JLU Gie�en
Diese Seite drucken   
Sie sind hier: Start
Vorlesungsverzeichnis: WiSe 2018/19
 
Veranstaltungen von Prof. Dr. phil. Hans-Jürgen Bömelburg

[H Si] Haskalah, jüdische Emanzipation und Antijudaismus in Mittel- und Osteuropa (1750-1850)
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 17.10.2018
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Rathenaustr. 8, 308

Kommentar:

Die jüdischen Bevölkerungen Europas erlebten in dem Jahrhundert zwischen 1750 und 1850 eine Sattelzeit, die in eine neue Konzeptionalisierung jüdischer Existenz und jüdischen Lebens in der Diaspora mündete. Die Haskalah forderte eine neue jüdische Bildung nach den Prinzipien der Aufklärung. Die Emanzipation öffnete neue Lebenswelten, die aber zugleich durch neue Wellen des Antijudaismus als prekär erschienen.
Das Seminar setzt einen Schwerpunkt auf deutsch-osteuropäische Verflechtungen in der Epoche, die durch Verschiebungen der europäischen Grenzen, durch Migration und Kulturtransfer belebt wurden. Deutsche Modelle wurden durch die niedrige Sprachgrenze rezipiert, daraus entstand die deutschsprachige „Wissenschaft vom Judentum“. Zugleich löste diese Übersetzung in osteuropäische und jüdische Traditionen produktive Rezeptionen und Missverständnisse aus, die – in der Literatur, in den bildenden Künsten, in der Publizistik – ebenfalls diskutiert werden.
Insgesamt möchte die Veranstaltung vertiefte Einblicke in eine zentrale Epoche jüdischer Geschichte in Europa geben und gemeinsam Wissen erarbeiten. Erwünscht ist ein Interesse an jüdischer Geschichte und Kultur und/oder an deutsch-osteuropäischen Verflechtungen.

Literatur

Bartal, Israel: Geschichte der Juden im östlichen Europa, 1772-1881. Göttingen 2009.
Brenner, Michael [u.a.], Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit. Bd. 2. Emanzipation und Akkulturation 1780 – 1871. München 1996.
Dohrn, Verena: Jüdische Eliten im Russischen Reich. Aufklärung und Integration im 19. Jahrhundert, Köln 2008.
Grill, Tobias: Der Westen im Osten : deutsches Judentum und jüdische Bildungsreform in Osteuropa ; (1783 - 1939). Göttingen 2011.
Feiner, Shmuel: Haskala – Jüdische Aufklärung. Geschichte einer kulturellen Revolution. Hildesheim / Zürich / New York 2007.
Sadowski, Dirk: Haskala und Lebenswelt. Herz Homberg und die jüdischen deutschen Schulen in Galizien 1782 – 1806, Göttingen 2010.


[Vl] Räume und Epochen der Geschichte des östlichen Europa. Eine Einführung
Klausurtermin: 14.02.2019
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 16:00 - 18:00 Uhr,  Phil. I, A 5

Kommentar:

Die räumliche und epochale Gliederung der Geschichte des östlichen Europa ist in den letzten Jahrzehnten wiederholt kontrovers diskutiert worden und unterliegt auch unter dem Motto „Niemand will der Osten sein“ fortwährenden Neupositionierungen. Die Vorlesung führt in diese Diskussionen begriffs- und diskursgeschichtlich ein und analysiert strukturgeschichtliche Raumkategorien (Osteuropa, Nordosteuropa, Ostmitteleuropa, Südosteuropa/Balkan) unter Fragestellungen wie: Wie viel realgeschichtliche Einheit? Wie viel Projektion? Aus wessen Perspektive?

Weiterhin geht es auch um die epochale Gliederung der Geschichte der östlichen Hälfte Europas: Ist eine Unterteilung in Mediävistik und Frühe Neuzeit sinnvoll? Was spricht für die vorgeschlagenen Epochengrenzen 1500 und 1600? Welches sind sinnvolle Gliederungen für die Moderne und die Zeitgeschichte?

Die Vorlesung wendet sich an Studienanfänger des BA Osteuropäische Geschichte sowie an alle, die ein Interesse an Osteuropa haben oder schon immer etwas über die östliche Hälfte europas wissen wollten. Sie ist auch für Lehramts- und Bachelor- und Magisterstudierende, die ein strukturiertes „Grundwissen Osteuropa“ erwerben möchten, geeignet.

Literatur zur Einführung:
Ekaterina Emeliantseva/Arié Malz/Daniel Ursprung, Einführung in die Osteuropäische Geschichte. Zürich 2008.
Studienhandbuch Östliches Europa. 2 Bde. Hg. v. Harald Roth, Thomas M. Bohn u. Dieter Neutatz. 2. Aufl. Köln 2009.
Klaus Zernack, Osteuropa. Eine Einführung in seine Geschichte. München 1977.


[P Si] Völkerstereotypien zwischen 1450 und 1850
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 18.10.2018
wöchentlich Do. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 030

Kommentar:

Historische Stereotypen besitzen eine lange Dauer und erleben erstaunliche Wendungen und Wiederbelebungen. Das Proseminar möchte in dieses Thema methodisch einführen und die ältere Entstehung und Verbreitungsgeschichte von Völkerstereotypien nachzeichnen.
Schwerpunkte werden sein: Entwicklung und Verbreitung von agonalen Stereotypien im Humanismus, antemurale-Konzepte und Stereotypien von Barbaren (Türken, Moskowiter), Gattungen und Medien in Europa: descriptio gentium, Völkertafeln; neue Fremdbilder und Stereotypisierungen in Aufklärung und Volksaufklärung.
Das Proseminar ist europäisch vergleichend mit einem Schwerpunkt auf exkludierenden Stereotypien im Nord-Süd und Ost-West-Vergleich angelegt. Für die Aufklärung werden auch stärker außereuropäische Fälle berücksichtigt. Gefragt werden soll auch, inwieweit Rassekonzepte in den Stereotypien eine Rolle spielen.

Literatur

Hahn, Hans Henning (Hg.): Nationale Wahrnehmungen und ihre Stereotypisierung : Beiträge zur historischen Stereotypenforschung. Frankfurt a.M. 2007.
Hirschi, Caspar: Wettkampf der Nationen. Konstruktionen einer deutschen Ehrgemeinschaft an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit. Göttingen 2005.
Augustynowicz, Christoph, Agnieszka Pufelska (Hg.): Konstruierte (Fremd-?)Bilder. Das östliche Europa im Diskurs des 18. Jahrhunderts, München 2017.
Orłowski, Hubert: „Polnische Wirtschaft“. Zum deutschen Polendiskurs der Neuzeit, Wiesbaden 1996.
Stanzel, Franz K. (Hg.): Europäischer Völkerspiegel: imagologisch-ethnographische Studien zu den Völkertafeln des frühen 18. Jahrhunderts. Universitätsverlag C. Winter, Heidelberg 1999
Struck, Bernhard: Nicht West - nicht Ost. Frankreich und Polen in der Wahrnehmung deutscher Reisender zwischen 1750 und 1850, Göttingen 2006.
Wolff, Larry: Inventing Eastern Europe. The map of civilization on the mind of the enlightenment, Stanford, Calif. 1994.


[H Si] Zwangsarbeiter und Displaced Persons in Hessen: Eine hessisch-osteuropäische Verflechtungsgeschichte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 16.10.2018
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, C 011

Kommentar:

Das als Projektseminar geplante Seminar stellt Zwangsarbeiter und Displaced Persons in Hessen im Zeitraum von 1939-1949 ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Wie ist unser heutiger Forschungsstand zur Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg, wie sollte man Täter- und Opferquellen miteinander verbinden? Wie sieht die regionale Forschungslage aus, wo gibt es Forschungslücken.
Die amerikanische Besatzungszone in Hessen war zugleich nach 1945-1949 ein Zentrum der europäischen Migration: Zwangsarbeiter wurden teilweise gewaltsam in ihre Herkunftsregionen, die teilweise zu anderen Staaten gehörten, „repatriiert“. Neue Flüchtlinge kamen in die DP-Lager, die dort infolge des Fehlens aufnahmebereiter Staaten über mehrere Jahre festsaßen. Was kann man über das Nebeneinander von Deutschen und Zwangsarbeitern bzw. DP’s sagen? Wie lassen sich solche Fragen beforschen?
Das Seminar wendet sich an Interessierte der Osteuropäischen Geschichte und der Regionalgeschichte, erwünscht sind auch Teilnehmer aus den Lehramtsstudiengängen. Es besteht die Möglichkeit von Projektarbeit, am Rande des Seminars sollen Produkte zum historischen Lernen entwickelt werden.

Literatur

Föhrding, Hans-Peter/Verfürth, Heinz: Als die Juden nach Deutschland flohen. Ein vergessenes Kapitel der Nachkriegsgeschichte, Köln 2017.
Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter. Politik und Praxis des "Ausländer-Einsatzes" in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn 1999.
Jacobmeyer, Wolfgang: Vom Zwangsarbeiter zum heimatlosen Ausländer. Die Displaced Persons in Westdeutschland 1945 – 1951, Göttingen 1985.
Keller, Michael: „Das mit den Russenweibern ist erledigt“. Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit, Gestapo-KZ, Massenmord einer SS-Kampfgruppe und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit am Tatort in Hirzenhain wie auf dem Kriegsgräberfriedhof im Kloster Arnsburg, 1943 – 1996, Friedberg 2000.
Köhn, Holger: Die Lage der Lager. Displaced Persons-Lager in der amerikanischen Besatzungszone Deutschlands, Essen 2012.
Plaßwilm, Regina: Die Grenzen des Erzählbaren. Erinnerungsdiskurse von NS-Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in Ost- und Westeuropa, Essen 2011.
Überlebt und unterwegs. Jüdische displaced persons im Nachkriegsdeutschland, Frankfurt a. M. 1997.


nach oben | Kontakt: evv@uni-giessen.de