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Vorlesungsverzeichnis: SoSe 2018
 
Veranstaltungen von Prof. Dr. phil. Thomas Bohn

[Vl] Belarus – Ein „weißer Fleck“ zwischen Polen und Russland
Klausurtermin: 03.07.2018
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 10.04.2018
wöchentlich Di. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, B 009

Kommentar:

Der Journalist Wolfgang Büscher, der den Weg zwischen Berlin und Moskau zu Fuß zurücklegte, bezeichnet Weißrussland als „das komplizierteste Land der Welt“. Zumindest ist es durch das Regime Lukaschenkos politisch in die Isolierung geraten. Historisch gesehen zeichnete sich die Belarus’ hingegen als Übergangszone zwischen Mittel- und Osteuropa aus. Sie erhielt ihre kulturellen Prägungen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit vom Großfürstentum Litauen und der polnischen Adelsrepublik und seit Beginn des 19. Jahrhunderts vom zarischen und sowjetischen Imperium. Das 20. Jahrhundert stellt mit den beiden Weltkriegen, der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft, dem stalinistischen Terror, dem Holocaust und dem Reaktorunfall von Tschernobyl ein Zeitalter der demographischen Katastrophen dar. Darüber hinaus erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge eines rasanten Urbanisierungsprozesses die Umwandlung eines Agrarlandes in ein Industrieland. Auf die Tradition einer eigenen Staatlichkeit kann die 1991 gegründete Republik Belarus’, abgesehen von einem Intermezzo im Bürgerkriegsjahr 1918, indes nicht zurückblicken. Vielmehr ging die im Rahmen der sozialistischen Modernisierung vollzogene Russifizierung mit einer Preisgabe weißrussischer Identität vor sich.     

Die Vorlesung bereitet eine Exkursion vor, die in den ersten beiden Septemberwochen von Vilnius nach Vitebsk erfolgen soll, diesmal nicht zu Fuß, sondern mit dem Bus.

Benoteter Leistungsnachweis: Klausur.

Literaturhinweise:
Akudowitsch, Valentin: Der Abwesenheitscode. Versuch, Weißrussland zu verstehen. Berlin 2013.
Bohn, Thomas/Einax, Rayk/Mühlbauer, Julian (Hrsg.): Bunte Flecken in Weißrussland. Erinnerungsorte zwischen polnisch-litauischer Union und russisch-sowjetischem Imperium. Wiesbaden 2013 (Historische Belarus-Studien 1).
Bohn, Thomas/Shadurski, Victor (Hrsg.): Ein weißer Fleck in Europa … Die Imagination der Belarus als Kontaktzone zwischen Ost und West. Bielefeld 2011 (Histoire 29).
Büscher, Wolfgang: Berlin – Moskau. Eine Reise zu Fuß.Reinbek 2003.

Reiseführer:
Böhm, André/Rakhlei, Maryna: Weissrussland. Mit Minsk, Brest, Hrodna, Homel, Mahljoǔ und Vicebsk. Berlin 2016.



[Ex] Exkursion entlang der Düna
Um als Studierender an der Exkursion teilnehmen zu können, muss (mindestens) eine Veranstaltung (VL, HS, PS, Ü) aus dem dafür relevanten Lehrangebot aus dem Bereich der Osteuropäischen Geschichte besucht werden. Zu diesen Veranstaltungen gehören 1. die Vorlesung von Hans-Jürgen Bömelburg (Litauen), 2. das Hauptseminar von Hans-Jürgen Bömelburg ("Die baltischen Gesellschaften"), 3. das Hauptseminar von Stefan Rohdewald (Stadtgeschichte), 4. das Proseminar von Thomas Bohn (Vitebsk), 5. die Vorlesung von Thomas Bohn (Belarus), 6. die Quellenübung von Dennis Hormuth (Städte im Baltikum).
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
k.A.

[P Si] Marc Chagall in Vitebsk. Jüdische Stetl und sowjetische Avantgarde
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 11.04.2018
wöchentlich Mi. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

Vitebsk war um 1900 nicht nur ein ostjüdisches Stetl, sondern auch ein Laboratorium der russischen Avantgarde. An der Schnittschnelle zwischen Ost und West, in der Kontaktzone von polnisch-litauischer Adelsrepublik und Russländischem Imperium und im Zentrum des Ansiedlungsrayon für die jüdische Bevölkerung des Zarenreichs gelegen nahm die belarussische Stadt mit Persönlichkeiten wie Chagall, Lissitzky und Malewitsch im silbernen Zeitalter der russischen Kultur in der Tat eine außergewöhnliche Stellung ein..

Das Proseminar soll inhaltlich nicht nur in die Stadtgeschichte von Vitebsk, sondern auch in die Kultur der orthodoxen Juden einführen. In methodischer Hinsicht werden Grundlagen der Geschichtswissenschaft unter Bezugnahme auf Memoiren und Bilder vermittelt.

Zum einen sollen Fähigkeiten zum eigenständigen Verfassen einer Hausarbeit erworben werden. Zum anderen soll eine für den September geplante Exkursion der Abteilung für Osteuropäische Geschichte nach Vilnius und Vitebsk mit Programmpunkten gefüllt werden.

Literaturhinweise:

Chagall, Bella: Brennende Lichter. Reinbek 1969.
Chagall, Bella: Erste Begegnung. Reinbek 1973.
Chagall, Marc: Mein Leben. Stuttgart 1959.
Kamenski, Alexander: Cagall. Die russischen Jahre 1907-1922. Stuttgart 1989.
Shatskih, Aleksandra: Vitebsk. The Life of Art. New Haven/London 2007.


[O Si] Neue Forschungen zur Osteuropäischen Geschichte
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 10.04.2018
wöchentlich Di. 18:00 - 20:00 Uhr,  Phil. I, G 333

Kommentar:

Das Kolloquium bzw. Oberseminar diskitiert neuere Forschung zur Osteuropäischen Geschichte. Es wendet sich an alle an der wissenschaftlichen Aufarbeitung der osteuropäischen Geschichte Interessierten (ohne Zugangsbeschränkung).

Diskutiert werden wöchtenlich in Gießen entstehende Arbeiten, BA- und MA-Arbeiten sowie Promotionen. Auswärtige Referenten stellen ihre aktuellen Forscdhungsprojekte vor.


[H Si] Von Gießen nach Minsk. Ausstellung und Gedenkstätte Malyj Trostenec
Dozent/-in:
Zeit und Ort:
regelmäßiger Termin ab 09.04.2018
wöchentlich Mo. 10:00 - 12:00 Uhr,  Phil. I, G 333a

Kommentar:

In den Jahren 1941/42 wurden 15.500 jüdische Menschen aus mehr als 250 hessischen Dörfern und Städten über die Sammellager Frankfurt, Kassel und Darmstadt deportiert. Zu den Vernichtungsorten des hessischen Holocaust zählen Kaunas, Lodz, Majdanek, Minsk, Riga, Sobibor, Theresienstadt und Treblinka. Wenig bekannt ist in Deutschland bisher noch der Vernichtungsort Malyj Trostenez bei Minsk.
Das Ghetto Minsk war das Ziel des Frankfurter Deportationszuges vom November 1941 mit über 1000 Juden. Zu den hessischen Opfern zählten auch Personen, die 1942 vom Deportationsort Theresienstadt weiter zur Vernichtungsstätte Malyj Trostenez befördert wurden. Einem Gedenkbuch des Bundesarchivs zufolge lassen sich die Geburtsorte von 23 deportierten hessischen Juden auf die Stadt oder den Kreis Gießen zurückführen (externhttps://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/chronicles.html?page=1). Auf den 126 im Stadtgebiet in Gießen in den Jahren 2008 bis 2013 verlegten Stolpersteinen finden sich noch keine unmittelbaren Bezüge auf Weißrussland (externhttps://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Gie%C3%9Fen), weil sich Lebens- und Leidenswege für die Zeit nach 1933 nicht immer ohne weiteres erschließen lassen.
2015 hat die Stadt Minsk mit der Errichtung einer Gedenkstätte am Vernichtungsort Malyj Trostenez begonnen, in die dank des Engagements des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks (IBB) Dortmund, der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte »Johannes Rau« (IBB) Minsk sowie weiterer Initiativen auch die Erinnerung an die im Wald von Blagowschtschina ermordeten Holocaust-Opfer integriert ist. Die von IBB Dortmund und Minsk gemeinsam mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas konzipierte Wanderausstellung ist seit November 2016 unterwegs und hat in Deutschland bisher Hamburg, Berlin, Bremen und Köln erreicht. Die Ausstellung würdigt die Opfer und zeigt zugleich, auf welche Weise und an welchen Orten in Belarus, Deutschland, Österreich und Tschechien der Ermordeten gedacht wird. Sie hat zum Ziel, Malyj Trostenez als europäischen Tat- und Erinnerungsort in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern (externhttps://ibb-d.de/erinnern/gedenkstaette-trostenez/).

Ziel des Hauptseminars ist, die Ausstellung mit Lebensläufen von Opfern aus der Region zu bereichern. Neben den fachwissenschaftlichen Kompetenzen sind praktische Erfahrungen im öffentlichen Umgang mit der Geschichte erforderlich. Gefragt sind Lokalpatrioten aus dem Gießener Umland, die sich kritisch mit dem jüdischen Erbe ihrer Heimatorte auseinandersetzen.

Literaturhinweise:
Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung. Eine deutsch-belarussische Wanderausstellung der Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks gGmbH (IBB Dortmund) sowie der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk (IBB Minsk), in Zusammenarbeit mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. [Darmstadt 2017].

Altaras, Thea: Stätten der Juden in Gießen. Von den Anfängen bis heute. Königstein im Taunus 1998.
Knauß, Erwin: Die jüdische Bevölkerung Gießens 1933-1945. 3., erweiterte Aufl. Wiesbaden 1982.
Müller, Hanno: Juden in Gießen 1788-1942. Gießen 2012.
Steil, Dieter: Zur Geschichte der Juden in Gießen. In: Brake, Ludwig/Brinkmann, Heinrich (Hrsg.): 800 Jahre Gießener Geschichte 1197-1997. Gießen 1997, S. 381-409.


nach oben | Kontakt: evv@uni-giessen.de