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Vorlesungsverzeichnis: SoSe 2019
 
Veranstaltungen von Prof. Dr. phil. Stefan Tebruck

[H Si] Hagiographie im Hochmittelalter: Rollenmodelle, Tugendlehre, Gesellschaftskritik
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.04.2019
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 029

Kommentar:

Die mittelalterliche Hagiographie – Heiligenviten, Mirakelberichte, Reliquientranslationen – gehört inzwischen zu den am intensivsten diskutierten Quellenfeldern der Mittelalterforschung. Nicht nur Historiker, sondern auch Literaturwissenschaftler, Theologie- und Kirchenhistoriker sowie Kunsthistoriker widmen sich der Text- und Bildüberlieferung rund um die Heiligen. Dabei sind die hagiographischen Texte weit mehr als Dokumente der Frömmigkeitsgeschichte. Sie sind vielmehr Träger von gesellschaftlich wirksamen Rollenbildern, transportieren ethische Normen und spiegeln in vielen Fällen Gesellschafts-, Kirchen- und Herrscherkritik wider. Im Seminar werden ausgewählte Heiligenviten, Mirakelerzählungen und Kanonisationsberichte aus dem 7.-13. Jh. gelesen und diskutiert. Die Bereitschaft, lateinische Texte zu lesen, wird vorausgesetzt. Das Seminar ist geöffnet für Studierende im BA Hauptfach, im Lehramt L3 und im Master.

Literaturhinweise: Angenendt, Arnold: Heilige und Reliquien. Die Geschichte ihres Kultes vom frühen Christentum bis zur Gegenwart, München 1994. – Ders.: Geschichte der Religiosität im Mittelalter, Darmstadt 1997. – Bartlett, Robert: Why can the dead do such great things? Saints and worshippers from the martyrs to the reformation, Princeton 2013. – Herbers, Klaus: Hagiographie, in: Aufriß der historischen Wissenschaften, hg. von Michael Maurer, Bd. 4, Stuttgart 2002, S. 190-214. – Nahmer, Dieter von der: Die lateinische Heiligenvita. Eine Einführung in die lateinische Hagiographie, Darmstadt 1994. – Rener, Monika: Hagiographie im deutschen Raum (1125-1220), in: Hagiographies. Histoire internationale de la littérature hagiographique latine et vernaculaire en Occident des origines à 1550, 7 Bde., hg. von Guy Philippart, Turnhout 1994-2017, hier Bd. 6, Turnhout 2014, S. 401-520. – Vauchez, André: La sainteté en occident aux derniers siècles du moyen âge, Rom 1988.


[P Si] Höfische Kultur: Texte – Bilder – Objekte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.04.2019
wöchentlich Di. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, C 030

Kommentar:

Spätestens seit dem 12. Jh. sind Texte, Bilder, Gebäude und Objekte erhalten, die auf den Lebensstil und die Selbstdarstellung des Adels schließen lassen. Die überregional einflussreichen und besonders vermögenden Adelsfamilien, die gräfliche oder herzogliche Herrschaftstitel besaßen, bildeten ihre eigenen Höfe aus und imitierten dabei das Königtum. Der Hof des Fürsten war zunächst keine örtlich und räumlich stabile Institution, sondern ein vielschichtiger, abgestufter Personenkreis, der sich über die unterschiedliche persönliche Nähe zum Fürsten definierte und dessen Mitglieder bestimmte Aufgaben für den Fürsten übernahmen. Darüber hinaus konnte der Hof aber offen sein für Personen, die nur zeitweise in der Nähe des Fürsten und seiner Familie blieben: von jungen Adligen, die sich zu ihrer Ausbildung am Hof aufhielten, über Musiker, Sänger und Dichter, die eine Zeit lang im Dienst des Fürsten standen, bis hin zu Spezialisten für Bauaufgaben, die der Fürst realisieren wollte. Der Hof des Fürsten entwickelte sich seit dem 12./13. Jh. zu einem komplexen sozialen Raum, der eigene Normen und Rollenmodelle entwickelte. Die Heraldik ist ein zentraler Aspekt der höfischen Zeichensprache und wird einen kleinen Schwerpunkt des Seminars bilden. Im Seminar werden ausgewählte Texte gelesen und diskutiert, die die Anfänge dieser Entwicklung widerspiegeln.

Teil des Seminars wird eine Einführung in die Heraldik sein, die Václav V. Filip von unserer italienischen Erasmus-Partneruniversität Pescara-Chieti im Rahmen eines Gastaufenthalts in Gießen übernehmen wird. Herr Filip wird die Sitzung am Dienstag, 2. Juli 2019, zum Thema „Einführung in die Heraldik: Entstehung, Stilentwicklung, Grundregeln“ und eine zusätzliche Sitzung am Donnerstag, 04.07.2019, 18.15-17.45 Uhr, zum Thema „Aufgaben und Funktionen heraldischer Zeichen: Von den Herolden bis zur Funeralheraldik“ anbieten. Im Rahmen des Mittelalter-Kolloquiums wird Herr Filip darüber hinaus einen Gastvortrag am Dienstag, 02.07.2019, 18.15 Uhr, Raum C 003, zum Thema „Die Bedeutung der Heraldik im Turnier“ halten. Die Veranstaltungen von Herrn Filip sind offen für alle Studierenden!

Literaturhinweise: Bumke, Joachim: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, München 1986. – Filip, Václav V.: Einführung in die Heraldik, 2. Aufl. Stuttgart 2011. – Nonn, Ulrich (Hg.): Quellen zur Alltagsgeschichte im Früh- und Hochmittelalter, Darmstadt 2007. – Paravicini, Werner: Die ritterlich-höfische Kultur (Enzyklopädie deutscher Geschichte 32), 2. Aufl. München 1998. – Rösener, Werner: Leben am Hof. Königs- und Fürstenhöfe im Mittelalter, Ostfildern 2008. – Wand-Wittkowski, Christine: Elegant – kultiviert – beschränkt: Höfische Kultur im Mittelalter, Bielefeld 2016.


[Vl] König und Reich im 13. Jahrhundert
Klausurtermin: 16.07.2019
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.04.2019
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, A 5

Kommentar:

In der politischen Geschichte des deutschen Mittelalters gilt das 13. Jahrhundert als dramatische Achsenzeit. Die ältere Forschung sah in den einhundert Jahren zwischen der doppelten Königswahl von 1198 und der Absetzung König Adolfs von Nassau 1298 den Verfall des deutschen Königtums und den Aufstieg der Reichsfürsten, die ihre eigenen Interessen vor das Wohl des Reiches stellten: die Schwächung des Königtums habe die für die deutsche Geschichte so entscheidende Stärkung der Territorialfürstentümer erst möglich gemacht, so lautete das gängige Narrativ der deutschen Mittelalterforschung im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jhs. Der Tod des letzten Stauferkaisers, Friedrich II. (reg. 1212-1250), markierte in dieser Sichtweise das endgültige Ende einer glänzenden Epoche der Stauferherrschaft. Es folgte das sog. „Interregnum“ (1250-1273), eine kaiserlose Zeit, in der Gegenkönige und „ausländische“ Thronprätendenten das Geschehen dominierten, bevor König Rudolf von Habsburg (reg. 1273-1290) eine erneute Stabilisierung des Königtums gelang. Aber bereits seine beiden Nachfolger, der 1298 abgesetzte Adolf von Nassau und der 1308 ermordete Albrecht von Österreich konnten die Erfolge Rudolfs nicht fortschreiben. Vor dem Hintergrund dieser dramatischen Ereignisgeschichte lohnt es sich, einen neuen Blick auf dieses Jahrhundert zu werfen und dabei die Interpretationen der neueren Forschung zu diskutieren. Dabei wird es nicht um die politische Ereignisgeschichte im Einzelnen gehen, sondern um strukturelle Aspekte: Worauf beruhte die Integrationskraft des Königtums und warum schwand sie im Laufe des 13. Jhs.? Welche Akteure bestimmten neben dem König und den Fürsten die politische Entwicklung im Reich? Welche strukturellen Rahmenbedingungen bestimmten die Optionen politischen Handelns? Lassen sich Faktoren der politischen „Modernisierung“ beschreiben, die im Spätmittelalter positiv fortwirkten?

Literaturhinweise: Boshof, Egon/ Erkens, Franz-Reiner (Hgg.): Rudolf von Habsburg (1273-1291). Eine Königsherrschaft zwischen Tradition und Wandel, Köln 1993. – Görich, Knut/ Broekmann, Theo/ Keupp, Jan Ulrich (Hgg.): Herrschaftsräume, Herrschaftspraxis und Kommunikation zur Zeit Friedrichs II., München 2008. – Haverkamp, Alfred: Aufbruch und Gestaltung. Deutschland 1056-1273 (Neue Deutsche Geschichte 2), 2. Aufl. München 1993. – Krieger, Karl-Friedrich: Rudolf von Habsburg, Darmstadt 2003. – Mamsch, Stefanie: Kommunikation in der Krise: Könige und Fürsten im deutschen Thronstreit (1198-1218), Münster 2012. – Menzel, Michael: Die Zeit der Entwürfe, 1273-1347 (Gebhardt-Handbuch der deutschen Geschichte 7a), Stuttgart 2012. – Neugebauer, Anton (Hg.): Richard von Cornwall: römisch-deutsches Königtum in nachstaufischer Zeit, Kaiserslautern 2010. – Stürner, Wolfgang: 13. Jahrhundert, 1198-1273 (Gebhardt-Handbuch der deutschen Geschichte 6), Stuttgart 2007. – Vogtherr, Thomas: Die deutschen Königswahlen und das Geld 1198-1308, in: Macht und Geld im Mittelalter, hg. von Reiner Cunz, Braunschweig 2008, S. 29-48.


[Ü] Quellen zum Königtum im 13. Jahrhundert  (AfK-Nr.: 11)
Klausurtermin 15.07.2019
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 15.04.2019
wöchentlich Mo. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, C 030

Kommentar:

In der Übung werden ausgewählte Texte zur Geschichte des deutschen Königtums im 13. Jh. gelesen und diskutiert. Die Zeit zwischen 1198, als im Reich zwei miteinander rivalisierende Kandidaten zu Königen gewählt wurden, und 1298, als König Adolf von Nassau von den Fürsten abgesetzt wurde, gilt als epochale Achsenzeit für die deutsche Reichsgeschichte. Unter Friedrich II. (reg. 1212-1250) erreichte das staufische Kaisertum einen Höhepunkt seiner Herrschaftsansprüche, musste jedoch weitgehende Zugeständnisse an die Reichsfürsten machen. Nach dem Tod Friedrichs II. verlor das Königtum rasch an Integrationskraft, blieb aber als politische und ideelle Klammer unbestritten. Die Reichsfürsten bauten ihre Herrschafts- und Einflussbereiche weiter aus und legten die Grundlagen für die spätmittelalterlichen Territorialfürstentümer. Das Königswahlrecht verengte sich in dieser Zeit auf die sog. Kurfürsten, eine Gruppe von drei Erzbischöfen und vier weltlichen Fürsten. Jenseits der dramatischen politischen Ereignisgeschichte formten sich in diesem Jahrhundert neue Grundlagen der politischen Ordnung im Spätmittelalter. In der Übung werden ausgewählte Quellentexte aus den verschiedensten Bereichen der Quellenüberlieferung gelesen und diskutiert.

Literaturhinweise: Boshof, Egon/ Erkens, Franz-Reiner (Hgg.): Rudolf von Habsburg (1273-1291). Eine Königsherrschaft zwischen Tradition und Wandel, Köln 1993. – Görich, Knut/ Broekmann, Theo/ Keupp, Jan Ulrich (Hgg.): Herrschaftsräume, Herrschaftspraxis und Kommunikation zur Zeit Friedrichs II., München 2008. – Haverkamp, Alfred: Aufbruch und Gestaltung. Deutschland 1056-1273 (Neue Deutsche Geschichte 2), 2. Aufl. München 1993. – Krieger, Karl-Friedrich: Rudolf von Habsburg, Darmstadt 2003. – Mamsch, Stefanie: Kommunikation in der Krise: Könige und Fürsten im deutschen Thronstreit (1198-1218), Münster 2012. – Menzel, Michael: Die Zeit der Entwürfe, 1273-1347 (Gebhardt-Handbuch der deutschen Geschichte 7a), Stuttgart 2012. – Neugebauer, Anton (Hg.): Richard von Cornwall: römisch-deutsches Königtum in nachstaufischer Zeit, Kaiserslautern 2010. – Stürner, Wolfgang: 13. Jahrhundert, 1198-1273 (Gebhardt-Handbuch der deutschen Geschichte 6), Stuttgart 2007. – Vogtherr, Thomas: Die deutschen Königswahlen und das Geld 1198-1308, in: Macht und Geld im Mittelalter, hg. von Reiner Cunz, Braunschweig 2008, S. 29-48.


[O Si] Werkstattberichte aus laufenden Forschungsarbeiten in der Mediävistik
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.04.2019
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr,  Phil. I, C 003

Kommentar:

Die Veranstaltung bietet MA-, L3- und Promotionsstudierenden sowie Postdocs der geschichtswissenschaftlichen und germanistischen Mediävistik die Gelegenheit, ihre entstehenden Arbeiten im interdisziplinären Expertenkreis zu diskutieren. Eine Qualifikation ist nur in Absprache mit den Lehrenden und abhängig vom jeweiligen Studiengang möglich.


nach oben | Kontakt: evv@uni-giessen.de