Seminar: Krieg für Menschenrechte? Die internationale Schutzverantwortung zwischen Anspruch und Missbrauch. Human Rights protection and War: the R2P: challenged or confirmed? - Details

Seminar: Krieg für Menschenrechte? Die internationale Schutzverantwortung zwischen Anspruch und Missbrauch. Human Rights protection and War: the R2P: challenged or confirmed? - Details

General information

Course name Seminar: Krieg für Menschenrechte? Die internationale Schutzverantwortung zwischen Anspruch und Missbrauch. Human Rights protection and War: the R2P: challenged or confirmed?
Subtitle
Semester SoSe 2026
Current number of participants 24
Home institute Institut für Politikwissenschaft
Courses type Seminar in category Teaching
First date Wednesday, 15.04.26, 18:00 - 20:00 o'clock

Rooms and times

No room

  • Wednesday, 18:00 - 20:00, weekly (from 15.04.26)

Informationen für das eVV

Veranstaltungs- und Datumsinfo Mittwoch, 18-20 - Zeughaus (Senckenberg Str. 3) Raum S4

Studienbereiche/Modulzuordnungen

Comment/Description

Die Idee, Menschenrechte in Übersee wenn nötig auch militärisch vor staatlicher Gewalt zu schützen, hat eine lange Tradition. So alt wie die gute Absicht manch intervenierender Staaten dahinter ist die darin angelegte Problematik einer Instrumentalisierung von als humanitär ausgewiesenen Interventionen für nicht humanitäre Zwecke durch sowohl westliche Demokratien als auch - und dies zunehmend - durch autoritär regierte und in ihren Zielen revisionistische Regional- und Großmächte. In dieser Lehrveranstaltung rekonstruieren, diskutieren und bewerten wir die Genese dieser gut gemeinten, aber potentiell gefährlichen Idee der Schutzverantwortung, die eine moralische begründete Handlungsnotwendigkeit und ein machtpolitisches Herrschaftsinstrument zugleich sein kann.

Dazu erarbeiten wir uns zunächst (1) die der R2P zugrundeliegenden Begriffe und Konzepte wie die "humanitäre" Intervention und die Lehre des "gerechten" Krieges. Diese sind zutiefst westlich geprägte (herrschaftliche und hegemoniale) Denkfiguren, die in einem ganz konkreten politischen Kontext entstanden sind. Außerdem erarbeiten wir uns ein Analyseraster, das für alle Vorträge zu den einzelnen Interventionen angewendet werden soll.
Anschließend (2) diskutieren wir im Lichte einschlägiger theoretischer Ansätze in der Lehre der (I)nternationalen (B)eziehungen (Realismus, Liberalismus, kritische Ansätze) mehr oder weniger bekannte Fälle sogenannter humanitärer Interventionen von Regional- und Großmächten im 19. und 20. Jahrhundert. Dazu gehören die Interventionen Frankreichs im heutigen Syrien und Libanon (1861) und Großbritanniens und Russlands Interventionen auf dem Balkan (1821-32, 1875-1878), die Intervention der USA auf Kuba (1898), Indiens in Ost-Pakistan (1971), Vietnams in Kambodscha (1978/79) oder der NATO in Bosnien und im Kosovo (1990er Jahre). Diese Interventionen erscheinen nämlich auf den zweiten Blick wesentlich weniger humanitär als von den intervenierenden Staaten suggeriert.
Schließlich (3) rekonstruieren wir den Weg zur Internationalen Schutzverantwortung (R2P) und illustrieren auch im Zusammenhang mit dieser neuen Norm in der internationalen Politik die Missbrauchsgefahr anhand diverser Fälle des kriegerischen Gewalteinsatzes im Namen des Menschenrechtsschutzes. Dazu gehören sogenannte "liberale Interventionen" wie die der NATO in Libyen (2011) ebenso wie Interventionen autoritärer Staaten, zum Beispiel Russlands auf der Krim (2014) oder Saudi-Arabiens Eingriff in den Bürgerkrieg im Jemen (seit 2015). Abschließend diskutieren wir Chancen und Risiken der R2P.


Literatur:

BELLAMY, A 2011: The Responsibility to Protect and International Law. Leiden: Nijhoff.

DENG, F, 1996: Sovereignty as Responsibility: Conflict Management in Africa. Washington D.C.: Brookings Institution.

HANSEL, M. / REICHWEIN, A. (Hg.) 2020: Die Internationale Schutzverantwortung: Etabliert. Herausgefordert. Gescheitert? Berlin/Münster/Wien/Zürich/London: LIT Verlag.

HASENCLEVER, A. 2001: Die Macht der Moral in der internationalen Politik: Militärische Inter-ventionen westlicher Staaten in Somalia, Ruanda und Bosnien-Herzegowina. Frankfurt: Campus Verlag.

HERACLIDES, A. / DIALLA, A. 2015: Humanitarian Intervention in the Long Nineteenth Centu-ry. Setting the Precedent. Manchester: University Press.

HINSCH, W. / JANSSEN, D. 2006: Menschenrechte militärisch schützen. Ein Plädoyer für huma-nitäre Interventionen. München: Beck.

KLOSE, F. 2022: In the cause of humanity : a history of humanitarian intervention in the long nineteenth century. Cambridge: University Press.

KRAUSE, D. 2024: Südliche Demokratien und der Streit über die internationale Ordnung: Analy-se der Positionen Indiens und Südafrikas zur Responsibility to Protect. Leverkusen: Verlag Budrich.

LOGES, B. 2015: Schutz als neue Norm in den internationalen Beziehungen. Der UN-Sicherheitsrat und die Etablierung der Responsibility to Protect. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften (VS).

MALOWITZ, K. / MÜNKLER, H. (Hg.) 2009: Humanitäre Intervention: Ein Instrument außenpolitischer Konfliktbearbeitung. Grundlagen und Diskussion. Wiesbaden: VS.

MERKEL, R. (Hg.) 2000: Der Kosovo-Krieg und das Völkerrecht. Frankfurt: Suhrkamp.

MORAN, C. 2025: The Evolution of Humanitarian-Intervention in International Law : From the Ottoman Empire to the Russia-Ukraine War. Leiden : Brill | Nijhoff.

REICHWEIN, A. / HANSEL, M. (eds.) 2023: Rethinking the Responsibility to Protect. Challenged or Confirmed? Heidelberg: Springer.

SIMMS, B. / TRIM, D.J.B. (eds.) 2011: Humanitarian Intervention: A History, Cambridge/UK: University Press.

SIMPSON, G. 2004: Great Powers and Outlaw States. Unequal Sovereigns in the International Legal Order. Cambridge/UK: University Press.

SWATEK-EVENSTEIN, M. 2008: Geschichte der Humanitären Intervention. Baden-Baden: Nomos.

THAKUR, R. 2006: The United Nations, Peace and Security: From Collective Security to the Responsibility to Protect. Cambridge: University Press.

WERKNER, I.J. 2019: Die internationale Schutzverantwortung im Lichte des gerechten Friedens (Frieden und Recht Band 3). Wiesbaden: Springer.

WHEELER, N. J. 2000: Saving Strangers. Humanitarian Intervention in International Society. Oxford: University Press.


SEMINARORGANISATION und LEISTUNGSANFORDERUNGEN:

(1) Das Seminar wird in deutscher und englischer (wahlweise) Sprache stattfinden.

(2) Wir tagen das gesamte Semester jede Woche mittwochabends 18.15 bis 19.45h.

(3) Für einen A1- und A2-Schein: Regelmäßige Teilnahme am Seminar; tragen Sie dafür Sorge, eingeflext und im zugänglichen StudIP-Kurs eingeschrieben zu sein.

(4) Aktive Teilnahme am Seminar, d.h. Mitarbeit in Form der Lektüre der deutsch- und englisch-sprachigen Pflichttexte (hochgeladen im Seminarordner in StudIP) und Beiträge zu den Diskussionen.

(5) Für einen A1- und A2-Schein: Referat oder alternative Leistungsform (Exzerpt, Essay, Thesenpapier, Recherche) zu einem von Ihnen gewählten Thema auf dem Seminarplan

(6) Für einen A1-Schein: Hausarbeit (Abgabe als pdf, hochzuladen im StudIP-Ordner Hausarbeiten, und in ausgedruckter Fassung im Sekretariat bei Frau Lamonica, Haus E) bis spätestens 30. September 2026.

Sie erhalten noch Guides zum wiss. Arbeiten und Anfertigen von Papieren (Exzerpt, Essay, Thesenpapier, Hausarbeit), zum Referat sowie eine Zusammenfassung der Leistungsanforderungen.

Admission settings

The course is part of admission "Anmeldung mit Passwort: Krieg für Menschenrechte? Die internationale Schutzverantwortung zwischen Anspruch und Missbrauch. Human Rights protection and War: the R2P: challenged or confirmed?".
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