Veranstaltungen von Prof. Dr. phil. Thomas Bohn
[P Si] Der Untergang des Zarenreichs 1917
| regelmäßiger Termin ab 13.10.2026 | ||
| wöchentlich Di. 16:00 - 18:00 Uhr, Raum: Phil. I, D 209 | ||
| nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Phil. I, D 209 | ||
Im Laufe der Februarrevolution wurde offenbar, dass Zar Nikolaus I. die Zeichen der Zeit nicht begriff. Unter dem Einfluss seiner aus dem Hause Hessen-Darmstadt stammenden Gemahlin Alexandra wollte er im Interesse seines Sohnes an der Autokratie festhalten. Weder die Liberalen noch die Sozialdemokraten zeigten sich danach imstande, ein effektives Krisenmanagement zu betreiben. Nach der Oktoberrevolution stritten die russischen Emigranten, warum das demokratische Experiment gescheitert ist. Anhand der minutiösen Erinnerungen des Sozialrevolutionärs Nikolai Suchanow und der Schriftstellerin Sinaida Gipppius können wie uns die politischen Entwicklungen und die persönlichen Wahrnehmungen vergegenwärtigen.
Die reichhaltige Quellenlage lädt zu einer historisch-kritischen Auseinandersetzung ein. Das Proseminar soll in formaler und methodischer Hinsicht dazu befähigen, eine geschichtswissenschaftliche Hausarbeit zu verfassen.
Quellen: Browder, Robert P./Alexander F. Kerensky: The Russian Provisional Government 1917. Documents. Vol. I-III. Stanford 1961; Hellmann, Manfred (Hrsg.): Die russische Revolution 1917. Von der Abdankung des Zaren bis zum Staatsstreich der Bolschewiki. 6. Aufl. München 1987.
Darstellungen: Altrichter, Helmut: Rußland 1917. Ein Land auf der Suche nach sich selbst. Paderborn 1997; Baberowski, Jörg: Die letzte Fahrt des Zaren. Als das alte Rußland unterging. München 2025; Pipes, Richard: Die Russische Revolution. Bd. 1: Der Zerfall des Zarenreiches. Bd. 2: Die Macht der Bolschewiki. Bd. 3: Rußland unter dem neuen Regime. Berlin 2002/2003.
[P Si] Einführung in die Osteuropäische Geschichte
| regelmäßiger Termin ab 12.10.2026 | ||
| wöchentlich Mo. 16:00 - 18:00 Uhr, Raum: Phil. I, B 033 | ||
| nächster Termin: 12.10.2026 Uhr, Raum: Phil. I, B 033 | ||
Putins Angriffskrieg auf die Ukraine wurde vom deutschen Bundeskanzler spontan als Zeitenwende bezeichnet. Inzwischen stellt sich nicht nur das Problem der Waffenlieferungen, sondern auch die Frage der Integration der Ukraine in die Strukturen des westlichen Europa. Damit steht die Osteuropaforschung vor einer neuen Herausforderung. Warum wird an deutschen Universitäten überhaupt zwischen Latein-Europa und Osteuropa unterschieden? Welche Rolle spielen Ostmitteleuropa und Südosteuropa? Das Proseminar bietet eine Orientierung über zentrale Themen und Probleme und vermittelt Grundkenntnisse zu Arbeitstechniken und Hilfsmitteln.
Als benotete Prüfungsleistung ist eine Buchbesprechung vorgesehen.
Literaturhinweise: Emeliantseva, Ekaterina/Malz, Arié/Ursprung, Daniel: Einführung in die Osteuropäische Geschichte. Stuttgart 2008; Studienhandbuch Östliches Europa. Bd. 1: Geschichte Ostmitteleuropas. Hrsg. v. Harald Roth. Bd. 2: Geschichte des Russischen Reiches und der Sowjetunion. Hrsg. v. Thomas M. Bohn, Dietmar Neutatz. 2. überarbeitete und aktualisierte Aufl. Köln/Weimar/Wien 2009; Mikanowski, Jacob: Adieu Osteuropa. Kulturgeschichte einer verschwundenen Welt. Berlin 2023.
[Ü] Von der „Zigeunerkunde“ zum „Kronprinzenwerk“. Antiziganismus in der Habsburgermonarchie
| regelmäßiger Termin ab 12.10.2026 | ||
| wöchentlich Mo. 14:00 - 16:00 Uhr, Raum: Phil. I, D 209 | ||
| nächster Termin: 12.10.2026 Uhr, Raum: Phil. I, D 209 | ||
Die Habsburgermonarchie unterlag im Umgang mit ihren Minderheiten einem folgenschweren Dilemma. Während Österreich auf das Vielvölkerreich setzte, begriff sich Ungarn als Nationalstaat. In beiden Reichsteilen war man sich einig, dass die Moderne die Sesshaftigkeit der Bevölkerung voraussetzte. Die in diesem Zusammenhang aufblühende Ethnographie meinte mit dem Hinweis auf die sogenannten „Wanderzigeuner“ so etwas wie die letzten Mohikaner präsentieren zu müssen. Ungeachtet der Tatsachen, dass die Ergebnisse der Volkszählungen diesen Sachverhalt ins Reich der Mythen zu verbannen imstande sind, war es nur ein Schritt von der Stigmatisierung zur Diskriminierung. In der Übung wollen wir aus der Perspektive der Antiziganismusforschung die Aussagen zeitgenössischer Publikationen dekonstruieren und prüfen, ob die damalige „teilnehmende Beobachtung“ für die Geschichte von Roma und Sinti von Relevanz ist. Der Leistungsnachweis soll in Form eines Quellenkommentars erbracht werden.
Quellen: „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild”. Aus dem ‘Kronprinzenwerk’ des Erzherzog Rudolf. Ausgewählt von Christiane Zintzen. Köln/Weimar 1999; Siebenbürgen in Wort und Bild. Vollständiger Nachdruck von „Die Österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild“, Band 23 (Ungarn, Band VI), Wien 1902. Mit einer Einführung von Krista Zach. Köln/Weimar/Wien 2004; Wlislocki, Heinrich von: Zur Ethnographie der Zigeuner in Südosteuropa. Tsiganologische Aufsätze und Briefe aus dem Zeitraum 1880-1905. Hrsg. v. Joachim S. Hohmann. Frankfurt am Main u.a. 1994.
Darstellungen: Bogdal, Klaus-Michael: Europa erfindet die Zigeuner. Eine Geschichte von Faszination und Verachtung. Berlin 2011; Göderle, Wolfgang: Zensus und Ethnizität. Zur Herstellung von Wissen über soziale Wirklichkeiten im Habsburgerreich zwischen 1848 und 1910. Göttingen: Wallstein 2016; Ruch, Martin: Zur Wissenschaftsgeschichte der deutschsprachigen „Zigeunerforschung“ von den Anfängen bis 1900. Phil. Diss. Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg i.Br. 1986; Wippermann, Wolfgang: Niemand ist ein Zigeuner. Zur Ächtung eines europäischen Vorurteils. Hamburg 2015.
[H Si] Westliche Korrespondenten in der Sowjetunion. Kreml-Astrologie und Zeitzeugen-Berichte
| regelmäßiger Termin ab 13.10.2026 | ||
| wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr, Raum: Phil. I, G 333a | ||
| nächster Termin: 13.10.2026 Uhr, Raum: Phil. I, G 333a | ||
Erinnerungen westlicher Korrespondenten an ihren Aufenthalt in der Sowjetunion liefern nicht nur ein Spiegelbild des Ost-West-Konflikts, sondern dienen auch als alltagsgeschichtliche Quellen. Im Hauptseminar sollen neben einer Einführung in die Geschichte des Kalten Krieges Biographien von Journalistinnen und Journalisten zur Sprache kommen. Ihre Bücher waren seinerzeit Bestseller, haben heutzutage aber nur noch einen antiquarischen Wert. – Es sei denn, Historikerinnen und Historiker entdecken sie wieder neu!
Ziel ist die eigenständige Entwicklung einer historischen Fragestellung und Konzipierung einer wissenschaftlichen Hausarbeit.
Literaturhinweise: Julia Metger: Studio Moskau. Westdeutsche Korrespondenten im Kalten Krieg. Paderborn 2016; Dina Fainberg: Cold War Correspondents. Soviet and American Reporters on the Ideological Frontlines. Baltimore 2021.


