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Vorlesungsverzeichnis: SoSe 2018

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Fachbereich 04: Geschichts- und Kulturwissenschaften - Gliederung nach anbietenden Einrichtungen - Osteuropäische Geschichte

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[Vl] Belarus – Ein „weißer Fleck“ zwischen Polen und Russland
Klausurtermin: 03.07.2018
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 10.04.2018
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, B 009

Kommentar:

Der Journalist Wolfgang Büscher, der den Weg zwischen Berlin und Moskau zu Fuß zurücklegte, bezeichnet Weißrussland als „das komplizierteste Land der Welt“. Zumindest ist es durch das Regime Lukaschenkos politisch in die Isolierung geraten. Historisch gesehen zeichnete sich die Belarus’ hingegen als Übergangszone zwischen Mittel- und Osteuropa aus. Sie erhielt ihre kulturellen Prägungen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit vom Großfürstentum Litauen und der polnischen Adelsrepublik und seit Beginn des 19. Jahrhunderts vom zarischen und sowjetischen Imperium. Das 20. Jahrhundert stellt mit den beiden Weltkriegen, der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft, dem stalinistischen Terror, dem Holocaust und dem Reaktorunfall von Tschernobyl ein Zeitalter der demographischen Katastrophen dar. Darüber hinaus erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge eines rasanten Urbanisierungsprozesses die Umwandlung eines Agrarlandes in ein Industrieland. Auf die Tradition einer eigenen Staatlichkeit kann die 1991 gegründete Republik Belarus’, abgesehen von einem Intermezzo im Bürgerkriegsjahr 1918, indes nicht zurückblicken. Vielmehr ging die im Rahmen der sozialistischen Modernisierung vollzogene Russifizierung mit einer Preisgabe weißrussischer Identität vor sich.     

Die Vorlesung bereitet eine Exkursion vor, die in den ersten beiden Septemberwochen von Vilnius nach Vitebsk erfolgen soll, diesmal nicht zu Fuß, sondern mit dem Bus.

Benoteter Leistungsnachweis: Klausur.

Literaturhinweise:
Akudowitsch, Valentin: Der Abwesenheitscode. Versuch, Weißrussland zu verstehen. Berlin 2013.
Bohn, Thomas/Einax, Rayk/Mühlbauer, Julian (Hrsg.): Bunte Flecken in Weißrussland. Erinnerungsorte zwischen polnisch-litauischer Union und russisch-sowjetischem Imperium. Wiesbaden 2013 (Historische Belarus-Studien 1).
Bohn, Thomas/Shadurski, Victor (Hrsg.): Ein weißer Fleck in Europa … Die Imagination der Belarus als Kontaktzone zwischen Ost und West. Bielefeld 2011 (Histoire 29).
Büscher, Wolfgang: Berlin – Moskau. Eine Reise zu Fuß.Reinbek 2003.

Reiseführer:
Böhm, André/Rakhlei, Maryna: Weissrussland. Mit Minsk, Brest, Hrodna, Homel, Mahljoǔ und Vicebsk. Berlin 2016.



[Vl] Vom Großfürstentum Litauen zum modernen Litauen: Mittelalterliche Reichsbildung – frühneuzeitliche Nation – moderne Neugründung
Klausurtermin: 12.07.2018
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.04.2018
wöchentlich Do. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, A 5
Einzeltermin
Fr. 13.07.2018,16.00 - 18.00 Uhr   (Klausur) Phil. I, A 5

Kommentar:

Die ältere Geschichte des Großfürstentums Litauen, des Konkurrenten des Großfürstentums Moskau um die Macht, wie die Geschichte der modernen litauischen Nation sind von gesamteuropäischer Bedeutung. Typologisch könnte man von einer abgebrochenen Nationes-Bildung sprechen, die nicht in eine moderne Nationsbildung einmündete, sondern auf ethnisch-sprachlichem Substrat neu ansetzte.

Die Vorlesung skizziert die Entwicklung des Großfürstentums – des „letzten heidnischen Staats“ Europas, analysiert die Vorbindung mit Polen aus litauischer Perspektive und behandelt Anknüpfungsversuche des 19. Jahrhunderts, die bei der älteren Reichsbildung oder bei einer modernen ethnisch-sprachlichen Nationsbildung anknüpften.

Infolge der großen Reichweite der älteren litauischen Geschichte, die die weißrussische sowie teilweise die lettische und ukrainische Geschichte stark prägte, besitzt die Vorlesung Überblickscharakter. Eines der Ziele ist die gesamteuropäische Verortung der Geschichte des Großfürstentums Litauen und der modernen litauischen Nationsbildung. Die Vorlesung bereitet deshalb auf die Exkursion im September 2018 vor. Der Besuch der Vorlesung (wie auch einer anderen der die Exkursion vorbereitenden Lehrveranstaltungen) kann allerdings alleine noch keine Zulassung zur Exkursion garantieren.

Literatur

Mathias Niendorf, Das Großfürstentum Litauen. Studien zur Nationsbildung in der Frühen Neuzeit (1569-1795). Wiesbaden 2006.
Robert Frost, The Oxford History of Poland-Lithuania. Volume 1: The Making of the Polish-Lithuanian Union, 1385-1569. The Oxford History of Early Modern Europe, vol. 1, 1 Oxford University Press, Oxford 2015.


[H Si] Danzig im 20. Jahrhundert
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 10.04.2018
wöchentlich Di. 08:00 - 10:00 Uhr,  Phil. I, G 233

Kommentar:

Die Geschichte Danzigs im 20. Jahrhundert steht im Brennpunkt der europäischen Geschichte: Die Freie Stadt Danzig in staatsrechtlicher Verbindung zu Polen und unter Völkerbundsmandat, der deutsche Überfall 1939 und die nationalsozialistische Durchformung sind Teile europäischer Geschichte.
Nach 1945 mutierte Danzig zu einer polnischen Arbeiterstadt und wurde so zur Wiege der polnischen Solidarność-Bewegung. Weiterhin ist auch die Erinnerungskultur mit solch prägenden Figuren wie Günter Grass, Stefan Chwin und Pawel Huelle von großer Reichweite.

Aktuell besitzt Danzig mehrere Museumsprojekte von transnationaler Reichweite (Solidaritäts-Zentrum, Museum des Zweiten Weltkriegs), die umkämpft sind.
Das Seminar ist mit einem gemeinsamen deutsch-polnischen Seminar (in deutscher Sprache) in Danzig verbunden, bei dem auch die Museumslandschaft erkundet wird.- Termin: 12.-18. Mai. Es kann ein Exkursionsnachweis erworben werden, erforderlich ist jedoch aktive Mitarbeit!


[H Si] Die baltischen Gesellschaften (Est-, Lett- und Kurland, Litauen): Europäische Verflechtungen und gesellschaftliche Probleme
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 09.04.2018
wöchentlich Mo. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

In der europäischen Geschichte der Frühmoderne können mehrere Kontakt- und Bruchzonen benannt werden, die im Mittelpunkt von langandauernden gewalttätigen Konflikten, aber auch eines intensiven Kulturtransfers standen. Solche Kontakt- und Bruchzonen sind das frühneuzeitliche Livland (heute Est- und Lettland) und Litauen (heute Litauen und Belarus‘): Seit den 1550er Jahren bis ins 18. Jahrhundert stand die Region im Zentrum von Konflikten zwischen europäischen Mächten (Gftm. Moskau, Polen.Litauen, Schweden), zugleich kam es aber auch zu intensiven Kulturkontakten etwa zwischen protestantischen Kirchen, Katholizismus und Orthodoxie.

Das Hauptseminar möchte solche Konflikte, aber auch den Kulturaustausch untersuchen. Da wird es sich in der konkreten Arbeit auf die Bestände des Archivs des Herder-Instituts Marburg stützen, wo das Archiv der baltischen Ritterschaften und adlige Privatarchive aus der Region gesammelt werden. Eine Einführung in die Archivarbeit in Marburg ist geplant.

Die Quellen- und Literaturbasis zu der Region ist zu einem erheblichen Teil deutsch, so dass Fremdsprachenkenntnisse nicht zwingend sind. Bei manchen Themen sind Französisch-, Polnisch- oder Russischkenntnisse wünschenswert. Bestehen letztere, ist auch eine thematische Erweiterung in Richtung Litauen möglich.

Das Seminar bereitet auch auf die Exkursion im September 2018 vor, auf der auch Dünaburg (Daugavpils) und weitere Stäsdte Lettgallens besucht werden. Der Besuch (wie auch einer anderen der die Exkursion vorbereitenden Lehrveranstaltungen) kann allerdings alleine noch keine Zulassung zur Exkursion garantieren.

Einführende Literatur

Bues, Almut (Hg.): Zones of Fracture in Modern Europe: Baltic Countries. Wiesbaden 2005.
Ralph Tuchtenhagen, Zentralstaat und Provinz im frühneuzeitlichen Nordosteuropa. Wiesbaden 2008.
Ralph Tuchtenhagen, Geschichte der baltischen Länder. München 2005.


[H Si] Dubrovnik, Polock, Wilna, Izmir, Moskau, Krakau, Konstantinopel: Stadtgeschichte des östlichen/osmanischen Europa vor 1800
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 11.04.2018
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 025

Kommentar:

Die Veranstaltung führt in neuere Zugänge zur Stadtgeschichte des östlichen Europa von Polen-Litauen und Moskau bis zum Osmanischen Reich ein. Exemplarisch diskutieren wir – auch nach Interessenlage der Teilnehmenden – die Entstehung von urbanen Fern- und Nahhandelszentren und Herrschaftssitzen, städtische Versammlungen und Gemeindebildungen, sprachliche/ethnische, religiöse/konfessionelle Identitäten, sozialräumliche/öffentliche und alltagsgeschichtliche Konflikte und modi vivendi, Eliten und Randgruppen, städteübergreifende Finanz- und Handelsnetzwerke, Konsum, Kriminalität und soziale Kontrolle bzw. gerichtliche und Alltagsschriftlichkeit/Buchdruck/Medien und Städteansichten/Stadtpläne sowie Infrastrukturen vom Spätmittelalter bis in die Frühe Neuzeit.

Eines der Ziele ist die gesamteuropäische Verortung der Stadtgeschichte des Großfürstentums Litauen und somit eine Vorbereitung für die Exkursion im September 2018. Der Besuch des Seminars (wie auch einer anderen der die Exkursion vorbereitenden Lehrveranstaltungen) kann allerdings alleine noch keine Zulassung zur Exkursion garantieren.

Literaturhinweise:
Kith, Kin, and Neighbors. Communities and Confessions in Seventheenth-Century Wilno, David Frick, Ithaca/London 2013
Machträume der frühneuzeitlichen Stadt, hg. v. Christian Hochmuth und Susanne Rau, Konstanz 2006
Kultur und Alltag im Osmanischen Reich, Suraiya Faroqhi, München 2003.
"Vom Polocker Venedig." Kollektives Handeln sozialer Gruppen in einer Stadt zwischen Ost- und Mitteleuropa (Mittelalter, Frühe Neuzeit, 19. Jh. bis 1914), Stefan Rohdewald, Stuttgart 2005.


[H Si] Von Gießen nach Minsk. Ausstellung und Gedenkstätte Malyj Trostenec
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 09.04.2018
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 333a

Kommentar:

In den Jahren 1941/42 wurden 15.500 jüdische Menschen aus mehr als 250 hessischen Dörfern und Städten über die Sammellager Frankfurt, Kassel und Darmstadt deportiert. Zu den Vernichtungsorten des hessischen Holocaust zählen Kaunas, Lodz, Majdanek, Minsk, Riga, Sobibor, Theresienstadt und Treblinka. Wenig bekannt ist in Deutschland bisher noch der Vernichtungsort Malyj Trostenez bei Minsk.
Das Ghetto Minsk war das Ziel des Frankfurter Deportationszuges vom November 1941 mit über 1000 Juden. Zu den hessischen Opfern zählten auch Personen, die 1942 vom Deportationsort Theresienstadt weiter zur Vernichtungsstätte Malyj Trostenez befördert wurden. Einem Gedenkbuch des Bundesarchivs zufolge lassen sich die Geburtsorte von 23 deportierten hessischen Juden auf die Stadt oder den Kreis Gießen zurückführen (externhttps://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/chronicles.html?page=1). Auf den 126 im Stadtgebiet in Gießen in den Jahren 2008 bis 2013 verlegten Stolpersteinen finden sich noch keine unmittelbaren Bezüge auf Weißrussland (externhttps://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Gie%C3%9Fen), weil sich Lebens- und Leidenswege für die Zeit nach 1933 nicht immer ohne weiteres erschließen lassen.
2015 hat die Stadt Minsk mit der Errichtung einer Gedenkstätte am Vernichtungsort Malyj Trostenez begonnen, in die dank des Engagements des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks (IBB) Dortmund, der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte »Johannes Rau« (IBB) Minsk sowie weiterer Initiativen auch die Erinnerung an die im Wald von Blagowschtschina ermordeten Holocaust-Opfer integriert ist. Die von IBB Dortmund und Minsk gemeinsam mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas konzipierte Wanderausstellung ist seit November 2016 unterwegs und hat in Deutschland bisher Hamburg, Berlin, Bremen und Köln erreicht. Die Ausstellung würdigt die Opfer und zeigt zugleich, auf welche Weise und an welchen Orten in Belarus, Deutschland, Österreich und Tschechien der Ermordeten gedacht wird. Sie hat zum Ziel, Malyj Trostenez als europäischen Tat- und Erinnerungsort in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern (externhttps://ibb-d.de/erinnern/gedenkstaette-trostenez/).

Ziel des Hauptseminars ist, die Ausstellung mit Lebensläufen von Opfern aus der Region zu bereichern. Neben den fachwissenschaftlichen Kompetenzen sind praktische Erfahrungen im öffentlichen Umgang mit der Geschichte erforderlich. Gefragt sind Lokalpatrioten aus dem Gießener Umland, die sich kritisch mit dem jüdischen Erbe ihrer Heimatorte auseinandersetzen.

Literaturhinweise:
Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung. Eine deutsch-belarussische Wanderausstellung der Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks gGmbH (IBB Dortmund) sowie der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk (IBB Minsk), in Zusammenarbeit mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. [Darmstadt 2017].

Altaras, Thea: Stätten der Juden in Gießen. Von den Anfängen bis heute. Königstein im Taunus 1998.
Knauß, Erwin: Die jüdische Bevölkerung Gießens 1933-1945. 3., erweiterte Aufl. Wiesbaden 1982.
Müller, Hanno: Juden in Gießen 1788-1942. Gießen 2012.
Steil, Dieter: Zur Geschichte der Juden in Gießen. In: Brake, Ludwig/Brinkmann, Heinrich (Hrsg.): 800 Jahre Gießener Geschichte 1197-1997. Gießen 1997, S. 381-409.


[H Si] Wie nutze ich digitale Angebote in den Geschichtswissenschaften?
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.04.2018
wöchentlich Do. 08:00 - 10:00 Uhr,  Phil. I, G 333
Einzeltermin
Mi. 06.06.2018,14.00 - 18.00 Uhr   Phil. I, G 233

Kommentar:

Die digitale Revolution ist in aller Munde, was dies jedoch für den Umgang mit Geschichte bedeutet kommt in den medialen Debatten viel zu kurz. Diese Lehrveranstaltung möchte daher über einen bloßen Überblick in bestehende Angebote deutlich hinausgehen. Sie stellt folgende grundsätzliche Fragen: Wie verändert sich das Arbeiten für Historikerin und Historiker durch die Nutzung digitaler Ressourcen und Werkzeuge? Welche Chancen bietet das digitale Arbeiten, welche neuen Themen werden nun möglich? Was sind neue Formen der Vermittlung von Wissen? Wo liegen die praktischen, rechtlichen und moralisch-ethischen Herausforderungen beim Arbeiten mit digitalen Quellen? Wie garantieren wir in Zeiten von fake news die Qualität wissenschaftlichen Arbeitens? Auf der Grundlage dieser Fragen bietet die Lehrveranstaltung zunächst eine Einführung in das Feld der Digital Humanities. Anschließend wird das Forschungsfeld durch die Diskussion von Texten aufbereitet, die aus Sicht der Geschichtswissenschaften die neuen Möglichkeiten und Risiken skizzieren. Anschließend werden durch die Studierenden einzelner digitaler Angebote kritisch bewertet und durch den Vergleich von Themenfeldern ein System von Bewertungskriterien für digitale Angebote entwickelt. Auch auf rechtliche und organisatorische Fragen (z.B. Forschungsdatenmanagement) wird eingegangen. Die einzelnen Arbeiten sollen dann zu einem selbst gewählten Thema das vorhandene Angebot im Netz sichten und eine kommentierende Einschätzung nach den im Seminar erarbeiteten Kriterien bieten.


[H Si] Zwischen Euphorie und Depression. Das Jahr 1968 in der Tschechoslowakei
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 09.04.2018
wöchentlich Mo. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, G 333
Einzeltermin
Mi. 27.06.2018,14.00 - 18.00 Uhr  Workshop mit Francesco Caccamo (Università degli Studi "G. d'Annunzio", Chieti – Pescara)



Kommentar:

Das emblematische Jahr 1968 beschert nicht nur der deutschen Studentenbewegung, sondern auch der europäischen Dimension der Geschehnisse vor 50 Jahren aktuell Aufmerksamkeit. Die Wahrnehmung des Einzeljahres 1968 in der breiteren Öffentlichkeit sollte jedoch nicht davon ablenken, dass dessen Ereignischarakter eine retrospektive Konstruktion darstellt, die je nach nationalgeschichtlicher Erzählung sehr unterschiedliche Färbungen annehmen kann. Im Seminar wollen wir uns vor diesem Hintergrund mit dem „tschechoslowakischen 1968“ beschäftigen. Dabei geht es jedoch nicht in erster Linie darum, die Frage nach einem punktuellen Ereignis 1968 in den Mittelpunkt zu stellen. Vielmehr wollen wir uns in einer breiteren Perspektive mit der politischen Kultur der ČSSR, den Umgang und die Auffassung von Modernität und die hiermit einhergehende internationale Verflechtung im Verlauf der 1960er Jahre betrachten. Schließlich werden wir uns in einem Ausblick mit der Frage nach deren Fortdauer oder Diskontinuität nach dem Ende des Prager Frühlings beschäftigen.
Die Veranstaltung ist als interdisziplinäres Seminar in Kooperation von Slavistik und Geschichtswissenschaften angelegt. In diesem Sinne geht es uns um eine breite kulturwissenschaftliche Herangehensweise an das Thema.

Literaturhinweise:
Apelt, Andreas H.; Grünbaum, Robert; Togay, János Can (Hg.) (2014): Die ostmitteleuropäischen Freiheitsbewegungen 1953-1989. Opposition, Aufstände und Revolutionen im kommunistischen Machtbereich. 1. Aufl. Berlin: Metropol-Verlag.
Bischof, Günter; Karner, Stefan; Ruggenthaler, Peter (Hg.) (2011, ©2010): The Prague Spring and the Warsaw Pact invasion of Czechoslovakia in 1968. First paperback edition. Lanham, Md.: Lexington Books.
Karner, Stefan (Hg.) (2008): Prager Frühling. Das internationale Krisenjahr 1968. Köln, Graz: Böhlau; Verein zur Förderung der Forschung von Folgen nach Konflikten und Kriegen (9).
Sapper, Manfred (Hg.) (2008): Das Enzym der Freiheit. 1968 und das halbierte Bewusstsein. Berlin: Berliner Wissenschafts-Verl. (Bd. 7-2008).


[P Si] Hauptstädte im Mittelalter
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 09.04.2018
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 233

Kommentar:

Für das Verständnis mittelalterlicher Herrschaft ist wichtig, dass diese nicht ausgehend von einem Ort, einer „Hauptstadt“ ausgeübt wurde. Herrschaft wurde einem Herrscher ausgeübt, der mit seinem Hof durch sein Herrschaftsgebiet reiste und auf diese Weise herrscherliche Handlungen (Rechtsprechung, Privilegienvergabe, Konfliktlösung) vornahm (Reiseherrschaft). Dennoch gab es Orte, an denen sich bestimmte hauptstädtische Funktionen (temporär) konzentrierten, im römisch-deutschen Reich etwa in Aachen, Frankfurt/M., Mainz, Speyer, Goslar, Nürnberg oder Prag. Anhand von einzelnen Beispielen sollen Merkmale mittelalterlicher Herrschaft erarbeitet werden und diese Befunde zu Entwicklungen in ausgewählten anderen europäischen Ländern (Frankreich, England, Dänemark, Polen, Böhmen Ungarn) gestellt werden. Dabei soll auch auf bischöfliche Residenzen und auf die Stellung von Lübeck in der Hanse eingegangen werden.
Zur Vorbereitung: Moraw, Peter: Deutsche Hauptstädte im Mittelalter. In: Deutsche Hauptstädte. Von Frankfurt nach Berlin. Hrsg. von Bernd Heidenreich Wiesbaden 1998, 9-28.


[P Si] Marc Chagall in Vitebsk. Jüdische Stetl und sowjetische Avantgarde
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 11.04.2018
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

Vitebsk war um 1900 nicht nur ein ostjüdisches Stetl, sondern auch ein Laboratorium der russischen Avantgarde. An der Schnittschnelle zwischen Ost und West, in der Kontaktzone von polnisch-litauischer Adelsrepublik und Russländischem Imperium und im Zentrum des Ansiedlungsrayon für die jüdische Bevölkerung des Zarenreichs gelegen nahm die belarussische Stadt mit Persönlichkeiten wie Chagall, Lissitzky und Malewitsch im silbernen Zeitalter der russischen Kultur in der Tat eine außergewöhnliche Stellung ein..

Das Proseminar soll inhaltlich nicht nur in die Stadtgeschichte von Vitebsk, sondern auch in die Kultur der orthodoxen Juden einführen. In methodischer Hinsicht werden Grundlagen der Geschichtswissenschaft unter Bezugnahme auf Memoiren und Bilder vermittelt.

Zum einen sollen Fähigkeiten zum eigenständigen Verfassen einer Hausarbeit erworben werden. Zum anderen soll eine für den September geplante Exkursion der Abteilung für Osteuropäische Geschichte nach Vilnius und Vitebsk mit Programmpunkten gefüllt werden.

Literaturhinweise:

Chagall, Bella: Brennende Lichter. Reinbek 1969.
Chagall, Bella: Erste Begegnung. Reinbek 1973.
Chagall, Marc: Mein Leben. Stuttgart 1959.
Kamenski, Alexander: Cagall. Die russischen Jahre 1907-1922. Stuttgart 1989.
Shatskih, Aleksandra: Vitebsk. The Life of Art. New Haven/London 2007.


[P Si] Michail Gorbacev und die deutsche Wiedervereinigung 1985-1990
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 10.04.2018
wöchentlich Di. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, G 233

Kommentar:

1985 gelangte mit Michail Gorbacev ein Politiker an die Spitze der Sowjetunion, der nicht nur im eigenen Land tiefgreifende Veränderungen anstrebte. Der neue Generalsekretär wollte die Außenbeziehungen der Sowjetunion zum Westen verbessern und eingefahrene Denk- und Handlungsmuster des Kalten Krieges aufbrechen. Die Deutschlandfrage spielte eine zentrale Rolle in diesem Reformprozess. Von der Verbesserung der deutsch-deutschen Beziehungen, über die innenpolitische Situation in der DDR bis hin zu den Außengrenzen eines geeinten deutschen Staates: Deutschlandpolitik war sowohl Gradmesser und als auch Bewährungsprobe für Gorbacevs Reformbemühungen.
Im Seminar soll auf Grundlage publizierter Quellen (Notenwechsel, Tagebücher, Gesprächsprotokolle, Briefwechel, Presseartikel) diskutiert werden, welche Rolle das deutsch-deutsche Verhältnis in Gorbacevs Reformpolitik spielte und wann sich die Deutschlandfrage als politische Herausforderung abzeichnete. Darüber hinaus wird besprochen, welchen Anteil der sowjetische Generalsekretär am deutschen Einigungsprozess und welche Auswirkungen dieser Prozess auf die Reformagenda in der Sowjetunion hatte.
Literaturhinweise: Archie Brown: Der Gorbatschow-Faktor. Wandel einer Weltmacht. Frankfurt a. M. 2000; Dietmar Neutatz: Träume und Alpträume. Eine Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert. München 2013, S. 498-531; Mary-Elise Sarotte: 1989. The Struggle to Create a Post-Cold War Europe. Princeton/Oxford 2009.


[P Si] Reiseberichte als Zugänge zur Geschichte des Osmanischen Europa
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.04.2018
wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. I, G 025

Kommentar:

Das Proseminar führt in den geschichtswissenschaftlichen Umgang mit Quellen und Darstellungen und in die Abfassung einer schriftlichen Hausarbeit ein. Mit dem Beispiel von west- und osteuropäischen Berichten von Reisenden ins Osmanische Reich, aber auch Texten des Weltenbummlers Evliya Çelebi, sollen Quellen als Selbstzeugnisse untersucht und Zugänge zum frühneuzeitlichen osmanisch-europäischen Beziehungsverhältnis gefunden werden. Zu Wort kommen u.a. ehemalige Kriegsgefangene, Janitscharen, Gesandte, ein arabischer Bischof, Kaufleute und Lady Montagu als Klassikerin der englischen Reiseliteratur des 18. Jh. Literaturhinweise

Proseminaristisch:
Opgenoorth, Ernst, Schulz, Günther. Einführung in das Studium der Neueren Geschichte. 7. Auflage. Paderborn u.a. 2010 (JLU opac online); Emeliantseva, Ekaterina, Malz, Arié, Ursprung, Daniel. Einführung in die osteuropäische Geschichte. Zürich 2008.

Zum Thema:
MacLean, Gerald M., The Rise of Oriental Travel, English Visitors to the Ottoman Empire 1580-1720. Basingstoke New York 2004.
Geier, Wolfgang. Südosteuropa-Wahrnehmungen. Reiseberichte, Studien und biographische Skizzen vom 16.
bis zum 20. Jahrhundert. Wiesbaden 2006


[P Si] Sportgeschichte Südosteuropas einschließlich der Türkei
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 09.04.2018
wöchentlich Mo. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, G 026

Kommentar:

Das Proseminar führt in den geschichtswissenschaftlichen Umgang mit Quellen und Darstellungen und in die Abfassung einer schriftlichen Hausarbeit ein. Als Beispiel dient der Sport: Das Thema hat in jüngster Zeit in Kultur- und Geschichtswissenschaften stark an Bedeutung gewonnen. Seit den neunziger Jahren gelangen immer mehr Bereiche von Sport und Körperkultur in das Blickfeld der Forschung. Nahezu unerforscht blieb bis in die jüngste Zeit die Sportgeschichte Osteuropas. In der Lehrveranstaltung soll die Verknüpfung von Sport in (Süd)Osteuropa mit Politik, Nation bzw. Ethnizität sowie Vorstellungen moderner Lebenswelten im Zentrum des Interesses stehen. Sport soll so einen Zugang zur Auseinandersetzung mit zentralen Aspekten der (süd)osteuropäischen Geschichte des 19. und 20. und 21. Jahrhunderts einschließlich der Türkei bieten.



Literaturhinweise:
Proseminaristisch:
Opgenoorth, Ernst, Schulz, Günther. Einführung in das Studium der Neueren Geschichte. 7. Auflage. Paderborn u.a. 2010 (JLU opac online); Emeliantseva, Ekaterina, Malz, Arié, Ursprung, Daniel. Einführung in die osteuropäische Geschichte. Zürich 2008.

Thematisch:
Malz, Arié; Rohdewald, Stefan; Wiederkehr, Stefan (Hg.). Sport zwischen Ost und West. Eine kurze Einführung, in: Sport zwischen Ost und West. Beiträge zur Sportgeschichte Osteuropas im 19. und 20. Jahrhundert. Osnabrück 2007, S. 11-52.
Dogramaci, Burcu: Heading into Modernity: Sporting Culture, Architecture and Photography in the Early Turkish Republic. In: Katzer, Nikolaus u. a. (Hg.). Euphoria and Exhaustion. Modern Sport in Soviet Culture and Society. Frankfurt am Main, New York 2010, S. 111-123 (JLU opac online).


[Ü] „Aber jetzt wird gemordet, beim hellen Tag geschiesst“. Die Fortsetzung des Krieges und der Gewalt gegen die Zivilbevölkerung im östlichen Europa 1918-23
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.04.2018
wöchentlich Do. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, G 333
2 Einzeltermine
Alle Termine in: Phil. I, G 026
Sa. 09.06.2018,09.00 - 18.00 Uhr  
So. 10.06.2018,09.00 - 16.00 Uhr  

Kommentar:

Der 1. Weltkrieg endete zwar vor 100 Jahren offiziell, allerdings galt dies nicht für das östliche Europa, denn dort wurde der große Krieg nach dem Zerfall der Groß- und Vielvölkerreiche Österreich-Ungarn, Deutschland, Russland und dem Osmanischen Reich, durch eine Vielzahl der von Unabhängigkeits- Bürgerkriegen abgelöst. Die Bürgerkriege in Deutschland und Russland oder die Kriege zwischen Polen und Litauen, Polen und der Ukraine und der Polnisch-Sowjetische Krieg wären hier zu vor allem zu nennen, Wie schon während des Weltkrieges wurde dabei insbesondere die Zivilbevölkerung Opfer von Gewalt, Vor dem Hintergrund der derzeitigen Debatten um Krieg, Gewalt und Flucht, wollen wir in der Übung gemeinsam exemplarische, Zeitgenössische Quellen analysieren und interpretieren.
Quellen und Forschungsliteratur werden zu Beginn der Veranstaltung noch bekanntgegeben, Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen und können aber auch selbst nach thematisch passenden Quellen recherchieren und diese zur Analyse vorschlagen.
Leistungsnachweis ist eine eigenständige Quelleininterpretation als Hausarbeit.
Die Lehrveranstaltung findet im April und Mai wie angekündigt jeweils Do. statt. Anschließend ist noch eine Blockseminarsitzung an einem Wochenende (Sa./So. 9-18 Uhr) vorgesehen, deren Termin noch abgesprochen wird.


[Ü] Chroniken, Selbstzeugnisse, Karten: Quellen zur südosteuropäischen/osmanischen Geschichte vor 1800
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 09.04.2018
wöchentlich Mo. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, G 026

Kommentar:

Die Übung führt in geschichtswissenschaftliche Methoden der Quellenkritik und der Interpretation von Quellen ein. Beispiele wie Heiligenviten, bildliche Quellen wie Fresken und Karten, serbische und osmanische Urkunden sowie Verträge etwa des Osmanischen Reiches mit Polen-Litauen, Selbstzeugnisse und historiographische Werke sollen die exemplarische Arbeit mit unterschiedlichen Zugänge zu den vielfältigen Quellengattungen ermöglichen. Besondere Sprachkenntnisse sind keine Voraussetzung, werden aber gerne berücksichtigt.

Literaturhinweise:
Faroqhi, Suraiya. Approaching Ottoman History. An Introduction to the Sources. Cambridge 1999


[Ü] Dekabristen und Narodniki: Russland 1825-1881
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.04.2018
wöchentlich Do. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, G 233

Kommentar:

Das russländische Zarenreich war im 19. Jahrhundert von konfessioneller und kultureller Vielfalt sowie ökonomischen Fortentwicklungen, aber auch von einer Reihe militärischer Konflikte und dem gewaltsamen Aufbrechen tradierter sozialer Ordnungsvorstellungen geprägt. Somit entfaltet sich zwischen dem Vaterländischen Krieg 1812/13 und der Revolution von 1905 eine Gesellschaft im Aufbruch, die selbst die tradierten Herrschaftsverhältnisse in Frage zu stellen begann und sich anhand politik-, sozial- und geistesgeschichtlicher Quellenbestände in vielen unterschiedlichen Aspekten untersuchen lässt.
In der Übung werden wir uns auf breiter Basis mit historischem Quellenmaterial zu wichtigen Ereignissen, markanten Entwicklungen und kulturellen Strömungen der Zeit beschäftigen. Darüber hinaus wird in die Quellentheorie eingeführt sowie der sachgerechte Umgang mit historischen Quellen erörtert. In Vorbereitung auf die jeweiligen Sitzungen und im Zuge der Abfassung des (schriftlichen) Quellenkommentars wird von einem Pensum an Vor- bzw. Nachbereitungszeit im Umfang von ca. zwei Wochenstunden ausgegangen. Dies setzt wiederum eine intensive Lesebereitschaft deutsch- und englischsprachiger Fachtexte voraus. Außerdem ist die lebhafte Teilnahme am Seminargeschehen ausdrücklich gewünscht.


[Ü] Deutsche Ostforschung als Einführung in die Wissenschaftsgeschichte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 10.04.2018
wöchentlich Di. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, G 333
Einzeltermin
Fr. 25.05.2018,09.00 - 16.00 Uhr   (Exkursion) Herder-Institut Marburg

Kommentar:

Deutsche Ostforschung als Einführung in die Wissenschaftsgeschichte

Das Osteuropabild der Deutschen hat eine wechselhafte Geschichte. Doch zu keiner Zeit wurde die Forschung über die osteuropäischen Nachbarn so extrem vom Politischen bestimmt wie nach dem Ersten Weltkrieg und im Nationalsozialismus. Die faschistische Ostforschung nutzte jede Methode und jede wissenschaftliche Disziplin um die vermeintliche kulturelle Vorherrschaft und Überlegenheit in Ostmitteleuropa und Osteuropa als gegeben darzustellen.
Doch auch nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Geschichte der Ostforschung fort, und es stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Neubeginn und Kontinuität.
Anhand dieser fachgeschichtlichen Herangehensweise soll ein Zugang zur Wissenschaftsgeschichte geschaffen werden. Hierbei können Methoden und zeitliche Einordnungen betrachtet werden. Neben der Frage nach interdisziplinärem Arbeiten und dem Nutzen von Methoden zur Zielführung soll der Schwerpunkt der Übung beim Untersuchen des Erkenntnisinteresses der beiden Genres liegen. Die Veranstaltung eignet sich nicht nur für Studierende der Osteuropäischen Geschichte, sondern auch der allgemeinen Geschichte und des Lehramts, da es sich um einen Themenkomplex handelt der zur europäischen Geschichte gehört und gleichzeitig durch das zeitweise schwierige Verhältnis zu Polen, bzw. den Auseinandersetzungen mit den Vertiebenenverbänden nicht an Aktualität eingebüßt hat.


[Ü] Die Entwicklung einer Städtelandschaft in Mittelalter und Früher Neuzeit: das Beispiel des Baltikums
Regelmäßige Veranstaltung bis zum 08.6.2017; Blocktermine: 15.06.2017 und 22.06.2017
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.04.2018
wöchentlich Fr. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, D 209

Kommentar:

In dieser quellenkundlichen Übung werden wir gemeinsam Quellen zur Geschichte der Entwicklung einer Städtelandschaft in Mittelalter und Früher Neuzeit lesen, analysieren und interpretieren. Als Beispiellandschaft dient hierbei das Baltikum, in dem das bestehende zentralörtliche Gefüge im Zuge der Christianisierung ab dem 12. Jahrhundert überformt wurde und dann bis etwa 1800 stabil blieb.
Zu behandelnde Themen sind Stadtgründung, Stadtaufbau, städtische Verfassung, soziale und ökonomische Verhältnisse usw. Gerne können die Schwerpunkte der Übung in Absprache zwischen Lehrendem und den Studierenden gesetzt werden. Eine Blockveranstaltung dient der Arbeit im Archiv an den Originalquellen.


[Ü] Medievalism in Eastern Europe. Interpretations of the Medieval Past in the 19th and 20th Centuries
englischsprachige Veranstaltung
Dozent/-in:
Trajkovic-Filipovic, S. Stefan Trajkovic Filipovic
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.04.2018
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, D 209

Kommentar:

Medievalism, understood as manufacturing of the medieval past for modern/contemporary purposes, has been a significant trait of the European societies in the past centuries. Medievalism begins when medieval history and concepts are perceived as something that needs to be addressed, revived or imitated. The goal of this course is to understand the value of medievalism in European history, focusing on the roles it played in the nineteenth and twentieth century history of Eastern Europe.
Narratives of medieval past have been embedded into politics, national narratives, devotional practices, architecture, art, literature and popular culture of modern East European societies. Together with the general introduction to the concept in its broader European context, attention will be given to specific cases of invented traditions, myths of origin, academic considerations as well as of popular culture content in the Eastern Europe. Throughout the course the students will familiarize themselves with the mechanisms of political usage, literary interpretation and historiographical construction of a distant past, not only as methods of relevant knowledge production but also as methods of manipulation and making sense of the contemporary situations in the region.


[Ü] Quellen zur Geschichte des Krimkhanats
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.04.2018
wöchentlich Do. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. I, D 209

Kommentar:

Achtung: (Grund)-Kenntnisse des Russischen oder einer anderen ostslavischen Sprache werden für die erfolgreiche Teilnahme benötigt.

Im ersten Teil der Übung werden die Studenten anhand eines Moskauer Berichts (statejnyj spisok) über eine Gesandtschaft in das Krimkhanat aus dem frühen 17. Jahrhundert in die Paläographie des kyrillischen skoropis ("Schnellschrift") eingeführt. Schließlich dient die gemeinsame Analyse von Form und Inhalt des Berichts bzw. ausgewählter Passagen als Ausgangspunkt für die Erarbeitung grundlegender quellenkritischer Kompetenzen. Im zweiten der Übung wenden wir uns exemplarisch anderen Quellen für die Geschichte des Krimkhanats zu, darunter auch osmanischen und krimtatarischen (in Übersetzung).

In der Übung werden wir von Beginn mit festen Tandems (bzw. ggf. Tridems) arbeiten, sodass jeweils ein Teilnehmer mit sehr guten Kenntnissen des Russischen oder einer Ostslavine mit einem oder zwei mit Grundkenntnissen gruppiert wird. Darüber hinaus wird viel wert darauf gelegt werden, dass ausnahmslose alle Teilnehmer paläographisch aufgeschlüsselte Passagen sprachlich verstehen.


[Ü] Rückwärtsgewandte Propheten? Über gesellschaftliche (Ir)Relevanz von Geschichtswissenschaften
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 09.04.2018
wöchentlich Mo. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

Die gegenwärtigen Debatten um „Alternative Fakten“ und „Fake News“ verweisen in ihrem Kern auf ein Ringen um gesellschaftliche Deutungshoheiten vor dem Hintergrund veränderter Medialitäten. Beziehen sich diese Diskussionen im Wesentlichen auf tagesaktuelle Informationen, so werden doch auch in den Geschichtswissenschaften gerade intensive Überlegungen zum Umgang mit der Digitalität geführt. Dabei geht es nicht nur um die Frage veränderter Arbeitstechniken, sondern etwa auch immer um Präsenz und Zugänglichkeit wissenschaftlicher Informationen. Die dahinter stehende Frage nach der gesellschaftlichen Wirksamkeit von Wissenschaft ist dabei beileibe nicht neu. Gerade für die Geschichtswissenschaften mit ihrem Anspruch auf gesellschaftliche Definitionshoheit hat sie sich von Beginn ihrer Ausdifferenzierung als eigener universitärer Disziplin gestellt.
In der Übung werden wir uns also zum einen mit abstrakteren Fragen nach der Wissenschaftlichkeit von „Geschichtswissenschaften“ und nach der Selbstwahrnehmung von „wissenschaftlicher Expertise“ und deren Funktionieren auseinandersetzen. Zum anderen werden wir versuchen, dies an verschiedenen Beispielen diachron zu verfolgen – von der politischen Legitimationsfunktion von „Geschichtsschreibung“ bis zur Auseinandersetzung mit dem naturwissenschaftlichen Deutungsanspruch von Gesellschaft. Dabei geht es auch immer um spezifische zeitgebundene mediale Versuche von Geschichtswissenschaft, ihre Definitionshoheit zu beweisen.

Literaturhinweise:

Wolfgang Hardtwig (Hg.), Geschichte für Leser. Populäre Geschichtsschreibung in Deutschland im 20. Jahrhundert, Stuttgart 2005.
Barbara Körte / Sylvia Paletschek (Hg.), History Goes Pop. Zur Repräsentation von Geschichte in populären Medien und Genres, Bielefeld 2009.
Ulrich Muhlack (Hg.), Historisierung und gesellschaftlicher Wandel in Deutschland im 19. Jahrhundert, Berlin 2003.
Martin Sabrow / Ralph Jessen / Klaus Große Kracht (Hg.), Zeitgeschichte als Streitgeschichte. Große Kontroversen nach 1945, Müchen 2003.
Thomas Wozniak / Jürgen Nemitz / Uwe Rohwedder (Hg.), Wikipedia und Geschichtswissenschaft, Berlin /Boston 2015.


[O Si] Neue Forschungen zur Osteuropäischen Geschichte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 10.04.2018
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

Das Kolloquium bzw. Oberseminar diskitiert neuere Forschung zur Osteuropäischen Geschichte. Es wendet sich an alle an der wissenschaftlichen Aufarbeitung der osteuropäischen Geschichte Interessierten (ohne Zugangsbeschränkung).

Diskutiert werden wöchtenlich in Gießen entstehende Arbeiten, BA- und MA-Arbeiten sowie Promotionen. Auswärtige Referenten stellen ihre aktuellen Forscdhungsprojekte vor.


[Ex] Exkursion entlang der Düna
Um als Studierender an der Exkursion teilnehmen zu können, muss (mindestens) eine Veranstaltung (VL, HS, PS, Ü) aus dem dafür relevanten Lehrangebot aus dem Bereich der Osteuropäischen Geschichte besucht werden. Zu diesen Veranstaltungen gehören 1. die Vorlesung von Hans-Jürgen Bömelburg (Litauen), 2. das Hauptseminar von Hans-Jürgen Bömelburg ("Die baltischen Gesellschaften"), 3. das Hauptseminar von Stefan Rohdewald (Stadtgeschichte), 4. das Proseminar von Thomas Bohn (Vitebsk), 5. die Vorlesung von Thomas Bohn (Belarus), 6. die Quellenübung von Dennis Hormuth (Städte im Baltikum).
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
k.A.

[Ex] Exkursion nach Baku/Aserbaidschan
Exkursion: 28. März bis zum 6.April 2018
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
k.A.

nach oben | Kontakt: evv@uni-giessen.de