Fachbereich 04: Geschichts- und Kulturwissenschaften - Angebote des FB 04: für "Gender in der Lehre" - Fachjournalistik Geschichte
Veranstaltungen
[P Si] Mediengeschichte der Abtreibung
| regelmäßiger Termin ab 15.04.2026 | ||
| wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr | Phil. I, C 030 | |
| nächster Termin: 20.05.2026 Uhr, Raum: Phil. I, C 030 | ||
Bis dato verbietet der Paragraf 218 des deutschen Strafgesetzbuches (StGB) einen Schwangerschaftsabbruch. Nur unter bestimmten Bedingungen (Fristenregelung, Beratungspflicht, Bedenkzeit) bzw. aufgrund medizinischer oder kriminologischer Indikation wird eine Abtreibung strafrechtlich nicht verfolgt. Der letzte Reformversuch von §218 mit dem Ziel, Schwangerschaftsabbrüche außerhalb des Strafgesetzbuches zu regeln, scheiterte Anfang 2025. Dabei ist der Paragraf über 150 Jahre alt und genauso alt sind die oftmals erbittert geführten, gesellschaftlichen Debatten rund um Abtreibung. Mit ihnen wurde und wird verhandelt, ob und zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft das Recht des (ungeborenen) Kindes oder das Recht der Frau auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper höher zu werten sei. Doch ging und geht es dabei nicht nur um moralische Aspekte. Schließlich gerieten Schwangerschaftsabbrüche im ausgehenden 19. Jahrhundert ins Visier medizinischer und staatlicher Instanzen, die sich im Sinne moderner Bevölkerungspolitik für Geburtenentwicklungen zu interessieren begannen. Und auch die beiden Weltkriege, in denen der Bedarf nach „Menschenmaterial“ erheblich stieg, erhöhten die politische Brisanz des Themas. Während sich konservative Politiker:innen und Ärzt:innen sowie die Kirchen üblicherweise für den §218 aussprachen, votierten die Vertreter:innen der Frauenbewegung und des politisch linken Spektrums für seine Reform. Um ihre Argumente ins Feld zu führen, bedienten sich die verschiedenen Akteur:innen auch der (Massen-)Medien. Sie stehen im Zentrum dieses Proseminars, das sich dem Thema Abtreibung aus einer medienhistorischen Perspektive widmet. Es vermittelt die Grundlagen geschichtswissenschaftlichen Arbeitens, wobei die Studierenden historische Medienprodukte (Zeitungsartikel, Flugblätter, Broschüren, Plakate, Filme) recherchieren und befragen lernen, um sie als Quellen für eine (Medien-)Geschichte der Abtreibung nutzbar zu machen.


