundert erfolgt, kann auch die Oral-History am Rande Beachtung finden. Stets ist jedoch angestrebt, neben rein schriftlichen Quellen auch die materiellen Überreste zu berücksichtigen (Architektur, Porträts, Kunstgegenstände und Kleidung).

Grundlegend notwendig ist das Abrücken von einem zu einseitig auf Deutschland bezogenen Preußen-Begriff, der sich in der Regel auf das staatliche Gebilde des 19. Jahrhunderts bezieht. Denn nach dem Zerfall des Deutschen Ordens im Spätmittelalter ist man in der Frühen Neuzeit mit dem polnischen „Preußen Königlichen Anteils“, dem polnischen Lehen „Herzogtum Preußen“, schließlich mit dem „Königreich Preußen“, „Westpreußen“ sowie „Ostpreußen“ konfrontiert. Geradezu exemplarisch bewegte sich die Familie Dönhoff in diesem geographischen Raum, die sowohl am polnischen wie später am preußischen Königshof Karriere machen konnte.

Die Veranstaltung stellt weniger die Ereignisgeschichte in den Mittelpunkt als die Kulturgeschichte.

Literaturhinweise:
- Bömelburg, Hans-Jürgen: Der Aufstieg der Familie Dönhoff in Ostmitteleuropa vom Mittelalter bis zum frühen 18. Jahrhundert. In: Kilian Heck, Christian Thielemann (Hrsg.), Friedrichstein. Das Schloss der Grafen von Dönhoff in Ostpreußen, Berlin u.a. 2006, S. 12-29.
- Bömelburg, Hans-Jürgen: Erinnerungsbrüche im polnisch-litauischen Hochadel. Neukonstruktionen familiärer Erinnerung unter den Bedingungen egalitärer Adelsrhetorik und eines fehlenden Speichergedächtnisses. In: Martin Wrede, Horst Carl (Hrsg.), Zwischen Schande und Ehre. Erinnerungsbrüche und die Kontinuität des Hauses. Legitimationsmuster und Traditionsverständnis des frühneuzeitlichen Adels in Umbruch und Krise, Mainz 2007, S. 247-267.
- Dohna, Lothar zu: Die Dohnas und ihre Häuser. Profil einer europäischen Adelsfamilie. 2 Bde. Göttingen 2013.
- Beckmann, Sabine/Garber, Klaus (Hrsg.): Kulturgeschichte Preußens königlich polnischen Anteils in der Frühen Neuzeit, (Frühe Neuzeit 103), Berlin 2005.
- Garber, Klaus/Komorowski, Manfred/Walter, Axel E. (Hrsg.): Kulturgeschichte Ostpreußens in der Frühen Neuzeit. (Frühe Neuzeit 56), Tübingen 2000.
- Heck, Kilian/Thielemann, Christian (Hrsg.): Friedrichstein. Das Schloss der Grafen von Dönhoff in Ostpreußen, München u.a. 2006.
- Woldt, Izabella/Zuchowski, Tadeusz J. (Hrsg.): Im Schatten von Berlin und Warschau. Adelssitze im Herzogtum Preußen und Nordpolen 1650-1850, Berlin 2010.


[Ü] 1968: ein europäisches Entscheidungsjahr/ 1968: A European Year
Die Unterrichtssprache ist deutsch und englisch
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 19.10.2017
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

*** Deutsch folgt anschließend ***
The year 1968 symbolically refers to far-reaching social, political, cultural and economic changes during the “global sixties.“ This seminar focuses on Europe, particularly West Germany, Czechoslovakia, Poland, France and to a lesser extent Hungary and Yugoslavia. The simultaneous developments in the U.S. are necessarily part of the debate. The glorification of the socialist revolutions in Cuba, Vietnam, and Maoist China as well as the struggle for independence in the then so-called “Third World“ complement the transnational approach to this topic.
At its core, this seminar investigates the historiographical contextualization and classification of the causes and consequences of 1968. Essential historical concepts such as revolution, gender and intersectionality, (auto-) biography, narrative, and historiographical periodization will be discussed. Theories and methodologies associated with scholars such as Hayden White, Reinhart Koselleck, Edward Said, Pierre Bourdieu, and James C. Davies will enlighten our discussions.
Participants will analyze primary sources by influential actors and participants in the sixties movements as well as further key documents of 1968. Secondary literature by Timothy S. Brown, Tony Judt, Philipp Gassert, Martin Klimke, Jacques Rupnik, James Mark and Péter Ápor, Anna von der Goltz, Vladimir Tismaneanu and others provide the analytical and scholarly context of our discussions.

Das Jahr 1968 steht symbolisch für weitreichende soziale, politische, kulturelle und wirtschaftliche Veränderung in den “global sixties.” Der Fokus dieses Seminars liegt auf Europa, speziell der Bundesrepublik Deutschland, der Tschechoslowakei, Polen, Frankreich sowie ansatzweise Ungarn und Jugoslawien. Die Ereignisse in den USA in den sechziger Jahren stehen ebenfalls zur Debatte. Die Idealisierung der sozialistischen Revolution in Kuba, Vietnams und Chinas sowie der Unabhängigkeitskämpfe in der damals sogenannten “Dritten Welt” komplettieren den transnationalen Ansatz.
Die Seminarteilnehmer werden Primärquellen aus der Feder relevanter Akteure sowie weitere Schlüsseldokumente von 1968 analysieren. Sekundärliteratur von u.a. Judt, Gassert, Klimke, Rupnik, Mark und Ápor, von der Goltz und Tismaneanu erleichtern den wissenschaftlichen Zugang.
Ein Hauptaugenmerk liegt auf der geschichtswissenschaftlichen Einordnung und Aufarbeitung von 1968. Hierzu werden grundlegende Konzepte wie Revolution, Gender, Generation, (Auto-) Biographie, Narrativ, und Periodisierung reflektiert. Theoretische und methodische Texte von Hayden White, Reinhart Koselleck, Dominick LaCapra, Joan W. Scott, Karl Mannheim, Edward Said, Pierre Bourdieu, und James C. Davies dienen der Diskussion als Grundlage.

**Ausreichende Englischkenntnisse sind für die Textlektüre und Diskussionen unabdingbar.**
**Some knowledge of German would be opportune but is not a requirement.**
**You are free to choose the language in which you wish to complete your written assignments.**


[Ü] Das Minsker Ghetto und die Vernichtungsstätte Trostenec. Weißrussland unter deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2017
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

Der Krieg in der Sowjetunion hat im Wesentlichen in den "Bloodlands" Litauen, Belarus und Ukraine - den ehemaligen Ansiedlungsgebieten der Juden des Zarenreichs - getobt. Anlässlich einer Ausstellung zur wenig bekannten Vernichtungsstätte Trostenec, die die Geschichtwerkstatt in Minsk konzipiert hat, und die Ende nächsten Jahres in Gießen präsentiert wird, sind für die nächsten Semester mehrere Veranstaltungen in Planung. In der Übung wird es in einem ersten Schritt darum geben, Quellen zu sichten und zu kategoriesieren. Das Lernziel ist also methodischer Art. Arbeitsgruppen sollen sich in den Seminarsitzungen kritisch mit einer Quelle auseinandersetzen und im Nachgang dazu einen Kommentar schreiben. Von Bernhard Chiari und Christian Gerlach stammen die Standarwerke zum Thema in deutscher Sprache.


[Ü] Failed State Tschechoslowakei? Quellen zur Tschechoslowakischen Republik der Zwischenkriegszeit (1918-1939)
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2017
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 030

Kommentar:

Zur Tschechoslowakischen Republik der Zwischenkriegszeit existieren in der Forschung zwei konkurrierende Narrative. Zum einen wird sie als „Insel der Demokratie“ beschrieben, da die Tschechoslowakei der einzige Staat in der Mitte Europa war, der bis zum „Münchner Abkommen“ 1938 nach demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien funktionierte. Zum anderen zeichnen seit etwa 20 Jahren insbesondere jüngere Historikerinnen und Historiker im englischsprachigen Raum ein deutlich kritischeres Bild eines Staates, das durch seine tschechische Dominanz nationale Minderheiten benachteiligte und von Demokratiedefiziten geprägt war. Auch im deutschsprachigen Raum wird diese Linie von insbesondere sudetendeutschen Geschichtsschreibern vertreten. Die Quellenübung möchte sich der Frage nähern, wie trotz (meist) gleicher wissenschaftlicher Standards solch unterschiedliche Narrative entstehen können, indem verschiedene Arten von Quellen zur Geschichte der Tschechoslowakei besprochen und analysiert werden sollen.

Die Bereitschaft zur Lektüre von Texten in englischer Sprache wird vorausgesetzt.


Literaturhinweise:
Bakke, Elisabeth: Doomed to Failure? The Czechoslovak Nation Project and the Slovak Autonomist Reaction 1918-38, Oslo 1999.
Heimann, Mary: Czechoslovakia. The State That Failed, London 2009.
Magocsi, Paul R.: With their Backs to the Mountains. A History of Carpathian Rus' and Carpatho-Rusyns, Budapest 2015.
Nurmi, Ismo: Slovakia - A Playground for Nationalism and National Identity. Manifestations of the National Identity of the Slovaks 1918-1920, Helsinki 1999.
Orzoff, Andrea: Battle for the Castle. The Myth of Czechoslovakia in Europe, 1914-1948, Oxford 2009.
Alexander, Manfred / Dolezel, Heidrun / Dolezel, Stephan (Hrsg.): Deutsche Gesandtschaftsberichte aus Prag. Innenpolitik und Minderheitenprobleme in der Ersten Tschechoslowakischen Republik, 4 Bde., München 1983-2009.


[Ü] Glücksritter? Abenteuer und Abenteurer im 18. Jahrhundert
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2017
wöchentlich Mo. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, D 209
3 Einzeltermine
Alle Termine in: Phil. I, F 007
Fr. 08.12.2017,10.00 - 14.00 Uhr  Exkursion: Maria Merian


Fr. 15.12.2017,10.00 - 18.00 Uhr  Blocksitzung I


Sa. 16.12.2017,10.00 - 18.00 Uhr  Blocksitzung II



Kommentar:

Abenteurer, so wussten es schon die Definitionsversuche des 18. Jahrhunderts, sind nicht immer besonders vertrauensvolle Gesellen und zugleich scheint das Abenteuer als die Suche nach unbekannten Zielen auf unsicherem Terrain eine fast anthropologisch konsante Faszination auszuüben. So gab es "Abenteurer" in diesem Sinne nicht erst seit dem 18. Jahrhundert, doch etablierte sich in dieser Zeit neben dem Begriff des Abenteuers und des Abenteurers auch eine umfangreiche Literatur, die teils noch heute zu den Klassikern erster Leseerfahrungen zählt - man denke nur an die "Schatzinsel" von Robert Louis Stevenson oder "Robinson Crusoe" von Daniel Defoe.

In der Übung wollen wir uns dem Phänomen von Abenteurern und Abenteurerinnen des 18. Jahrhunderts von verschiedenen Seiten nähern. Handelte es sich doch ebenso um fahrende Kaufleute, wie um wissenschaftlich Interessierte, Militärs, Künstlerinnen und Künstler usw. Die Geschichte des Abenteurertums ist dabei eng mit Fragen nach Kolonial- bzw. Globalgeschichte, der Wahrnehmung des Fremden und der Wissens- wie Wissenschaftsgeschichte verbunden.

Ein Teil der Übung wird im Block statt finden. Darüber hinaus werden wir an einem Freitag vor den Blocksitzungen die im Oktober beginnende Ausstellung über Maria Sibylla Merian in Frankfurt besuchen. Eine genaue Terminabsprache für den Ausstellungsbesuch werden wird in der ersten Sitzung stattfinden.

Literatur:
Carsten Zelle (Hg.), Abenteuer und Abenteurer im 18. Jahrhundert (= Das Achtzehnte Jahrhundert; 24.2), Göttingen 2000.

Horst Albert Glaser (Hg.), Abenteurer als Helden der Literatur, Stuttgart 2002.

Claus Süßenberger (Hg.), Abenteurer, Glücksritter und Mätressen, Frankfurt a.M. 1996.


[Ü] Keine Metrostation ohne Netz? Perspektiven historischer Biographieforschung
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2017
wöchentlich Di. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, G 333a

Kommentar:

„Je nachdem, wie sie geschrieben wird, erweist sich die Biographie als das konventionellste und langweiligste oder als das innovativste und aufregendste der historischen Genres.“ [Ulrich Raulff: Der unsichtbare Augenblick. Zeitkonzepte in der Geschichte, Göttingen 1999, 124]

Die Biographie erlebte in den letzten Jahren eine Wiedergeburt, nicht nur in der Populärliteratur, sondern auch in der Wissenschaft. Man mag gar behaupten, sie sei nie verschwunden gewesen. War sie in der Geschichtswissenschaft seit den 1970ern aufgrund ihrer vermeintlichen Unreflektiertheit, konzeptionellen Armut und Konzentration auf „die großen Männer“ teils in Verruf geraten, so differenziert sich die biographiewissenschaftliche Forschung aktuell immer weiter aus.

In der Übung sollen grundsätzliche methodische Fragen historischen Arbeitens aufgeworfen, Beispiele historischer Biographik behandelt und ihre Anschlussfähigkeit an aktuelle theoretische Debatten in den Geschichts- und Kulturwissenschaften besprochen werden.

Empfohlene Literatur:
Volker Depkat: Biographieforschung im Kontext transnationaler und globaler Geschichtsschreibung, in: BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen 28 (2015) 1/2, 3-18.
Thomas Etzemüller: Biographien. Lesen - erforschen - erzählen, Frankfurt a.M. 2012.
Bernhard Fetz (Hg.): Die Biographie. Zur Grundlegung ihrer Theorie, Berlin 2009.
Christian Klein (Hg.): Handbuch Biographie. Methoden, Traditionen, Theorien, Stuttgart/Weimar 2009.


[Ü] Leibeigenschaft in Russland. Quellen aus fünf Jahrhunderten
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2017
wöchentlich Di. 14:00 - 16:00 Uhr,  Rathenaustr. 8, 307

Kommentar:

Die Leibeigenschaft ist ein Schlüsselthema der russischen Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte. Seit dem 15. Jahrhundert büßten Bauern im Moskauer Staat schrittweise ihre Rechte auf Freizügigkeit, ihre wirtschaftliche und persönliche Unabhängigkeit ein. Das Gesetzbuch von 1649 fixierte schlielich den Status von Millionen Menschen in einer eigenen "Rechts- und Sozialkategorie" als Leibeigene - für weitere 200 Jahre. Die Übung präsentiert Quellenperspektiven auf fünf Jahrhunderte in der Geschichte bäuerlicher Abhängigkeiten. Dazu werden neben offiziellen Gesetzestexten, Erlassen und anderen Regierungsdokumenten auch Reiseberichte, autobiographische Überlieferungen und literarische Werke diskutiert.

Ziel der Übung ist die kritische und kreative Auseinandersetzung mit einer Vielzahl historischer Quellengattungen, verbunden mit einem Einblick in die faszinierende und konfliktträchtige Welt des bäuerlichen Russland.

Erforderliche Sprachkenntnisse: Deutsch und Englisch

Zur Einführung:

Jerome Blum: Lord and Peasant in Russia. From the Ninth to the Nineteenth Century. Princeton 1972; Elise Kimerling Wirtschafter: Russia’s Age of Serfdom: 1649-1861. Malden (MA) 2008.


[Ü] Revolution und Nachrevolution in Russland 1917-1924
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2017
wöchentlich Mi. 08:00 - 10:00 Uhr,  Phil. I, G 233

Kommentar:

Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, war unbestritten die zentrale Führungsfigur der Bolschewiki im ausgehenden Zarenreich. Seine Tätigkeit verfügt über viele Facetten: Revolutionär, Politiker, Publizist, Agitator, Ideologe und Stratege sind nur einige der Schlagworte. Und doch reichen diese bei weitem nicht aus, um diese historische Persönlichkeit in all ihren Facetten zu charakterisieren.

In der Quellenübung soll jedoch nicht nur Lenins Vita im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig wird mit Hilfe der zeitgenössischen Publizistik, politischer Pamphlete und alltagsgeschichtlicher Einblicke die politische und soziale Geschichte des späten Zarenreiches, des Bürgerkrieges sowie der frühen Sowjetunion thematisiert.

Somit werden neben der Vermittlung profunder Kenntnisse der Epoche die wichtigsten historischen Quellenbestände vorgestellt sowie der quellenkritische Umgang damit praktiziert. Neben thematischer Aufgeschlossenheit und einer prinzipiellen Diskussionsfreude ist für die Teilnehmer der Übung die regelmäßige vorbereitende Textlektüre (deutsch und englisch) Pflicht. Darüber hinaus ist eine wackere Mitarbeit erwünscht; Lesekompetenzen des Russischen sind u.U. von Nutzen.


[Ü] Scheitern als Erfolgskonzept? – Zur Geschichte des Misslingens in der Neuzeit
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
Vorbesprechung: Mi. 18.10.2017, 18.00 - 20.00 Uhr, Phil. I, D 209
regelmäßiger Termin ab 02.11.2017
wöchentlich Do. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, F 006
2 Einzeltermine
Mi. 18.10.2017,18.00 - 20.00 Uhr   (Vorbesprechung) Phil. I, D 209
Sa. 03.02.2018,10.00 - 18.00 Uhr  

Kommentar:

Scheitern ist in. Wer nicht einmal gescheitert ist, kann auf Dauer auch nicht erfolgreich werden, denn erst wenn wir an unsere Grenzen stoßen, können wir wachsen. So wird es uns zumindest in den Medien suggeriert, wo dem Scheitern viel Raum eingeräumt wird. In der Geschichtsschreibung findet das Misslingen jedoch viel weniger Aufmerksamkeit und wird oftmals ausgeblendet. Erzählt werden eher die Erfolgsgeschichten, die glorreichen Momente der Wissenschaft und des menschlichen Handelns, die mit ihrer Kraft der Gewißheit eine majestätische Ordnung kreieren und sich als frei von Fehlern und Selbstzweifeln inszenieren. Dass die Wissenschaft oftmals ein blindes Irren verkörpert und bestimmte wissenschaftliche, industrielle, technische oder aber soziale Ereignisse ohne verschlungene Wege, Täuschungen und Sackgassen gar nicht geben würde, wird dabei schnell vergessen. Denn nicht nur die Konjunkturen des Scheiterns, sondern auch das Verständnis vom Scheitern und seiner Einschreibung in die Geschichte verändern sich mit der Zeit.

In der Übung geht es demnach weniger darum, Scheitern als (Miss-)Erfolgskonzept zu begreifen, sondern viel mehr darum, Scheitern mit seiner produktiven wie auch zerstörenden Kraft als soziale und wissenschaftliche Praxis zu reflektieren und es darauf zu hinterfragen, wie Scheitern als Konzept und Handlung ausgehandelt wird, inwiefern man durch Scheitern Geschichte(n) schreiben kann und wo die Grenze zwischen Misserfolg und Erfolg zu setzen ist. Die Übung wird demnach das Phänomen des „Misslingens“ in seiner historischen Entwicklung beleuchten, Techniken der (Miss-)Erfolgsinszenierung und -einschreibung analysieren und Geschichten der als gescheitert abgestempelten Projekte und ihrer Akteure nachgehen.

Die Bereitschaft, englischsprachige Texte zu lesen, wird vorausgesetzt.

Wichtig: Die Veranstaltung wird erst in der dritten Semesterwoche, am 02.11.2017, beginnen und teilweise als Blockseminar angeboten. Es werden neun regelmäßige Termine (02.11.17, 09.11.17, 16.11.17, 30.11.17, 07.12.17, 14.12.17, 21.12.17, 11.01.18, 18.01.18) und ein Blockseminar am Samstag, dem 03.02.2018 von 10.00 bis 18.00 Uhr, stattfinden.

Eine Vorbesprechung findet am Mittwoch, dem 18.10.2017, um 18 Uhr im Raum D209 statt.


[O Si] Neue Forschungen zur Osteuropäischen Geschichte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2017
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

Das Kolloquium bzw. Oberseminar diskitiert neuere Forschung zur Osteuropäischen Geschichte. Es wendet sich an alle an der wissenschaftlichen Aufarbeitung der osteuropäischen Geschichte Interessierten (ohne Zugangsbeschränkung).

Diskutiert werden wöchtenlich in Gießen entstehende Arbeiten, BA- und MA-Arbeiten sowie Promotionen. Auswärtige Referenten stellen ihre aktuellen Forscdhungsprojekte vor.


nach oben | Kontakt: evv@uni-giessen.de