Übung: Familienroman und Geschichte des 20. Jahrhunderts in Osteuropa: Genderaspekte - Details

Übung: Familienroman und Geschichte des 20. Jahrhunderts in Osteuropa: Genderaspekte - Details

Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Übung: Familienroman und Geschichte des 20. Jahrhunderts in Osteuropa: Genderaspekte
Untertitel
Semester WiSe 2026/27
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 6
Heimat-Einrichtung Institut für Slavistik
Veranstaltungstyp Übung in der Kategorie Lehre
Nächster Termin Dienstag, 03.11.26, 10:00 - 12:00 Uhr Phil. I, F 007

Räume und Zeiten

Phil. I, F 007

  • Dienstag, 10:00 - 12:00, wöchentlich (ab dem 13.10.26)

Informationen für das eVV

Studienbereiche/Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Tolstois Krieg und Frieden hat vorgeführt, wie sich die großen Zäsuren der Geschichte im Kleinformat der Familie spiegeln lassen – und wie gerade diese Verschiebung des Blicks vom öffentlichen ins private Register offizielle historische Erzählungen unterlaufen kann. Der Familienroman erweist sich damit als eine besonders wirkmächtige Form, Geschichte anders zu erzählen: nicht als Abfolge von Daten und Ereignissen, sondern als Verflechtung von Generationen, Körpern, Erinnerungen und Alltagspraktiken, in denen sich Krieg, Repression, Migration und gesellschaftlicher Umbruch erst in ihrer gelebten Dimension zeigen.
Das Seminar untersucht diese Form anhand von Romanen (und teils ihrer Verfilmungen) aus verschiedenen ostslavischen und ostmitteleuropäischen Literaturen – russischer, ukrainischer, belarusischer, tschechischer und polnischer Prosa des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Im Zentrum steht die Frage, wie diese Texte familiäre Genealogien nutzen, um Jahrhundertereignisse wie Revolution, Stalinismus, Zweiten Weltkrieg, Sozialismus und dessen Zusammenbruch aus einer intimeren, oft weiblich codierten Perspektive neu zu verhandeln. Dabei rückt das Seminar systematisch Genderaspekte in den Vordergrund: Wer erinnert, wer erzählt, wessen Geschichte wird tradiert? Welche Rolle spielen mütterliche und weibliche Erzählinstanzen als Trägerinnen von Familiengedächtnis, und wie verschieben sich Machtverhältnisse und Geschlechterrollen innerhalb der dargestellten Familienstrukturen vor dem Hintergrund historischer Gewalt?
Anhand von close readings und vergleichender Analyse erarbeiten die Studierenden, wie Literatur private Erinnerung als Gegenentwurf oder Ergänzung zu offiziellen Geschichtsnarrativen literarisch produktiv macht – und welche ästhetischen Mittel dabei zum Einsatz kommen