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Sie sind hier: StartFachbereich 03: Sozial- und KulturwissenschaftenMasterstudiengänge MusikwissenschaftModul 03: Historische Musikwissenschaft II (03 MA Mus 03)
Vorlesungsverzeichnis: SoSe 2019

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Fachbereich 03: Sozial- und Kulturwissenschaften - Masterstudiengänge Musikwissenschaft - Modul 03: Historische Musikwissenschaft II (03 MA Mus 03)

Veranstaltungen

 

Zu belegen sind zwei Lehrveranstaltungen zur Historischen Musikwissenschaft (LV 1 und LV 2).

 

 
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Legende



[Si] "That which colours the mind – eine Einführung in die klassische indische Musik“
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.04.2019
wöchentlich Mi. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. II, D 008

Zielgruppen:
AMW Ma; ATW Ba  |  ATW Ma; GK MP Ba  |  GuK MP Ma; GuK MW Ba  |  GuK MW Ma; MW Ba; MP Ba;  |  MP Ba; L2, 3, 5, PV; WPV, oSem

Kommentar:

1. Der indische Subkontinent ist die Heimat zweier großer Kunstmusiktraditionen, der südindischen „karnatischen“ Musik und der nordindischen „Hindustani“ Musik, die im Westen nicht zuletzt durch Musiker wie Ravi Shankar und dessen wohl berühmtesten Schüler George Harrison Bekanntheit erlangte. Das Seminar bietet einen Überblick zu Geschichte, Konzepten, Ideen und Idealen der klassischen indischen Musik und untersucht deren Einfluss auf andere Musiken.
2. Voraussetzungen für den Scheinerwerb: Aktive und regelmäßige Teilnahme sowie benotetes dokumentiertes Referat und ein kurzes Paper.
3. Teilnahmevoraussetzungen: Keine.


[Si] Augustinus: Die Wissenschaft der Musik
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.04.2019
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. II, D 009

Zielgruppen:
AMW Ma; ATW Ba  |  ATW Ma; GK MP Ba  |  GuK MP Ma; GuK MW Ba  |  GuK MW Ma; MW Ba; MP Ba;  |  L2, L3, L5 PV, WPV. oSem.

Kommentar:

In diesem Seminar widmen wir uns der Lektüre eines der grundlegenden Texte unseres Faches. In seinem Werk De musica befasst sich Augustinus von Hippo, der zwischen dem 4. und 5. Jahrhundert lebende Philosoph und Kirchenvater, mit einem Begriff von Musik, der uns heute überraschend erschient. In der Antike war mit dem Wort musica weitaus mehr gemeint, als das, was wir heute damit verbinden: organisierter Klang. Für Augustinus hat Musik mit Sprache, mit Bewegung des Körpers, mit Zahl und mit vielem mehr zu tun. Der Text, der im Fokus dieses Seminars steht, öffnet uns eine überraschende musikalische Welt zwischen Antike und frühes Mittelalter, die den Anstoß gibt, über unserer eigenen Vorstellung des Begriffes Musik nachzudenken. Die Lektüre ausgewählter Textabschnitten in deutscher Übersetzung ermöglicht uns einen ersten Einblick in die Philosophie der Musik und in eine frühe Reflexion zur Musikästhetik zu bekommen und gleichzeitig in einer der spannendsten Diskussionen über die Rolle, die Musik für den Menschen spielen kann.


Literatur

Augustinus, De musica: Bücher I und VI. Vom ästhetischen Urteil zur metaphysischen Erkenntnis, eingeleitet, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Frank Hentschel, Hamburg 2002
Augustinus, Confessiones, hg. von Kurt Flasch und Burkhard Mojsisch, Stuttgart 2009.
Marianne Massin, La musique selon saint Augustin, une rédemption du sensible?, in: Musica corporis. Savoirs et arts du corps de l’antiquité à l’âge humaniste et classique, hg. von Florence Malhomme und Elisabetta Villari, Turnhout 2011, S. 139–157.
Frank Hentschel, The sensuous music aesthetics of the Middle Ages: the cases of Augustine, Jacques de Liège and Guido of Arezzo, in: Plainsong and medieval music, XX, 1 (2011), S. 1–29.
Silke Wulf, Zeit der Musik: Vom Hören der Wahrheit in Augustinus „De Musica“, Freiburg i. Br. 2013


[Si] From No Time to Ragtime: Jazz in America and Europe
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.04.2019
wöchentlich Mo. 14:00 - 16:00 Uhr,  Phil. II, D 009
Einzeltermin:
Mo. 17.06.2019,18.00 - 20.00 Uhr   Phil. II, D 008

Zielgruppen:
AMW Ma; ATW Ba  |  ATW Ma; GK MP Ba  |  GuK MP Ma; GuK MW Ba  |  GuK MW Ma; MW Ba  |  MP Ba; L2, 3, 5, PV; WPV. oSem.

Kommentar:

Jazz ist ein untrennbarer Teil der afro-amerikanischen musikalischen, kulturellen und sozialen Tradition. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges entwickelte er sich jedoch schnell zu einem internationalen Phänomen, das durch eine Vielfalt musikalischer Realisierungen gekennzeichnet ist. Dieser Formenreichtum ist auch in seiner rasanten stilistischen Entwicklung erkennbar. Die am häufigsten genannten Varianten sind: Dixieland, Swing, Bebop, Cool Jazz, Hard Bop, Avantgarde und/oder Free Jazz, Latin Jazz, Jazz Fusion und Electro-Jazz. Die Geschichte der Entwicklung dieser vielfältigen Formen charakterisiert auch die Wahrnehmung des künstlerischen und ästhetischen Wertes des Jazz. Ursprünglich betrachtet als eine Form der Populär-und Tanzmusik, hat er inzwischen (zumindest teilweise) das Kunstmusiksystem integriert.

Das Ziel dieses zweisprachigen Englisch-Deutschkurses ist dreifach. Erstens soll den Studierenden die Geschichte des Jazz und seiner Stilformen näher gebracht werden. Anhand von Beispielen aus dem Jazz-Kanon wird ein Überblick über aktuelle Diskurse zur Entwicklung des Jazz in Amerika und Europa gegeben. Der Kurs wird sich auch auf eine Reihe von weniger bekannten, regionalen Fällen konzentrieren, die im allgemeinen am Rande der Jazzgeschichte bleiben. Diese "nicht-kanonischen" Beispiele deuten auf die Notwendigkeit eines differenzierteren Diskurses hin, der die Vielfalt der Formen, die das Medium Jazz ausmachen, anerkennen kann. Zweitens wird die Bedeutung des kritischen Denkens im Umgang mit einem Diskurs wie Geschichte und Formen des Jazz von seinen Anfängen bis in die ersten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts thematisiert. Drittens haben die Studierenden die Möglichkeit, einige der aktuellen Analysewerkzeuge (einschließlich digitaler Werkzeuge), die im Jazzstudium verwendet werden, kritisch zu hinterfragen.


Jazz is an intrinsic feature of the African-American musical, cultural and social heritage. After the end of World War I, however, it also rapidly blossomed into an international phenomenon characterized by a diversity of musical realizations. Diversity is also perceptible in its rapid stylistic evolution, commonly named variants being Dixieland, Swing, Bebop, Cool Jazz, Hard Bop, Avant-Garde and/or Free Jazz, Latin Jazz, Jazz Fusion, and Electro-Jazz. Moreover, and throughout its history, diversity has characterized the perception of the artistic and aesthetic value of jazz. While originally viewed as a form of popular and dance music, it has since integrated the art music system, at least in part.

The goal of this bilingual English-German course is threefold. Its first aim is to allow students to get better acquainted with the history of jazz and its styles. Drawing on examples taken from the jazz canon, it will give an overview of current discourses on the evolution of jazz in America and Europe. It will also focus on a number of lesser known or regional cases that tend to be left in the margin of jazz history. These ‘non-canonical’ examples are arguably indicative of the need for a more nuanced discourse capable of acknowledging the diversity of forms that constitute the jazz medium. Secondly, the course will thematise the importance of critical thinking when dealing with the history and forms of jazz from its origins to the first decades of the 21st century. Thirdly, students will have the opportunity to critically assess some of the current analytical tools (including digital tools) used in jazz studies.

Literatur

Scott DeVeaux, The Birth of Bebop (Berkeley, Los Angeles, London: University of California Press, 1997).
Nicholas Gebhardt, Nichole Rustin-Paschal, Tony Whyton (eds.), The Routledge Companion to Jazz Studies (London: Routledge, 2018).
Wolf Kampmann, Jazz eine Geschichte von 1900 bis übermorgen (Stuttgart: Reclam, 2016).
Wolfram Knauer, Deutscher Jazz – German Jazz (München: Goethe-Institut, 2007).
Francesco Martinelli, The History of European Jazz: the Music, Musicians and Audience in Context (Sheffield: Equinox, 2018).
Robert G. O'Meally (ed), The Jazz Cadence of American Culture (New York [etc.]: Columbia University Press, 1998).
Michael H. Kater, Different Drummers: Jazz in the Culture of the Nazis (Oxford, New York [etc.]: Oxford University Press, 1992)


[Si] Klaviermusik im 19. Jahrhundert
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.04.2019
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. II, D 008

Zielgruppen:
MP Ba (oSem), MW Ba (oSem), AMW Ma (oSem), ATW Ba (oSem), GK MP Ba (oSem)  |  GuK MW Ba (oSem), GuK MW Ma (oSem), GuK MP Ma (oSem), L3 (oSem)

Kommentar:

1. Zum Thema:
Grundlegende Veränderungen in der musikalischen Praxis und die technischen Entwicklungen des Hammerklaviers führten dazu, dass sich das Klavier im Musikleben des 19. Jahrhunderts – wie kaum ein anderes Instrument – größter Beliebtheit erfreute. In einem Streifzug durch die vielfältige pianistische Literatur des 19. Jahrhunderts von Muzio Clementi bis Maurice Ravel beschäftigen wir uns in dem Seminar mit Werken für Klavier solo (darunter Beethovens „Hammerklavier“-Sonate, Schuberts „Wanderer“-Fantasie) und betrachten form- und gattungsspezifische Merkmale ebenso wie die zeitgenössischen musikästhetischen Debatten und sozio-kulturellen Kontexte.
2. Literatur
Wird noch bekanntgegeben.
3. Voraussetzungen für den Scheinerwerb
Wird in der ersten Sitzung bekanntgegeben.
4. Teilnahmevoraussetzungen
Vgl. die jeweiligen Modulbeschreibungen.


[Vl] Kritische Einführung in die Musikgeschichte IV (Musik der Moderne und der Gegenwart)
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.04.2019
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr,  Phil. II, D 009
5 Einzeltermine:
Do. 16.05.2019,10.00 - 12.00 Uhr   Phil. II, D 008
Mi. 12.06.2019,14.00 - 16.00 Uhr   Phil. II, D 008
Mo. 17.06.2019,16.00 - 18.00 Uhr   Phil. II, D 009
Mo. 08.07.2019,18.00 - 20.00 Uhr   Phil. II, D 008
Mo. 15.07.2019,18.00 - 20.00 Uhr   Phil. II, D 008

Zielgruppen:
AMW Ma; ATW Ba; ATW Ma  |  GK MP Ba; GuK MP Ma  |  GuK MW Ba, GuK MW Ma; MW Ba, MP Ba  |  L2, L3, L5; WPV. oSem.

Kommentar:

Diese Vorlesung ist die Fortsetzung der Vorlesungen aus den früheren Sommersemestern und versteht sich sowohl als Überblicksvorlesung zur Musikgeschichte, als auch als kritischer Einblick in die gängigen historiographischen Kategorien. Während einerseits das traditionelle historische Narrativ am Leben gehalten zu sein scheint, wird er stets hinterfragt und kritisch durchbrochen. Ausgehend von dem Ausgehenden 19. Jahrhundert soll entlang der vielfältigen Erscheinungen der Musik nach Richard Wagner die Entwicklung der Musikgeschichte bis in die Gegenwart verfolgt werden. Dabei werden die wichtigsten kompositorischen und ästhetischen Umbrüche (Auflösung der Tonalität, frühe Avantgarden, Nachkriegszeit, Durchbruch der Popularmusik) sowie die zentralen stilistischen Entwicklungen und Strömungen behandelt. Im Fokus dieser Vorlesung steht die Frage nach dem „Neuen“ als Grundkategorie der Moderne und die Kritik an dem damit verbundenem Fortschrittsnarrativ.

Literatur

Carl Dahlhaus, Grundlagen der Musikgeschichte, [Neuauflage] Laaber 2017
Handbuch der Musik im 20. Jahrhundert, hg. von Elmar Budde, Laaber 1999–2011


[Si] Musikalische Hochbegabung und Wunderkinder
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 26.04.2019
wöchentlich Fr. 08:00 - 10:00 Uhr,  Phil. II, D 007

Zielgruppen:
MW Ba, WPV, GS/HS  |  MP Ba, WPV, GS/HS  |  AMW Ma, WPV, oSem  |  L1, L2, L3, L5, PV/WPV, GS/HS  |  GuK MP Ba, WPV, HS  |  GuK MW Ba, WPV, HS  |  GuK MW Ma, WPV, oSem

Kommentar:

Zum Thema: Musikalisch überdurchschnittlich leistungsfähige Kinder, auch musikalische Hochbegabungen oder Wunderkinder genannt und mit Wolfgang Amadeus Mozart sowie Michael Jackson als paradigmatischen Beispielen, stehen im Mittelpunkt des Seminars. Seit Ende des 19. Jahrhunderts fanden durch Carl Stumpf und Andere erste wissenschaftliche Untersuchungen an Pepito Arriola, Erich Wolfgang Korngold oder Erwin Nyiregyhazi statt, um Mythen und anekdotenhaften Berichten Fakten entgegenzusetzen. Ende der 1980er Jahre begann Hans Günther Bastian mit gleichem Ziel mit der Untersuchung von Biografien musikalischer Hochbegabungen anhand von „Jugend musiziert“-Teilnehmern, was in einem aktuellen Kooperationsprojekt der Universitäten Gießen und Paderborn fortgesetzt wird. Neben der Beschäftigung mit konkreten Forschungsergebnissen sollen auch solche allgemeinen Phänomene wie Musikalische Begabung (Musikalität), Expertise-Erwerb und Absolutes Gehör definiert sowie ihre Messung und Förderung diskutiert werden. Als Abgrenzung findet auch eine Beschäftigung mit Inselbegabungen (Musical Savants) und Normalbegabungen statt.
Literatur: Bastian, H.G.: Jugend am Instrument. Eine Repräsentativstudie. Mainz u. a. 1991; Bazzana, K.: Pianist X: Die Lebensgeschichte eines exzentrischen Genies. Mainz: Schott 2007; Bodsch, I./Biba, O./Fuchs, I. (Hg.): Beethoven und andere Wunderkinder. Bonn 2003; Cooper, B.: Child composers and their works: A historical survey. Lanham 2009; Gembris, H. (Hg.): Begabungsförderung und Begabungsforschung in der Musik. Berlin 2010; Gembris, H.: Grundlagen musikalischer Begabung und Entwicklung. Augsburg 2013; Gembris, H./Kraemer, R.-D./Maas, G. (Hg.): Üben in musikalischer Praxis und Forschung. Musikpädagogische Forschungsberichte 1997. Augsburg 1998; Gruhn, W./Seither-Preisler, A. (Hg.): Der musikalische Mensch. Evolution, Biologie und Pädagogik musikalischer Begabung. Hildesheim 2014; Kaczmarek, S.: Qualität und Struktur des Übens bei musikalisch hochbegabten Jugendlichen. Berlin 2012; Lorek, R.: Musikalische Hochbegabung bei Jugendlichen. Empirische Untersuchungen zur Persönlichkeit und zum Umgang mit Musik. Frankfurt 2000; McPherson, G.E. (Hg.): The child as musician. A Handbook of musical development. Oxford 2016; McPherson, G.E. (Hg.): Musical Prodigies. Interpretations from Psychology, Education, Musicology & Ethnomusicology. Oxford 2016; Olbertz, F.: Musikalische Hochbegabung: Frühe Erscheinungsformen und Einflussfaktoren anhand von drei Fallstudien. Münster 2009; Traudes, J.: Musizierende „Wunderkinder“. Adoration und Observation in der Öffentlichkeit um 1800. Wien, Köln; Weimar 2018; Warwick, J.: Musical Prodigies and Childhood Performance: Child’s Play. London 2018.
Voraussetzungen für den Scheinerwerb: Anforderungen für Bachelor- und Lehramtsstudierende (L1, L2 u. L5 sowie L3, Modul 03-Mus-L3-P-01): Teilnahmeschein bei regelmäßiger Teilnahme und aktiver Mitarbeit (dokumentiert durch Kurzreferat und kleinem Portfolio); Leistungsschein bei zusätzlichem Referat mit schriftlicher Ausarbeitung oder empirischer Projektarbeit mit schriftlicher Ausarbeitung oder Hausarbeit; Anforderungen für Master- und Lehramtsstudierende (L3, Modul 03-Mus-L3-P-06): Teilnahmeschein bei regelmäßiger Teilnahme, aktiver Mitarbeit (kleines Portfolio) und (Kurz-)Referat mit Thesenpapier, Leistungsschein bei zusätzlicher schriftlicher Ausarbeitung (großes Portfolio). Für LV 1 des Master-Moduls 9 muss der Ausgangspunkt für das (Kurz-)Referat eine aktuelle Veröffentlichung (ab 2015) sein.
Teilnahmevoraussetzungen: keine


[Si] Von Cage bis Kreidler
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.04.2019
wöchentlich Di. 12:00 - 14:00 Uhr,  Phil. II, D 009

Zielgruppe:
MP Ba, MW Ba, AMW Ma, ATW Ba, L1, L2, L3, L5

Kommentar:

John Cages Konzept ästhetischer Erfahrung steht paradigmatisch für den in Teilen der Nachkriegs-Avantgarde radikal vollzogenen Bruch mit dem traditionellen Postulat der Werkautonomie und Immanenz europäischer Kunstmusik. Die im Zuge der – von Cage mitbeeinflussten –Fluxusbewegung der 1960er Jahre verfolgten Ideale einer Vereinheitlichung von „Kunst“ und „Leben“ äußern sich in der Negation des Werkbegriffs sowie einer Freisetzung des reflexiven Moments der Kunst. Auch in postseriellen Konzepten dieser Zeit lässt sich eine zunehmende musikalische Reflexivität beobachten; so wird etwa die historische und soziokulturelle Okkupation von musikalischem Material zu einem primären Augenmerk diskursiven Komponierens, welches sich bis heute in medialen, materiellen und institutionellen Dispositiven stetig neu ausprägt.
Im Verlauf des Seminars sollen Musik-Konzepte ab 1950 eine historische Einordnung erfahren. Wir werden uns sowohl mit musikalischen und ideellen Vorläufern beschäftigen als auch eingehend mit Konzeptmusik unserer medienreflexiven Gegenwart auseinandersetzen. Die konkreten Spannungsverhältnisse von Werk, Medium und Reflexionsgehalt dienen dabei als zentraler Ausgangspunkt der Analyse und Diskussion. Angedacht ist die Beschäftigung mit (u.a.): John Cage, Alvin Lucier, Nam June Paik, Helmut Lachenmann, Mauricio Kagel, Gerhard Rühm, Peter Ablinger, Patrick Frank, Johannes Kreidler


[Si] Woyzeck – Wozzeck – Woyzeck: Theater/Musik/Film
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.04.2019
wöchentlich Di. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. II, D 019

Zielgruppen:
AMW Ma; ATW Ba, ATW Ma; GuK MP Ba  |  GuK MP Ma; GuK MW Ba; GuK MW Ma  |  MW Ba; MP Ba; L2, L3, L5; WPV, oSem

Kommentar:

Georg Büchners Fragment gebliebenes Drama wurde in den letzten Lebensjahren des Autors verfasst (1836–37) und erst 1879 in einer stark überarbeiteten Fassung veröffentlicht. Bevor es zu einer Theateraufführung kam, musste man über 30 Jahre warten. Das Phänomen Woyzeck scheint somit, von einer performativen und rezeptionsästhetischen Seite betrachtet, ein Phänomen des 20. Jahrhunderts zu sein.
In dieser interdisziplinären Lehrveranstaltung sollen drei Fassungen des Dramas in unterschiedlichen Medien untersucht werden: Als Theaterstück (uraufgeführt 1913 mit der Regie von Eugen Kilian), Alban Bergs Oper Wozzeck (1921/25) und als Film von Werner Herzog aus dem Jahre 1979 mit Klaus Kinski in der Hauptrolle. Dabei soll neben den medienspezifischen Aspekten die dem Theater, der Oper und dem Film zugrunde liegen, auch die Frage nach dem intrinsisch radikal-modernen Substrat dieses Werkes und seinem Niederschlag in den verschiedenen Inszenierungsmodi dieses Textes gestellt werden.

Als Vorbereitung auf das Seminar besteht die Möglichkeit eine Inszenierung von Alban Bergs Oper "Wozzeck" in Frankfurt zu besuchen (9.3 / 17.3 / 28.3 und 7.4 / 12.4)
(https://oper-frankfurt.de/de/spielplan/wozzeck_2/?id_datum=1499#date)

Dieses Seminar wird unter Mitwirkung von Prof. Heiner Goebbels als Gast durchgeführt, der zu einigen Sitzungen anwesend sein wird.


Literatur
Erläuterungen und Dokumente zu Georg Büchner „Woyzeck“, hg. von Burghard Dedner, Ditzingen 1999
Wolfram Viehweg, Georg Büchners Woyzeck auf dem deutschsprachigen Theater, Teil 1. 1913 – 1918, Norderstedt 2001
Georg Büchner und die Moderne. Texte, Analysen, Kommentar, hg. Von Dietmar Goltschnigg, Berlin 2001–2004
Dagmar Lehmann, Woyzeck. Materialien zu einem Film von Werner Herzog, Duisburg 1988
Peter Petersen, Alban Berg, Wozzeck: eine semantische Analyse unter Einbeziehung der Skizzen und Dokumente aus dem Nachlaß Bergs, München 1985
Patricia Hall, Berg’s Wozzeck, Oxford 2011
Theodor W. Adorno: Zur Charakteristik des Wozzeck, in: Die musikalischen Monographien, Frankfurt 1971, S. 428-434
Irina O. Rajewsky, Intermedialität, Tübingen 2002


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