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Vorlesungsverzeichnis: WiSe 2026/27

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Fachbereich 04: Geschichts- und Kulturwissenschaften - Philosophie - Master-Studiengang "Mathematik", Nebenfach "Philosophie" (18 CP)

Veranstaltungen

Das Nebenfach Philosophie im Master-Studiengang Mathematik umfasst Module im Umfang von 18 CP, und zwar:
Entweder drei Kernmodule (je 6 CP), die nicht schon im Bachelor-Studium absolviert wurden,
oder zwei Kernmodule (je 9 CP), die nicht schon im Bachelor-Studium absolviert wurden, wobei in jedem Modul eine wissenschaftliche Hausarbeit anzufertigen ist, so dass dieses mit 9 CP (statt 6 CP) bewertet wird.
Bei Studierenden, die den Bachelor-Studiengang Mathematik nicht an der Justus-Liebig-Universität absolviert haben, muss die inhaltliche Nicht-Überschneidung mit den Veranstaltungen aus dem Bachelor-Studium entsprechend gegeben sein.

 

 
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Legende

  

Zu belegen sind zwei Veranstaltungen, davon höchstens eine Vorlesung (falls angeboten).

[Si] Irrationalität
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.10.2026
wöchentlich Mo. 12:00 - 14:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012
nächster Termin: 12.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012

Kommentar:

Wenn uns das, was eine Person denkt, wünscht oder tut, falsch oder unverständlich erscheint, dann haben wir wenig Hemmung, dies – oder gar sie – als »irrational« zu bezeichnen. Aber was genau meint man damit? Meint man, dass sie etwas denkt, das objektiv oder unserer Meinung nach falsch ist? Dass sie Handlungen vollzieht, die objektiv oder unserer Meinung nach nicht geeignet sind, ihre Ziele zu erreichen?

Wie verhält es sich mit Fällen, in denen Menschen sich an Überzeugungen orientieren, von denen wir wissen, dass sie falsch sind, oder vor etwas Angst haben, dass unseres Wissens nicht gefährlich ist? Sind das bereits Fälle, in denen Irrationalität vorliegt? Oder bedarf es weiterer Voraussetzungen, die in der Person liegen, über die wir urteilen?

Solche Voraussetzungen spielen offenkundig eine Rolle für grundlegende Formen der Irrationalität, die gewöhnlich unterschieden werden: Willensschwäche (nicht zu tun, das zu tun gemäß der eigenen Überzeugungen das Beste ist), Wunschdenken (von etwas überzeugt sein, weil man selbst sich wünscht, die Welt mache die Überzeugung wahr), Handeln wider besseres Wissen (etwas tun, von dem man selbst weiß, dass es scheitern wird), Selbsttäuschung (sich selbst dazu zu bringen, etwas für wahr zu halten) und von etwas überzeugt sein, das nach eigener Auffassung diskreditiert ist. In diesen Fällen werden offenkundig Standards der Rationalität verletzt, mit deren Hilfe Grenzen der Verständlichkeit ausgezeichnet werden können. Denn was könnte es heißen, solche irrationalen Aktivitäten zu verstehen – für uns und für die agierende Person selbst?

Im Seminar sollen die Spielräume untersucht werden, die unterschiedliche Philosophien des Geistes dafür bereitstellen, dem Phänomen der Irrationalität angemessen Rechnung zu tragen. Dabei soll auch untersucht werden, ob es sinnvoll ist, unterschiedliche Arten oder Grade der Irrationalität zu unterscheiden.

Literatur
-Brandom, Robert B. (2002): »Introduction: Five Conceptions of Rationality«, in: Ders.: Tales of the Mighty Dead. Historical Essays in the Metaphysics of Intentionality, Cambridge, Mass., London: Harvard University Press, S. 1-17.
-Davidson, Donald (1969b): »Wie ist Willensschwäche möglich?«, in: Ders.: Handlung und Ereignis, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1990, S. 43-72.
-Davidson, Donald (1982b): »Paradoxien der Irrationalität«, in: Ders.: Probleme der Rationalität, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2006, S. 285-315.
-Davidson, Donald (1985a): »Inkohärenz und Irrationalität«, in: Ders.: Probleme der Rationalität, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2006, S. 316-331.
-Gardner, Sebastian (1993): Irrationality and the Philosophy of Psychoanalysis, Cambridge: Cambridge University Press.
-Lear, Jonathan (1998a): »Restlessness, Phantasy, and the Concept of Mind«, in: Ders.: Open Minded. Working out the Logic of the Soul, Harvard: Harvard University Press, S. 80-122.
-Nagel, Thomas (1994): »Freud’s Permanent Revolution«, in: Ders.: Other Minds. Critical Essays 1969-1994, New York, Oxford: Oxford University Press 1995, S. 26-44.
-Stocker, Michael, Elizabeth Hegeman (2000): »Aristotelian Akrasia, Weakness of the Will and Psychoanalytic Regression«, in: M. Levine (Hg.): The Analytic Freud, London, New York: Routledge, S. 135-153.


[Si] Medizinethik  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012

Kommentar:

Ist es moralisch in Ordnung, wenn Jens Spahn ein Kind über eine Leihmutter bekommt? Sollte es in Deutschland ein institutionelles Recht auf Sterben geben? (Wann) kann ich einer medizinischen Prozedur wirklich frei zustimmen?
Das alles sind Fragen der Medizinethik, die wir im Seminar diskutieren werden. Das Seminar ist dreigeteilt: Im ersten Teil werden grundlegende Fragestellungen und Konzepte dieser Debatten besprochen, z.B. wann Leben beginnt oder was Menschenwürde umfasst. Im zweiten Teil werden wir verschiedene Positionen zu den Themengebieten Abtreibung und Sterbehilfe diskutieren. Im letzten Teil widmen wir uns aktuellen Diskursen der Medizinethik, unter anderem im Hinblick auf Leihmutterschaft oder Organverkauf.

Ein Großteil der Texte ist ausschließlich in englischer Sprache vorhanden.

WICHTIG: Die Prüfungsleistung besteht aus einem Portfolio, das eng mit dem Seminarprozess verbunden ist. Die Hälfte der Bestandteile muss bereits im Seminar zu verschiedenen Zeiten abgegeben werden. Es handelt sich dabei um analytische Auseinandersetzungen bei der Lektüre der Seminartexte. Nehmen Sie also bitte nur Teil, wenn Sie im Semester Zeit dafür aufbringen können.


[Si] Philosophie des Films  (AfK-Nr.: 405/406)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 14.10.2026
wöchentlich Mi. 17:00 - 19:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001
nächster Termin: 14.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Filme erzählen Geschichten, lassen uns mit Figuren mitfiebern und können uns erschrecken, berühren oder zum Nachdenken bringen. Doch wie funktioniert das eigentlich? Was genau sehen wir, wenn wir einen Film sehen? Wie werden aus einzelnen Bildern und Einstellungen Geschichten? Haben Filme eine Bedeutung? Wie gelingt es ihnen, unsere Aufmerksamkeit zu lenken, Erwartungen zu wecken und Emotionen hervorzurufen? Und lernen wir eigentlich auch etwas, wenn wir (narrative) Filme schauen?

Das Seminar bietet eine Einführung in zentrale Fragen der Filmphilosophie auf Grundlage von Noël Carrolls »The Philosophy of Motion Pictures«. Die philosophische Auseinandersetzung mit dem Text wird dabei durch gemeinsame Filmanalysen ergänzt. Ziel ist es, philosophische Argumente und Begriffe nicht nur analytisch zu durchdringen, sondern auch zu prüfen, inwieweit sie unserer konkreten Filmerfahrung gerecht werden.

Diese Idee prägt auch den Leistungsnachweis: Die Studierenden erarbeiten ausgewählte Textabschnitte und entwickeln darauf aufbauend ein eigenes Projekt, etwa indem eine der behandelten philosophischen Thesen anhand eines konkreten filmischen Beispiels auf den Prüfstand gestellt wird.

Textgrundlage:
Carroll, Noël (2008): The Philosophy of Motion Pictures. Malden, MA/Oxford: Blackwell Publishing.

Die im Seminar behandelten Textabschnitte werden zu Beginn des Semesters bekannt gegeben.


[Si] Platon: Gorgias  (AfK-Nr.: 409/410)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Die übergeordnete Frage im „Gorgias“ lautet: Wie soll man leben? Allerdings springt einem diese Frage als Thema zumindest zu Beginn des Dialogs noch nicht ins Auge. Der Dialog ist insgesamt sehr unterhaltsam; unter anderem, weil Sokrates‘ Gesprächspartner Gorgias, vor allem aber Polos und Kallikles ziemlich breitbeinig, provokativ und zunehmend schamlos auftreten. Am Ende des Dialogs kann man (vielleicht) sehen, wie die argumentierende Philosophie gegen offensive Schamlosigkeit schließlich an ihre Grenzen stößt.
Im Seminar soll auf unterschiedlichen Ebenen in Platons Philosophie und in die Eigenheiten der Dialogform eingeführt werden. Zum einen werden wir versuchen, die Struktur des Textes zu rekonstruieren. Zum anderen bemühen wir uns zu verstehen, wie Platons Sokrates die Art der Argumentation seinem jeweiligen Gesprächspartner anpasst. – Das Seminar ist auch für Studienanfänger geeignet.
Text (zur Anschaffung): Platon: Gorgias, Stuttgart: Reclam 2013.


[Si] TL;DR? Die kürzesten Aufsätze aus der theoretischen Philosophie  (AfK-Nr.: 407/408)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 14:00 - 16:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Viele der berühmtesten Werke der Philosophie sind dicke Bücher. Manchmal kommt gute Philosophie aber auch mit wenigen Sätzen aus. In diesem Seminar werden wir einige der kürzesten Aufsätze aus der theoretischen Philosophie lesen. Wir lesen dabei nur Texte, die in philosophischen Fachzeitschriften erschienen sind. Die Themen, die uns begegnen werden, stammen aus unterschiedlichen Gebieten der theoretischen Philosophie, vor allem aus Sprachphilosophie, Erkenntnistheorie, Logik und Metaphysik. Es geht unter anderem um Wissen, Vagheit, Kausalität, logisches Schließen, philosophische Rätsel und Paradoxien, die Frage, ob ein Wal ein Fisch ist, und die Frage, was die beste Frage ist.

Das Seminar richtet sich an alle, die Interesse an Fragen der theoretischen Philosophie haben und Freude am Lesen und Schreiben von kurzen Texten.

Die Texte, die wir lesen werden, sind alle (oder zumindest fast alle) auf Englisch. Der Plan ist, dass wir die Texte gemeinsam im Seminar lesen. Als Vor- und Nachbereitung werden wir über das, was wir im Seminar gelesen haben, weiter nachdenken und uns außerdem darin üben, selbst kurze philosophische Texte zu schreiben.


[Si] Warum moralisch sein?  (AfK-Nr.: 403/404)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Die Frage „Warum moralisch sein?“ hat in der Philosophie – und wohl auch außerhalb der Philosophie – keinen besonders guten Ruf. Außerhalb der Philosophie liegt das vermutlich am skeptischen und teils trotzigen Unterton der Frage. Wer fragt, warum er moralisch handeln solle, ist vielleicht nicht unbedingt geneigt, den Ansprüchen der Moral zu genügen.
Das philosophische Unbehagen an der Frage hat einen anderen Grund. Es beruht weniger auf den skeptischen Untertönen als auf einem Zweifel daran, dass es sich bei »Warum moralisch sein?« um eine sinnvolle oder hinreichend klare Frage handelt. Denn sicher kann die Frage Verschiedenes bedeuten: Warum sollten uns moralische Gründe motivieren? Warum sollte ich gegebenenfalls mein Eigeninteresse zugunsten der Moral zurückstellen? Warum kann die Moral überhaupt Ansprüche an unser Handeln stellen? Etc. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass die Frage „Warum moralisch sein?“ kaum noch unmittelbarer Gegenstand zeitgenössischer philosophischer Debatten ist.
Im Rahmen eines philosophischen Seminars hat die Mehrdeutigkeit allerdings auch einen Vorteil: Es lassen sich überblickhaft Fragen zur moralischen Motivation, zum Amoralismus, zur Rationalität der Moral, zum Verhältnis von theoretischer und praktischer Vernunft, oder zu moralischer Gewissheit stellen. Ziel des Seminars ist es, die unterschiedlichen Fragen und Problemstellungen genauer zu bestimmen, ihre Unterschiede und Zusammenhänge herauszuarbeiten und zu untersuchen, was jeweils auf dem Spiel steht, wenn wir fragen: „Warum moralisch sein?“.
Ein Reader wird zur Verfügung gestellt.


[Si] Was können wir wissen?  (AfK-Nr.: 403/404)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 14:00 - 16:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 113
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 113

Kommentar:

Seit Menschen Philosophie treiben, quält die Frage, was wir wissen können – und ob wir strenggenommen überhaupt etwas wissen können. Haben wir nicht letztlich meist nur sehr vorläufige Meinungen, die kaum belastbarer sind als halbwegs gut begründete Vermutungen? Gilt das nicht zumindest für etliche wichtige Bereiche – etwa für unsere Meinungen über die objektive Beschaffenheit der Natur oder auch über das, was andere Menschen denken und fühlen (das sogenannte ‚Fremdpsychische‘)?
Die Geschichte ist voller einflussreicher skeptischer Argumente, die zeigen sollen, dass wir sehr viel weniger wissen können, als optimistisch Gestimmte unter uns anzunehmen geneigt sind. Etliche dieser Argumente sind auf den ersten (und zweiten) Blick durchaus herausfordernd. Eine Beschäftigung mit ihnen verrät einiges über unsere ‚epistemische Situation‘ – und sei es letztlich dadurch, dass wir nachvollziehen, inwiefern diese Argumente am Ende (voraussichtlich) doch scheitern.
Im Seminar werden wir wichtige skeptische Argumente aus der Geschichte der Philosophie kennenlernen und zeitgenössische Antworten auf diese skeptischen Herausforderungen prüfen. Dabei werden wir auch immer die aktuelle gesellschaftliche Relevanz der Diskussion unserer ‚epistemischen Situation‘ mitbedenken: Denn die in den letzten Jahren um sich greifende Wissenschaftsfeindlichkeit greift nicht selten skeptische Motive auf (wenn auch auf oberflächliche Weise) und bedient – und fördert – oft genug eine vage ‚skeptische Grundstimmung‘.


[Si] Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben? Feministische Perspektiven auf die Zukunft  (AfK-Nr.: 413/414)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 102
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 102

Kommentar:

Das Seminar soll einen positiven und konstruktiven Blick auf die Zukunft richten und u.a. folgende Fragen diskutieren: Welche gesellschaftlichen Narrative gibt es über die Zukunft bestimmter Personen (z.B. behinderter und trans* Personen)? Wie wollen wir (gerade für Personen, denen ihre Zukunft abgesprochen wird) die Zukunft gestalten? Wie sieht eine Zukunft ohne patriarchale Familienstrukturen, restriktive Gender-Praktiken, Kapitalismus, Gefängnisse, Polizei, etc. aus? Wie gestalten wir Community-basierte Care-Praktiken? Welche Arten von Beziehungen wollen wir führen? Was ist die Zukunft marginalisierter Philosophie?
Das Seminar soll sich damit von dem oftmals abstrakten Fokus der Philosophie lösen und konkrete Konzepte des Zusammenlebens sowohl im Rahmen aktueller Unterdrückung als auch nach dem Überwinden von cis-hetero patriarchalen, ableistischen, kapitalistischen, rassistischen, kolonialen, etc. Strukturen entwickeln.


 

Zu belegen sind zwei Veranstaltungen, davon höchstens eine Vorlesung (falls angeboten).

[O Si] Der Wille als dionysisches Konzept und Ästhetik. Lektüreseminar Friedrich Nietzsche „Geburt der Tragödie“
15 Sitzungen, immer Dienstags 10:00-12:00 Uhr (ct.). Bei Ausfall Nachholtermine nach Absprache digital oder in Präsenz.
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Phil. I, G 026
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Phil. I, G 026

Kommentar:

Konzept: Unter dem Einfluss der Philosophie Schopenhauers und der Musik Wagners entwirft der deutsche Philosoph des 19. Jahrhunderts Friedrich Nietzsche in seinem Frühwerk „Die Geburt der Tragödie“ ein Verständnis des Willens, welches über den bloßen Willen einer Person („mein Wille“) und auch über das Gewollte („ich will X“) hinausgeht. Wir werden einerseits untersuchen, wie der Wille konzeptualisiert wird. Daneben liegt der Fokus darauf, wie der Text den Willen ästhetisch performiert. Letzteres ist von außerordentlicher Bedeutung nicht nur aufgrund des Stellenwertes von Theater, Musik und Literatur im Text, sondern auch weil sich Nietzsche in diesem Buch als Professor für Klassische Philologie mit antiker Philosophie, Geschichte und Literatur auseinandersetzt. Insofern richtet sich das Seminar sowohl an ästhetisch als auch theoretisch interessierte Studierende. Künstlerisch-praktische Fragen werden jedoch nicht verhandelt.

Hinweis auf sensible Inhalte: Der frühe Nietzsche ist Wagnerianer, Nationalist und Antisemit. Wir lesen Nietzsche nicht affirmativ in Bezug auf sein Denken, Leben und Werte, aber auch nicht um ihn zu ‚entlarven‘. Hier soll es darum gehen, den Begriff und die Ästhetik des Willens in diesem Frühwerk zu untersuchen. Was überzeugt uns konzeptuell/ästhetisch, was nicht?

Ablauf: Das ist ein Lektüreseminar. "Die Geburt der Tragödie“ wird ganz gelesen. Eine Anschaffung der Reclam-Ausgabe vor der ersten Sitzung wird dringend empfohlen. Bei finanziellen Engpässen bitte Dozent rechtzeitig kontaktieren. Die Leselast liegt bei durchschnittlich zwei Kapiteln pro Woche (vor Beginn des Seminars müssen jedoch noch 3 Texte zur Vorbereitung gelesen werden). Auf Grundlage der Lektüre diskutieren wir die jeweiligen Abschnitte im Seminar.

Vorbereitende Lektüre für alle Studierende vor der ersten Sitzung zu erfüllen (Deleuze über Nietzsches Leben und Denken, Nachwort Reclam Ausgabe „Der Geburt der Tragödie“).


[Si] Influencer*innen als Thema der Ethik!?  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 14.10.2026
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001
nächster Termin: 14.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Eine Family-Bloggerin zeigt ihre Kinder unzensiert, ein Männlichkeitscoach gibt fragwürdige Datingtipps, ein Youtuber bringt intime Privatinformationen an die Öffentlichkeit, um eine Lüge aufzudecken – diese kleine Auswahl an Beispielen zeigt, dass auf Social Media viel passiert, was ethisch eingeordnet werden kann oder sogar muss.
Im Seminar werden wir uns daher genau dieser Aufgabe stellen, indem Sie sich in Gruppen einen Fall auf Social Media aussuchen, den Sie aus einer ethischen Linse betrachten werden. Im ersten Schritt werden wir gemeinsam Beispiele für ethische Fragestellungen rund um Influencer*innen sammeln, schauen, wie wissenschaftliche Einordnung auf den Plattformen funktioniert, und dann verschiedene Möglichkeiten besprechen, wie eine philosophische Einordnung aussehen könnte. Im Hauptteil werden Sie sich in Projektgruppen das ganze Semester über mit einem konkreten Fall auseinandersetzen und diesen eigenständig Schritt für Schritt ethisch einordnen, indem Sie die ethische Fragestellung präzisieren, Literatur suchen und lesen und dann in der Gruppe eine Social-Media-Reaktion auf diesen Fall (z.B. in Form eines TikToks oder Instagram-Beitrags) erstellen, die dann Teil der Prüfungsleistung ist.

WICHTIG: Die Prüfungsleistung besteht aus einem Portfolio, das eng mit dem Gruppenprozess verbunden ist. Der Großteil der Bestandteile muss bereits im Seminar zu verschiedenen Zeitpunkten abgegeben werden. Zudem erfordert das Seminar eine selbstständige und engagierte Mitarbeit in Kleingruppen. Nehmen Sie also bitte nur Teil, wenn Sie im Semester Zeit dafür aufbringen können.


[Si] Irrationalität
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.10.2026
wöchentlich Mo. 12:00 - 14:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012
nächster Termin: 12.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012

Kommentar:

Wenn uns das, was eine Person denkt, wünscht oder tut, falsch oder unverständlich erscheint, dann haben wir wenig Hemmung, dies – oder gar sie – als »irrational« zu bezeichnen. Aber was genau meint man damit? Meint man, dass sie etwas denkt, das objektiv oder unserer Meinung nach falsch ist? Dass sie Handlungen vollzieht, die objektiv oder unserer Meinung nach nicht geeignet sind, ihre Ziele zu erreichen?

Wie verhält es sich mit Fällen, in denen Menschen sich an Überzeugungen orientieren, von denen wir wissen, dass sie falsch sind, oder vor etwas Angst haben, dass unseres Wissens nicht gefährlich ist? Sind das bereits Fälle, in denen Irrationalität vorliegt? Oder bedarf es weiterer Voraussetzungen, die in der Person liegen, über die wir urteilen?

Solche Voraussetzungen spielen offenkundig eine Rolle für grundlegende Formen der Irrationalität, die gewöhnlich unterschieden werden: Willensschwäche (nicht zu tun, das zu tun gemäß der eigenen Überzeugungen das Beste ist), Wunschdenken (von etwas überzeugt sein, weil man selbst sich wünscht, die Welt mache die Überzeugung wahr), Handeln wider besseres Wissen (etwas tun, von dem man selbst weiß, dass es scheitern wird), Selbsttäuschung (sich selbst dazu zu bringen, etwas für wahr zu halten) und von etwas überzeugt sein, das nach eigener Auffassung diskreditiert ist. In diesen Fällen werden offenkundig Standards der Rationalität verletzt, mit deren Hilfe Grenzen der Verständlichkeit ausgezeichnet werden können. Denn was könnte es heißen, solche irrationalen Aktivitäten zu verstehen – für uns und für die agierende Person selbst?

Im Seminar sollen die Spielräume untersucht werden, die unterschiedliche Philosophien des Geistes dafür bereitstellen, dem Phänomen der Irrationalität angemessen Rechnung zu tragen. Dabei soll auch untersucht werden, ob es sinnvoll ist, unterschiedliche Arten oder Grade der Irrationalität zu unterscheiden.

Literatur
-Brandom, Robert B. (2002): »Introduction: Five Conceptions of Rationality«, in: Ders.: Tales of the Mighty Dead. Historical Essays in the Metaphysics of Intentionality, Cambridge, Mass., London: Harvard University Press, S. 1-17.
-Davidson, Donald (1969b): »Wie ist Willensschwäche möglich?«, in: Ders.: Handlung und Ereignis, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1990, S. 43-72.
-Davidson, Donald (1982b): »Paradoxien der Irrationalität«, in: Ders.: Probleme der Rationalität, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2006, S. 285-315.
-Davidson, Donald (1985a): »Inkohärenz und Irrationalität«, in: Ders.: Probleme der Rationalität, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2006, S. 316-331.
-Gardner, Sebastian (1993): Irrationality and the Philosophy of Psychoanalysis, Cambridge: Cambridge University Press.
-Lear, Jonathan (1998a): »Restlessness, Phantasy, and the Concept of Mind«, in: Ders.: Open Minded. Working out the Logic of the Soul, Harvard: Harvard University Press, S. 80-122.
-Nagel, Thomas (1994): »Freud’s Permanent Revolution«, in: Ders.: Other Minds. Critical Essays 1969-1994, New York, Oxford: Oxford University Press 1995, S. 26-44.
-Stocker, Michael, Elizabeth Hegeman (2000): »Aristotelian Akrasia, Weakness of the Will and Psychoanalytic Regression«, in: M. Levine (Hg.): The Analytic Freud, London, New York: Routledge, S. 135-153.


[Si] Philosophie des Films  (AfK-Nr.: 405/406)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 14.10.2026
wöchentlich Mi. 17:00 - 19:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001
nächster Termin: 14.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Filme erzählen Geschichten, lassen uns mit Figuren mitfiebern und können uns erschrecken, berühren oder zum Nachdenken bringen. Doch wie funktioniert das eigentlich? Was genau sehen wir, wenn wir einen Film sehen? Wie werden aus einzelnen Bildern und Einstellungen Geschichten? Haben Filme eine Bedeutung? Wie gelingt es ihnen, unsere Aufmerksamkeit zu lenken, Erwartungen zu wecken und Emotionen hervorzurufen? Und lernen wir eigentlich auch etwas, wenn wir (narrative) Filme schauen?

Das Seminar bietet eine Einführung in zentrale Fragen der Filmphilosophie auf Grundlage von Noël Carrolls »The Philosophy of Motion Pictures«. Die philosophische Auseinandersetzung mit dem Text wird dabei durch gemeinsame Filmanalysen ergänzt. Ziel ist es, philosophische Argumente und Begriffe nicht nur analytisch zu durchdringen, sondern auch zu prüfen, inwieweit sie unserer konkreten Filmerfahrung gerecht werden.

Diese Idee prägt auch den Leistungsnachweis: Die Studierenden erarbeiten ausgewählte Textabschnitte und entwickeln darauf aufbauend ein eigenes Projekt, etwa indem eine der behandelten philosophischen Thesen anhand eines konkreten filmischen Beispiels auf den Prüfstand gestellt wird.

Textgrundlage:
Carroll, Noël (2008): The Philosophy of Motion Pictures. Malden, MA/Oxford: Blackwell Publishing.

Die im Seminar behandelten Textabschnitte werden zu Beginn des Semesters bekannt gegeben.


[Si] TL;DR? Die kürzesten Aufsätze aus der theoretischen Philosophie  (AfK-Nr.: 407/408)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 14:00 - 16:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Viele der berühmtesten Werke der Philosophie sind dicke Bücher. Manchmal kommt gute Philosophie aber auch mit wenigen Sätzen aus. In diesem Seminar werden wir einige der kürzesten Aufsätze aus der theoretischen Philosophie lesen. Wir lesen dabei nur Texte, die in philosophischen Fachzeitschriften erschienen sind. Die Themen, die uns begegnen werden, stammen aus unterschiedlichen Gebieten der theoretischen Philosophie, vor allem aus Sprachphilosophie, Erkenntnistheorie, Logik und Metaphysik. Es geht unter anderem um Wissen, Vagheit, Kausalität, logisches Schließen, philosophische Rätsel und Paradoxien, die Frage, ob ein Wal ein Fisch ist, und die Frage, was die beste Frage ist.

Das Seminar richtet sich an alle, die Interesse an Fragen der theoretischen Philosophie haben und Freude am Lesen und Schreiben von kurzen Texten.

Die Texte, die wir lesen werden, sind alle (oder zumindest fast alle) auf Englisch. Der Plan ist, dass wir die Texte gemeinsam im Seminar lesen. Als Vor- und Nachbereitung werden wir über das, was wir im Seminar gelesen haben, weiter nachdenken und uns außerdem darin üben, selbst kurze philosophische Texte zu schreiben.


[Si] Warum moralisch sein?  (AfK-Nr.: 403/404)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Die Frage „Warum moralisch sein?“ hat in der Philosophie – und wohl auch außerhalb der Philosophie – keinen besonders guten Ruf. Außerhalb der Philosophie liegt das vermutlich am skeptischen und teils trotzigen Unterton der Frage. Wer fragt, warum er moralisch handeln solle, ist vielleicht nicht unbedingt geneigt, den Ansprüchen der Moral zu genügen.
Das philosophische Unbehagen an der Frage hat einen anderen Grund. Es beruht weniger auf den skeptischen Untertönen als auf einem Zweifel daran, dass es sich bei »Warum moralisch sein?« um eine sinnvolle oder hinreichend klare Frage handelt. Denn sicher kann die Frage Verschiedenes bedeuten: Warum sollten uns moralische Gründe motivieren? Warum sollte ich gegebenenfalls mein Eigeninteresse zugunsten der Moral zurückstellen? Warum kann die Moral überhaupt Ansprüche an unser Handeln stellen? Etc. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass die Frage „Warum moralisch sein?“ kaum noch unmittelbarer Gegenstand zeitgenössischer philosophischer Debatten ist.
Im Rahmen eines philosophischen Seminars hat die Mehrdeutigkeit allerdings auch einen Vorteil: Es lassen sich überblickhaft Fragen zur moralischen Motivation, zum Amoralismus, zur Rationalität der Moral, zum Verhältnis von theoretischer und praktischer Vernunft, oder zu moralischer Gewissheit stellen. Ziel des Seminars ist es, die unterschiedlichen Fragen und Problemstellungen genauer zu bestimmen, ihre Unterschiede und Zusammenhänge herauszuarbeiten und zu untersuchen, was jeweils auf dem Spiel steht, wenn wir fragen: „Warum moralisch sein?“.
Ein Reader wird zur Verfügung gestellt.


[Si] Was können wir wissen?  (AfK-Nr.: 403/404)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 14:00 - 16:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 113
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 113

Kommentar:

Seit Menschen Philosophie treiben, quält die Frage, was wir wissen können – und ob wir strenggenommen überhaupt etwas wissen können. Haben wir nicht letztlich meist nur sehr vorläufige Meinungen, die kaum belastbarer sind als halbwegs gut begründete Vermutungen? Gilt das nicht zumindest für etliche wichtige Bereiche – etwa für unsere Meinungen über die objektive Beschaffenheit der Natur oder auch über das, was andere Menschen denken und fühlen (das sogenannte ‚Fremdpsychische‘)?
Die Geschichte ist voller einflussreicher skeptischer Argumente, die zeigen sollen, dass wir sehr viel weniger wissen können, als optimistisch Gestimmte unter uns anzunehmen geneigt sind. Etliche dieser Argumente sind auf den ersten (und zweiten) Blick durchaus herausfordernd. Eine Beschäftigung mit ihnen verrät einiges über unsere ‚epistemische Situation‘ – und sei es letztlich dadurch, dass wir nachvollziehen, inwiefern diese Argumente am Ende (voraussichtlich) doch scheitern.
Im Seminar werden wir wichtige skeptische Argumente aus der Geschichte der Philosophie kennenlernen und zeitgenössische Antworten auf diese skeptischen Herausforderungen prüfen. Dabei werden wir auch immer die aktuelle gesellschaftliche Relevanz der Diskussion unserer ‚epistemischen Situation‘ mitbedenken: Denn die in den letzten Jahren um sich greifende Wissenschaftsfeindlichkeit greift nicht selten skeptische Motive auf (wenn auch auf oberflächliche Weise) und bedient – und fördert – oft genug eine vage ‚skeptische Grundstimmung‘.


[Si] Weder für die Schule noch für das Leben – zur Funktion der Pädagogik im Kapitalismus  (AfK-Nr.: 413/414)
Durchführung: Block
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
5 Einzeltermine:
Di. 15.12.2026,12.00 - 14.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 012
Mi. 24.02.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Do. 25.02.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Mi. 03.03.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Do. 04.03.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Kaum ein Wahlkampf kommt ohne die immer selbe Behauptung aus: Bildung ist von überragender Bedeutung! Die Schulen aber sind marode und ungerecht, Lehrkräfte überlastet und Schüler*innen den Anforderungen der Gegenwart angeblich immer weniger gewachsen. Seit Jahrzehnten wird deshalb ein bildungspolitischer Aufbruch angekündigt. Nur der Aufbruch selbst bleibt zuverlässig aus.
Das lässt sich schwerlich mit der allgemeinen Langsamkeit demokratischer Politik oder einer schwierigen ökonomischen Lage erklären. Wo ein politisches Ziel tatsächlich als dringlich gilt, können demokratische Staaten innerhalb kürzester Zeit Milliarden mobilisieren, Produktionskapazitäten ausbauen und erhebliche gesellschaftliche Ressourcen in eine neue Richtung lenken – wie die kurzfristige Mobilisierung gewaltiger Summen nach der „Zeitenwende“ für die Aufrüstung zeigt. Wenn eine vergleichbare Mobilisierung im Bildungswesen trotz des ständig beschworenen Notstands ausbleibt, liegt ein anderer Verdacht nahe: Vielleicht funktionieren Schulen gar nicht so schlecht. Vielleicht erfüllen sie ihre gesellschaftliche Aufgabe sogar ziemlich zuverlässig. Nur besteht ihre gesellschaftliche Funktion dann offenbar in etwas anderem als in der freien Entfaltung junger Menschen.
In diesem Seminar werden Texte gelesen, die Pädagogik und Lehranstalten nicht von ihren normativen Versprechen her betrachten, sondern nach ihrem Beitrag zur Reproduktion der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung fragen. Zu den unterschiedlichen Diagnosen gehören: Schulen sortieren Menschen nach Leistung, verteilen Berechtigungen und weisen ihnen unterschiedliche gesellschaftliche Laufbahnen zu. Sie organisieren Lernen in Konkurrenz, gewöhnen an fremdgesetzte Anforderungen und machen individuellen Erfolg wie individuelles Scheitern zurechenbar. Dabei bedienen sie sich jener Mittel, die ihren erklärten Bildungszielen widersprechen: Selbstständigkeit soll unter Zeitdruck entstehen, Lernbereitschaft durch Notendruck, Kooperation unter Konkurrenzbedingungen und Mündigkeit durch die Unterwerfung unter institutionell gesetzte Anforderungen.
Diese Widersprüche sind nicht bloß der Preis, den eine Institution mit besten Intentionen für ihre praktische Umsetzung zahlen muss. Das Seminar untersucht, inwiefern Konkurrenz, Selektion, Disziplinierung und Ideologisierung nicht Fehlentwicklungen, sondern am Ende Funktionen des Bildungswesens im Kapitalismus sind. Nur am Rande wird es daher um die Frage gehen, wie Pädagogik innerhalb der bestehenden Gesellschaft besser, gerechter oder inklusiver gestaltet werden könnte. Im Zentrum steht eine Fundamentalkritik der Pädagogik und ihrer gesellschaftlichen Institutionen. Am Ende stellen wir uns grundsätzlich die Frage nach einer emanzipativen Pädagogik und danach, wie sie implementiert werden kann.
Mögliche Seminarliteratur (Auswahl steht noch aus)
• Karl Marx: ausgewählte Texte zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Reproduktion
• Talcott Parsons: „Die Schulklasse als soziales System“
• Louis Althusser: „Ideologie und ideologische Staatsapparate“
• Siegfried Bernfeld: Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung
• Theodor W. Adorno: „Theorie der Halbbildung“
• Michel Foucault: Auszüge aus Überwachen und Strafen
• Heinz-Joachim Heydorn: Auszüge aus Über den Widerspruch von Bildung und Herrschaft
• Samuel Bowles und Herbert Gintis: Schooling in Capitalist America: Educational Reform and the Contradictions of Economic Life
• Freerk Huisken: Erziehung im Kapitalismus. Von den Grundlügen der Pädagogik und dem unbestreitbaren Nutzen der bürgerlichen Lehranstalten
• Paulo Freire: Auszüge aus Pädagogik der Unterdrückten
• bell hooks: Auszüge aus Teaching to Transgress. Education as the Practice of Freedom
• Elizabeth Ellsworth: „Why Doesn’t This Feel Empowering? Working Through the Repressive Myths of Critical Pedagogy“

Das Seminar findet als Blockseminar statt. Die Vorbesprechung muss leider außerhalb der Kernlehrzeiten liegen und findet deshalb abends statt. Bei Bedarf kann diese online stattfinden. Er wird in der letzten Woche vor Weihnachten stattfinden. Uhrzeit und Länge der Blocktermine sind verhandelbar.


[Si] Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben? Feministische Perspektiven auf die Zukunft  (AfK-Nr.: 413/414)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 102
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 102

Kommentar:

Das Seminar soll einen positiven und konstruktiven Blick auf die Zukunft richten und u.a. folgende Fragen diskutieren: Welche gesellschaftlichen Narrative gibt es über die Zukunft bestimmter Personen (z.B. behinderter und trans* Personen)? Wie wollen wir (gerade für Personen, denen ihre Zukunft abgesprochen wird) die Zukunft gestalten? Wie sieht eine Zukunft ohne patriarchale Familienstrukturen, restriktive Gender-Praktiken, Kapitalismus, Gefängnisse, Polizei, etc. aus? Wie gestalten wir Community-basierte Care-Praktiken? Welche Arten von Beziehungen wollen wir führen? Was ist die Zukunft marginalisierter Philosophie?
Das Seminar soll sich damit von dem oftmals abstrakten Fokus der Philosophie lösen und konkrete Konzepte des Zusammenlebens sowohl im Rahmen aktueller Unterdrückung als auch nach dem Überwinden von cis-hetero patriarchalen, ableistischen, kapitalistischen, rassistischen, kolonialen, etc. Strukturen entwickeln.


[Si] Wissenskommunikation auf Social Media  (BA-LAS-FDW-06 / BA-LAS-FDW-08 / BA-LAS-EIK-02 / BA-LAS-EIK-04 / BA-LAS-EIK-07)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
5 Einzeltermine:
Fr. 30.10.2026,10.00 - 16.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 012
Fr. 06.11.2026,10.00 - 16.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 012
Sa. 07.11.2026,10.00 - 16.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 012
Fr. 20.11.2026,10.00 - 16.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 012
Sa. 21.11.2026,10.00 - 16.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 012

Kommentar:

Tradwives, Männlichkeitscoaches, Pickup-Artists – all das sind Beispiele von Social-Media-Phänomenen, die Gender(konstruktionen) betreffen. Oft haben solche Beiträge einen wissenschaftlichen Anstrich, wenn etwa die männliche Dominanz mit Verweis auf Befunde aus der Steinzeit oder Erkenntnisse aus der Evolutionspsychologie legitimiert wird. Für Lai*innen ist es oft schwer nachzuvollziehen, wie wissenschaftlich valide dieses Wissen ist. Genau hier kann die Wissenschaftskommunikation ansetzen, um wissenschaftlich fundierte Einordnungen – etwa in Form von Reaktionen – zu liefern.
In dieser Blockveranstaltung werden wir diese Reaktionsmöglichkeit praktisch ausprobieren. Dafür werden Sie sich in Gruppen zusammenfinden und einen Beitrag auf Social Media, der sich mit dem Thema Gender beschäftigt, wissenschaftlich einordnen. Diesen Beitrag werden Sie dann in Form einer Social-Media-Reaktion (etwa einem TikTok oder einem Instagram-Beitrag) visualisieren.

Dabei lernen Sie zum einen Grundlagen und Formate von Wissenschaftskommunikation auf Social Media kennen und können sich dahingehend ausprobieren. Zum anderen lernen Sie durch den Seminarprozess das wissenschaftliche Arbeiten in all seinen Phasen praktisch kennen: einen Analysegegenstand finden, eine dazu passende Fragestellung erarbeiten, diese mit Fachliteratur beantworten, die Analyse prägnant in einer Visualisierung zusammenfassen, diese präsentieren und im Austausch mit Peers evaluieren. All diese Schritte sind Teil der Prüfungsleistung.

WICHTIG: Die Prüfungsleistung besteht aus einem Portfolio, das eng mit dem Gruppenprozess verbunden ist. Der Großteil der Bestandteile muss bereits in der Veranstaltung zu verschiedenen Zeitpunkten abgegeben werden. Zudem erfordert das Seminar eine selbstständige und engagierte Mitarbeit in Kleingruppen. Nehmen Sie also bitte nur Teil, wenn Sie im Semester Zeit dafür aufbringen können und beachten Sie auch die Einzeltermine der Blockveranstaltung.


 

Zu belegen sind zwei Veranstaltungen, davon höchstens eine Vorlesung (falls angeboten).

[O Si] Der Wille als dionysisches Konzept und Ästhetik. Lektüreseminar Friedrich Nietzsche „Geburt der Tragödie“
15 Sitzungen, immer Dienstags 10:00-12:00 Uhr (ct.). Bei Ausfall Nachholtermine nach Absprache digital oder in Präsenz.
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Phil. I, G 026
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Phil. I, G 026

Kommentar:

Konzept: Unter dem Einfluss der Philosophie Schopenhauers und der Musik Wagners entwirft der deutsche Philosoph des 19. Jahrhunderts Friedrich Nietzsche in seinem Frühwerk „Die Geburt der Tragödie“ ein Verständnis des Willens, welches über den bloßen Willen einer Person („mein Wille“) und auch über das Gewollte („ich will X“) hinausgeht. Wir werden einerseits untersuchen, wie der Wille konzeptualisiert wird. Daneben liegt der Fokus darauf, wie der Text den Willen ästhetisch performiert. Letzteres ist von außerordentlicher Bedeutung nicht nur aufgrund des Stellenwertes von Theater, Musik und Literatur im Text, sondern auch weil sich Nietzsche in diesem Buch als Professor für Klassische Philologie mit antiker Philosophie, Geschichte und Literatur auseinandersetzt. Insofern richtet sich das Seminar sowohl an ästhetisch als auch theoretisch interessierte Studierende. Künstlerisch-praktische Fragen werden jedoch nicht verhandelt.

Hinweis auf sensible Inhalte: Der frühe Nietzsche ist Wagnerianer, Nationalist und Antisemit. Wir lesen Nietzsche nicht affirmativ in Bezug auf sein Denken, Leben und Werte, aber auch nicht um ihn zu ‚entlarven‘. Hier soll es darum gehen, den Begriff und die Ästhetik des Willens in diesem Frühwerk zu untersuchen. Was überzeugt uns konzeptuell/ästhetisch, was nicht?

Ablauf: Das ist ein Lektüreseminar. "Die Geburt der Tragödie“ wird ganz gelesen. Eine Anschaffung der Reclam-Ausgabe vor der ersten Sitzung wird dringend empfohlen. Bei finanziellen Engpässen bitte Dozent rechtzeitig kontaktieren. Die Leselast liegt bei durchschnittlich zwei Kapiteln pro Woche (vor Beginn des Seminars müssen jedoch noch 3 Texte zur Vorbereitung gelesen werden). Auf Grundlage der Lektüre diskutieren wir die jeweiligen Abschnitte im Seminar.

Vorbereitende Lektüre für alle Studierende vor der ersten Sitzung zu erfüllen (Deleuze über Nietzsches Leben und Denken, Nachwort Reclam Ausgabe „Der Geburt der Tragödie“).


[Si] Influencer*innen als Thema der Ethik!?  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 14.10.2026
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001
nächster Termin: 14.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Eine Family-Bloggerin zeigt ihre Kinder unzensiert, ein Männlichkeitscoach gibt fragwürdige Datingtipps, ein Youtuber bringt intime Privatinformationen an die Öffentlichkeit, um eine Lüge aufzudecken – diese kleine Auswahl an Beispielen zeigt, dass auf Social Media viel passiert, was ethisch eingeordnet werden kann oder sogar muss.
Im Seminar werden wir uns daher genau dieser Aufgabe stellen, indem Sie sich in Gruppen einen Fall auf Social Media aussuchen, den Sie aus einer ethischen Linse betrachten werden. Im ersten Schritt werden wir gemeinsam Beispiele für ethische Fragestellungen rund um Influencer*innen sammeln, schauen, wie wissenschaftliche Einordnung auf den Plattformen funktioniert, und dann verschiedene Möglichkeiten besprechen, wie eine philosophische Einordnung aussehen könnte. Im Hauptteil werden Sie sich in Projektgruppen das ganze Semester über mit einem konkreten Fall auseinandersetzen und diesen eigenständig Schritt für Schritt ethisch einordnen, indem Sie die ethische Fragestellung präzisieren, Literatur suchen und lesen und dann in der Gruppe eine Social-Media-Reaktion auf diesen Fall (z.B. in Form eines TikToks oder Instagram-Beitrags) erstellen, die dann Teil der Prüfungsleistung ist.

WICHTIG: Die Prüfungsleistung besteht aus einem Portfolio, das eng mit dem Gruppenprozess verbunden ist. Der Großteil der Bestandteile muss bereits im Seminar zu verschiedenen Zeitpunkten abgegeben werden. Zudem erfordert das Seminar eine selbstständige und engagierte Mitarbeit in Kleingruppen. Nehmen Sie also bitte nur Teil, wenn Sie im Semester Zeit dafür aufbringen können.


[Si] Irrationalität
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.10.2026
wöchentlich Mo. 12:00 - 14:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012
nächster Termin: 12.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012

Kommentar:

Wenn uns das, was eine Person denkt, wünscht oder tut, falsch oder unverständlich erscheint, dann haben wir wenig Hemmung, dies – oder gar sie – als »irrational« zu bezeichnen. Aber was genau meint man damit? Meint man, dass sie etwas denkt, das objektiv oder unserer Meinung nach falsch ist? Dass sie Handlungen vollzieht, die objektiv oder unserer Meinung nach nicht geeignet sind, ihre Ziele zu erreichen?

Wie verhält es sich mit Fällen, in denen Menschen sich an Überzeugungen orientieren, von denen wir wissen, dass sie falsch sind, oder vor etwas Angst haben, dass unseres Wissens nicht gefährlich ist? Sind das bereits Fälle, in denen Irrationalität vorliegt? Oder bedarf es weiterer Voraussetzungen, die in der Person liegen, über die wir urteilen?

Solche Voraussetzungen spielen offenkundig eine Rolle für grundlegende Formen der Irrationalität, die gewöhnlich unterschieden werden: Willensschwäche (nicht zu tun, das zu tun gemäß der eigenen Überzeugungen das Beste ist), Wunschdenken (von etwas überzeugt sein, weil man selbst sich wünscht, die Welt mache die Überzeugung wahr), Handeln wider besseres Wissen (etwas tun, von dem man selbst weiß, dass es scheitern wird), Selbsttäuschung (sich selbst dazu zu bringen, etwas für wahr zu halten) und von etwas überzeugt sein, das nach eigener Auffassung diskreditiert ist. In diesen Fällen werden offenkundig Standards der Rationalität verletzt, mit deren Hilfe Grenzen der Verständlichkeit ausgezeichnet werden können. Denn was könnte es heißen, solche irrationalen Aktivitäten zu verstehen – für uns und für die agierende Person selbst?

Im Seminar sollen die Spielräume untersucht werden, die unterschiedliche Philosophien des Geistes dafür bereitstellen, dem Phänomen der Irrationalität angemessen Rechnung zu tragen. Dabei soll auch untersucht werden, ob es sinnvoll ist, unterschiedliche Arten oder Grade der Irrationalität zu unterscheiden.

Literatur
-Brandom, Robert B. (2002): »Introduction: Five Conceptions of Rationality«, in: Ders.: Tales of the Mighty Dead. Historical Essays in the Metaphysics of Intentionality, Cambridge, Mass., London: Harvard University Press, S. 1-17.
-Davidson, Donald (1969b): »Wie ist Willensschwäche möglich?«, in: Ders.: Handlung und Ereignis, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1990, S. 43-72.
-Davidson, Donald (1982b): »Paradoxien der Irrationalität«, in: Ders.: Probleme der Rationalität, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2006, S. 285-315.
-Davidson, Donald (1985a): »Inkohärenz und Irrationalität«, in: Ders.: Probleme der Rationalität, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2006, S. 316-331.
-Gardner, Sebastian (1993): Irrationality and the Philosophy of Psychoanalysis, Cambridge: Cambridge University Press.
-Lear, Jonathan (1998a): »Restlessness, Phantasy, and the Concept of Mind«, in: Ders.: Open Minded. Working out the Logic of the Soul, Harvard: Harvard University Press, S. 80-122.
-Nagel, Thomas (1994): »Freud’s Permanent Revolution«, in: Ders.: Other Minds. Critical Essays 1969-1994, New York, Oxford: Oxford University Press 1995, S. 26-44.
-Stocker, Michael, Elizabeth Hegeman (2000): »Aristotelian Akrasia, Weakness of the Will and Psychoanalytic Regression«, in: M. Levine (Hg.): The Analytic Freud, London, New York: Routledge, S. 135-153.


[Si] Philosophie des Films  (AfK-Nr.: 405/406)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 14.10.2026
wöchentlich Mi. 17:00 - 19:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001
nächster Termin: 14.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Filme erzählen Geschichten, lassen uns mit Figuren mitfiebern und können uns erschrecken, berühren oder zum Nachdenken bringen. Doch wie funktioniert das eigentlich? Was genau sehen wir, wenn wir einen Film sehen? Wie werden aus einzelnen Bildern und Einstellungen Geschichten? Haben Filme eine Bedeutung? Wie gelingt es ihnen, unsere Aufmerksamkeit zu lenken, Erwartungen zu wecken und Emotionen hervorzurufen? Und lernen wir eigentlich auch etwas, wenn wir (narrative) Filme schauen?

Das Seminar bietet eine Einführung in zentrale Fragen der Filmphilosophie auf Grundlage von Noël Carrolls »The Philosophy of Motion Pictures«. Die philosophische Auseinandersetzung mit dem Text wird dabei durch gemeinsame Filmanalysen ergänzt. Ziel ist es, philosophische Argumente und Begriffe nicht nur analytisch zu durchdringen, sondern auch zu prüfen, inwieweit sie unserer konkreten Filmerfahrung gerecht werden.

Diese Idee prägt auch den Leistungsnachweis: Die Studierenden erarbeiten ausgewählte Textabschnitte und entwickeln darauf aufbauend ein eigenes Projekt, etwa indem eine der behandelten philosophischen Thesen anhand eines konkreten filmischen Beispiels auf den Prüfstand gestellt wird.

Textgrundlage:
Carroll, Noël (2008): The Philosophy of Motion Pictures. Malden, MA/Oxford: Blackwell Publishing.

Die im Seminar behandelten Textabschnitte werden zu Beginn des Semesters bekannt gegeben.


[Si] TL;DR? Die kürzesten Aufsätze aus der theoretischen Philosophie  (AfK-Nr.: 407/408)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 14:00 - 16:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Viele der berühmtesten Werke der Philosophie sind dicke Bücher. Manchmal kommt gute Philosophie aber auch mit wenigen Sätzen aus. In diesem Seminar werden wir einige der kürzesten Aufsätze aus der theoretischen Philosophie lesen. Wir lesen dabei nur Texte, die in philosophischen Fachzeitschriften erschienen sind. Die Themen, die uns begegnen werden, stammen aus unterschiedlichen Gebieten der theoretischen Philosophie, vor allem aus Sprachphilosophie, Erkenntnistheorie, Logik und Metaphysik. Es geht unter anderem um Wissen, Vagheit, Kausalität, logisches Schließen, philosophische Rätsel und Paradoxien, die Frage, ob ein Wal ein Fisch ist, und die Frage, was die beste Frage ist.

Das Seminar richtet sich an alle, die Interesse an Fragen der theoretischen Philosophie haben und Freude am Lesen und Schreiben von kurzen Texten.

Die Texte, die wir lesen werden, sind alle (oder zumindest fast alle) auf Englisch. Der Plan ist, dass wir die Texte gemeinsam im Seminar lesen. Als Vor- und Nachbereitung werden wir über das, was wir im Seminar gelesen haben, weiter nachdenken und uns außerdem darin üben, selbst kurze philosophische Texte zu schreiben.


[Si] Warum moralisch sein?  (AfK-Nr.: 403/404)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Die Frage „Warum moralisch sein?“ hat in der Philosophie – und wohl auch außerhalb der Philosophie – keinen besonders guten Ruf. Außerhalb der Philosophie liegt das vermutlich am skeptischen und teils trotzigen Unterton der Frage. Wer fragt, warum er moralisch handeln solle, ist vielleicht nicht unbedingt geneigt, den Ansprüchen der Moral zu genügen.
Das philosophische Unbehagen an der Frage hat einen anderen Grund. Es beruht weniger auf den skeptischen Untertönen als auf einem Zweifel daran, dass es sich bei »Warum moralisch sein?« um eine sinnvolle oder hinreichend klare Frage handelt. Denn sicher kann die Frage Verschiedenes bedeuten: Warum sollten uns moralische Gründe motivieren? Warum sollte ich gegebenenfalls mein Eigeninteresse zugunsten der Moral zurückstellen? Warum kann die Moral überhaupt Ansprüche an unser Handeln stellen? Etc. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass die Frage „Warum moralisch sein?“ kaum noch unmittelbarer Gegenstand zeitgenössischer philosophischer Debatten ist.
Im Rahmen eines philosophischen Seminars hat die Mehrdeutigkeit allerdings auch einen Vorteil: Es lassen sich überblickhaft Fragen zur moralischen Motivation, zum Amoralismus, zur Rationalität der Moral, zum Verhältnis von theoretischer und praktischer Vernunft, oder zu moralischer Gewissheit stellen. Ziel des Seminars ist es, die unterschiedlichen Fragen und Problemstellungen genauer zu bestimmen, ihre Unterschiede und Zusammenhänge herauszuarbeiten und zu untersuchen, was jeweils auf dem Spiel steht, wenn wir fragen: „Warum moralisch sein?“.
Ein Reader wird zur Verfügung gestellt.


[Si] Was können wir wissen?  (AfK-Nr.: 403/404)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 14:00 - 16:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 113
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 113

Kommentar:

Seit Menschen Philosophie treiben, quält die Frage, was wir wissen können – und ob wir strenggenommen überhaupt etwas wissen können. Haben wir nicht letztlich meist nur sehr vorläufige Meinungen, die kaum belastbarer sind als halbwegs gut begründete Vermutungen? Gilt das nicht zumindest für etliche wichtige Bereiche – etwa für unsere Meinungen über die objektive Beschaffenheit der Natur oder auch über das, was andere Menschen denken und fühlen (das sogenannte ‚Fremdpsychische‘)?
Die Geschichte ist voller einflussreicher skeptischer Argumente, die zeigen sollen, dass wir sehr viel weniger wissen können, als optimistisch Gestimmte unter uns anzunehmen geneigt sind. Etliche dieser Argumente sind auf den ersten (und zweiten) Blick durchaus herausfordernd. Eine Beschäftigung mit ihnen verrät einiges über unsere ‚epistemische Situation‘ – und sei es letztlich dadurch, dass wir nachvollziehen, inwiefern diese Argumente am Ende (voraussichtlich) doch scheitern.
Im Seminar werden wir wichtige skeptische Argumente aus der Geschichte der Philosophie kennenlernen und zeitgenössische Antworten auf diese skeptischen Herausforderungen prüfen. Dabei werden wir auch immer die aktuelle gesellschaftliche Relevanz der Diskussion unserer ‚epistemischen Situation‘ mitbedenken: Denn die in den letzten Jahren um sich greifende Wissenschaftsfeindlichkeit greift nicht selten skeptische Motive auf (wenn auch auf oberflächliche Weise) und bedient – und fördert – oft genug eine vage ‚skeptische Grundstimmung‘.


[Si] Weder für die Schule noch für das Leben – zur Funktion der Pädagogik im Kapitalismus  (AfK-Nr.: 413/414)
Durchführung: Block
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
5 Einzeltermine:
Di. 15.12.2026,12.00 - 14.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 012
Mi. 24.02.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Do. 25.02.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Mi. 03.03.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Do. 04.03.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Kaum ein Wahlkampf kommt ohne die immer selbe Behauptung aus: Bildung ist von überragender Bedeutung! Die Schulen aber sind marode und ungerecht, Lehrkräfte überlastet und Schüler*innen den Anforderungen der Gegenwart angeblich immer weniger gewachsen. Seit Jahrzehnten wird deshalb ein bildungspolitischer Aufbruch angekündigt. Nur der Aufbruch selbst bleibt zuverlässig aus.
Das lässt sich schwerlich mit der allgemeinen Langsamkeit demokratischer Politik oder einer schwierigen ökonomischen Lage erklären. Wo ein politisches Ziel tatsächlich als dringlich gilt, können demokratische Staaten innerhalb kürzester Zeit Milliarden mobilisieren, Produktionskapazitäten ausbauen und erhebliche gesellschaftliche Ressourcen in eine neue Richtung lenken – wie die kurzfristige Mobilisierung gewaltiger Summen nach der „Zeitenwende“ für die Aufrüstung zeigt. Wenn eine vergleichbare Mobilisierung im Bildungswesen trotz des ständig beschworenen Notstands ausbleibt, liegt ein anderer Verdacht nahe: Vielleicht funktionieren Schulen gar nicht so schlecht. Vielleicht erfüllen sie ihre gesellschaftliche Aufgabe sogar ziemlich zuverlässig. Nur besteht ihre gesellschaftliche Funktion dann offenbar in etwas anderem als in der freien Entfaltung junger Menschen.
In diesem Seminar werden Texte gelesen, die Pädagogik und Lehranstalten nicht von ihren normativen Versprechen her betrachten, sondern nach ihrem Beitrag zur Reproduktion der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung fragen. Zu den unterschiedlichen Diagnosen gehören: Schulen sortieren Menschen nach Leistung, verteilen Berechtigungen und weisen ihnen unterschiedliche gesellschaftliche Laufbahnen zu. Sie organisieren Lernen in Konkurrenz, gewöhnen an fremdgesetzte Anforderungen und machen individuellen Erfolg wie individuelles Scheitern zurechenbar. Dabei bedienen sie sich jener Mittel, die ihren erklärten Bildungszielen widersprechen: Selbstständigkeit soll unter Zeitdruck entstehen, Lernbereitschaft durch Notendruck, Kooperation unter Konkurrenzbedingungen und Mündigkeit durch die Unterwerfung unter institutionell gesetzte Anforderungen.
Diese Widersprüche sind nicht bloß der Preis, den eine Institution mit besten Intentionen für ihre praktische Umsetzung zahlen muss. Das Seminar untersucht, inwiefern Konkurrenz, Selektion, Disziplinierung und Ideologisierung nicht Fehlentwicklungen, sondern am Ende Funktionen des Bildungswesens im Kapitalismus sind. Nur am Rande wird es daher um die Frage gehen, wie Pädagogik innerhalb der bestehenden Gesellschaft besser, gerechter oder inklusiver gestaltet werden könnte. Im Zentrum steht eine Fundamentalkritik der Pädagogik und ihrer gesellschaftlichen Institutionen. Am Ende stellen wir uns grundsätzlich die Frage nach einer emanzipativen Pädagogik und danach, wie sie implementiert werden kann.
Mögliche Seminarliteratur (Auswahl steht noch aus)
• Karl Marx: ausgewählte Texte zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Reproduktion
• Talcott Parsons: „Die Schulklasse als soziales System“
• Louis Althusser: „Ideologie und ideologische Staatsapparate“
• Siegfried Bernfeld: Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung
• Theodor W. Adorno: „Theorie der Halbbildung“
• Michel Foucault: Auszüge aus Überwachen und Strafen
• Heinz-Joachim Heydorn: Auszüge aus Über den Widerspruch von Bildung und Herrschaft
• Samuel Bowles und Herbert Gintis: Schooling in Capitalist America: Educational Reform and the Contradictions of Economic Life
• Freerk Huisken: Erziehung im Kapitalismus. Von den Grundlügen der Pädagogik und dem unbestreitbaren Nutzen der bürgerlichen Lehranstalten
• Paulo Freire: Auszüge aus Pädagogik der Unterdrückten
• bell hooks: Auszüge aus Teaching to Transgress. Education as the Practice of Freedom
• Elizabeth Ellsworth: „Why Doesn’t This Feel Empowering? Working Through the Repressive Myths of Critical Pedagogy“

Das Seminar findet als Blockseminar statt. Die Vorbesprechung muss leider außerhalb der Kernlehrzeiten liegen und findet deshalb abends statt. Bei Bedarf kann diese online stattfinden. Er wird in der letzten Woche vor Weihnachten stattfinden. Uhrzeit und Länge der Blocktermine sind verhandelbar.


 

Zu belegen sind zwei Veranstaltungen, davon höchstens eine Vorlesung (falls angeboten).

[O Si] Der Wille als dionysisches Konzept und Ästhetik. Lektüreseminar Friedrich Nietzsche „Geburt der Tragödie“
15 Sitzungen, immer Dienstags 10:00-12:00 Uhr (ct.). Bei Ausfall Nachholtermine nach Absprache digital oder in Präsenz.
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Phil. I, G 026
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Phil. I, G 026

Kommentar:

Konzept: Unter dem Einfluss der Philosophie Schopenhauers und der Musik Wagners entwirft der deutsche Philosoph des 19. Jahrhunderts Friedrich Nietzsche in seinem Frühwerk „Die Geburt der Tragödie“ ein Verständnis des Willens, welches über den bloßen Willen einer Person („mein Wille“) und auch über das Gewollte („ich will X“) hinausgeht. Wir werden einerseits untersuchen, wie der Wille konzeptualisiert wird. Daneben liegt der Fokus darauf, wie der Text den Willen ästhetisch performiert. Letzteres ist von außerordentlicher Bedeutung nicht nur aufgrund des Stellenwertes von Theater, Musik und Literatur im Text, sondern auch weil sich Nietzsche in diesem Buch als Professor für Klassische Philologie mit antiker Philosophie, Geschichte und Literatur auseinandersetzt. Insofern richtet sich das Seminar sowohl an ästhetisch als auch theoretisch interessierte Studierende. Künstlerisch-praktische Fragen werden jedoch nicht verhandelt.

Hinweis auf sensible Inhalte: Der frühe Nietzsche ist Wagnerianer, Nationalist und Antisemit. Wir lesen Nietzsche nicht affirmativ in Bezug auf sein Denken, Leben und Werte, aber auch nicht um ihn zu ‚entlarven‘. Hier soll es darum gehen, den Begriff und die Ästhetik des Willens in diesem Frühwerk zu untersuchen. Was überzeugt uns konzeptuell/ästhetisch, was nicht?

Ablauf: Das ist ein Lektüreseminar. "Die Geburt der Tragödie“ wird ganz gelesen. Eine Anschaffung der Reclam-Ausgabe vor der ersten Sitzung wird dringend empfohlen. Bei finanziellen Engpässen bitte Dozent rechtzeitig kontaktieren. Die Leselast liegt bei durchschnittlich zwei Kapiteln pro Woche (vor Beginn des Seminars müssen jedoch noch 3 Texte zur Vorbereitung gelesen werden). Auf Grundlage der Lektüre diskutieren wir die jeweiligen Abschnitte im Seminar.

Vorbereitende Lektüre für alle Studierende vor der ersten Sitzung zu erfüllen (Deleuze über Nietzsches Leben und Denken, Nachwort Reclam Ausgabe „Der Geburt der Tragödie“).


[Si] Habermas  (AfK-Nr.: 413/414)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas gilt auch posthum als eine der wichtigsten Stimmen in öffentlichen Debatten des 20. und 21. Jahrhunderts. Im Seminar werden wir uns grundlegend mit dem Frühwerk auseinandersetzen.
Zunächst verschaffen wir uns einen Überblick über die Kritische Theorie anhand des Aufsatzes „Traditionelle und kritische Theorie“ (Horkheimer 1937). Anschließend lesen wir die Monographie „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (Habermas 1962). Das Seminar wird entweder durch den Essay „Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik“ (Habermas 2022) oder durch einzelne Vorlesungen aus „Der philosophische Diskurs der Moderne“ (Habermas 1985) ergänzt.
Zur Teilnahme wird kein besonderes Vorwissen vorausgesetzt. Die eigenständige Lektüre außerhalb der Seminarstunde sowie Vor- und Nachbereitung ist obligatorisch.
Die Anschaffung der Monographie wird empfohlen. Ein Semesterapparat in der Bibliothek wird eingerichtet.

Literatur:
Habermas, Jürgen (1962): Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Suhrkamp: Frankfurt am Main (Publikationsjahr egal, nach 1991 empfohlen) -> zur Anschaffung empfohlen.
Habermas, Jürgen (1985): Der philosophische Diskurs der Moderne, Suhrkamp: Frankfurt am Main.
Habermas, Jürgen (2022): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik, Suhrkamp: Berlin.
Horkheimer, Max (1937): Traditionelle und kritische Theorie: Fünf Aufsätze, Fischer: Frankfurt am Main


[Si] Influencer*innen als Thema der Ethik!?  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 14.10.2026
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001
nächster Termin: 14.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Eine Family-Bloggerin zeigt ihre Kinder unzensiert, ein Männlichkeitscoach gibt fragwürdige Datingtipps, ein Youtuber bringt intime Privatinformationen an die Öffentlichkeit, um eine Lüge aufzudecken – diese kleine Auswahl an Beispielen zeigt, dass auf Social Media viel passiert, was ethisch eingeordnet werden kann oder sogar muss.
Im Seminar werden wir uns daher genau dieser Aufgabe stellen, indem Sie sich in Gruppen einen Fall auf Social Media aussuchen, den Sie aus einer ethischen Linse betrachten werden. Im ersten Schritt werden wir gemeinsam Beispiele für ethische Fragestellungen rund um Influencer*innen sammeln, schauen, wie wissenschaftliche Einordnung auf den Plattformen funktioniert, und dann verschiedene Möglichkeiten besprechen, wie eine philosophische Einordnung aussehen könnte. Im Hauptteil werden Sie sich in Projektgruppen das ganze Semester über mit einem konkreten Fall auseinandersetzen und diesen eigenständig Schritt für Schritt ethisch einordnen, indem Sie die ethische Fragestellung präzisieren, Literatur suchen und lesen und dann in der Gruppe eine Social-Media-Reaktion auf diesen Fall (z.B. in Form eines TikToks oder Instagram-Beitrags) erstellen, die dann Teil der Prüfungsleistung ist.

WICHTIG: Die Prüfungsleistung besteht aus einem Portfolio, das eng mit dem Gruppenprozess verbunden ist. Der Großteil der Bestandteile muss bereits im Seminar zu verschiedenen Zeitpunkten abgegeben werden. Zudem erfordert das Seminar eine selbstständige und engagierte Mitarbeit in Kleingruppen. Nehmen Sie also bitte nur Teil, wenn Sie im Semester Zeit dafür aufbringen können.


[Si] Klimaethik  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 16:00 - 18:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 103
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 103

Kommentar:

Der Klimawandel wird seit vielen Jahrzehnten der Klimaforschung mit einer Reihe von dramatischen Zukunftsszenarien verbunden: Naturkatastrophen, Extremwetterereignisse, das Aussterben ganzer Spezies einschließlich des Menschen und humanitären Ausnahmezuständen wie Krieg, Hunger, Wasserknappheit, Epidemien, Flucht. Diese Szenarien werden immer konkreter und erfahrbarer, auch in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas. Und sie werfen eine Reihe von normativen Problemen auf, die in der neuen Disziplin der Klimaethik diskutiert werden. Zur diesen gehören Fragen nach Klimawandel und Gerechtigkeitsproblemen, nach dem Verhältnis zwischen den Generationen, nach individueller, kollektiver und planetarischer Verantwortung, nach Pflichten, Verzicht und Verboten und nach Klimakrise und Kolonialismus, Rassismus und Sexismus.

Das Seminar widmet sich diesen normativen Fragen mit einer Reihe von aktuellen Beiträgen aus der Moralphilosophie und politischen Theorie. Die Textgrundlage ist der Reader "Klimaethik", hrsg. von Lukas Sparenborg und Darrel Moellendorf, Berlin 2025.


[Si] Medizinethik  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012

Kommentar:

Ist es moralisch in Ordnung, wenn Jens Spahn ein Kind über eine Leihmutter bekommt? Sollte es in Deutschland ein institutionelles Recht auf Sterben geben? (Wann) kann ich einer medizinischen Prozedur wirklich frei zustimmen?
Das alles sind Fragen der Medizinethik, die wir im Seminar diskutieren werden. Das Seminar ist dreigeteilt: Im ersten Teil werden grundlegende Fragestellungen und Konzepte dieser Debatten besprochen, z.B. wann Leben beginnt oder was Menschenwürde umfasst. Im zweiten Teil werden wir verschiedene Positionen zu den Themengebieten Abtreibung und Sterbehilfe diskutieren. Im letzten Teil widmen wir uns aktuellen Diskursen der Medizinethik, unter anderem im Hinblick auf Leihmutterschaft oder Organverkauf.

Ein Großteil der Texte ist ausschließlich in englischer Sprache vorhanden.

WICHTIG: Die Prüfungsleistung besteht aus einem Portfolio, das eng mit dem Seminarprozess verbunden ist. Die Hälfte der Bestandteile muss bereits im Seminar zu verschiedenen Zeiten abgegeben werden. Es handelt sich dabei um analytische Auseinandersetzungen bei der Lektüre der Seminartexte. Nehmen Sie also bitte nur Teil, wenn Sie im Semester Zeit dafür aufbringen können.


[Si] Menschenwürde und Menschenrechte  (AfK-Nr.: 413/414)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.10.2026
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 116
nächster Termin: 12.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 116

Kommentar:

In diesem Seminar wollen wir uns nicht den Standard-Texten der (analytisch-)philosophischen Menschenrechts- und Menschenwürdeschule widmen. Stattdessen wollen wir nachvollziehen, was verloren geht, wenn wir stets auf die immergleichen Texte schauen. Menschenrechte, das sind einer unkontroversen Intuition nach doch diejenigen Rechte, die Menschen haben, einfach, weil sie Menschen sind. Ein Blick in die Welt und in einen Großteil der philosophischen Literatur bringt allerdings nichts als Ernüchterung: Weder in der Begründung noch in der Praxis haben alle Menschen Menschenrechte, einfach, weil sie Menschen sind. Woran liegt das? Im Seminar werden wir verschiedene Erklärungsansätze nachvollziehen: Wir werden über „den Menschen“ (Anthropologie, Höffe) und über „das Menschliche“ (Lebensphilosophie, Agamben) der Menschenrechte sprechen. Wir werden die „dunklen Seiten der Menschenrechte“ (O’Neill) beleuchten und darüber nachdenken, was es eigentlich heißt, Menschenrechte zu beanspruchen (Camus, Shklar). Schließlich werden wir die Menschenwürde in ihren Momenten der brutalsten Zerstörung suchen (Holocaust-Literatur, Améry) und den Menschen nach seinem Platz in der weltlichen Ordnung befragen (Ideengeschichte der Menschenwürde).

Weil dieses Seminar als eine Kritik am analytischen Menschenrechts- und Menschenwürdediskurs zu verstehen ist, wird der Dozent jene wichtigsten Positionen aufbereitet nachzeichnen, sodass kein Vorwissen benötigt wird. Es wird die Möglichkeit geben, neben klassischen Hausarbeiten und Essays auch ein Portfolio einzureichen. Im Laufe des Seminars werden wir Gruppenarbeiten in Text-Expert:innengruppen durchführen.

Das Ziel des Seminars lässt sich wohl am besten an einer kürzlichen Feststellung von Adam Etinson illustrieren. Im Seminar wollen wir nachvollziehen, dass „the [human rights] debate is as much about the nature and limits of philosophy as it is about human rights” (Etinson, A. (2018): Introduction. In: Etinson, A. (Hg.): Human Rights. Moral or Political? Oxford University Press, 1-38, hier S. 5).


[Si] Platon: Gorgias  (AfK-Nr.: 409/410)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Die übergeordnete Frage im „Gorgias“ lautet: Wie soll man leben? Allerdings springt einem diese Frage als Thema zumindest zu Beginn des Dialogs noch nicht ins Auge. Der Dialog ist insgesamt sehr unterhaltsam; unter anderem, weil Sokrates‘ Gesprächspartner Gorgias, vor allem aber Polos und Kallikles ziemlich breitbeinig, provokativ und zunehmend schamlos auftreten. Am Ende des Dialogs kann man (vielleicht) sehen, wie die argumentierende Philosophie gegen offensive Schamlosigkeit schließlich an ihre Grenzen stößt.
Im Seminar soll auf unterschiedlichen Ebenen in Platons Philosophie und in die Eigenheiten der Dialogform eingeführt werden. Zum einen werden wir versuchen, die Struktur des Textes zu rekonstruieren. Zum anderen bemühen wir uns zu verstehen, wie Platons Sokrates die Art der Argumentation seinem jeweiligen Gesprächspartner anpasst. – Das Seminar ist auch für Studienanfänger geeignet.
Text (zur Anschaffung): Platon: Gorgias, Stuttgart: Reclam 2013.


[Si] Warum moralisch sein?  (AfK-Nr.: 403/404)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Die Frage „Warum moralisch sein?“ hat in der Philosophie – und wohl auch außerhalb der Philosophie – keinen besonders guten Ruf. Außerhalb der Philosophie liegt das vermutlich am skeptischen und teils trotzigen Unterton der Frage. Wer fragt, warum er moralisch handeln solle, ist vielleicht nicht unbedingt geneigt, den Ansprüchen der Moral zu genügen.
Das philosophische Unbehagen an der Frage hat einen anderen Grund. Es beruht weniger auf den skeptischen Untertönen als auf einem Zweifel daran, dass es sich bei »Warum moralisch sein?« um eine sinnvolle oder hinreichend klare Frage handelt. Denn sicher kann die Frage Verschiedenes bedeuten: Warum sollten uns moralische Gründe motivieren? Warum sollte ich gegebenenfalls mein Eigeninteresse zugunsten der Moral zurückstellen? Warum kann die Moral überhaupt Ansprüche an unser Handeln stellen? Etc. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass die Frage „Warum moralisch sein?“ kaum noch unmittelbarer Gegenstand zeitgenössischer philosophischer Debatten ist.
Im Rahmen eines philosophischen Seminars hat die Mehrdeutigkeit allerdings auch einen Vorteil: Es lassen sich überblickhaft Fragen zur moralischen Motivation, zum Amoralismus, zur Rationalität der Moral, zum Verhältnis von theoretischer und praktischer Vernunft, oder zu moralischer Gewissheit stellen. Ziel des Seminars ist es, die unterschiedlichen Fragen und Problemstellungen genauer zu bestimmen, ihre Unterschiede und Zusammenhänge herauszuarbeiten und zu untersuchen, was jeweils auf dem Spiel steht, wenn wir fragen: „Warum moralisch sein?“.
Ein Reader wird zur Verfügung gestellt.


[Si] Weder für die Schule noch für das Leben – zur Funktion der Pädagogik im Kapitalismus  (AfK-Nr.: 413/414)
Durchführung: Block
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
5 Einzeltermine:
Di. 15.12.2026,12.00 - 14.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 012
Mi. 24.02.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Do. 25.02.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Mi. 03.03.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Do. 04.03.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Kaum ein Wahlkampf kommt ohne die immer selbe Behauptung aus: Bildung ist von überragender Bedeutung! Die Schulen aber sind marode und ungerecht, Lehrkräfte überlastet und Schüler*innen den Anforderungen der Gegenwart angeblich immer weniger gewachsen. Seit Jahrzehnten wird deshalb ein bildungspolitischer Aufbruch angekündigt. Nur der Aufbruch selbst bleibt zuverlässig aus.
Das lässt sich schwerlich mit der allgemeinen Langsamkeit demokratischer Politik oder einer schwierigen ökonomischen Lage erklären. Wo ein politisches Ziel tatsächlich als dringlich gilt, können demokratische Staaten innerhalb kürzester Zeit Milliarden mobilisieren, Produktionskapazitäten ausbauen und erhebliche gesellschaftliche Ressourcen in eine neue Richtung lenken – wie die kurzfristige Mobilisierung gewaltiger Summen nach der „Zeitenwende“ für die Aufrüstung zeigt. Wenn eine vergleichbare Mobilisierung im Bildungswesen trotz des ständig beschworenen Notstands ausbleibt, liegt ein anderer Verdacht nahe: Vielleicht funktionieren Schulen gar nicht so schlecht. Vielleicht erfüllen sie ihre gesellschaftliche Aufgabe sogar ziemlich zuverlässig. Nur besteht ihre gesellschaftliche Funktion dann offenbar in etwas anderem als in der freien Entfaltung junger Menschen.
In diesem Seminar werden Texte gelesen, die Pädagogik und Lehranstalten nicht von ihren normativen Versprechen her betrachten, sondern nach ihrem Beitrag zur Reproduktion der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung fragen. Zu den unterschiedlichen Diagnosen gehören: Schulen sortieren Menschen nach Leistung, verteilen Berechtigungen und weisen ihnen unterschiedliche gesellschaftliche Laufbahnen zu. Sie organisieren Lernen in Konkurrenz, gewöhnen an fremdgesetzte Anforderungen und machen individuellen Erfolg wie individuelles Scheitern zurechenbar. Dabei bedienen sie sich jener Mittel, die ihren erklärten Bildungszielen widersprechen: Selbstständigkeit soll unter Zeitdruck entstehen, Lernbereitschaft durch Notendruck, Kooperation unter Konkurrenzbedingungen und Mündigkeit durch die Unterwerfung unter institutionell gesetzte Anforderungen.
Diese Widersprüche sind nicht bloß der Preis, den eine Institution mit besten Intentionen für ihre praktische Umsetzung zahlen muss. Das Seminar untersucht, inwiefern Konkurrenz, Selektion, Disziplinierung und Ideologisierung nicht Fehlentwicklungen, sondern am Ende Funktionen des Bildungswesens im Kapitalismus sind. Nur am Rande wird es daher um die Frage gehen, wie Pädagogik innerhalb der bestehenden Gesellschaft besser, gerechter oder inklusiver gestaltet werden könnte. Im Zentrum steht eine Fundamentalkritik der Pädagogik und ihrer gesellschaftlichen Institutionen. Am Ende stellen wir uns grundsätzlich die Frage nach einer emanzipativen Pädagogik und danach, wie sie implementiert werden kann.
Mögliche Seminarliteratur (Auswahl steht noch aus)
• Karl Marx: ausgewählte Texte zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Reproduktion
• Talcott Parsons: „Die Schulklasse als soziales System“
• Louis Althusser: „Ideologie und ideologische Staatsapparate“
• Siegfried Bernfeld: Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung
• Theodor W. Adorno: „Theorie der Halbbildung“
• Michel Foucault: Auszüge aus Überwachen und Strafen
• Heinz-Joachim Heydorn: Auszüge aus Über den Widerspruch von Bildung und Herrschaft
• Samuel Bowles und Herbert Gintis: Schooling in Capitalist America: Educational Reform and the Contradictions of Economic Life
• Freerk Huisken: Erziehung im Kapitalismus. Von den Grundlügen der Pädagogik und dem unbestreitbaren Nutzen der bürgerlichen Lehranstalten
• Paulo Freire: Auszüge aus Pädagogik der Unterdrückten
• bell hooks: Auszüge aus Teaching to Transgress. Education as the Practice of Freedom
• Elizabeth Ellsworth: „Why Doesn’t This Feel Empowering? Working Through the Repressive Myths of Critical Pedagogy“

Das Seminar findet als Blockseminar statt. Die Vorbesprechung muss leider außerhalb der Kernlehrzeiten liegen und findet deshalb abends statt. Bei Bedarf kann diese online stattfinden. Er wird in der letzten Woche vor Weihnachten stattfinden. Uhrzeit und Länge der Blocktermine sind verhandelbar.


 

Zu belegen sind zwei Veranstaltungen, davon höchstens eine Vorlesung (falls angeboten).

[Si] Geschichte der politischen Philosophie  (AfK-Nr.: 413/414)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 103
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 103

Kommentar:

Die politische Philosophie hat nicht nur eine jahrtausendealte Geschichte, sondern sie ist auch eine sich wiederholende und dabei erneuernde Geschichte der philosophischen Begründungen der politischen Ordnung. Einige Fragen, Begriffe und Gegenstände tauchen in dieser Geschichte immer wieder auf (z.B die Frage nach den Zwecken und Zielen der Politik), manchmal aber unter so verschiedenen Perspektiven und Kontexten, dass es sich eigentlich um unterschiedliche politikphilosophische Phänomene handelt (z.B. dass es in der Politik um Gerechtigkeit, Sittlichkeit, Glückseligkeit, Frieden, Sicherheit, Macht oder Wohlstand gehen solle). Andere Problemstellungen und Argumentationsweisen sind historisch erstmalig und stellen wirklich neuartige Konzepte dar (z.B. der „normative Individualismus“ in der Neuzeit oder das „Problem des Pluralismus“ in der Gegenwart).
In dem Seminar wird diese lange und faszinierende Geschichte der politischen Philosophie durch die textnahe Untersuchung verschiedener paradigmatischer Theorien erarbeitet werden (etwa Platon, Aristoteles, Hobbes, Locke, Rousseau, Hegel, Mill, Rawls, Nussbaum).

Das Seminar ist auch gut geeignet für Studierende am Anfang des Studiums.

Literatur zur Vorbereitung: Elif Özmen: Politische Philosophie zur Einführung, Hamburg 2013


[Si] Habermas  (AfK-Nr.: 413/414)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas gilt auch posthum als eine der wichtigsten Stimmen in öffentlichen Debatten des 20. und 21. Jahrhunderts. Im Seminar werden wir uns grundlegend mit dem Frühwerk auseinandersetzen.
Zunächst verschaffen wir uns einen Überblick über die Kritische Theorie anhand des Aufsatzes „Traditionelle und kritische Theorie“ (Horkheimer 1937). Anschließend lesen wir die Monographie „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (Habermas 1962). Das Seminar wird entweder durch den Essay „Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik“ (Habermas 2022) oder durch einzelne Vorlesungen aus „Der philosophische Diskurs der Moderne“ (Habermas 1985) ergänzt.
Zur Teilnahme wird kein besonderes Vorwissen vorausgesetzt. Die eigenständige Lektüre außerhalb der Seminarstunde sowie Vor- und Nachbereitung ist obligatorisch.
Die Anschaffung der Monographie wird empfohlen. Ein Semesterapparat in der Bibliothek wird eingerichtet.

Literatur:
Habermas, Jürgen (1962): Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Suhrkamp: Frankfurt am Main (Publikationsjahr egal, nach 1991 empfohlen) -> zur Anschaffung empfohlen.
Habermas, Jürgen (1985): Der philosophische Diskurs der Moderne, Suhrkamp: Frankfurt am Main.
Habermas, Jürgen (2022): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik, Suhrkamp: Berlin.
Horkheimer, Max (1937): Traditionelle und kritische Theorie: Fünf Aufsätze, Fischer: Frankfurt am Main


[Si] Influencer*innen als Thema der Ethik!?  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 14.10.2026
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001
nächster Termin: 14.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Eine Family-Bloggerin zeigt ihre Kinder unzensiert, ein Männlichkeitscoach gibt fragwürdige Datingtipps, ein Youtuber bringt intime Privatinformationen an die Öffentlichkeit, um eine Lüge aufzudecken – diese kleine Auswahl an Beispielen zeigt, dass auf Social Media viel passiert, was ethisch eingeordnet werden kann oder sogar muss.
Im Seminar werden wir uns daher genau dieser Aufgabe stellen, indem Sie sich in Gruppen einen Fall auf Social Media aussuchen, den Sie aus einer ethischen Linse betrachten werden. Im ersten Schritt werden wir gemeinsam Beispiele für ethische Fragestellungen rund um Influencer*innen sammeln, schauen, wie wissenschaftliche Einordnung auf den Plattformen funktioniert, und dann verschiedene Möglichkeiten besprechen, wie eine philosophische Einordnung aussehen könnte. Im Hauptteil werden Sie sich in Projektgruppen das ganze Semester über mit einem konkreten Fall auseinandersetzen und diesen eigenständig Schritt für Schritt ethisch einordnen, indem Sie die ethische Fragestellung präzisieren, Literatur suchen und lesen und dann in der Gruppe eine Social-Media-Reaktion auf diesen Fall (z.B. in Form eines TikToks oder Instagram-Beitrags) erstellen, die dann Teil der Prüfungsleistung ist.

WICHTIG: Die Prüfungsleistung besteht aus einem Portfolio, das eng mit dem Gruppenprozess verbunden ist. Der Großteil der Bestandteile muss bereits im Seminar zu verschiedenen Zeitpunkten abgegeben werden. Zudem erfordert das Seminar eine selbstständige und engagierte Mitarbeit in Kleingruppen. Nehmen Sie also bitte nur Teil, wenn Sie im Semester Zeit dafür aufbringen können.


[Si] Klimaethik  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 16:00 - 18:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 103
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 103

Kommentar:

Der Klimawandel wird seit vielen Jahrzehnten der Klimaforschung mit einer Reihe von dramatischen Zukunftsszenarien verbunden: Naturkatastrophen, Extremwetterereignisse, das Aussterben ganzer Spezies einschließlich des Menschen und humanitären Ausnahmezuständen wie Krieg, Hunger, Wasserknappheit, Epidemien, Flucht. Diese Szenarien werden immer konkreter und erfahrbarer, auch in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas. Und sie werfen eine Reihe von normativen Problemen auf, die in der neuen Disziplin der Klimaethik diskutiert werden. Zur diesen gehören Fragen nach Klimawandel und Gerechtigkeitsproblemen, nach dem Verhältnis zwischen den Generationen, nach individueller, kollektiver und planetarischer Verantwortung, nach Pflichten, Verzicht und Verboten und nach Klimakrise und Kolonialismus, Rassismus und Sexismus.

Das Seminar widmet sich diesen normativen Fragen mit einer Reihe von aktuellen Beiträgen aus der Moralphilosophie und politischen Theorie. Die Textgrundlage ist der Reader "Klimaethik", hrsg. von Lukas Sparenborg und Darrel Moellendorf, Berlin 2025.


[Si] Medizinethik  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012

Kommentar:

Ist es moralisch in Ordnung, wenn Jens Spahn ein Kind über eine Leihmutter bekommt? Sollte es in Deutschland ein institutionelles Recht auf Sterben geben? (Wann) kann ich einer medizinischen Prozedur wirklich frei zustimmen?
Das alles sind Fragen der Medizinethik, die wir im Seminar diskutieren werden. Das Seminar ist dreigeteilt: Im ersten Teil werden grundlegende Fragestellungen und Konzepte dieser Debatten besprochen, z.B. wann Leben beginnt oder was Menschenwürde umfasst. Im zweiten Teil werden wir verschiedene Positionen zu den Themengebieten Abtreibung und Sterbehilfe diskutieren. Im letzten Teil widmen wir uns aktuellen Diskursen der Medizinethik, unter anderem im Hinblick auf Leihmutterschaft oder Organverkauf.

Ein Großteil der Texte ist ausschließlich in englischer Sprache vorhanden.

WICHTIG: Die Prüfungsleistung besteht aus einem Portfolio, das eng mit dem Seminarprozess verbunden ist. Die Hälfte der Bestandteile muss bereits im Seminar zu verschiedenen Zeiten abgegeben werden. Es handelt sich dabei um analytische Auseinandersetzungen bei der Lektüre der Seminartexte. Nehmen Sie also bitte nur Teil, wenn Sie im Semester Zeit dafür aufbringen können.


[Si] Menschenwürde und Menschenrechte  (AfK-Nr.: 413/414)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.10.2026
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 116
nächster Termin: 12.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 116

Kommentar:

In diesem Seminar wollen wir uns nicht den Standard-Texten der (analytisch-)philosophischen Menschenrechts- und Menschenwürdeschule widmen. Stattdessen wollen wir nachvollziehen, was verloren geht, wenn wir stets auf die immergleichen Texte schauen. Menschenrechte, das sind einer unkontroversen Intuition nach doch diejenigen Rechte, die Menschen haben, einfach, weil sie Menschen sind. Ein Blick in die Welt und in einen Großteil der philosophischen Literatur bringt allerdings nichts als Ernüchterung: Weder in der Begründung noch in der Praxis haben alle Menschen Menschenrechte, einfach, weil sie Menschen sind. Woran liegt das? Im Seminar werden wir verschiedene Erklärungsansätze nachvollziehen: Wir werden über „den Menschen“ (Anthropologie, Höffe) und über „das Menschliche“ (Lebensphilosophie, Agamben) der Menschenrechte sprechen. Wir werden die „dunklen Seiten der Menschenrechte“ (O’Neill) beleuchten und darüber nachdenken, was es eigentlich heißt, Menschenrechte zu beanspruchen (Camus, Shklar). Schließlich werden wir die Menschenwürde in ihren Momenten der brutalsten Zerstörung suchen (Holocaust-Literatur, Améry) und den Menschen nach seinem Platz in der weltlichen Ordnung befragen (Ideengeschichte der Menschenwürde).

Weil dieses Seminar als eine Kritik am analytischen Menschenrechts- und Menschenwürdediskurs zu verstehen ist, wird der Dozent jene wichtigsten Positionen aufbereitet nachzeichnen, sodass kein Vorwissen benötigt wird. Es wird die Möglichkeit geben, neben klassischen Hausarbeiten und Essays auch ein Portfolio einzureichen. Im Laufe des Seminars werden wir Gruppenarbeiten in Text-Expert:innengruppen durchführen.

Das Ziel des Seminars lässt sich wohl am besten an einer kürzlichen Feststellung von Adam Etinson illustrieren. Im Seminar wollen wir nachvollziehen, dass „the [human rights] debate is as much about the nature and limits of philosophy as it is about human rights” (Etinson, A. (2018): Introduction. In: Etinson, A. (Hg.): Human Rights. Moral or Political? Oxford University Press, 1-38, hier S. 5).


[Si] Platon: Gorgias  (AfK-Nr.: 409/410)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Die übergeordnete Frage im „Gorgias“ lautet: Wie soll man leben? Allerdings springt einem diese Frage als Thema zumindest zu Beginn des Dialogs noch nicht ins Auge. Der Dialog ist insgesamt sehr unterhaltsam; unter anderem, weil Sokrates‘ Gesprächspartner Gorgias, vor allem aber Polos und Kallikles ziemlich breitbeinig, provokativ und zunehmend schamlos auftreten. Am Ende des Dialogs kann man (vielleicht) sehen, wie die argumentierende Philosophie gegen offensive Schamlosigkeit schließlich an ihre Grenzen stößt.
Im Seminar soll auf unterschiedlichen Ebenen in Platons Philosophie und in die Eigenheiten der Dialogform eingeführt werden. Zum einen werden wir versuchen, die Struktur des Textes zu rekonstruieren. Zum anderen bemühen wir uns zu verstehen, wie Platons Sokrates die Art der Argumentation seinem jeweiligen Gesprächspartner anpasst. – Das Seminar ist auch für Studienanfänger geeignet.
Text (zur Anschaffung): Platon: Gorgias, Stuttgart: Reclam 2013.


[Si] Weder für die Schule noch für das Leben – zur Funktion der Pädagogik im Kapitalismus  (AfK-Nr.: 413/414)
Durchführung: Block
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
5 Einzeltermine:
Di. 15.12.2026,12.00 - 14.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 012
Mi. 24.02.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Do. 25.02.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Mi. 03.03.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Do. 04.03.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Kaum ein Wahlkampf kommt ohne die immer selbe Behauptung aus: Bildung ist von überragender Bedeutung! Die Schulen aber sind marode und ungerecht, Lehrkräfte überlastet und Schüler*innen den Anforderungen der Gegenwart angeblich immer weniger gewachsen. Seit Jahrzehnten wird deshalb ein bildungspolitischer Aufbruch angekündigt. Nur der Aufbruch selbst bleibt zuverlässig aus.
Das lässt sich schwerlich mit der allgemeinen Langsamkeit demokratischer Politik oder einer schwierigen ökonomischen Lage erklären. Wo ein politisches Ziel tatsächlich als dringlich gilt, können demokratische Staaten innerhalb kürzester Zeit Milliarden mobilisieren, Produktionskapazitäten ausbauen und erhebliche gesellschaftliche Ressourcen in eine neue Richtung lenken – wie die kurzfristige Mobilisierung gewaltiger Summen nach der „Zeitenwende“ für die Aufrüstung zeigt. Wenn eine vergleichbare Mobilisierung im Bildungswesen trotz des ständig beschworenen Notstands ausbleibt, liegt ein anderer Verdacht nahe: Vielleicht funktionieren Schulen gar nicht so schlecht. Vielleicht erfüllen sie ihre gesellschaftliche Aufgabe sogar ziemlich zuverlässig. Nur besteht ihre gesellschaftliche Funktion dann offenbar in etwas anderem als in der freien Entfaltung junger Menschen.
In diesem Seminar werden Texte gelesen, die Pädagogik und Lehranstalten nicht von ihren normativen Versprechen her betrachten, sondern nach ihrem Beitrag zur Reproduktion der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung fragen. Zu den unterschiedlichen Diagnosen gehören: Schulen sortieren Menschen nach Leistung, verteilen Berechtigungen und weisen ihnen unterschiedliche gesellschaftliche Laufbahnen zu. Sie organisieren Lernen in Konkurrenz, gewöhnen an fremdgesetzte Anforderungen und machen individuellen Erfolg wie individuelles Scheitern zurechenbar. Dabei bedienen sie sich jener Mittel, die ihren erklärten Bildungszielen widersprechen: Selbstständigkeit soll unter Zeitdruck entstehen, Lernbereitschaft durch Notendruck, Kooperation unter Konkurrenzbedingungen und Mündigkeit durch die Unterwerfung unter institutionell gesetzte Anforderungen.
Diese Widersprüche sind nicht bloß der Preis, den eine Institution mit besten Intentionen für ihre praktische Umsetzung zahlen muss. Das Seminar untersucht, inwiefern Konkurrenz, Selektion, Disziplinierung und Ideologisierung nicht Fehlentwicklungen, sondern am Ende Funktionen des Bildungswesens im Kapitalismus sind. Nur am Rande wird es daher um die Frage gehen, wie Pädagogik innerhalb der bestehenden Gesellschaft besser, gerechter oder inklusiver gestaltet werden könnte. Im Zentrum steht eine Fundamentalkritik der Pädagogik und ihrer gesellschaftlichen Institutionen. Am Ende stellen wir uns grundsätzlich die Frage nach einer emanzipativen Pädagogik und danach, wie sie implementiert werden kann.
Mögliche Seminarliteratur (Auswahl steht noch aus)
• Karl Marx: ausgewählte Texte zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Reproduktion
• Talcott Parsons: „Die Schulklasse als soziales System“
• Louis Althusser: „Ideologie und ideologische Staatsapparate“
• Siegfried Bernfeld: Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung
• Theodor W. Adorno: „Theorie der Halbbildung“
• Michel Foucault: Auszüge aus Überwachen und Strafen
• Heinz-Joachim Heydorn: Auszüge aus Über den Widerspruch von Bildung und Herrschaft
• Samuel Bowles und Herbert Gintis: Schooling in Capitalist America: Educational Reform and the Contradictions of Economic Life
• Freerk Huisken: Erziehung im Kapitalismus. Von den Grundlügen der Pädagogik und dem unbestreitbaren Nutzen der bürgerlichen Lehranstalten
• Paulo Freire: Auszüge aus Pädagogik der Unterdrückten
• bell hooks: Auszüge aus Teaching to Transgress. Education as the Practice of Freedom
• Elizabeth Ellsworth: „Why Doesn’t This Feel Empowering? Working Through the Repressive Myths of Critical Pedagogy“

Das Seminar findet als Blockseminar statt. Die Vorbesprechung muss leider außerhalb der Kernlehrzeiten liegen und findet deshalb abends statt. Bei Bedarf kann diese online stattfinden. Er wird in der letzten Woche vor Weihnachten stattfinden. Uhrzeit und Länge der Blocktermine sind verhandelbar.


[Si] Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben? Feministische Perspektiven auf die Zukunft  (AfK-Nr.: 413/414)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 102
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 102

Kommentar:

Das Seminar soll einen positiven und konstruktiven Blick auf die Zukunft richten und u.a. folgende Fragen diskutieren: Welche gesellschaftlichen Narrative gibt es über die Zukunft bestimmter Personen (z.B. behinderter und trans* Personen)? Wie wollen wir (gerade für Personen, denen ihre Zukunft abgesprochen wird) die Zukunft gestalten? Wie sieht eine Zukunft ohne patriarchale Familienstrukturen, restriktive Gender-Praktiken, Kapitalismus, Gefängnisse, Polizei, etc. aus? Wie gestalten wir Community-basierte Care-Praktiken? Welche Arten von Beziehungen wollen wir führen? Was ist die Zukunft marginalisierter Philosophie?
Das Seminar soll sich damit von dem oftmals abstrakten Fokus der Philosophie lösen und konkrete Konzepte des Zusammenlebens sowohl im Rahmen aktueller Unterdrückung als auch nach dem Überwinden von cis-hetero patriarchalen, ableistischen, kapitalistischen, rassistischen, kolonialen, etc. Strukturen entwickeln.


[Si] Wissenskommunikation auf Social Media  (BA-LAS-FDW-06 / BA-LAS-FDW-08 / BA-LAS-EIK-02 / BA-LAS-EIK-04 / BA-LAS-EIK-07)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
5 Einzeltermine:
Fr. 30.10.2026,10.00 - 16.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 012
Fr. 06.11.2026,10.00 - 16.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 012
Sa. 07.11.2026,10.00 - 16.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 012
Fr. 20.11.2026,10.00 - 16.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 012
Sa. 21.11.2026,10.00 - 16.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 012

Kommentar:

Tradwives, Männlichkeitscoaches, Pickup-Artists – all das sind Beispiele von Social-Media-Phänomenen, die Gender(konstruktionen) betreffen. Oft haben solche Beiträge einen wissenschaftlichen Anstrich, wenn etwa die männliche Dominanz mit Verweis auf Befunde aus der Steinzeit oder Erkenntnisse aus der Evolutionspsychologie legitimiert wird. Für Lai*innen ist es oft schwer nachzuvollziehen, wie wissenschaftlich valide dieses Wissen ist. Genau hier kann die Wissenschaftskommunikation ansetzen, um wissenschaftlich fundierte Einordnungen – etwa in Form von Reaktionen – zu liefern.
In dieser Blockveranstaltung werden wir diese Reaktionsmöglichkeit praktisch ausprobieren. Dafür werden Sie sich in Gruppen zusammenfinden und einen Beitrag auf Social Media, der sich mit dem Thema Gender beschäftigt, wissenschaftlich einordnen. Diesen Beitrag werden Sie dann in Form einer Social-Media-Reaktion (etwa einem TikTok oder einem Instagram-Beitrag) visualisieren.

Dabei lernen Sie zum einen Grundlagen und Formate von Wissenschaftskommunikation auf Social Media kennen und können sich dahingehend ausprobieren. Zum anderen lernen Sie durch den Seminarprozess das wissenschaftliche Arbeiten in all seinen Phasen praktisch kennen: einen Analysegegenstand finden, eine dazu passende Fragestellung erarbeiten, diese mit Fachliteratur beantworten, die Analyse prägnant in einer Visualisierung zusammenfassen, diese präsentieren und im Austausch mit Peers evaluieren. All diese Schritte sind Teil der Prüfungsleistung.

WICHTIG: Die Prüfungsleistung besteht aus einem Portfolio, das eng mit dem Gruppenprozess verbunden ist. Der Großteil der Bestandteile muss bereits in der Veranstaltung zu verschiedenen Zeitpunkten abgegeben werden. Zudem erfordert das Seminar eine selbstständige und engagierte Mitarbeit in Kleingruppen. Nehmen Sie also bitte nur Teil, wenn Sie im Semester Zeit dafür aufbringen können und beachten Sie auch die Einzeltermine der Blockveranstaltung.


 

Zu belegen sind zwei Veranstaltungen, davon höchstens eine Vorlesung (falls angeboten).

[O Si] Der Wille als dionysisches Konzept und Ästhetik. Lektüreseminar Friedrich Nietzsche „Geburt der Tragödie“
15 Sitzungen, immer Dienstags 10:00-12:00 Uhr (ct.). Bei Ausfall Nachholtermine nach Absprache digital oder in Präsenz.
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Phil. I, G 026
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Phil. I, G 026

Kommentar:

Konzept: Unter dem Einfluss der Philosophie Schopenhauers und der Musik Wagners entwirft der deutsche Philosoph des 19. Jahrhunderts Friedrich Nietzsche in seinem Frühwerk „Die Geburt der Tragödie“ ein Verständnis des Willens, welches über den bloßen Willen einer Person („mein Wille“) und auch über das Gewollte („ich will X“) hinausgeht. Wir werden einerseits untersuchen, wie der Wille konzeptualisiert wird. Daneben liegt der Fokus darauf, wie der Text den Willen ästhetisch performiert. Letzteres ist von außerordentlicher Bedeutung nicht nur aufgrund des Stellenwertes von Theater, Musik und Literatur im Text, sondern auch weil sich Nietzsche in diesem Buch als Professor für Klassische Philologie mit antiker Philosophie, Geschichte und Literatur auseinandersetzt. Insofern richtet sich das Seminar sowohl an ästhetisch als auch theoretisch interessierte Studierende. Künstlerisch-praktische Fragen werden jedoch nicht verhandelt.

Hinweis auf sensible Inhalte: Der frühe Nietzsche ist Wagnerianer, Nationalist und Antisemit. Wir lesen Nietzsche nicht affirmativ in Bezug auf sein Denken, Leben und Werte, aber auch nicht um ihn zu ‚entlarven‘. Hier soll es darum gehen, den Begriff und die Ästhetik des Willens in diesem Frühwerk zu untersuchen. Was überzeugt uns konzeptuell/ästhetisch, was nicht?

Ablauf: Das ist ein Lektüreseminar. "Die Geburt der Tragödie“ wird ganz gelesen. Eine Anschaffung der Reclam-Ausgabe vor der ersten Sitzung wird dringend empfohlen. Bei finanziellen Engpässen bitte Dozent rechtzeitig kontaktieren. Die Leselast liegt bei durchschnittlich zwei Kapiteln pro Woche (vor Beginn des Seminars müssen jedoch noch 3 Texte zur Vorbereitung gelesen werden). Auf Grundlage der Lektüre diskutieren wir die jeweiligen Abschnitte im Seminar.

Vorbereitende Lektüre für alle Studierende vor der ersten Sitzung zu erfüllen (Deleuze über Nietzsches Leben und Denken, Nachwort Reclam Ausgabe „Der Geburt der Tragödie“).


[Si] Geschichte der politischen Philosophie  (AfK-Nr.: 413/414)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 103
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 103

Kommentar:

Die politische Philosophie hat nicht nur eine jahrtausendealte Geschichte, sondern sie ist auch eine sich wiederholende und dabei erneuernde Geschichte der philosophischen Begründungen der politischen Ordnung. Einige Fragen, Begriffe und Gegenstände tauchen in dieser Geschichte immer wieder auf (z.B die Frage nach den Zwecken und Zielen der Politik), manchmal aber unter so verschiedenen Perspektiven und Kontexten, dass es sich eigentlich um unterschiedliche politikphilosophische Phänomene handelt (z.B. dass es in der Politik um Gerechtigkeit, Sittlichkeit, Glückseligkeit, Frieden, Sicherheit, Macht oder Wohlstand gehen solle). Andere Problemstellungen und Argumentationsweisen sind historisch erstmalig und stellen wirklich neuartige Konzepte dar (z.B. der „normative Individualismus“ in der Neuzeit oder das „Problem des Pluralismus“ in der Gegenwart).
In dem Seminar wird diese lange und faszinierende Geschichte der politischen Philosophie durch die textnahe Untersuchung verschiedener paradigmatischer Theorien erarbeitet werden (etwa Platon, Aristoteles, Hobbes, Locke, Rousseau, Hegel, Mill, Rawls, Nussbaum).

Das Seminar ist auch gut geeignet für Studierende am Anfang des Studiums.

Literatur zur Vorbereitung: Elif Özmen: Politische Philosophie zur Einführung, Hamburg 2013


[Si] Habermas  (AfK-Nr.: 413/414)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas gilt auch posthum als eine der wichtigsten Stimmen in öffentlichen Debatten des 20. und 21. Jahrhunderts. Im Seminar werden wir uns grundlegend mit dem Frühwerk auseinandersetzen.
Zunächst verschaffen wir uns einen Überblick über die Kritische Theorie anhand des Aufsatzes „Traditionelle und kritische Theorie“ (Horkheimer 1937). Anschließend lesen wir die Monographie „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (Habermas 1962). Das Seminar wird entweder durch den Essay „Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik“ (Habermas 2022) oder durch einzelne Vorlesungen aus „Der philosophische Diskurs der Moderne“ (Habermas 1985) ergänzt.
Zur Teilnahme wird kein besonderes Vorwissen vorausgesetzt. Die eigenständige Lektüre außerhalb der Seminarstunde sowie Vor- und Nachbereitung ist obligatorisch.
Die Anschaffung der Monographie wird empfohlen. Ein Semesterapparat in der Bibliothek wird eingerichtet.

Literatur:
Habermas, Jürgen (1962): Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Suhrkamp: Frankfurt am Main (Publikationsjahr egal, nach 1991 empfohlen) -> zur Anschaffung empfohlen.
Habermas, Jürgen (1985): Der philosophische Diskurs der Moderne, Suhrkamp: Frankfurt am Main.
Habermas, Jürgen (2022): Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik, Suhrkamp: Berlin.
Horkheimer, Max (1937): Traditionelle und kritische Theorie: Fünf Aufsätze, Fischer: Frankfurt am Main


[Si] Ideologie, Entfremdung, Warenfetisch. Einführung in die Marx’sche Gesellschafts- und Ökonomiekritik
Dozent/-in:
Gastprofessur Kritische Gesellschaftstheorie
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 14:00 - 16:00 Uhr, Raum: Phil 1, Seminargebäude II, Raum 302 (Alter Steinbacher Weg 44)
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Phil 1, Seminargebäude II, Raum 302 (Alter Steinbacher Weg 44)

Kommentar:

Das Seminar widmet sich Karl Marx’ »rücksichtsloser Kritik alles Bestehenden«. Dabei soll das
Marx’sche Projekt als eine kritische Theorie erschlossen werden, die sich nicht auf einen Standpunkt
wie den »historischen Materialismus« reduzieren lässt. Das Seminar setzt sich zum Ziel, in
Grundbegriffe wie Ideologie, Entfremdung und Warenfetisch einzuführen. Der Aufbau folgt der
Entwicklung von Marx’ kritischem Verfahren: Mit der frühen Religionskritik diskutieren wir die
Herausbildung von Ideologiekritik. Wir untersuchen anhand von Stellen aus den Ökonomischphilosophischen
Manuskripten (1844), wie Marx sich zur Ökonomiekritik hinwendet. Dabei werden
Begriffe wie Arbeitsteilung, Privateigentum und Entfremdung erschlossen. Schließlich wenden wir
uns der Kritik der politischen Ökonomie des reifen Marx zu. Wir diskutieren in Das Kapital (Band 1,
1867) entfaltete Kategorien wie Ware, Wert und Arbeitskraft. Mit dem Warenfetischismus lernen
wir die reife Version von Marx’ Ideologieverständnis kennen. Im Seminar werden auch politische
Fragen berücksichtigt: Welche Bedeutung hat die Vision einer »kommunistischen« Gesellschaft für
die Kritik? Welche Formen politischen Handelns und ideologischen Denkens stehen ihrer
Etablierung im Weg? Und: wie lässt sich all das auf die heutigen gesellschaftlichen Krisen beziehen?


[Si] Influencer*innen als Thema der Ethik!?  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 14.10.2026
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001
nächster Termin: 14.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Eine Family-Bloggerin zeigt ihre Kinder unzensiert, ein Männlichkeitscoach gibt fragwürdige Datingtipps, ein Youtuber bringt intime Privatinformationen an die Öffentlichkeit, um eine Lüge aufzudecken – diese kleine Auswahl an Beispielen zeigt, dass auf Social Media viel passiert, was ethisch eingeordnet werden kann oder sogar muss.
Im Seminar werden wir uns daher genau dieser Aufgabe stellen, indem Sie sich in Gruppen einen Fall auf Social Media aussuchen, den Sie aus einer ethischen Linse betrachten werden. Im ersten Schritt werden wir gemeinsam Beispiele für ethische Fragestellungen rund um Influencer*innen sammeln, schauen, wie wissenschaftliche Einordnung auf den Plattformen funktioniert, und dann verschiedene Möglichkeiten besprechen, wie eine philosophische Einordnung aussehen könnte. Im Hauptteil werden Sie sich in Projektgruppen das ganze Semester über mit einem konkreten Fall auseinandersetzen und diesen eigenständig Schritt für Schritt ethisch einordnen, indem Sie die ethische Fragestellung präzisieren, Literatur suchen und lesen und dann in der Gruppe eine Social-Media-Reaktion auf diesen Fall (z.B. in Form eines TikToks oder Instagram-Beitrags) erstellen, die dann Teil der Prüfungsleistung ist.

WICHTIG: Die Prüfungsleistung besteht aus einem Portfolio, das eng mit dem Gruppenprozess verbunden ist. Der Großteil der Bestandteile muss bereits im Seminar zu verschiedenen Zeitpunkten abgegeben werden. Zudem erfordert das Seminar eine selbstständige und engagierte Mitarbeit in Kleingruppen. Nehmen Sie also bitte nur Teil, wenn Sie im Semester Zeit dafür aufbringen können.


[Si] KritischeTheorie der ökologischen Krise
Dozent/-in:
Gastprofessur Kritische Gesellschaftstheorie
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 14.10.2026
wöchentlich Mi. 12:00 - 14:00 Uhr, Raum: Phil 2, Haus E, Raum 106
nächster Termin: 14.10.2026 Uhr, Raum: Phil 2, Haus E, Raum 106

Kommentar:

Kaum ein Thema beschäftigt die Gegenwart so intensiv wie die vielfachen ökologischen Krisen.
Begriffe wie »Anthropozän« oder »Kapitalozän« meinen ein neues, von menschengemachter
Destruktivität geprägtes Zeitalter. Das Seminar fragt nach einem genuin kritisch-theoretischen
Blick auf die ökologischen Krisen, aber auch auf ihre mitunter ideologischen Verarbeitungsformen.
Dazu diskutieren wir historische wie gegenwärtige Reflexionen des menschlichen »Stoffwechsels«
(Marx) mit der Natur. Wir wollen nachvollziehen, wie die Aneignung und Ausbeutung der Natur
zum Gegenstand der Kritik wird (bei Karl Marx); wie zunehmend ihre fatalen (bei Theodor W.
Adorno/Max Horkheimer) oder sogar apokalyptischen Implikationen (bei Günter Anders) in den
Blick rücken; und welche anderen Formen des Naturverhältnisses entworfen werden (bei Herbert
Marcuse). Sodann fragen wir, wie sich wie neuere Versuche, die ökologische Krise zu verstehen,
zu diesen Kritiken verhalten. Dazu lesen wir Texte u. a. von Donna Haraway, Dipesh Chakrabarty
und Kohei Saito.


[Si] Medizinethik  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012

Kommentar:

Ist es moralisch in Ordnung, wenn Jens Spahn ein Kind über eine Leihmutter bekommt? Sollte es in Deutschland ein institutionelles Recht auf Sterben geben? (Wann) kann ich einer medizinischen Prozedur wirklich frei zustimmen?
Das alles sind Fragen der Medizinethik, die wir im Seminar diskutieren werden. Das Seminar ist dreigeteilt: Im ersten Teil werden grundlegende Fragestellungen und Konzepte dieser Debatten besprochen, z.B. wann Leben beginnt oder was Menschenwürde umfasst. Im zweiten Teil werden wir verschiedene Positionen zu den Themengebieten Abtreibung und Sterbehilfe diskutieren. Im letzten Teil widmen wir uns aktuellen Diskursen der Medizinethik, unter anderem im Hinblick auf Leihmutterschaft oder Organverkauf.

Ein Großteil der Texte ist ausschließlich in englischer Sprache vorhanden.

WICHTIG: Die Prüfungsleistung besteht aus einem Portfolio, das eng mit dem Seminarprozess verbunden ist. Die Hälfte der Bestandteile muss bereits im Seminar zu verschiedenen Zeiten abgegeben werden. Es handelt sich dabei um analytische Auseinandersetzungen bei der Lektüre der Seminartexte. Nehmen Sie also bitte nur Teil, wenn Sie im Semester Zeit dafür aufbringen können.


[Si] Menschenwürde und Menschenrechte  (AfK-Nr.: 413/414)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.10.2026
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 116
nächster Termin: 12.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 116

Kommentar:

In diesem Seminar wollen wir uns nicht den Standard-Texten der (analytisch-)philosophischen Menschenrechts- und Menschenwürdeschule widmen. Stattdessen wollen wir nachvollziehen, was verloren geht, wenn wir stets auf die immergleichen Texte schauen. Menschenrechte, das sind einer unkontroversen Intuition nach doch diejenigen Rechte, die Menschen haben, einfach, weil sie Menschen sind. Ein Blick in die Welt und in einen Großteil der philosophischen Literatur bringt allerdings nichts als Ernüchterung: Weder in der Begründung noch in der Praxis haben alle Menschen Menschenrechte, einfach, weil sie Menschen sind. Woran liegt das? Im Seminar werden wir verschiedene Erklärungsansätze nachvollziehen: Wir werden über „den Menschen“ (Anthropologie, Höffe) und über „das Menschliche“ (Lebensphilosophie, Agamben) der Menschenrechte sprechen. Wir werden die „dunklen Seiten der Menschenrechte“ (O’Neill) beleuchten und darüber nachdenken, was es eigentlich heißt, Menschenrechte zu beanspruchen (Camus, Shklar). Schließlich werden wir die Menschenwürde in ihren Momenten der brutalsten Zerstörung suchen (Holocaust-Literatur, Améry) und den Menschen nach seinem Platz in der weltlichen Ordnung befragen (Ideengeschichte der Menschenwürde).

Weil dieses Seminar als eine Kritik am analytischen Menschenrechts- und Menschenwürdediskurs zu verstehen ist, wird der Dozent jene wichtigsten Positionen aufbereitet nachzeichnen, sodass kein Vorwissen benötigt wird. Es wird die Möglichkeit geben, neben klassischen Hausarbeiten und Essays auch ein Portfolio einzureichen. Im Laufe des Seminars werden wir Gruppenarbeiten in Text-Expert:innengruppen durchführen.

Das Ziel des Seminars lässt sich wohl am besten an einer kürzlichen Feststellung von Adam Etinson illustrieren. Im Seminar wollen wir nachvollziehen, dass „the [human rights] debate is as much about the nature and limits of philosophy as it is about human rights” (Etinson, A. (2018): Introduction. In: Etinson, A. (Hg.): Human Rights. Moral or Political? Oxford University Press, 1-38, hier S. 5).


[Si] Platon: Gorgias  (AfK-Nr.: 409/410)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Die übergeordnete Frage im „Gorgias“ lautet: Wie soll man leben? Allerdings springt einem diese Frage als Thema zumindest zu Beginn des Dialogs noch nicht ins Auge. Der Dialog ist insgesamt sehr unterhaltsam; unter anderem, weil Sokrates‘ Gesprächspartner Gorgias, vor allem aber Polos und Kallikles ziemlich breitbeinig, provokativ und zunehmend schamlos auftreten. Am Ende des Dialogs kann man (vielleicht) sehen, wie die argumentierende Philosophie gegen offensive Schamlosigkeit schließlich an ihre Grenzen stößt.
Im Seminar soll auf unterschiedlichen Ebenen in Platons Philosophie und in die Eigenheiten der Dialogform eingeführt werden. Zum einen werden wir versuchen, die Struktur des Textes zu rekonstruieren. Zum anderen bemühen wir uns zu verstehen, wie Platons Sokrates die Art der Argumentation seinem jeweiligen Gesprächspartner anpasst. – Das Seminar ist auch für Studienanfänger geeignet.
Text (zur Anschaffung): Platon: Gorgias, Stuttgart: Reclam 2013.


[Si] Was können wir wissen?  (AfK-Nr.: 403/404)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 14:00 - 16:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 113
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 113

Kommentar:

Seit Menschen Philosophie treiben, quält die Frage, was wir wissen können – und ob wir strenggenommen überhaupt etwas wissen können. Haben wir nicht letztlich meist nur sehr vorläufige Meinungen, die kaum belastbarer sind als halbwegs gut begründete Vermutungen? Gilt das nicht zumindest für etliche wichtige Bereiche – etwa für unsere Meinungen über die objektive Beschaffenheit der Natur oder auch über das, was andere Menschen denken und fühlen (das sogenannte ‚Fremdpsychische‘)?
Die Geschichte ist voller einflussreicher skeptischer Argumente, die zeigen sollen, dass wir sehr viel weniger wissen können, als optimistisch Gestimmte unter uns anzunehmen geneigt sind. Etliche dieser Argumente sind auf den ersten (und zweiten) Blick durchaus herausfordernd. Eine Beschäftigung mit ihnen verrät einiges über unsere ‚epistemische Situation‘ – und sei es letztlich dadurch, dass wir nachvollziehen, inwiefern diese Argumente am Ende (voraussichtlich) doch scheitern.
Im Seminar werden wir wichtige skeptische Argumente aus der Geschichte der Philosophie kennenlernen und zeitgenössische Antworten auf diese skeptischen Herausforderungen prüfen. Dabei werden wir auch immer die aktuelle gesellschaftliche Relevanz der Diskussion unserer ‚epistemischen Situation‘ mitbedenken: Denn die in den letzten Jahren um sich greifende Wissenschaftsfeindlichkeit greift nicht selten skeptische Motive auf (wenn auch auf oberflächliche Weise) und bedient – und fördert – oft genug eine vage ‚skeptische Grundstimmung‘.


[Si] Weder für die Schule noch für das Leben – zur Funktion der Pädagogik im Kapitalismus  (AfK-Nr.: 413/414)
Durchführung: Block
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
5 Einzeltermine:
Di. 15.12.2026,12.00 - 14.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 012
Mi. 24.02.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Do. 25.02.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Mi. 03.03.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Do. 04.03.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Kaum ein Wahlkampf kommt ohne die immer selbe Behauptung aus: Bildung ist von überragender Bedeutung! Die Schulen aber sind marode und ungerecht, Lehrkräfte überlastet und Schüler*innen den Anforderungen der Gegenwart angeblich immer weniger gewachsen. Seit Jahrzehnten wird deshalb ein bildungspolitischer Aufbruch angekündigt. Nur der Aufbruch selbst bleibt zuverlässig aus.
Das lässt sich schwerlich mit der allgemeinen Langsamkeit demokratischer Politik oder einer schwierigen ökonomischen Lage erklären. Wo ein politisches Ziel tatsächlich als dringlich gilt, können demokratische Staaten innerhalb kürzester Zeit Milliarden mobilisieren, Produktionskapazitäten ausbauen und erhebliche gesellschaftliche Ressourcen in eine neue Richtung lenken – wie die kurzfristige Mobilisierung gewaltiger Summen nach der „Zeitenwende“ für die Aufrüstung zeigt. Wenn eine vergleichbare Mobilisierung im Bildungswesen trotz des ständig beschworenen Notstands ausbleibt, liegt ein anderer Verdacht nahe: Vielleicht funktionieren Schulen gar nicht so schlecht. Vielleicht erfüllen sie ihre gesellschaftliche Aufgabe sogar ziemlich zuverlässig. Nur besteht ihre gesellschaftliche Funktion dann offenbar in etwas anderem als in der freien Entfaltung junger Menschen.
In diesem Seminar werden Texte gelesen, die Pädagogik und Lehranstalten nicht von ihren normativen Versprechen her betrachten, sondern nach ihrem Beitrag zur Reproduktion der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung fragen. Zu den unterschiedlichen Diagnosen gehören: Schulen sortieren Menschen nach Leistung, verteilen Berechtigungen und weisen ihnen unterschiedliche gesellschaftliche Laufbahnen zu. Sie organisieren Lernen in Konkurrenz, gewöhnen an fremdgesetzte Anforderungen und machen individuellen Erfolg wie individuelles Scheitern zurechenbar. Dabei bedienen sie sich jener Mittel, die ihren erklärten Bildungszielen widersprechen: Selbstständigkeit soll unter Zeitdruck entstehen, Lernbereitschaft durch Notendruck, Kooperation unter Konkurrenzbedingungen und Mündigkeit durch die Unterwerfung unter institutionell gesetzte Anforderungen.
Diese Widersprüche sind nicht bloß der Preis, den eine Institution mit besten Intentionen für ihre praktische Umsetzung zahlen muss. Das Seminar untersucht, inwiefern Konkurrenz, Selektion, Disziplinierung und Ideologisierung nicht Fehlentwicklungen, sondern am Ende Funktionen des Bildungswesens im Kapitalismus sind. Nur am Rande wird es daher um die Frage gehen, wie Pädagogik innerhalb der bestehenden Gesellschaft besser, gerechter oder inklusiver gestaltet werden könnte. Im Zentrum steht eine Fundamentalkritik der Pädagogik und ihrer gesellschaftlichen Institutionen. Am Ende stellen wir uns grundsätzlich die Frage nach einer emanzipativen Pädagogik und danach, wie sie implementiert werden kann.
Mögliche Seminarliteratur (Auswahl steht noch aus)
• Karl Marx: ausgewählte Texte zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Reproduktion
• Talcott Parsons: „Die Schulklasse als soziales System“
• Louis Althusser: „Ideologie und ideologische Staatsapparate“
• Siegfried Bernfeld: Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung
• Theodor W. Adorno: „Theorie der Halbbildung“
• Michel Foucault: Auszüge aus Überwachen und Strafen
• Heinz-Joachim Heydorn: Auszüge aus Über den Widerspruch von Bildung und Herrschaft
• Samuel Bowles und Herbert Gintis: Schooling in Capitalist America: Educational Reform and the Contradictions of Economic Life
• Freerk Huisken: Erziehung im Kapitalismus. Von den Grundlügen der Pädagogik und dem unbestreitbaren Nutzen der bürgerlichen Lehranstalten
• Paulo Freire: Auszüge aus Pädagogik der Unterdrückten
• bell hooks: Auszüge aus Teaching to Transgress. Education as the Practice of Freedom
• Elizabeth Ellsworth: „Why Doesn’t This Feel Empowering? Working Through the Repressive Myths of Critical Pedagogy“

Das Seminar findet als Blockseminar statt. Die Vorbesprechung muss leider außerhalb der Kernlehrzeiten liegen und findet deshalb abends statt. Bei Bedarf kann diese online stattfinden. Er wird in der letzten Woche vor Weihnachten stattfinden. Uhrzeit und Länge der Blocktermine sind verhandelbar.


[Si] Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben? Feministische Perspektiven auf die Zukunft  (AfK-Nr.: 413/414)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 102
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 102

Kommentar:

Das Seminar soll einen positiven und konstruktiven Blick auf die Zukunft richten und u.a. folgende Fragen diskutieren: Welche gesellschaftlichen Narrative gibt es über die Zukunft bestimmter Personen (z.B. behinderter und trans* Personen)? Wie wollen wir (gerade für Personen, denen ihre Zukunft abgesprochen wird) die Zukunft gestalten? Wie sieht eine Zukunft ohne patriarchale Familienstrukturen, restriktive Gender-Praktiken, Kapitalismus, Gefängnisse, Polizei, etc. aus? Wie gestalten wir Community-basierte Care-Praktiken? Welche Arten von Beziehungen wollen wir führen? Was ist die Zukunft marginalisierter Philosophie?
Das Seminar soll sich damit von dem oftmals abstrakten Fokus der Philosophie lösen und konkrete Konzepte des Zusammenlebens sowohl im Rahmen aktueller Unterdrückung als auch nach dem Überwinden von cis-hetero patriarchalen, ableistischen, kapitalistischen, rassistischen, kolonialen, etc. Strukturen entwickeln.


[Si] Wissenskommunikation auf Social Media  (BA-LAS-FDW-06 / BA-LAS-FDW-08 / BA-LAS-EIK-02 / BA-LAS-EIK-04 / BA-LAS-EIK-07)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
5 Einzeltermine:
Fr. 30.10.2026,10.00 - 16.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 012
Fr. 06.11.2026,10.00 - 16.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 012
Sa. 07.11.2026,10.00 - 16.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 012
Fr. 20.11.2026,10.00 - 16.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 012
Sa. 21.11.2026,10.00 - 16.00 Uhr   Alter Steinbacher Weg 44, 012

Kommentar:

Tradwives, Männlichkeitscoaches, Pickup-Artists – all das sind Beispiele von Social-Media-Phänomenen, die Gender(konstruktionen) betreffen. Oft haben solche Beiträge einen wissenschaftlichen Anstrich, wenn etwa die männliche Dominanz mit Verweis auf Befunde aus der Steinzeit oder Erkenntnisse aus der Evolutionspsychologie legitimiert wird. Für Lai*innen ist es oft schwer nachzuvollziehen, wie wissenschaftlich valide dieses Wissen ist. Genau hier kann die Wissenschaftskommunikation ansetzen, um wissenschaftlich fundierte Einordnungen – etwa in Form von Reaktionen – zu liefern.
In dieser Blockveranstaltung werden wir diese Reaktionsmöglichkeit praktisch ausprobieren. Dafür werden Sie sich in Gruppen zusammenfinden und einen Beitrag auf Social Media, der sich mit dem Thema Gender beschäftigt, wissenschaftlich einordnen. Diesen Beitrag werden Sie dann in Form einer Social-Media-Reaktion (etwa einem TikTok oder einem Instagram-Beitrag) visualisieren.

Dabei lernen Sie zum einen Grundlagen und Formate von Wissenschaftskommunikation auf Social Media kennen und können sich dahingehend ausprobieren. Zum anderen lernen Sie durch den Seminarprozess das wissenschaftliche Arbeiten in all seinen Phasen praktisch kennen: einen Analysegegenstand finden, eine dazu passende Fragestellung erarbeiten, diese mit Fachliteratur beantworten, die Analyse prägnant in einer Visualisierung zusammenfassen, diese präsentieren und im Austausch mit Peers evaluieren. All diese Schritte sind Teil der Prüfungsleistung.

WICHTIG: Die Prüfungsleistung besteht aus einem Portfolio, das eng mit dem Gruppenprozess verbunden ist. Der Großteil der Bestandteile muss bereits in der Veranstaltung zu verschiedenen Zeitpunkten abgegeben werden. Zudem erfordert das Seminar eine selbstständige und engagierte Mitarbeit in Kleingruppen. Nehmen Sie also bitte nur Teil, wenn Sie im Semester Zeit dafür aufbringen können und beachten Sie auch die Einzeltermine der Blockveranstaltung.


 

Zu belegen sind zwei Veranstaltungen, davon höchstens eine Vorlesung (falls angeboten).

[Si] Influencer*innen als Thema der Ethik!?  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 14.10.2026
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001
nächster Termin: 14.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Eine Family-Bloggerin zeigt ihre Kinder unzensiert, ein Männlichkeitscoach gibt fragwürdige Datingtipps, ein Youtuber bringt intime Privatinformationen an die Öffentlichkeit, um eine Lüge aufzudecken – diese kleine Auswahl an Beispielen zeigt, dass auf Social Media viel passiert, was ethisch eingeordnet werden kann oder sogar muss.
Im Seminar werden wir uns daher genau dieser Aufgabe stellen, indem Sie sich in Gruppen einen Fall auf Social Media aussuchen, den Sie aus einer ethischen Linse betrachten werden. Im ersten Schritt werden wir gemeinsam Beispiele für ethische Fragestellungen rund um Influencer*innen sammeln, schauen, wie wissenschaftliche Einordnung auf den Plattformen funktioniert, und dann verschiedene Möglichkeiten besprechen, wie eine philosophische Einordnung aussehen könnte. Im Hauptteil werden Sie sich in Projektgruppen das ganze Semester über mit einem konkreten Fall auseinandersetzen und diesen eigenständig Schritt für Schritt ethisch einordnen, indem Sie die ethische Fragestellung präzisieren, Literatur suchen und lesen und dann in der Gruppe eine Social-Media-Reaktion auf diesen Fall (z.B. in Form eines TikToks oder Instagram-Beitrags) erstellen, die dann Teil der Prüfungsleistung ist.

WICHTIG: Die Prüfungsleistung besteht aus einem Portfolio, das eng mit dem Gruppenprozess verbunden ist. Der Großteil der Bestandteile muss bereits im Seminar zu verschiedenen Zeitpunkten abgegeben werden. Zudem erfordert das Seminar eine selbstständige und engagierte Mitarbeit in Kleingruppen. Nehmen Sie also bitte nur Teil, wenn Sie im Semester Zeit dafür aufbringen können.


[Si] Irrationalität
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.10.2026
wöchentlich Mo. 12:00 - 14:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012
nächster Termin: 12.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012

Kommentar:

Wenn uns das, was eine Person denkt, wünscht oder tut, falsch oder unverständlich erscheint, dann haben wir wenig Hemmung, dies – oder gar sie – als »irrational« zu bezeichnen. Aber was genau meint man damit? Meint man, dass sie etwas denkt, das objektiv oder unserer Meinung nach falsch ist? Dass sie Handlungen vollzieht, die objektiv oder unserer Meinung nach nicht geeignet sind, ihre Ziele zu erreichen?

Wie verhält es sich mit Fällen, in denen Menschen sich an Überzeugungen orientieren, von denen wir wissen, dass sie falsch sind, oder vor etwas Angst haben, dass unseres Wissens nicht gefährlich ist? Sind das bereits Fälle, in denen Irrationalität vorliegt? Oder bedarf es weiterer Voraussetzungen, die in der Person liegen, über die wir urteilen?

Solche Voraussetzungen spielen offenkundig eine Rolle für grundlegende Formen der Irrationalität, die gewöhnlich unterschieden werden: Willensschwäche (nicht zu tun, das zu tun gemäß der eigenen Überzeugungen das Beste ist), Wunschdenken (von etwas überzeugt sein, weil man selbst sich wünscht, die Welt mache die Überzeugung wahr), Handeln wider besseres Wissen (etwas tun, von dem man selbst weiß, dass es scheitern wird), Selbsttäuschung (sich selbst dazu zu bringen, etwas für wahr zu halten) und von etwas überzeugt sein, das nach eigener Auffassung diskreditiert ist. In diesen Fällen werden offenkundig Standards der Rationalität verletzt, mit deren Hilfe Grenzen der Verständlichkeit ausgezeichnet werden können. Denn was könnte es heißen, solche irrationalen Aktivitäten zu verstehen – für uns und für die agierende Person selbst?

Im Seminar sollen die Spielräume untersucht werden, die unterschiedliche Philosophien des Geistes dafür bereitstellen, dem Phänomen der Irrationalität angemessen Rechnung zu tragen. Dabei soll auch untersucht werden, ob es sinnvoll ist, unterschiedliche Arten oder Grade der Irrationalität zu unterscheiden.

Literatur
-Brandom, Robert B. (2002): »Introduction: Five Conceptions of Rationality«, in: Ders.: Tales of the Mighty Dead. Historical Essays in the Metaphysics of Intentionality, Cambridge, Mass., London: Harvard University Press, S. 1-17.
-Davidson, Donald (1969b): »Wie ist Willensschwäche möglich?«, in: Ders.: Handlung und Ereignis, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1990, S. 43-72.
-Davidson, Donald (1982b): »Paradoxien der Irrationalität«, in: Ders.: Probleme der Rationalität, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2006, S. 285-315.
-Davidson, Donald (1985a): »Inkohärenz und Irrationalität«, in: Ders.: Probleme der Rationalität, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2006, S. 316-331.
-Gardner, Sebastian (1993): Irrationality and the Philosophy of Psychoanalysis, Cambridge: Cambridge University Press.
-Lear, Jonathan (1998a): »Restlessness, Phantasy, and the Concept of Mind«, in: Ders.: Open Minded. Working out the Logic of the Soul, Harvard: Harvard University Press, S. 80-122.
-Nagel, Thomas (1994): »Freud’s Permanent Revolution«, in: Ders.: Other Minds. Critical Essays 1969-1994, New York, Oxford: Oxford University Press 1995, S. 26-44.
-Stocker, Michael, Elizabeth Hegeman (2000): »Aristotelian Akrasia, Weakness of the Will and Psychoanalytic Regression«, in: M. Levine (Hg.): The Analytic Freud, London, New York: Routledge, S. 135-153.


[Si] Klimaethik  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 16:00 - 18:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 103
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 103

Kommentar:

Der Klimawandel wird seit vielen Jahrzehnten der Klimaforschung mit einer Reihe von dramatischen Zukunftsszenarien verbunden: Naturkatastrophen, Extremwetterereignisse, das Aussterben ganzer Spezies einschließlich des Menschen und humanitären Ausnahmezuständen wie Krieg, Hunger, Wasserknappheit, Epidemien, Flucht. Diese Szenarien werden immer konkreter und erfahrbarer, auch in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas. Und sie werfen eine Reihe von normativen Problemen auf, die in der neuen Disziplin der Klimaethik diskutiert werden. Zur diesen gehören Fragen nach Klimawandel und Gerechtigkeitsproblemen, nach dem Verhältnis zwischen den Generationen, nach individueller, kollektiver und planetarischer Verantwortung, nach Pflichten, Verzicht und Verboten und nach Klimakrise und Kolonialismus, Rassismus und Sexismus.

Das Seminar widmet sich diesen normativen Fragen mit einer Reihe von aktuellen Beiträgen aus der Moralphilosophie und politischen Theorie. Die Textgrundlage ist der Reader "Klimaethik", hrsg. von Lukas Sparenborg und Darrel Moellendorf, Berlin 2025.


[Si] Medizinethik  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012

Kommentar:

Ist es moralisch in Ordnung, wenn Jens Spahn ein Kind über eine Leihmutter bekommt? Sollte es in Deutschland ein institutionelles Recht auf Sterben geben? (Wann) kann ich einer medizinischen Prozedur wirklich frei zustimmen?
Das alles sind Fragen der Medizinethik, die wir im Seminar diskutieren werden. Das Seminar ist dreigeteilt: Im ersten Teil werden grundlegende Fragestellungen und Konzepte dieser Debatten besprochen, z.B. wann Leben beginnt oder was Menschenwürde umfasst. Im zweiten Teil werden wir verschiedene Positionen zu den Themengebieten Abtreibung und Sterbehilfe diskutieren. Im letzten Teil widmen wir uns aktuellen Diskursen der Medizinethik, unter anderem im Hinblick auf Leihmutterschaft oder Organverkauf.

Ein Großteil der Texte ist ausschließlich in englischer Sprache vorhanden.

WICHTIG: Die Prüfungsleistung besteht aus einem Portfolio, das eng mit dem Seminarprozess verbunden ist. Die Hälfte der Bestandteile muss bereits im Seminar zu verschiedenen Zeiten abgegeben werden. Es handelt sich dabei um analytische Auseinandersetzungen bei der Lektüre der Seminartexte. Nehmen Sie also bitte nur Teil, wenn Sie im Semester Zeit dafür aufbringen können.


[Si] Menschenwürde und Menschenrechte  (AfK-Nr.: 413/414)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.10.2026
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 116
nächster Termin: 12.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 116

Kommentar:

In diesem Seminar wollen wir uns nicht den Standard-Texten der (analytisch-)philosophischen Menschenrechts- und Menschenwürdeschule widmen. Stattdessen wollen wir nachvollziehen, was verloren geht, wenn wir stets auf die immergleichen Texte schauen. Menschenrechte, das sind einer unkontroversen Intuition nach doch diejenigen Rechte, die Menschen haben, einfach, weil sie Menschen sind. Ein Blick in die Welt und in einen Großteil der philosophischen Literatur bringt allerdings nichts als Ernüchterung: Weder in der Begründung noch in der Praxis haben alle Menschen Menschenrechte, einfach, weil sie Menschen sind. Woran liegt das? Im Seminar werden wir verschiedene Erklärungsansätze nachvollziehen: Wir werden über „den Menschen“ (Anthropologie, Höffe) und über „das Menschliche“ (Lebensphilosophie, Agamben) der Menschenrechte sprechen. Wir werden die „dunklen Seiten der Menschenrechte“ (O’Neill) beleuchten und darüber nachdenken, was es eigentlich heißt, Menschenrechte zu beanspruchen (Camus, Shklar). Schließlich werden wir die Menschenwürde in ihren Momenten der brutalsten Zerstörung suchen (Holocaust-Literatur, Améry) und den Menschen nach seinem Platz in der weltlichen Ordnung befragen (Ideengeschichte der Menschenwürde).

Weil dieses Seminar als eine Kritik am analytischen Menschenrechts- und Menschenwürdediskurs zu verstehen ist, wird der Dozent jene wichtigsten Positionen aufbereitet nachzeichnen, sodass kein Vorwissen benötigt wird. Es wird die Möglichkeit geben, neben klassischen Hausarbeiten und Essays auch ein Portfolio einzureichen. Im Laufe des Seminars werden wir Gruppenarbeiten in Text-Expert:innengruppen durchführen.

Das Ziel des Seminars lässt sich wohl am besten an einer kürzlichen Feststellung von Adam Etinson illustrieren. Im Seminar wollen wir nachvollziehen, dass „the [human rights] debate is as much about the nature and limits of philosophy as it is about human rights” (Etinson, A. (2018): Introduction. In: Etinson, A. (Hg.): Human Rights. Moral or Political? Oxford University Press, 1-38, hier S. 5).


[Si] Platon: Gorgias  (AfK-Nr.: 409/410)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Die übergeordnete Frage im „Gorgias“ lautet: Wie soll man leben? Allerdings springt einem diese Frage als Thema zumindest zu Beginn des Dialogs noch nicht ins Auge. Der Dialog ist insgesamt sehr unterhaltsam; unter anderem, weil Sokrates‘ Gesprächspartner Gorgias, vor allem aber Polos und Kallikles ziemlich breitbeinig, provokativ und zunehmend schamlos auftreten. Am Ende des Dialogs kann man (vielleicht) sehen, wie die argumentierende Philosophie gegen offensive Schamlosigkeit schließlich an ihre Grenzen stößt.
Im Seminar soll auf unterschiedlichen Ebenen in Platons Philosophie und in die Eigenheiten der Dialogform eingeführt werden. Zum einen werden wir versuchen, die Struktur des Textes zu rekonstruieren. Zum anderen bemühen wir uns zu verstehen, wie Platons Sokrates die Art der Argumentation seinem jeweiligen Gesprächspartner anpasst. – Das Seminar ist auch für Studienanfänger geeignet.
Text (zur Anschaffung): Platon: Gorgias, Stuttgart: Reclam 2013.


[Si] TL;DR? Die kürzesten Aufsätze aus der theoretischen Philosophie  (AfK-Nr.: 407/408)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 14:00 - 16:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Viele der berühmtesten Werke der Philosophie sind dicke Bücher. Manchmal kommt gute Philosophie aber auch mit wenigen Sätzen aus. In diesem Seminar werden wir einige der kürzesten Aufsätze aus der theoretischen Philosophie lesen. Wir lesen dabei nur Texte, die in philosophischen Fachzeitschriften erschienen sind. Die Themen, die uns begegnen werden, stammen aus unterschiedlichen Gebieten der theoretischen Philosophie, vor allem aus Sprachphilosophie, Erkenntnistheorie, Logik und Metaphysik. Es geht unter anderem um Wissen, Vagheit, Kausalität, logisches Schließen, philosophische Rätsel und Paradoxien, die Frage, ob ein Wal ein Fisch ist, und die Frage, was die beste Frage ist.

Das Seminar richtet sich an alle, die Interesse an Fragen der theoretischen Philosophie haben und Freude am Lesen und Schreiben von kurzen Texten.

Die Texte, die wir lesen werden, sind alle (oder zumindest fast alle) auf Englisch. Der Plan ist, dass wir die Texte gemeinsam im Seminar lesen. Als Vor- und Nachbereitung werden wir über das, was wir im Seminar gelesen haben, weiter nachdenken und uns außerdem darin üben, selbst kurze philosophische Texte zu schreiben.


[Si] Warum moralisch sein?  (AfK-Nr.: 403/404)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Die Frage „Warum moralisch sein?“ hat in der Philosophie – und wohl auch außerhalb der Philosophie – keinen besonders guten Ruf. Außerhalb der Philosophie liegt das vermutlich am skeptischen und teils trotzigen Unterton der Frage. Wer fragt, warum er moralisch handeln solle, ist vielleicht nicht unbedingt geneigt, den Ansprüchen der Moral zu genügen.
Das philosophische Unbehagen an der Frage hat einen anderen Grund. Es beruht weniger auf den skeptischen Untertönen als auf einem Zweifel daran, dass es sich bei »Warum moralisch sein?« um eine sinnvolle oder hinreichend klare Frage handelt. Denn sicher kann die Frage Verschiedenes bedeuten: Warum sollten uns moralische Gründe motivieren? Warum sollte ich gegebenenfalls mein Eigeninteresse zugunsten der Moral zurückstellen? Warum kann die Moral überhaupt Ansprüche an unser Handeln stellen? Etc. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass die Frage „Warum moralisch sein?“ kaum noch unmittelbarer Gegenstand zeitgenössischer philosophischer Debatten ist.
Im Rahmen eines philosophischen Seminars hat die Mehrdeutigkeit allerdings auch einen Vorteil: Es lassen sich überblickhaft Fragen zur moralischen Motivation, zum Amoralismus, zur Rationalität der Moral, zum Verhältnis von theoretischer und praktischer Vernunft, oder zu moralischer Gewissheit stellen. Ziel des Seminars ist es, die unterschiedlichen Fragen und Problemstellungen genauer zu bestimmen, ihre Unterschiede und Zusammenhänge herauszuarbeiten und zu untersuchen, was jeweils auf dem Spiel steht, wenn wir fragen: „Warum moralisch sein?“.
Ein Reader wird zur Verfügung gestellt.


[Si] Was können wir wissen?  (AfK-Nr.: 403/404)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 14:00 - 16:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 113
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 113

Kommentar:

Seit Menschen Philosophie treiben, quält die Frage, was wir wissen können – und ob wir strenggenommen überhaupt etwas wissen können. Haben wir nicht letztlich meist nur sehr vorläufige Meinungen, die kaum belastbarer sind als halbwegs gut begründete Vermutungen? Gilt das nicht zumindest für etliche wichtige Bereiche – etwa für unsere Meinungen über die objektive Beschaffenheit der Natur oder auch über das, was andere Menschen denken und fühlen (das sogenannte ‚Fremdpsychische‘)?
Die Geschichte ist voller einflussreicher skeptischer Argumente, die zeigen sollen, dass wir sehr viel weniger wissen können, als optimistisch Gestimmte unter uns anzunehmen geneigt sind. Etliche dieser Argumente sind auf den ersten (und zweiten) Blick durchaus herausfordernd. Eine Beschäftigung mit ihnen verrät einiges über unsere ‚epistemische Situation‘ – und sei es letztlich dadurch, dass wir nachvollziehen, inwiefern diese Argumente am Ende (voraussichtlich) doch scheitern.
Im Seminar werden wir wichtige skeptische Argumente aus der Geschichte der Philosophie kennenlernen und zeitgenössische Antworten auf diese skeptischen Herausforderungen prüfen. Dabei werden wir auch immer die aktuelle gesellschaftliche Relevanz der Diskussion unserer ‚epistemischen Situation‘ mitbedenken: Denn die in den letzten Jahren um sich greifende Wissenschaftsfeindlichkeit greift nicht selten skeptische Motive auf (wenn auch auf oberflächliche Weise) und bedient – und fördert – oft genug eine vage ‚skeptische Grundstimmung‘.


[Si] Weder für die Schule noch für das Leben – zur Funktion der Pädagogik im Kapitalismus  (AfK-Nr.: 413/414)
Durchführung: Block
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
5 Einzeltermine:
Di. 15.12.2026,12.00 - 14.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 012
Mi. 24.02.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Do. 25.02.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Mi. 03.03.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Do. 04.03.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Kaum ein Wahlkampf kommt ohne die immer selbe Behauptung aus: Bildung ist von überragender Bedeutung! Die Schulen aber sind marode und ungerecht, Lehrkräfte überlastet und Schüler*innen den Anforderungen der Gegenwart angeblich immer weniger gewachsen. Seit Jahrzehnten wird deshalb ein bildungspolitischer Aufbruch angekündigt. Nur der Aufbruch selbst bleibt zuverlässig aus.
Das lässt sich schwerlich mit der allgemeinen Langsamkeit demokratischer Politik oder einer schwierigen ökonomischen Lage erklären. Wo ein politisches Ziel tatsächlich als dringlich gilt, können demokratische Staaten innerhalb kürzester Zeit Milliarden mobilisieren, Produktionskapazitäten ausbauen und erhebliche gesellschaftliche Ressourcen in eine neue Richtung lenken – wie die kurzfristige Mobilisierung gewaltiger Summen nach der „Zeitenwende“ für die Aufrüstung zeigt. Wenn eine vergleichbare Mobilisierung im Bildungswesen trotz des ständig beschworenen Notstands ausbleibt, liegt ein anderer Verdacht nahe: Vielleicht funktionieren Schulen gar nicht so schlecht. Vielleicht erfüllen sie ihre gesellschaftliche Aufgabe sogar ziemlich zuverlässig. Nur besteht ihre gesellschaftliche Funktion dann offenbar in etwas anderem als in der freien Entfaltung junger Menschen.
In diesem Seminar werden Texte gelesen, die Pädagogik und Lehranstalten nicht von ihren normativen Versprechen her betrachten, sondern nach ihrem Beitrag zur Reproduktion der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung fragen. Zu den unterschiedlichen Diagnosen gehören: Schulen sortieren Menschen nach Leistung, verteilen Berechtigungen und weisen ihnen unterschiedliche gesellschaftliche Laufbahnen zu. Sie organisieren Lernen in Konkurrenz, gewöhnen an fremdgesetzte Anforderungen und machen individuellen Erfolg wie individuelles Scheitern zurechenbar. Dabei bedienen sie sich jener Mittel, die ihren erklärten Bildungszielen widersprechen: Selbstständigkeit soll unter Zeitdruck entstehen, Lernbereitschaft durch Notendruck, Kooperation unter Konkurrenzbedingungen und Mündigkeit durch die Unterwerfung unter institutionell gesetzte Anforderungen.
Diese Widersprüche sind nicht bloß der Preis, den eine Institution mit besten Intentionen für ihre praktische Umsetzung zahlen muss. Das Seminar untersucht, inwiefern Konkurrenz, Selektion, Disziplinierung und Ideologisierung nicht Fehlentwicklungen, sondern am Ende Funktionen des Bildungswesens im Kapitalismus sind. Nur am Rande wird es daher um die Frage gehen, wie Pädagogik innerhalb der bestehenden Gesellschaft besser, gerechter oder inklusiver gestaltet werden könnte. Im Zentrum steht eine Fundamentalkritik der Pädagogik und ihrer gesellschaftlichen Institutionen. Am Ende stellen wir uns grundsätzlich die Frage nach einer emanzipativen Pädagogik und danach, wie sie implementiert werden kann.
Mögliche Seminarliteratur (Auswahl steht noch aus)
• Karl Marx: ausgewählte Texte zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Reproduktion
• Talcott Parsons: „Die Schulklasse als soziales System“
• Louis Althusser: „Ideologie und ideologische Staatsapparate“
• Siegfried Bernfeld: Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung
• Theodor W. Adorno: „Theorie der Halbbildung“
• Michel Foucault: Auszüge aus Überwachen und Strafen
• Heinz-Joachim Heydorn: Auszüge aus Über den Widerspruch von Bildung und Herrschaft
• Samuel Bowles und Herbert Gintis: Schooling in Capitalist America: Educational Reform and the Contradictions of Economic Life
• Freerk Huisken: Erziehung im Kapitalismus. Von den Grundlügen der Pädagogik und dem unbestreitbaren Nutzen der bürgerlichen Lehranstalten
• Paulo Freire: Auszüge aus Pädagogik der Unterdrückten
• bell hooks: Auszüge aus Teaching to Transgress. Education as the Practice of Freedom
• Elizabeth Ellsworth: „Why Doesn’t This Feel Empowering? Working Through the Repressive Myths of Critical Pedagogy“

Das Seminar findet als Blockseminar statt. Die Vorbesprechung muss leider außerhalb der Kernlehrzeiten liegen und findet deshalb abends statt. Bei Bedarf kann diese online stattfinden. Er wird in der letzten Woche vor Weihnachten stattfinden. Uhrzeit und Länge der Blocktermine sind verhandelbar.


 

Zu belegen sind zwei Veranstaltungen, davon höchstens eine Vorlesung (falls angeboten).

[Si] Irrationalität
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.10.2026
wöchentlich Mo. 12:00 - 14:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012
nächster Termin: 12.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012

Kommentar:

Wenn uns das, was eine Person denkt, wünscht oder tut, falsch oder unverständlich erscheint, dann haben wir wenig Hemmung, dies – oder gar sie – als »irrational« zu bezeichnen. Aber was genau meint man damit? Meint man, dass sie etwas denkt, das objektiv oder unserer Meinung nach falsch ist? Dass sie Handlungen vollzieht, die objektiv oder unserer Meinung nach nicht geeignet sind, ihre Ziele zu erreichen?

Wie verhält es sich mit Fällen, in denen Menschen sich an Überzeugungen orientieren, von denen wir wissen, dass sie falsch sind, oder vor etwas Angst haben, dass unseres Wissens nicht gefährlich ist? Sind das bereits Fälle, in denen Irrationalität vorliegt? Oder bedarf es weiterer Voraussetzungen, die in der Person liegen, über die wir urteilen?

Solche Voraussetzungen spielen offenkundig eine Rolle für grundlegende Formen der Irrationalität, die gewöhnlich unterschieden werden: Willensschwäche (nicht zu tun, das zu tun gemäß der eigenen Überzeugungen das Beste ist), Wunschdenken (von etwas überzeugt sein, weil man selbst sich wünscht, die Welt mache die Überzeugung wahr), Handeln wider besseres Wissen (etwas tun, von dem man selbst weiß, dass es scheitern wird), Selbsttäuschung (sich selbst dazu zu bringen, etwas für wahr zu halten) und von etwas überzeugt sein, das nach eigener Auffassung diskreditiert ist. In diesen Fällen werden offenkundig Standards der Rationalität verletzt, mit deren Hilfe Grenzen der Verständlichkeit ausgezeichnet werden können. Denn was könnte es heißen, solche irrationalen Aktivitäten zu verstehen – für uns und für die agierende Person selbst?

Im Seminar sollen die Spielräume untersucht werden, die unterschiedliche Philosophien des Geistes dafür bereitstellen, dem Phänomen der Irrationalität angemessen Rechnung zu tragen. Dabei soll auch untersucht werden, ob es sinnvoll ist, unterschiedliche Arten oder Grade der Irrationalität zu unterscheiden.

Literatur
-Brandom, Robert B. (2002): »Introduction: Five Conceptions of Rationality«, in: Ders.: Tales of the Mighty Dead. Historical Essays in the Metaphysics of Intentionality, Cambridge, Mass., London: Harvard University Press, S. 1-17.
-Davidson, Donald (1969b): »Wie ist Willensschwäche möglich?«, in: Ders.: Handlung und Ereignis, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1990, S. 43-72.
-Davidson, Donald (1982b): »Paradoxien der Irrationalität«, in: Ders.: Probleme der Rationalität, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2006, S. 285-315.
-Davidson, Donald (1985a): »Inkohärenz und Irrationalität«, in: Ders.: Probleme der Rationalität, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2006, S. 316-331.
-Gardner, Sebastian (1993): Irrationality and the Philosophy of Psychoanalysis, Cambridge: Cambridge University Press.
-Lear, Jonathan (1998a): »Restlessness, Phantasy, and the Concept of Mind«, in: Ders.: Open Minded. Working out the Logic of the Soul, Harvard: Harvard University Press, S. 80-122.
-Nagel, Thomas (1994): »Freud’s Permanent Revolution«, in: Ders.: Other Minds. Critical Essays 1969-1994, New York, Oxford: Oxford University Press 1995, S. 26-44.
-Stocker, Michael, Elizabeth Hegeman (2000): »Aristotelian Akrasia, Weakness of the Will and Psychoanalytic Regression«, in: M. Levine (Hg.): The Analytic Freud, London, New York: Routledge, S. 135-153.


[Si] Klimaethik  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 16:00 - 18:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 103
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 103

Kommentar:

Der Klimawandel wird seit vielen Jahrzehnten der Klimaforschung mit einer Reihe von dramatischen Zukunftsszenarien verbunden: Naturkatastrophen, Extremwetterereignisse, das Aussterben ganzer Spezies einschließlich des Menschen und humanitären Ausnahmezuständen wie Krieg, Hunger, Wasserknappheit, Epidemien, Flucht. Diese Szenarien werden immer konkreter und erfahrbarer, auch in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas. Und sie werfen eine Reihe von normativen Problemen auf, die in der neuen Disziplin der Klimaethik diskutiert werden. Zur diesen gehören Fragen nach Klimawandel und Gerechtigkeitsproblemen, nach dem Verhältnis zwischen den Generationen, nach individueller, kollektiver und planetarischer Verantwortung, nach Pflichten, Verzicht und Verboten und nach Klimakrise und Kolonialismus, Rassismus und Sexismus.

Das Seminar widmet sich diesen normativen Fragen mit einer Reihe von aktuellen Beiträgen aus der Moralphilosophie und politischen Theorie. Die Textgrundlage ist der Reader "Klimaethik", hrsg. von Lukas Sparenborg und Darrel Moellendorf, Berlin 2025.


[Si] Medizinethik  (AfK-Nr.: 411/412)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 012

Kommentar:

Ist es moralisch in Ordnung, wenn Jens Spahn ein Kind über eine Leihmutter bekommt? Sollte es in Deutschland ein institutionelles Recht auf Sterben geben? (Wann) kann ich einer medizinischen Prozedur wirklich frei zustimmen?
Das alles sind Fragen der Medizinethik, die wir im Seminar diskutieren werden. Das Seminar ist dreigeteilt: Im ersten Teil werden grundlegende Fragestellungen und Konzepte dieser Debatten besprochen, z.B. wann Leben beginnt oder was Menschenwürde umfasst. Im zweiten Teil werden wir verschiedene Positionen zu den Themengebieten Abtreibung und Sterbehilfe diskutieren. Im letzten Teil widmen wir uns aktuellen Diskursen der Medizinethik, unter anderem im Hinblick auf Leihmutterschaft oder Organverkauf.

Ein Großteil der Texte ist ausschließlich in englischer Sprache vorhanden.

WICHTIG: Die Prüfungsleistung besteht aus einem Portfolio, das eng mit dem Seminarprozess verbunden ist. Die Hälfte der Bestandteile muss bereits im Seminar zu verschiedenen Zeiten abgegeben werden. Es handelt sich dabei um analytische Auseinandersetzungen bei der Lektüre der Seminartexte. Nehmen Sie also bitte nur Teil, wenn Sie im Semester Zeit dafür aufbringen können.


[Si] Menschenwürde und Menschenrechte  (AfK-Nr.: 413/414)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 12.10.2026
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 116
nächster Termin: 12.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 116

Kommentar:

In diesem Seminar wollen wir uns nicht den Standard-Texten der (analytisch-)philosophischen Menschenrechts- und Menschenwürdeschule widmen. Stattdessen wollen wir nachvollziehen, was verloren geht, wenn wir stets auf die immergleichen Texte schauen. Menschenrechte, das sind einer unkontroversen Intuition nach doch diejenigen Rechte, die Menschen haben, einfach, weil sie Menschen sind. Ein Blick in die Welt und in einen Großteil der philosophischen Literatur bringt allerdings nichts als Ernüchterung: Weder in der Begründung noch in der Praxis haben alle Menschen Menschenrechte, einfach, weil sie Menschen sind. Woran liegt das? Im Seminar werden wir verschiedene Erklärungsansätze nachvollziehen: Wir werden über „den Menschen“ (Anthropologie, Höffe) und über „das Menschliche“ (Lebensphilosophie, Agamben) der Menschenrechte sprechen. Wir werden die „dunklen Seiten der Menschenrechte“ (O’Neill) beleuchten und darüber nachdenken, was es eigentlich heißt, Menschenrechte zu beanspruchen (Camus, Shklar). Schließlich werden wir die Menschenwürde in ihren Momenten der brutalsten Zerstörung suchen (Holocaust-Literatur, Améry) und den Menschen nach seinem Platz in der weltlichen Ordnung befragen (Ideengeschichte der Menschenwürde).

Weil dieses Seminar als eine Kritik am analytischen Menschenrechts- und Menschenwürdediskurs zu verstehen ist, wird der Dozent jene wichtigsten Positionen aufbereitet nachzeichnen, sodass kein Vorwissen benötigt wird. Es wird die Möglichkeit geben, neben klassischen Hausarbeiten und Essays auch ein Portfolio einzureichen. Im Laufe des Seminars werden wir Gruppenarbeiten in Text-Expert:innengruppen durchführen.

Das Ziel des Seminars lässt sich wohl am besten an einer kürzlichen Feststellung von Adam Etinson illustrieren. Im Seminar wollen wir nachvollziehen, dass „the [human rights] debate is as much about the nature and limits of philosophy as it is about human rights” (Etinson, A. (2018): Introduction. In: Etinson, A. (Hg.): Human Rights. Moral or Political? Oxford University Press, 1-38, hier S. 5).


[Si] TL;DR? Die kürzesten Aufsätze aus der theoretischen Philosophie  (AfK-Nr.: 407/408)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 14:00 - 16:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Viele der berühmtesten Werke der Philosophie sind dicke Bücher. Manchmal kommt gute Philosophie aber auch mit wenigen Sätzen aus. In diesem Seminar werden wir einige der kürzesten Aufsätze aus der theoretischen Philosophie lesen. Wir lesen dabei nur Texte, die in philosophischen Fachzeitschriften erschienen sind. Die Themen, die uns begegnen werden, stammen aus unterschiedlichen Gebieten der theoretischen Philosophie, vor allem aus Sprachphilosophie, Erkenntnistheorie, Logik und Metaphysik. Es geht unter anderem um Wissen, Vagheit, Kausalität, logisches Schließen, philosophische Rätsel und Paradoxien, die Frage, ob ein Wal ein Fisch ist, und die Frage, was die beste Frage ist.

Das Seminar richtet sich an alle, die Interesse an Fragen der theoretischen Philosophie haben und Freude am Lesen und Schreiben von kurzen Texten.

Die Texte, die wir lesen werden, sind alle (oder zumindest fast alle) auf Englisch. Der Plan ist, dass wir die Texte gemeinsam im Seminar lesen. Als Vor- und Nachbereitung werden wir über das, was wir im Seminar gelesen haben, weiter nachdenken und uns außerdem darin üben, selbst kurze philosophische Texte zu schreiben.


[Si] Warum moralisch sein?  (AfK-Nr.: 403/404)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.10.2026
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117
nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 117

Kommentar:

Die Frage „Warum moralisch sein?“ hat in der Philosophie – und wohl auch außerhalb der Philosophie – keinen besonders guten Ruf. Außerhalb der Philosophie liegt das vermutlich am skeptischen und teils trotzigen Unterton der Frage. Wer fragt, warum er moralisch handeln solle, ist vielleicht nicht unbedingt geneigt, den Ansprüchen der Moral zu genügen.
Das philosophische Unbehagen an der Frage hat einen anderen Grund. Es beruht weniger auf den skeptischen Untertönen als auf einem Zweifel daran, dass es sich bei »Warum moralisch sein?« um eine sinnvolle oder hinreichend klare Frage handelt. Denn sicher kann die Frage Verschiedenes bedeuten: Warum sollten uns moralische Gründe motivieren? Warum sollte ich gegebenenfalls mein Eigeninteresse zugunsten der Moral zurückstellen? Warum kann die Moral überhaupt Ansprüche an unser Handeln stellen? Etc. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass die Frage „Warum moralisch sein?“ kaum noch unmittelbarer Gegenstand zeitgenössischer philosophischer Debatten ist.
Im Rahmen eines philosophischen Seminars hat die Mehrdeutigkeit allerdings auch einen Vorteil: Es lassen sich überblickhaft Fragen zur moralischen Motivation, zum Amoralismus, zur Rationalität der Moral, zum Verhältnis von theoretischer und praktischer Vernunft, oder zu moralischer Gewissheit stellen. Ziel des Seminars ist es, die unterschiedlichen Fragen und Problemstellungen genauer zu bestimmen, ihre Unterschiede und Zusammenhänge herauszuarbeiten und zu untersuchen, was jeweils auf dem Spiel steht, wenn wir fragen: „Warum moralisch sein?“.
Ein Reader wird zur Verfügung gestellt.


[Si] Was können wir wissen?  (AfK-Nr.: 403/404)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 14:00 - 16:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 113
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 113

Kommentar:

Seit Menschen Philosophie treiben, quält die Frage, was wir wissen können – und ob wir strenggenommen überhaupt etwas wissen können. Haben wir nicht letztlich meist nur sehr vorläufige Meinungen, die kaum belastbarer sind als halbwegs gut begründete Vermutungen? Gilt das nicht zumindest für etliche wichtige Bereiche – etwa für unsere Meinungen über die objektive Beschaffenheit der Natur oder auch über das, was andere Menschen denken und fühlen (das sogenannte ‚Fremdpsychische‘)?
Die Geschichte ist voller einflussreicher skeptischer Argumente, die zeigen sollen, dass wir sehr viel weniger wissen können, als optimistisch Gestimmte unter uns anzunehmen geneigt sind. Etliche dieser Argumente sind auf den ersten (und zweiten) Blick durchaus herausfordernd. Eine Beschäftigung mit ihnen verrät einiges über unsere ‚epistemische Situation‘ – und sei es letztlich dadurch, dass wir nachvollziehen, inwiefern diese Argumente am Ende (voraussichtlich) doch scheitern.
Im Seminar werden wir wichtige skeptische Argumente aus der Geschichte der Philosophie kennenlernen und zeitgenössische Antworten auf diese skeptischen Herausforderungen prüfen. Dabei werden wir auch immer die aktuelle gesellschaftliche Relevanz der Diskussion unserer ‚epistemischen Situation‘ mitbedenken: Denn die in den letzten Jahren um sich greifende Wissenschaftsfeindlichkeit greift nicht selten skeptische Motive auf (wenn auch auf oberflächliche Weise) und bedient – und fördert – oft genug eine vage ‚skeptische Grundstimmung‘.


[Si] Weder für die Schule noch für das Leben – zur Funktion der Pädagogik im Kapitalismus  (AfK-Nr.: 413/414)
Durchführung: Block
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
5 Einzeltermine:
Di. 15.12.2026,12.00 - 14.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 012
Mi. 24.02.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Do. 25.02.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Mi. 03.03.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001
Do. 04.03.2027,10.00 - 16.00 Uhr   Rathenaustraße 10, 001

Kommentar:

Kaum ein Wahlkampf kommt ohne die immer selbe Behauptung aus: Bildung ist von überragender Bedeutung! Die Schulen aber sind marode und ungerecht, Lehrkräfte überlastet und Schüler*innen den Anforderungen der Gegenwart angeblich immer weniger gewachsen. Seit Jahrzehnten wird deshalb ein bildungspolitischer Aufbruch angekündigt. Nur der Aufbruch selbst bleibt zuverlässig aus.
Das lässt sich schwerlich mit der allgemeinen Langsamkeit demokratischer Politik oder einer schwierigen ökonomischen Lage erklären. Wo ein politisches Ziel tatsächlich als dringlich gilt, können demokratische Staaten innerhalb kürzester Zeit Milliarden mobilisieren, Produktionskapazitäten ausbauen und erhebliche gesellschaftliche Ressourcen in eine neue Richtung lenken – wie die kurzfristige Mobilisierung gewaltiger Summen nach der „Zeitenwende“ für die Aufrüstung zeigt. Wenn eine vergleichbare Mobilisierung im Bildungswesen trotz des ständig beschworenen Notstands ausbleibt, liegt ein anderer Verdacht nahe: Vielleicht funktionieren Schulen gar nicht so schlecht. Vielleicht erfüllen sie ihre gesellschaftliche Aufgabe sogar ziemlich zuverlässig. Nur besteht ihre gesellschaftliche Funktion dann offenbar in etwas anderem als in der freien Entfaltung junger Menschen.
In diesem Seminar werden Texte gelesen, die Pädagogik und Lehranstalten nicht von ihren normativen Versprechen her betrachten, sondern nach ihrem Beitrag zur Reproduktion der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung fragen. Zu den unterschiedlichen Diagnosen gehören: Schulen sortieren Menschen nach Leistung, verteilen Berechtigungen und weisen ihnen unterschiedliche gesellschaftliche Laufbahnen zu. Sie organisieren Lernen in Konkurrenz, gewöhnen an fremdgesetzte Anforderungen und machen individuellen Erfolg wie individuelles Scheitern zurechenbar. Dabei bedienen sie sich jener Mittel, die ihren erklärten Bildungszielen widersprechen: Selbstständigkeit soll unter Zeitdruck entstehen, Lernbereitschaft durch Notendruck, Kooperation unter Konkurrenzbedingungen und Mündigkeit durch die Unterwerfung unter institutionell gesetzte Anforderungen.
Diese Widersprüche sind nicht bloß der Preis, den eine Institution mit besten Intentionen für ihre praktische Umsetzung zahlen muss. Das Seminar untersucht, inwiefern Konkurrenz, Selektion, Disziplinierung und Ideologisierung nicht Fehlentwicklungen, sondern am Ende Funktionen des Bildungswesens im Kapitalismus sind. Nur am Rande wird es daher um die Frage gehen, wie Pädagogik innerhalb der bestehenden Gesellschaft besser, gerechter oder inklusiver gestaltet werden könnte. Im Zentrum steht eine Fundamentalkritik der Pädagogik und ihrer gesellschaftlichen Institutionen. Am Ende stellen wir uns grundsätzlich die Frage nach einer emanzipativen Pädagogik und danach, wie sie implementiert werden kann.
Mögliche Seminarliteratur (Auswahl steht noch aus)
• Karl Marx: ausgewählte Texte zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Reproduktion
• Talcott Parsons: „Die Schulklasse als soziales System“
• Louis Althusser: „Ideologie und ideologische Staatsapparate“
• Siegfried Bernfeld: Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung
• Theodor W. Adorno: „Theorie der Halbbildung“
• Michel Foucault: Auszüge aus Überwachen und Strafen
• Heinz-Joachim Heydorn: Auszüge aus Über den Widerspruch von Bildung und Herrschaft
• Samuel Bowles und Herbert Gintis: Schooling in Capitalist America: Educational Reform and the Contradictions of Economic Life
• Freerk Huisken: Erziehung im Kapitalismus. Von den Grundlügen der Pädagogik und dem unbestreitbaren Nutzen der bürgerlichen Lehranstalten
• Paulo Freire: Auszüge aus Pädagogik der Unterdrückten
• bell hooks: Auszüge aus Teaching to Transgress. Education as the Practice of Freedom
• Elizabeth Ellsworth: „Why Doesn’t This Feel Empowering? Working Through the Repressive Myths of Critical Pedagogy“

Das Seminar findet als Blockseminar statt. Die Vorbesprechung muss leider außerhalb der Kernlehrzeiten liegen und findet deshalb abends statt. Bei Bedarf kann diese online stattfinden. Er wird in der letzten Woche vor Weihnachten stattfinden. Uhrzeit und Länge der Blocktermine sind verhandelbar.


[Si] Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben? Feministische Perspektiven auf die Zukunft  (AfK-Nr.: 413/414)
Dozent/-in:
Format:
in Präsenz
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 13.10.2026
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 102
nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Rathenaustraße 10, 102

Kommentar:

Das Seminar soll einen positiven und konstruktiven Blick auf die Zukunft richten und u.a. folgende Fragen diskutieren: Welche gesellschaftlichen Narrative gibt es über die Zukunft bestimmter Personen (z.B. behinderter und trans* Personen)? Wie wollen wir (gerade für Personen, denen ihre Zukunft abgesprochen wird) die Zukunft gestalten? Wie sieht eine Zukunft ohne patriarchale Familienstrukturen, restriktive Gender-Praktiken, Kapitalismus, Gefängnisse, Polizei, etc. aus? Wie gestalten wir Community-basierte Care-Praktiken? Welche Arten von Beziehungen wollen wir führen? Was ist die Zukunft marginalisierter Philosophie?
Das Seminar soll sich damit von dem oftmals abstrakten Fokus der Philosophie lösen und konkrete Konzepte des Zusammenlebens sowohl im Rahmen aktueller Unterdrückung als auch nach dem Überwinden von cis-hetero patriarchalen, ableistischen, kapitalistischen, rassistischen, kolonialen, etc. Strukturen entwickeln.


nach oben | Kontakt: evv@uni-giessen.de