Fachbereich 03: Sozial- und Kulturwissenschaften - Masterstudiengänge Musikwissenschaft - Modul 11: Populäre Musik und Medien II (03 MA Mus 11)
Veranstaltungen
LV 1: Aktuelle populäre Musik
[Si] Aufzeichnen, Editieren, (Ab)Spielen. Musikalische Speichermedien, Notationssysteme und Steuerungstools von der Notenschrift über die Piano Roll bis zum Sequencer
| regelmäßiger Termin ab 14.10.2026 | ||
| wöchentlich Mi. 12:00 - 14:00 Uhr Raum: Phil. II D, 08 | ||
| nächster Termin: 14.10.2026 Uhr, Raum: Phil. II D, 08 | ||
Musik ist eine Kulturtechnik, die eng an mediale Möglichkeiten der Aufzeichnung, Editierbarkeit und Wiedergabe/Performance gebunden ist. Über viele Jahrhunderte hinweg hat es höchst unterschiedliche Ansätze und Verfahren gegeben, um Musik bzw. Klang aufzuzeichnen oder als Signal übertrag- und bearbeitbar zu machen. Ob es sich dabei um mittelalterliche Modalnotation, Tabulaturen oder moderne Notenschrift, um Steuerungsbefehle für mechanische Instrumente, Sequenzer oder Sampler, um analog-phonographische Verfahren des Plattenschnitts oder der Tonbandaufzeichnung oder um digitale Soundfiles oder das Schreiben einer MIDI-Spur handelt: jedem dieser Aufzeichnungssysteme liegen spezifische mediale Bedingungen zugrunde, mit denen musikalische Ereignisse codiert, programmiert, prozessiert/(aus)gelesen und wiedergegeben/übertragen werden. In all diesen Fällen wird Musik auf eine bestimmte Weise medial formatiert (d.h. handhabbar gemacht und operationalisiert), indem sie in ein System aus Zeichen, Signalen oder Codes übersetzt wird. Diese Formate prägen wiederum die musikalische Praxis und schreiben sich in kompositorische, performative und produktionstechnische Möglichkeiten ein (auf dem Notenpapier „komponiert“ und „denkt“ man Musik grundlegend anders als bei der Arbeit mit einer DAW).
Das Seminar wird ein Schlaglicht auf unterschiedliche mediale Formate werfen, die von der klassischen Notenschrift bis zu analogen und digitalen Möglichkeiten der technischen Klangaufzeichnung und Klangsteuerung reichen. Wir erarbeiten uns medientheoretische Konzepte und methodische Perspektiven, mit denen die Medialität von Musik beschrieben und analysiert werden kann. Anhand von ausgewählten Stücken und Musikbeispielen vergegenwärtigen wir uns spezifische Musikkonzepte, Praktiken und Ästhetiken, die mit unterschiedlichen medialen Formaten verbunden sind.
2. Literatur:
Ahlers, Michael / Jörissen, Benjamin / Donner, Martin & Wernicke, Carsten (Hg.). 2022. MusikmachDinge im Kontext. Forschungszugänge zur Soziomaterialität von Musiksoziologie.
Fabian, Alan & Ismaiel-Wendt, Johannes (Hg.). 2018. Musikformulare und Presets. Musikkulturalisierung und Technik/Technologie. Hildesheim: Olms.
Krämer, Sybille, Cancik-Kirschbaum & Totzke, Rainer (Hg.). 2012. Schriftbildlichkeit. Wahrnehmbarkeit, Materialität und Operativität von Notationen. Berlin: Akademie-Verlag.
Rehding, Alexander, Gundula Kreuzer, Peter McMurray, Sybille Krämer, and Roger Moseley. 2017. „Discrete/Continuous: Music and Media Theory after Kittler“. Journal of the American Musicological Society 70, no. 1: 221–256.
Saxer, Marion (Hg.). 2016. Spiel (mit) der Maschine. Musikalische Medienpraxis in der Frühzeit von Phonographie, Selbstspielklavier, Film und Radio. Bielefeld: transcript.
Schuiling, Floris & Payne, Emily (Hg.) (2022). Material Cultures of Music Notation. New Perspectives on Musical Inscription. London: Routledge.
3. Voraussetzungen für den Scheinerwerb. Regelmäßige Teilnahme und aktive Mitarbeit; optional mit Prüfungsleistung zum Abschluss des Moduls.
4. Teilnahmevoraussetzungen und -beschränkungen
[Si] Digitale Popmusikkulturen des Mittelmeerraums: Produktionen, Plattformen, Archive
| regelmäßiger Termin ab 15.10.2026 | ||
| wöchentlich Do. 12:00 - 14:00 Uhr Raum: Phil. II D, 07 | ||
| nächster Termin: 15.10.2026 Uhr, Raum: Phil. II D, 07 | ||
Digitale Technologien haben die Produktion, Verbreitung und Rezeption populärer Musik grundlegend verändert. Im Mittelmeerraum entstehen dadurch neue musikalische Verbindungen, die nationale Grenzen überschreiten und unterschiedliche soziale, kulturelle, sprachliche, politische und ökonomische Kontexte miteinander verknüpfen. Plattformen wie YouTube, Spotify, Anghami, SoundCloud, TikTok oder Instagram ermöglichen neue Formen musikalischer Öffentlichkeit, während Playlists, Online-Sammlungen und digitale Archive mediterrane Popmusik speichern, kuratieren und zugänglich machen.
In diesem Seminar widmen wir uns der Frage, wie der Mittelmeerraum als relationaler Raum durch digitale Produktionen, Plattformen und Archive populärer Musik hervorgebracht und vernetzt wird. Anhand von Fallstudien aus Südeuropa, Nordafrika und der Levante beschäftigen wir uns mit digitaler Musikproduktion, Plattformökonomien, Algorithmen, Musikvideos, Remixes, viralen Sounds sowie DIY- und Communitypraktiken. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Auseinandersetzung mit rezenten digitalen Archiven populärer Musik des Mittelmeerraums. Gemeinsam mit den Studierenden werden bestehende digitale Archive vorgestellt und kartiert sowie eigene Fragestellungen zu digitalen Popmusikkulturen des Mittelmeerraums entwickelt.


