Veranstaltungen von Prof. Dr. phil. Stefan Tebruck
[H Si] Das Wormser Konkordat von 1122 – das Ende des Investiturstreits?
| regelmäßiger Termin ab 14.04.2026 | ||
| wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr | Phil. I, C 029 | |
| nächster Termin: 09.06.2026 Uhr, Raum: Phil. I, C 029 | ||
Das Wormser Konkordat, das am 23. September 1122 zwischen Kaiser und Papst geschlossen wurde, gilt als Schlusspunkt des Investiturstreits und bildet eine epochale Zäsur – so scheint es. In diesem Vertrag einigten sich Kaiser Heinrich V. und Papst Calixt II. auf das Verfahren für die Wahl und Einsetzung von Bischöfen im Reich. Der Kaiser sollte nur noch sehr begrenzte Rechte bei der Bestellung neuer Bischöfe haben. Eineinhalb Jahrzehnte zuvor hatten sich auch der französische und der englische König mit dem Papst auf ein Verfahren bei den Bischofswahlen geeinigt, bei dem die Könige die sogenannte freie, kanonische Wahl von Bischöfen ohne unmittelbare Eingriffsrechte der Krone garantierten. Oft wurden diese Konkordate als erste Schritte zur Trennung von Kirche und Staat missverstanden. Tatsächlich lässt sich für das gesamte 12. Jahrhundert zeigen, dass Bischofswahlen weiterhin unter starkem königlichen Einfluss stattfanden. War das Wormser Konkordat also nur ein Papiertiger?
Wir werden im Seminar Quellentexte des späten 11. und des 12. Jahrhunderts lesen und versuchen, etwas Licht in die Frage nach der Wirksamkeit und Rezeption des Wormser Konkordats zu bringen.
Literatur:
Hartmann, Wilfried: Der Investiturstreit (Enzyklopädie deutscher Geschichte 21), 3. Aufl. München 2007; Johrendt, Jochen: Der Investiturstreit, Darmstadt 2018; Kohl, Thomas (Hg.): Konflikt und Wandel um 1100: Europa im Zeitalter von Feudalgesellschaft und Investiturstreit (Europa im Mittelalter 36), Berlin 2020; Kohl, Thomas: Die Erfindung des Investiturstreits, in: HZ 312 (2021), S. 34–61; Weinfurter, Stefan: Canossa. Die Entzauberung der Welt, München 2006; Zey, Claudia: Der Investiturstreit, München 2017; Zey, Claudia: Der Investiturstreit – Neuere Perspektiven der Forschung, in: Kohl, Thomas (Hg.): Konflikt und Wandel um 1100: Europa im Zeitalter von Feudalgesellschaft und Investiturstreit (Europa im Mittelalter 36), Berlin 2020, S. 13–31.
[Ü] Die Moderne und ihr Mittelalter
| regelmäßiger Termin ab 16.04.2026 | ||
| wöchentlich Do. 14:00 - 16:00 Uhr | Phil. I, C 029 | |
| nächster Termin: 11.06.2026 Uhr, Raum: Phil. I, C 029 | ||
Wer erfand das Mittelalter und warum? Als die Historiker des 17. und 18. Jahrhunderts die Dreiteilung der Weltgeschichte in Antike, Mittelalter und Neuzeit zum Standardmodell der Epocheneinteilung machten, galt ihnen die griechisch-römische Antike als der helle Ausgangspunkt. Die Renaissance, der Humanismus und das Zeitalter der Aufklärung knüpften daran an und ebneten Europa den Weg in die Moderne. Alles, was dazwischen lag, galt als medium aevum, als „Mittelalter“, ein Verlegenheitsbegriff, der erkennen lässt, dass man mit dieser Zeit nichts mehr anzufangen wusste. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert haben Mittelalterhistoriker intensiv zur Formulierung von historisch orientierten Deutungen ihrer eigenen Gegenwart beigetragen. Der Rückgriff auf das Mittelalter – etwa in der Architektur, im historischen Roman, in der neu entstehenden Denkmalpflege, im staatlichen, kirchlichen und universitären Zeremoniell – diente der Verständigung über die zeitgenössische Gesellschaft.
Im Seminar befassen wir uns mit solchen Mittelalterdeutungen. Wir werden ausgewählte Texte, Bilder und Objekte aus dem 19. und 20. Jahrhundert untersuchen, in denen sich Deutungen des Mittelalters widerspiegeln. Damit öffnet sich der Blick auf zentrale Grundsatzfragen der Geschichtswissenschaft, ihrer Theoriebildung und ihrer Methodik.
Erste Literaturhinweise:
Groebner, Valentin: Das Mittelalter hört nicht auf. Über historisches Erzählen, München 2008; Raedts, Peter: Die Entdeckung des Mittelalters. Geschichte einer Illusion, Darmstadt 2016 (niederländische Originalausgabe 2011).
[O Si] Neue Forschungen zur Mittelalterlichen Geschichte
| regelmäßiger Termin ab 14.04.2026 | ||
| wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr | Phil. I, C 113 | |
| nächster Termin: 09.06.2026 Uhr, Raum: Phil. I, C 113 | ||
Das Oberseminar ist offen für alle, die sich für aktuelle Forschungsthemen in der Mittelalterlichen Geschichte interessieren. Im Seminar stellen Referentinnen und Referenten aus Gießen und anderen Universitäten Themen aus ihren laufenden oder jüngst abgeschlossenen Arbeitsprojekten zur Diskussion. Termine und Themen werden zu Beginn der Vorlesungszeit in Stud.IP im Ablaufplan mitgeteilt.
BA- und MA-Studierende können dieses Oberseminar im Rahmen ihrer Projektmodule belegen.
[Ü] Quellen zur Geschichte Kaiser Heinrichs IV. (1056–1106) (AfK-Nr.: 11)
| regelmäßiger Termin ab 16.04.2026 | ||
| wöchentlich Do. 16:00 - 18:00 Uhr | Phil. I, C 029 | |
| nächster Termin: 11.06.2026 Uhr, Raum: Phil. I, C 029 | ||
Die Zeit Heinrichs IV. war durch einen tiefgreifenden Wandel geprägt, in dem sich nicht nur politische, sondern auch soziale, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen beschleunigten. Auf der Oberfläche der politischen Ereignisgeschichte äußerte sich das in wiederholten, tiefgreifenden Konflikten zwischen Adel und König, zwischen dem Papst und dem König und zwischen städtischen Eliten und ihren bischöflichen Stadtherren. Dahinter standen jedoch vielfältige Transformationsprozesse, die kaum ohne Konflikte zu bestehen waren: ein neues Denken über Kirche und Welt, das neue Erwartungshaltungen gegenüber Priestern und Bischöfen entstehen ließ; die Entstehung stadtbürgerlicher Eliten, die nach Emanzipation strebten; und die Etablierung neuer Herrschaftsmethoden, bei denen Burgen- und Stadtgründungen, die Abschöpfung von Gewinnen durch Zölle und Abgaben sowie die Formierung von Dienstmannschaften als verlässlichen Funktionsträgern in kirchlichen, königlichen und adligen Grundherrschaften eine zentrale Rolle spielten. Das alles spiegelt sich in einer großen Vielfalt von Texten, Objekten und Bildern, die im Mittelpunkt der Übung stehen. Dabei lässt sich sehr viel über die Formen der Quellenüberlieferung im Mittelalter kennenlernen.
Literatur:
Althoff, Gerd: Heinrich IV. (Gestalten des Mittelalters und der Renaissance), Darmstadt 2006; Althoff, Gerd (Hg.): Heinrich IV. (Vorträge und Forschungen 69), Ostfildern 2009; Canossa 1077 – Erschütterung der Welt. Geschichte, Kunst und Kultur am Aufgang der Romanik, 2 Bde., München 2006; Das Reich der Salier 1024-1125. Katalog zur Ausstellung des Landes Rheinland-Pfalz, Sigmaringen 1992; Jarnut, Jörg/Wemhoff Matthias (Hgg.): Vom Umbruch zur Erneuerung? Das 11. und beginnende 12. Jahrhundert. Positionen der Forschung, München 2006; Kohl, Thomas (Hg.): Konflikt und Wandel um 1100: Europa im Zeitalter von Feudalgesellschaft und Investiturstreit (Europa im Mittelalter 36), Berlin 2020; Weinfurter, Stefan (Hg.), Die Salier und das Reich, 3 Bde., Sigmaringen 1992.


